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Mai 2021 / BLOG

Die Finanzmärkte in Zeiten multipler Krisen

Welche Chancen birgt der neue politische Kurs unter Joe Biden?

Auf den Punkt gebracht:

  • Vor dem Hintergrund multipler, miteinander verwobener Krisen, deren Erbe die Biden-Administration angetreten ist, sind die Anleger nach wie vor besorgt um das legislative und regulatorische Umfeld in den USA.
  • Die Corona-Pandemie hat an den Finanzmärkten für neue Unsicherheit gesorgt, und sie wirft die Frage auf, welche Maßnahmen die Regierungen ergreifen werden, um aus der Krise herauszukommen.
  • US- Präsident Joe Biden spricht nicht länger von „Transformation“, sondern von „Krisenmanagement“ – das die legislative und regulatorische Agenda der nächsten vier Jahre maßgeblich bestimmen dürfte.

 

Bei T. Rowe Price werden unsere Analysten und Portfolioverwalter in allen Phasen des Anlageverfahrens durch unser Public Policy Research-Team unterstützt. Zudem arbeiten wir eng mit unserem Team für ESG (Umwelt, Gesellschaft, Unternehmensführung) zusammen, um politische Katalysatoren und Risiken in unser Indikatormodell für verantwortliches Investieren (Responsible Investing Indicator Model, RIIM) zu integrieren. Zugleich unterstützen wir die Anleger dabei, einzuschätzen wie sich die potenziellen Ergebnisse und Folgen gesetzlicher, regulatorischer und rechtlicher Entscheidungen einzelne Investments und Branchen auswirken könnten.

US-Politik bereitet weiter Sorgen – jedoch anderer Natur

Von 2016 bis 2020 hat die politische Unsicherheit in Bezug auf das legislative und regulatorische Umfeld deutlich zugenommen. Trotz der höheren wirtschaftspolitischen Unsicherheit erlebte der US-Aktienmarkt eine anhaltende Rally, im Zuge derer der&P 500 um mehr als 1.000 Punkte zugelegt hat (Abbildung 1).

Im Laufe des Jahres 2021 haben sich die Anleger zunehmend besorgt um das legislative und regulatorische Umfeld gezeigt – allerdings aus einem völlig neuen Grund: dem Krisenmanagement. Die Corona-Pandemie hat für eine Markt- und Wirtschaftsunsicherheit gesorgt, die den Zukunftsausblick der Anleger verändert hat – und zwar bezüglich der Frage, wie eine „neue Normalität“ für die Weltwirtschaft aussehen wird und welche Instrumente die Regierungen einsetzen, um die Krise und die daraus resultierenden Folgen zu überwinden.

Wirtschaftspolitische Unsicherheit (EPU-Index) vs. S&P 500

Abbildung 1: Vor dem Hintergrund eines komplexen Krisengeflechts hat die politische Unsicherheit zugenommen

Wirtschaftspolitische Unsicherheit (EPU-Index) vs. S&P 500

Stand: 31. Januar 2021.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.
1 Der Index besteht aus drei Komponenten und wird aus den drei betreffenden Datensätzen ermittelt. Eine Komponente quantifiziert die Medienberichterstattung über wirtschaftspolitische Unsicherheit. Eine zweite Komponente spiegelt die Anzahl der Bestimmungen des Bundessteuergesetzes wider, die in den kommenden Jahren auslaufen. Die dritte Komponente verwendet die Uneinigkeit unter den Wirtschaftsprognostikern als Maß für die Unsicherheit.
Quelle: „Measuring Economic Policy Uncertainty“ von Scott Baker, Nicholas Bloom und Steven J. Davis: http://www.PolicyUncertainty.com. S&P-Indizes (siehe Abschnitt „Zusätzliche Angaben“). Daten auf 100 umbasiert.

