Juni 2026, Anleihen
Enge Credit Spreads1 bei Unternehmensanleihen dürften die Diskussion an den globalen High-Yield-Märkten weiterhin bestimmen – sie erzählen jedoch nicht die ganze Geschichte. Die All-in Yields sind nach wie vor hoch, die Default Rates niedrig, und die verbesserte Kreditqualität und Liquidität ergeben insgesamt ein überzeugendes Bild. Zusammengenommen helfen diese vier Faktoren nicht nur, die Spread-Kompression zu erklären, sondern liefern auch gute Argumente für eine Allokation in High-Yield-Anleihen.
Die All-in Yields bleiben hoch und sind aus Ertragssicht attraktiv. In der Vergangenheit waren Investments auf vergleichbaren Renditeniveaus häufig ein Vorläufer attraktiver Renditen in den darauffolgenden Zeiträumen.
Interessanterweise können diese Renditen das tatsächliche Renditepotenzial mitunter sogar unterschätzen. In Märkten unterhalb von Investment Grade werden Anleihen häufig vor ihrer Fälligkeit refinanziert. Diese Dynamik kann die erwarteten Renditen erheblich beeinflussen, wird in den ausgewiesenen Yield-to-Maturity-Zahlen jedoch üblicherweise nicht berücksichtigt. Berücksichtigt man einen solchen vorzeitigen Takeout bei Anleihen, die unter pari gehandelt werden, ergeben sich in der Regel Gesamtrenditen, die über den ausgewiesenen Renditen liegen. Dies erhöht die Attraktivität von High Yield auch auf absoluter Basis.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist weder eine Garantie noch ein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Median der nachfolgenden Renditen seit dem 1. Januar 2012. Die dargestellten Performancezeiträume beginnen jeweils, nachdem die Indexrenditen die angegebene Yield-Schwelle überschritten hatten und in den vorangegangenen 30 Geschäftstagen nicht auf diesem Niveau gelegen hatten.
* Stand 31. März 2026: Yield to Worst – die niedrigstmögliche Rendite einer Anleihe mit vorzeitiger Rückzahlungsoption – des ICE BofA Global High Yield Index (siehe zusätzliche Angaben). Die Renditen werden täglich gemessen.
Der globale High-Yield-Markt wird durch den ICE BofA Global High Yield Index repräsentiert.
Konkrete Zahlen werden nur für den nachfolgenden Zwölfmonatszeitraum angegeben, da dieser tendenziell einen geeigneten Prognosehorizont darstellt. Die Performancezahlen für die Zeiträume von drei Monaten, sechs Monaten und zwei Jahren sind nicht negativ.
Quellen: ICE BofA, Analyse von T. Rowe Price. Siehe zusätzliche Angaben.
Auch der Vergleich mit anderen Assetklassen wie Aktien fällt überzeugend aus. Zum 21. Mai bot der J.P. Morgan Domestic High Yield Index einen Yield to Worst von 7,13 % und damit mehr als drei Prozentpunkte mehr als die Earnings Yield des S&P 500 Index.2 Dieser Abstand ist nicht nur aus Ertragssicht bemerkenswert, sondern auch deshalb, weil die Volatilität von Aktien in der Vergangenheit höher war als die von High-Yield-Anleihen. Die höhere Rendite, eine deutlich niedrigere Volatilität und ein potenziell geringeres Downside Risk gegenüber Aktien sprechen überzeugend für die Assetklasse.
Die Kreditqualität der High-Yield-Unternehmensanleiheindizes hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren erheblich verbessert. Gemessen am ICE BofA Global High Yield Index als Proxy waren zum 31. März 2026 62 % der Anleihen mit BB – dem höchsten Rating unterhalb von Investment Grade – bewertet, verglichen mit lediglich 39 % im Jahr 2007.
Stand: 31. März 2026.
Credit Ratings beseitigen das Marktrisiko nicht und können sich ändern. Bei den Ratings handelt es sich um die Durchschnittswerte der Ratings von Moody’s, S&P und Fitch. Als Zeitpunkt vor der globalen Finanzkrise wurde der 31. Januar 2007 verwendet.
