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Oktober 2022 / INVESTMENT INSIGHTS

In die technologische Transformation des Gesundheitssektors investieren

Eine enorme Welle an Innovationen hat den Erfolg der mRNA-Impfstoffe erst ermöglicht.

Auch wenn wir die Coronapandemie noch nicht gänzlich hinter uns gelassen haben, hat der bemerkenswerte Erfolg des initiierten Impfstoffprogramms einen Meilenstein in der Geschichte der medizinischen Wissenschaft und der Gesundheitsbranche markiert. Bei T. Rowe Price sehen wir die schnelle Entwicklung von Impfstoffen – insbesondere von solchen, die auf der neuen mRNA-Technologie (mRNA steht für Boten-Ribonukleinsäure) basieren – nur als einen Teil einer wesentlichen Beschleunigung der medizinischen Forschung. Wir erwarten in den nächsten zehn Jahren eine massive Welle an Innovationen, die für langfristige, selektive Investoren eine Fülle an Anlagechancen eröffnet.

Unsere Anlagethese und -strategie beruht auf der Erkenntnis, dass Ärzte und Patienten gerade erst anfangen, die Früchte jahrelanger bedeutender Investitionen und medizinischer Entdeckungen zu ernten. Das Tempo, mit dem die Wissenschaft unser Verständnis von Krankheitsursachen vorantreibt, beschleunigt sich vor allem aufgrund der Fortschritte in der Genomik, d. h. der Untersuchung der menschlichen Gene und ihrer Wechselwirkung mit der Umwelt. Das internationale „Humangenomprojekt“ veröffentlichte im Juni 2000 einen ersten Arbeitsentwurf der gesamten DNA-Sequenz des menschlichen Genoms. Doch erst in den letzten zehn Jahren haben genombasierte Erkenntnisse praktische Anwendung in der Behandlung von Krankheiten gefunden, und erst seit kurzem werden genetisch basierte Tests und Medikamente von den Regulierungsbehörden zugelassen und für eine Kostenerstattung genehmigt. 

Hinter den mRNA-Impfstoffen steht eine Vielzahl an Fortschritten

Die Entwicklung hochwirksamer mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 wäre ohne die Kenntnis der DNA-Struktur sowohl des Menschen als auch des eindringenden Erregers gar nicht möglich gewesen. Ebenso wichtig war das zunehmend bessere Verständnis dafür, wie Proteine in gesunden und pathologischen Zuständen exprimiert werden. Mithilfe der Technologie von Illumina, einem führenden Anbieter von DNA-Sequenzierung, konnten Forscher in China bereits wenige Wochen nach Auftreten der ersten Infektionsfälle das vollständige Genom des neuen SARS-CoV-2-Virus veröffentlichen. Und binnen weniger Tage waren die Forscher von Moderna und BioNTech in Partnerschaft mit Pfizer in der Lage, den genetischen Code in ihre Software einzugeben und potenzielle Impfstoffkandidaten zu entwickeln, die auf das spezifische Spike-Protein des Virus abzielen. Im Ergebnis erlebten wir die schnellste Impfstoffentwicklung in der Geschichte – die zweitschnellste, für Mumps, dauerte vier Jahre.  

Die Entwicklung hochwirksamer mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 wäre ohne die Kenntnis der DNA-Struktur sowohl des Menschen als auch des eindringenden Erregers gar nicht möglich gewesen.

Moderna, Pfizer und BioNTech stehen jedoch offenbar erst am Anfang bei der Optimierung ihrer mRNA-Entwicklungsplattformen. Wir beobachten genau, welche Fortschritte sie und andere Unternehmen dabei machen. So hat beispielsweise Moderna einen Grippeimpfstoff entwickelt, der sich bereits in Phase III befindet – und zwei weitere in Phase I. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) traditionell sieben Monate vor Beginn der Grippesaison eine Empfehlung herausgibt, gegen welche Influenzavarianten ein Serum produziert werden sollte, könnte ein mRNA-Grippeimpfstoff in nur drei Monaten entwickelt werden – ein wesentlicher Vorteil, da Grippeviren tendenziell schnell mutieren. Moderna und andere Unternehmen arbeiten zudem an mRNA-Impfstoffen für zwei andere weit verbreitete Viren: das Cytomegalovirus (CMV), das bei Säuglingen zu Hörverlust und anderen langfristigen Problemen führen kann, und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das sowohl für sehr junge als auch für ältere Menschen gefährlich werden kann. Zuletzt kündigte Moderna eine Testphase für einen mRNA-Impfstoff gegen HIV an, gegen das man seit vier Jahrzehnten erfolglos nach einem Impfstoff sucht. Derweil arbeitet BioNTech an einem mRNA-Impfstoff gegen Malaria, an der noch immer jährlich rund 400.000 Menschen sterben. 