US-Präsident Biden spricht bei der Beschreibung seines Kurses (...) nicht länger von „Transformation“, sondern von „Krisenmanagement“. Zugleich beschreibt er seine Regierung als Quelle der Stabilität für amerikanische Familien und Unternehmen ...

In diesem Rahmen spricht US-Präsident Biden bei der Beschreibung seines Kurses daher nicht länger von „Transformation“, sondern von „Krisenmanagement“. Zugleich beschreibt er seine Regierung als Quelle der Stabilität für amerikanische Familien und Unternehmen – nicht nur bei der Bewältigung der Gesundheits- und Wirtschaftskrise, sondern auch beim Umgang mit Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Rassenungleichheit.

Die Herausforderung, verflochtene Krisen zu bewältigen

Die oberste Priorität der Biden-Administration liegt darin, der Nation zu helfen, sich von den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu erholen.

Corona-Pandemie: Gesundheits- und Wirtschaftskrise

Die oberste Priorität der Biden-Administration liegt darin, der Nation zu helfen, sich von den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu erholen. Daher erwarten wir, dass die US-Regierung ihren Fokus im kommenden Jahr auf wegweisende Konjunkturprogramme legen wird: den am 11. März 2021 unterzeichneten „American Rescue Plan Act“ im Volumen von etwa 1,9 Billionen US-Dollar und den „Build Back Better Plan“, der zwei Komponenten umfasst: den „American Jobs Plan“, der Investitionen in saubere Energie und Infrastruktur vorsieht, und den „American Families Plan“, der Investitionen in die „menschliche Infrastruktur“ in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und das allgemeine soziale Sicherheitsnetz beinhaltet. Das Gesamtvolumen der geplanten Programme erfordert schätzungsweise 2 bis 4 Billionen Dollar zusätzliche Ausgaben und 1 bis 2 Billionen Dollar an Mehreinnahmen.

Insgesamt sehen diese Pläne eine staatliche Wirtschaftsförderung in einem historisch beispiellosen Umfang und ein hohes Volumen an direkten Transferzahlungen an Verbraucher sowie Anreize für erneuerbare und grüne Technologien vor. Die „Build-Back-Better-Plattform“ investiert unter anderem in bestehende Infrastrukturen und schafft für den Versorgungs- und andere Sektoren Möglichkeiten für die Modernisierung von Stromnetzen, Breitband-Internet, Transport und Wassersystemen. Die Biden-Administration könnte zudem versuchen, bedeutende Arbeitsreformen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Erhöhung des Mindestlohns einzubringen – obwohl diese im Kongress scheitern dürften. Derartige Änderungen hätten erhebliche Auswirkungen auf die Erholung in einigen Sektoren während und nach der Pandemie und werden die allgemeinen Erwartungen der Anleger hinsichtlich Steuerpolitik, BIP-Wachstum und Inflation verändern.

Klimawandel: Gesetzgeberische Anreize und regulatorische Abschreckungsmaßnahmen

Obwohl ein umfassendes, progressives Umweltreformpaket wie der „Green New Deal“ in der laufenden Amtszeit des Präsidenten unwahrscheinlich ist, erwarten wir eine deutliche Abkehr vom regulatorischen Status Quo, da Bidens umweltpolitische Agenda so progressiv ist wie keine zuvor in der Geschichte der USA. Insbesondere versucht die Biden-Administration, den Verbrauchern und der Industrie durch die Gesetzgebung Anreize zur Einführung umweltfreundlicher Technologien – wie Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien – zu geben, während die fortgesetzte Nutzung und Produktion fossiler Brennstoffe durch Regulierungen, die einseitig durch die Bundesbehörden umgesetzt werden können, verhindert werden soll. Die USA sind zudem dem Pariser Klimaabkommen wieder beigetreten. Zugleich wird Biden versuchen, ressortübergreifende Forschungsinitiativen auf den Weg zu bringen, um politische Empfehlungen für Klima-Innovationen wie die Dekarbonisierung zu fördern. Wir gehen außerdem davon aus, dass die Biden-Administration strengere Anforderungen an die Offenlegung und Bewertung der unternehmerischen Klimarisiken anstrebt, was sich auf unsere Analyse der Umweltrisiken der betreffenden Unternehmen auswirken wird. Wir sehen in diesen Veränderungen die Chance, aktiv mit den Unternehmen, an denen wir beteiligt sind, zusammenzuarbeiten, ihnen unsere Erfahrungen und unser Knowhow zur Verfügung zu stellen und sie bei Bedarf hinsichtlich der besten Offenlegungspraktiken zu beraten.