Nur zu Illustrationszwecken. Quelle: ICE BofA Global High Yield Index.
Die verbesserte Kreditqualität zeigt sich auch am anderen Ende des High-Yield-Spektrums. Der Anteil von Emittenten mit CCC-Rating sank von durchschnittlich rund 15 % des Index im Jahr 2007 auf nur noch 7 % Ende März dieses Jahres.3
Ein weiterer Hinweis auf die verbesserte Kreditqualität ist der gestiegene Anteil besicherter Anleiheemissionen. Dies spricht für höhere Recovery Rates,4 da Anleger Ansprüche auf bestimmte Vermögenswerte oder Sicherheiten geltend machen können.
Darüber hinaus ist seit der globalen Finanzkrise (GFC) ein deutlicher Rückgang kleinerer Emissionen zu beobachten. Dies ist relevant, weil kleinere Deals tendenziell spekulativer sind: Die Emittenten befinden sich häufig in einer früheren Entwicklungsphase und weisen eine höhere Verschuldung auf, sodass ihre Kreditprofile in der Regel schwächer sind. Weniger kleine Deals sprechen daher für gesündere Marktbedingungen.
Zudem erzielen High-Yield-Unternehmen im Durchschnitt höhere Gewinne als vor der GFC, was ihnen größere finanzielle Flexibilität verschafft. Auch das durchschnittliche Laufzeiten- und Duration-Profil der High-Yield-Emittenten ist im Zeitverlauf deutlich zurückgegangen. Dadurch haben sowohl die Volatilität als auch die von Anlegern geforderte Risikoprämie abgenommen.
Insgesamt haben die Verbesserungen der Kreditqualität im High-Yield-Markt zu engeren Credit Spreads beigetragen.
Die Default Rates an den globalen High-Yield-Märkten liegen weiterhin unter ihren historischen Durchschnittswerten – ein Trend, der sich unseres Erachtens fortsetzen dürfte. Zwar bestehen derzeit erhöhte Bedenken hinsichtlich des Softwaresektors und Private Credit, wir sehen darin jedoch keine Anzeichen für breiter angelegte Probleme an den Kreditmärkten.
High-Yield-Unternehmen werden durch robuste Fundamentaldaten gestützt. Die Cash Ratios – ein Liquiditätsmaß, das die Fähigkeit eines Unternehmens zur Deckung seiner kurzfristigen Verpflichtungen widerspiegelt – sind erhöht, während die Leverage Ratios – die zeigen, welcher Anteil des Kapitals eines Unternehmens aus Fremdkapital besteht – weiterhin auf einem vergleichsweise soliden Niveau liegen.
Stand: 31. März 2026.
Nur zu Illustrationszwecken. Die Default Rates der Indexkomponenten wurden monatlich ermittelt. Die Berechnung der Default Rate erfolgt auf Basis des Nennwerts und der Emittentenausfälle über die jeweils letzten zwölf Monate und berücksichtigt Insolvenzen, ausgefallene Zahlungen und Liability-Management-Maßnahmen.
Quellen: BofA Merrill Lynch, J.P. Morgan Chase & Co., Moody’s Investors Services.
High-Yield-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren zudem eine beträchtliche Widerstandsfähigkeit bewiesen und mehrere Schocks verkraftet – von Covid über die Energiekrise 2022 bis hin zu Zöllen. Zusammengenommen stützen diese Faktoren High-Yield-Unternehmen und dürften ihnen helfen, den diesjährigen Energiepreisschock zu bewältigen.
Neben dem Default Risk sollten High-Yield-Anleger auch für Volatilitäts- und Illiquiditätsrisiken entschädigt werden. Die Liquidität am globalen High-Yield-Markt hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verbessert, insbesondere durch die zunehmende Verbreitung von Electronic Trading und Portfolio Trading.
Auch die Bid/Ask Spreads – die Differenz zwischen dem Preis, den Käufer zu zahlen bereit sind, und dem Preis, den Verkäufer akzeptieren – haben sich verengt. Dies ist ein weiteres Zeichen für die verbesserte Liquidität.