Moderna, Pfizer und BioNTech stehen (...) offenbar erst am Anfang bei der Optimierung ihrer mRNA-Entwicklungsplattformen. Wir beobachten genau, welche Fortschritte sie und andere Unternehmen dabei machen.

Neue Erkenntnisse und Technologien versprechen indessen nicht nur einen Erfolg bei Viruserkrankungen. Dank eines besseren Verständnisses des Fortschreitens von Krebs und anderen Krankheiten im Körper entwickeln die Forscher verschiedener Biotechunternehmen neue Techniken oder Wege zur Bekämpfung. Einige Unternehmen machen ermutigende Fortschritte in der Zelltherapie, also der Entwicklung von Immunzellen zur Krebsbekämpfung. Andere konzentrieren sich auf die Genom-Editierung, also die Veränderung der DNA in einer Zelle mithilfe eines speziell entwickelten Virus – ein Verfahren, für das zwei Pioniere erst im letzten Jahr den Nobelpreis für Chemie erhielten. Genom-Editierung bietet eine erlösende Aussicht auf Heilung von Erbkrankheiten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat vor kurzem die Verwendung in klinischen Studien zur Behandlung der Sichelzellkrankheit genehmigt.

Medikament, Unternehmen und Krankheit Übersicht

Nutzung der körpereigenen zellulären „Mülltonne“

Ein weiterer vielversprechender Bereich ist der gezielte Proteinabbau. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat zu einem besseren Verständnis des ungefähr analogen menschlichen Proteoms geführt, der Gesamtheit der Proteine, die in unseren Zellen exprimiert werden. Da Zehntausende dieser Proteine dafür verantwortlich sind, Krankheit und Gesundheit zu steuern, suchen Forscher schon lange nach Möglichkeiten, schädliche Proteine zu eliminieren. Während herkömmliche Medikamente, RNA-Interferenz und Gen-Editierung einige dieser schädlichen Akteure ins Visier nehmen können, haben Forscher kürzlich Wege gefunden, das Proteasom einer Zelle – oft als zelluläre „Mülltonne“ oder „Müllpresse“ bezeichnet – für diese Aufgabe zu gewinnen. Ähnlich wie Impfstoffe das körpereigene Immunsystem nutzen, dienen Medikamente, die den Proteinabbau fördern, als Katalysator, um eine Schutzreaktion auszulösen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Biotechunternehmen gegründet, die sich auf diese Technologie spezialisiert haben. Zugleich entwickeln große Pharmaunternehmen eigene Kapazitäten, oft in Partnerschaft mit anderen Unternehmen. So hat sich etwa Pfizer mit dem Biotech-Unternehmen Arvinas zusammengetan, um dessen Technologie zum gezielten Proteinabbau gegen Brustkrebs zu vermarkten.

Wie das Zusammenspiel der Gene ist auch die Funktionsweise der Zehntausenden von Proteinen im menschlichen Körper hochkomplex. Die Forscher sind heute jedoch in der Lage, die Fortschritte der künstlichen Intelligenz (KI) zu nutzen, um ein besseres Verständnis zu erlangen. Im Juli 2021 veröffentlichte das KI-Pionierlabor DeepMind, eine Tochtergesellschaft von Alphabet, die prognostizierten Strukturen von 350.000 Proteinen, einschließlich aller Proteine des menschlichen Proteoms. Das Verständnis der Struktur der Proteine und ihrer Faltung soll den Forschern helfen, Moleküle zu entwickeln, die sich an sie binden, was auf neue Behandlungsmöglichkeiten hoffen lässt.

Krebserkrankungen früher erkennen und behandeln

Flüssigbiopsien sind ein weiterer neuer Bereich, den wir mit großem Interesse beobachten. Viele Tumore hinterlassen Spuren im Blut des Patienten – die sogenannte zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA). Eine neue Generation von Unternehmen entwickelt „Flüssigbiopsie-Tests“ zum Nachweis verschiedener Arten von ctDNA. So hat etwa Guardant Health einen Test entwickelt, der Mutationen in bis zu 70 verschiedenen Genen aufspürt, die mit unterschiedlichen Krebsarten in Verbindung stehen. Erste Daten deuten darauf hin, dass sich durch Flüssigbiopsien ebenso effektiv Krebserkrankungen erkennen lassen wie durch herkömmliche chirurgische oder Nadelbiopsien, die mitunter schmerzhaft sind und zu Komplikationen führen. Flüssigbiopsien ermöglichen jedoch vor allem eine potenziell schnellere Erkennung und Behandlung von Krebserkrankungen – was Millionen Menschen jedes Jahr das Leben retten könnte.