Gesellschaftliche Spaltung: Bürgerrechte, Wohlstandsungleichheit und Populismus

Joe Biden hat die Rassenungerechtigkeit ausdrücklich als zentrale Krise der Vereinigten Staaten bezeichnet, die mit grundlegenden Problemen wie der Ungleichheit des Wohlstands einhergeht. Wir gehen daher davon aus, dass die US-Regierung Regelungen und politische Entwicklungen anstrebt, die die Rassengleichheit fördern und die Rechte der Arbeitnehmer stärken. Dazu gehören Vorschriften zur Verbesserung des Arbeitnehmerschutzes, eine rhetorische Unterstützung der Gewerkschaften, das Eintreten für einen höheren, bundeseinheitlichen Mindestlohn sowie die Veranlassung bundesstaatlicher Untersuchungen zur Aufdeckung und Ahndung diskriminierender Praktiken. Dazu zählt zudem die Umsetzung progressiverer Vorschläge zur Unternehmens- und Personenbesteuerung, um die ungleiche Verteilung des Reichtums in den Vereinigten Staaten anzugehen. Obwohl ein politischer Stillstand (gridlock) die Demokraten daran hindern könnte, einige dieser Ziele zu erreichen, gehen wir davon aus, dass die Biden-Administration alle verfügbaren exekutiven und regulatorischen Möglichkeiten nutzen wird, um ihre Pläne umzusetzen.

Nach dem Anschlag auf das Kapitol am 6. Januar hat die Sorge um gefälschte und propagandistisch motivierte Informationen – verstärkt durch Algorithmen, die für eine anhaltende Isolierung bestimmter demografischer und geografischer Gruppen in den USA sorgen – zu einem erneuten Vorstoß für eine strengere Regulierung der Technologiekonzerne geführt. Wir werden genau beobachten, wie die Plattformbetreiber auf die Bedenken in Bezug auf Datenschutz, Haftung für Inhalte und Marktkonzentration reagieren, wenn der Kongress, das Justizministerium, die Federal Trade Commission (FTC) und die Federal Communications Commission (FCC) die ersten Vorschläge zur Regulierung des Unternehmensverhaltens vorlegen. Aus Sicht der Anleger könnten sich solche regulatorischen Maßnahmen in erheblichem Maße auf die Geschäftstätigkeit und die Gewinne der betreffenden Unternehmen niederschlagen.

Da die US-Bundesregierung weiterhin auf die durch die Corona-Pandemie verursachten Folgen reagiert – und sich zugleich mit den durch den Klimawandel und die gesellschaftliche Spaltung verursachten Krisen befasst –, erwarten wir weitere politische Veränderungen, die sich erheblich auf die Finanzmärkte auswirken könnten.

US-Politik in unseren Investmentanalysen

Da die US-Bundesregierung weiterhin auf die durch die Corona-Pandemie verursachten Folgen reagiert – und sich zugleich mit den durch den Klimawandel und die gesellschaftliche Spaltung verursachten Krisen befasst –, erwarten wir weitere politische Veränderungen, die sich erheblich auf die Finanzmärkte auswirken könnten. Wir behalten die Maßnahmen der Regierung weiterhin genau im Auge und berücksichtigen diese in unseren Fundamentalanalysen, um für unsere Anleger weiterhin eine erstklassige Performance zu erzielen.

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