Eine strukturell höhere Liquidität impliziert daher eine niedrigere erforderliche Liquiditätsprämie. Auch dieser Faktor trägt zur Verengung der Spreads bei.
Der globale High-Yield-Markt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten erheblich gewandelt. Heute ist er etwa sechsmal so groß wie im Jahr 2000. Durch dieses Wachstum ist ein globaleres und vielfältigeres Anlageuniversum entstanden, das eine breite Palette von Ländern, Sektoren und Emittenten umfasst.
Dieses breitere Opportunity Set kann die Diversifikation5 verbessern, indem es Exposure gegenüber unterschiedlichen Konjunktur- und Kreditzyklen ermöglicht – ein Aspekt, der für Anleger im heutigen Marktumfeld besonders relevant ist.
Es steht außer Frage, dass die Spreads im historischen Vergleich eng sind. Dies muss jedoch im Kontext der erheblichen strukturellen Veränderungen am globalen High-Yield-Markt betrachtet werden. Die Kreditqualität hat sich verbessert, die Unternehmen befinden sich insgesamt in einer robusten Verfassung, und die Liquidität ist höher.
Zusammen mit attraktiven und wettbewerbsfähigen All-in Yields liefern diese Faktoren überzeugende Argumente für die Assetklasse.
1 Der Credit Spread bezeichnet die Renditedifferenz zwischen Wertpapieren mit ähnlicher Laufzeit, aber unterschiedlicher Kreditqualität. Sich ausweitende Spreads deuten im Allgemeinen auf eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit von Unternehmensemittenten hin, während sich verengende Spreads auf eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit hindeuten.
2 Die Earnings Yield entspricht den erwarteten Konsensgewinnen für die kommenden zwölf Monate dividiert durch den Kurs. Quelle: Bloomberg Finance L.P.
3 Emittenten mit CCC-Rating fallen in eine der niedrigsten Ratingkategorien, befinden sich jedoch nicht im Default.
4 Die Recovery Rate bezeichnet den prozentualen Anteil des eingesetzten Kapitals, den ein Anleger im Fall eines Defaults zurückerhält.
5 Diversifikation kann weder einen Gewinn gewährleisten noch vor Verlusten in fallenden Märkten schützen.
T. Rowe Price weist darauf hin, dass wirtschaftliche Schätzungen und zukunftsgerichtete Aussagen zahlreichen Annahmen, Risiken und Unsicherheiten unterliegen, die sich im Zeitverlauf ändern. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich von den in Schätzungen und zukunftsgerichteten Aussagen erwarteten Ergebnissen abweichen, und künftige Ergebnisse können erheblich von der historischen Wertentwicklung abweichen. Die hierin dargestellten Informationen dienen ausschließlich illustrativen Informationszwecken. Historische Daten, die als Grundlage für Analysen verwendet werden, beruhen auf Informationen, die von T. Rowe Price sowie aus Drittquellen zusammengetragen wurden und nicht verifiziert worden sind. Prognosen basieren auf subjektiven Einschätzungen zu Marktumfeldern, die möglicherweise niemals eintreten. Zukunftsgerichtete Aussagen gelten nur zu dem Zeitpunkt, zu dem sie gemacht werden. T. Rowe Price ist nicht verpflichtet und übernimmt keine Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen zu aktualisieren.
Risiken
Festverzinsliche Wertpapiere unterliegen Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken, Kündigungsrisiken und Zinsänderungsrisiken. Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse von Anleihen in der Regel. Anlagen in High-Yield-Anleihen sind mit höheren Risiken in Bezug auf Kursschwankungen, Illiquidität und Ausfall verbunden als höher bewertete Schuldtitel. Internationale Anlagen können aufgrund nachteiliger Auswirkungen von Wechselkursen, Unterschieden in Marktstruktur und Liquidität sowie länder-, regional- und wirtschaftsspezifischer Entwicklungen riskanter sein als Anlagen in den USA. Diese Risiken sind bei Anlagen in Schwellenländern in der Regel stärker ausgeprägt.
Zusätzliche Angaben
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Weitere Informationen, einschließlich Definitionen und Quelldaten, finden Sie in den Angaben der Indexanbieter: troweprice.com/marketdata.
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