Natürlich beschränken sich Innovationen nicht auf Biotechunternehmen und den zellulären Bereich. Tatsächlich beruhte der Erfolg der mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 in hohem Maße auf den Fortschritten im Bereich Life Sciences-Instrumente. Um die mRNA in die Zellen zu bringen, haben die Arzneimittelhersteller beispielsweise Innovationen bei der Herstellung von Liposomen genutzt – vereinfacht gesagt mikroskopisch kleine Fettbläschen, die die empfindliche mRNA umgeben und schützen. Das Herstellungsverfahren der neuen Impfstoffe wurde ferner durch die Verwendung von Einweg-Bioprozessbeuteln anstelle riesiger Bioreaktortanks aus Edelstahl beschleunigt. Die neu entwickelten Beutel können jeweils mehrere hunderttausend Dosen produzieren. So konnte mRNA innerhalb weniger Monate in kommerziellem Maßstab hergestellt werden – statt innerhalb von zwei oder drei Jahren, die früher benötigt wurden, um eine Produktionsanlage in Betrieb zu nehmen. 

Auch in anderen Bereichen des Gesundheitssektors versprechen Innovationen, uns gesünder zu machen – was für Investoren enorme Anlagechancen eröffnet. So liegt unser Fokus beispielsweise auf der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Derzeit entstehen Plattformen zur Zusammenführung von Patientendaten, die eine solidere Datenerfassung und -analyse ermöglichen, was Verbesserungen bei personalisierten Pflegeplänen und Therapien erwarten lässt. Patientendaten können heute über internetfähige Wearables und andere Geräte weitergeleitet werden und den Ärzten ein Warnsignal geben, wenn sich beispielsweise chronische Erkrankungen verschlechtern. So können beispielsweise mit dem Internet verbundene CPAP-Maschinen, die für einen kontinuierlich positiven Atemwegsdruck sorgen, Ärzten und Versicherern eine nächtliche Aufzeichnung über den Erfolg bei der Kontrolle der Schlafapnoe liefern.

Flüssigbiopsien ermöglichen (...) eine potenziell schnellere Erkennung und Behandlung von Krebserkrankungen – was Millionen Menschen jedes Jahr das Leben retten könnte.

Im Gesundheitssektor kommt es darauf an, selektiv zu investieren 

Die enorme Innovationswelle in den Gesundheitswissenschaften, insbesondere in der Biopharmabranche, hat eine Vielzahl an kleineren Unternehmen hervorgebracht, die neue Technologien und Therapiemöglichkeiten nutzen, wobei eine wachsende Zahl von ihnen bereits in früheren Entwicklungsstadien auf den öffentlichen Markt kommt.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Neugründungen im Biotech-Bereich explosionsartig gestiegen – von rund 200 börsennotierten Biotech-Unternehmen auf über 700. Der Zugang zu Kapital ist entscheidend, um Innovationen auf den Weg zu bringen. Die kontinuierlich wachsende Anzahl an Börsenunternehmen und die immer schneller werdende Disruption machen es den Anlegern jedoch zunehmend schwer, den Überblick zu behalten.

Wir glauben, dass eine aktive Titelauswahl und ein umfassendes Fundamentalresearch entscheidend sind, um im Biotech- und anderen Gesundheitsbereichen die Gewinner zu identifizieren. Wir glauben, dass wir mit unserem erfahrenen Investmentteam, in dem auch Analysten aus den unterschiedlichsten medizinischen und wissenschaftlichen Spezialgebieten arbeiten, und mit einem umsichtigen Investmentansatz einen wesentlichen Vorsprung bei der Identifizierung jener Unternehmen haben, die aufgrund innovativer Technologien, großer Zielmärkte und kompetenter Managementteams erheblich wachsen dürften.

Was jetzt wichtig ist 

Hersteller von medizinischen Produkten und Geräten scheinen gut positioniert zu sein, um von einer steigenden Nachfrage zu profitieren, da sich die Volumina für allgemeine diagnostische Verfahren und Operationen, von denen viele während der Coronapandemie verschoben wurden, wieder normalisieren. Auch wenn das Tempo der Erholung in diesen Bereichen je nach Art des Eingriffs und der Dringlichkeit variieren wird, gehen wir davon aus, dass die meisten aufgeschobenen Eingriffe neu geplant werden und die Zahl der Eingriffe in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.

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