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August 2021 / MARKETS & ECONOMY

China: Anlagechancen im Bildungssektor inmitten der Verkaufswelle

Wir analysieren, welche Unternehmen aus dem neuen regulatorischen Umfeld im Bildungssektor als Gewinner oder als Verlierer hervorgehen werden.

Auf den Punkt gebracht

  • Der chinesische Nachhilfesektor soll strenger reguliert werden, was bei den betreffenden Aktien eine massive Verkaufswelle ausgelöst hat. Allerdings sind die Entwicklungen längst nicht abgeschlossen. Regulatorische Änderungen haben an den chinesischen Aktienmärkten in den letzten zehn Jahren schon häufig für Turbulenzen gesorgt.
  • Die chinesischen Behörden haben immer klar darauf hingewiesen, dass sie den Bildungs-, Gesundheits- und Immobiliensektor ins Visier nehmen würden, um die soziale Gerechtigkeit zu stärken. An der allgemeinen Richtung der chinesischen Politik hat sich nichts geändert.
  • Auch wenn wir glauben, dass die aktuellen Entwicklungen historisch nicht außergewöhnlich sind, könnte dem privaten Bildungssektor insgesamt ein regulatorischer Überbau drohen, sodass es nun darauf ankommt, die Gewinner und Verlierer der Änderungen zu identifizieren.

Die regulatorischen Änderungen im chinesischen Nachhilfesektor sowie die darauffolgende Verkaufswelle bei Aktien von Bildungsplattformen sind noch nicht abgeschlossen. Unser Expertenteam untersucht derzeit, welche Folgen die aktuellen Entwicklungen insgesamt haben könnten. In diesem Beitrag erläutern wir die vorläufigen Ergebnisse unserer Analysen.

Wesentliche regulatorische Eingriffe sind in China keine Seltenheit

Auch wenn die aktuellen regulatorischen Änderungen relativ starke Eingriffe vorsehen, ist wichtig zu bedenken, dass solche Entwicklungen an den chinesischen Aktienmärkten in den letzten zehn Jahren häufig für Turbulenzen gesorgt haben – zuletzt in den Jahren 2012, 2015 und 2018. Am strategischen Kurs der chinesischen Regierung hat sich indes nichts geändert.

Die von Xi Jinping verfolgte Sozialpolitik stützt sich auf drei wichtige Säulen: Korruptionsbekämpfung, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Letztere will die Regierung jetzt durch eine strengere Regulierung des privaten Bildungssektors stärken. Während die Richtung der neuen Vorschriften den Erwartungen entspricht, sind die Durchsetzungsmechanismen wesentlich strenger, als wir oder der Markt es erwartet hatten.

Während die neuen Regulierungsvorschriften der Regierung lediglich auf die private Nachhilfe abzielen, untersuchen wir die Folgen für den gesamten Bildungssektor und für die Rentabilität anderer börsennotierter Unternehmen der Branche, die nicht im Bereich Nachhilfe tätig sind.

Ist das regulatorische Umfeld für Investoren schwieriger geworden?

Viele Investoren befürchten, dass das regulatorische Umfeld in China generell schwieriger und weniger anlegerfreundlich geworden ist. Unserer Meinung nach legt die chinesische Regierung ihre langfristigen Ziele und Prioritäten jedoch schon lange transparent dar – und an ihrem politischen Kurs hat sich nichts geändert. Während die Richtung der regulatorischen Eingriffe den Erwartungen entspricht, hat die Art und Weise, wie sie umgesetzt werden, in der letzten Woche doch für Überraschung gesorgt. Die chinesischen Behörden haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Bereiche Bildung, Gesundheitswesen und Immobilien ins Visier nehmen würden, um die soziale Gerechtigkeit zu stärken. In diesem Sinne setzt die Aufsichtsbehörde für das Bildungswesen ihre langfristigen politischen Ziele konsequent um. Die angekündigten Maßnahmen zur strengeren Regulierung des außerschulischen Bildungssektors haben uns zwar in ihrem Ausmaß überrascht, nicht jedoch in ihrer politischen Ausrichtung.

Müssen wir mit weiteren regulatorischen Risiken rechnen?

Wir gehen davon aus, dass sich der aktuelle Regulierungszyklus seinem Ende nähert, was wir gerade näher untersuchen, um einzuschätzen, welche Unternehmen als Gewinner oder Verlierer aus der Situation hervorgehen werden. Wir beobachten die Entwicklungen im Internetsektor sehr genau und glauben, dass die chinesische Regierung das Wachstum dieses wichtigen Sektors nicht ausbremsen will. Vielmehr will sie in diesem Sektor, der heute von einer Handvoll großer Plattformen beherrscht wird, durch einheitlichere Bedingungen für einen gerechteren und fairen Wettbewerb sorgen.

Die chinesische Regierung will für besser ausbalancierte Kräfteverhältnisse sorgen, indem sie ein ausgewogeneres operatives Umfeld für die Plattformen sowie ihre Nutzer, Lieferdienste und Mitarbeiter – in anderen Worten ein ausgewogeneres Ökosystem – schafft. Letztlich zielt sie damit darauf ab, Innovationen zu fördern und für ein breiteres Wachstum des Sektors zu sorgen. So ist die chinesische Politik darauf ausgerichtet, die monopolistischen Kräfte der neuen Digitalwirtschaft, die in allen Ländern der Welt Einzug gehalten hat, zu regulieren.

Ebenso im Gespräch ist die Öffnung der großen Internetplattformen für Wettbewerber. Eine solche Öffnung könnte unserer Ansicht nach die Weiterentwicklung des gesamten Ökosystems vorantreiben und die Bildung eines „Empire Building“ verhindern.

Mit Blick auf die Internetplattformen ist es unserer Meinung nach zu früh, um daraus zu schließen, dass die großen Plattformen definitiv als Verlierer hervorgehen werden. Vielmehr wird es darauf ankommen, wie jedes Unternehmen arbeitet, um die neuen Vorschriften zu erfüllen und um vielleicht sogar innovative Wege zu finden, das neue Umfeld wertschöpfend zu nutzen. Wir behalten die regulatorischen Pläne in diesem Bereich genau im Auge, da sich dadurch attraktive Kaufgelegenheiten eröffnen könnten. Wir glauben, dass einige große Plattformbetreiber potenziell auf der richtigen Seite des Wandels stehen und zu den Gewinnern zählen könnten.

Wie geht es für Gesundheits- und Immobilienunternehmen weiter?

Weitere Bereiche, die derzeit potenziell Sorge bereitet, sind das Gesundheitswesen und der Immobiliensektor – zwei Sektoren, die im Hinblick auf das politische Ziel der sozialen Gerechtigkeit im Fokus der chinesischen Politik stehen. Im Gesundheitssektor wurden bereits erhebliche regulatorische Änderungen vorgenommen, die alle darauf abzielen, die Gesundheitsversorgung erschwinglicher und zugänglicher zu machen. Wir sehen daher interessante Chancen für Gesundheitsanbieter, die Innovationen vorantreiben. Im Immobiliensektor wollen die chinesischen Behörden indes vor allem für erschwingliche Preise sorgen – eine Politik, die bereits seit fünf bis sechs Jahren verfolgt wird und die vor allem die Rentabilität von Anbietern geringerer Qualität gesenkt hat. Im Immobiliensektor favorisieren wir daher Verwaltungsgesellschaften, die auch gesellschaftliche Aufgaben (z. B. Müllentsorgung) erfüllen und durch eine staatliche Deckelung der Immobilienpreise kaum unter Druck geraten dürften.

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