PRICE POINT – IN KÜRZE

Großbritannien tendiert zu klarem Schnitt mit der EU

T. Rowe Price

Zusammenfassung

  • Die neue britische Premierministerin Theresa May hat angekündigt, dass Großbritannien den Prozess zum Austritt aus der Europäischen Union bis Ende März 2017 beginnen wird.

 

  • Dieser Schritt hat die Ungewissheit darüber reduziert, wie der Austritt des Landes aussehen wird. Allerdings hat er auch die Sorge über die möglichen Auswirkungen eines sogenannten „harten Brexit“ verstärkt.

 

  • Aus unserer Sicht signalisieren Mays Ankündigung und der angeschlagene Ton weniger marktfreundliche Regierungsmaßnahmen, die den Wachstumsaussichten Großbritanniens schaden und den Pfund schwächen könnten.

 

  • Die anhaltende Unsicherheit des Markts wird jedoch geduldigen Anlegern mit einem langfristigen Anlagehorizont Chancen eröffnen.

 

Mays Rede auf ihrer ersten Konferenz der Konservativen Partei als Premierministerin am 2. Oktober war der bisher stärkste Indikator dafür, dass sie die „harte“ Option bei der Trennung von der EU bevorzugt, nämlich einen vollen Austritt aus der Zollunion und dem europäischen Binnenmarkt.

 

„Bei der Einleitung des Austritts gemäß Artikel 50 wird es keine unnötigen Verzögerungen geben. Wir werden den Austritt einleiten, sobald wir dazu bereit sind. Und wir werden bald bereit sein. Wir werden Artikel 50 spätestens Ende März nächsten Jahres aktivieren“, erklärte May.

 

Quentin Fitzsimmons, ein Portfoliomanager des Anleihenteams von T. Rowe Price, meint: „Das Brexit-Referendum wurde mit den Stimmen jener Menschen gewonnen, die vom Status quo nicht profitiert haben. May versucht, ihre Unterstützung und ihr Vertrauen zu gewinnen, damit sie die nächste Unterhauswahl für sich entscheiden kann. Eine härtere Brexit-Linie ist jetzt wahrscheinlicher, da Mays Regierung das Ergebnis der Abstimmung als ein deutliches Signal dafür interpretiert, dass die Kontrolle über die Grenzen und die Immigration bei den kommenden Brexit-Verhandlungen nicht verhandelbar ist.“

 

„Bei Mays Haltung geht es um Politik, sozialen Zusammenhalt und Recht. Die Wirtschaft scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen“, fügt Fitzsimmons hinzu. „Es wird oft gesagt, dass die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher von allem den Preis, aber von nichts den Wert kannte. May kennt den Wert vieler Dinge, kümmert sich aber weniger um den Preis. Wirtschaftliche Aspekte scheinen ihr weniger wichtig zu sein als ihre Vision Großbritanniens als autonome Gesellschaft.“

 

Fitzsimmons glaubt, dass das britische Pfund – der liquideste Vermögenswert Großbritanniens – weiter abwerten, aber nicht Parität mit dem US-Dollar erreichen wird. Er erläutert: „May ist der Überzeugung, dass die derzeitige Geld- und Fiskalpolitik den Wohlstand jener nicht gefördert hat, die auf Ersparnisse angewiesen sind und kein Anlagevermögen haben – also eines großen Teils der Bevölkerung – und dass es Aufgabe der Regierung ist, dies richtigzustellen. Für Anleger in Pfund-Märkte ist dies ein Alarmzeichen. Sowohl das Pfund als auch die britischen Staatsanleihen werden trotz der bereits erkennbaren Schwäche weiterhin anfällig bleiben.“

 

„Wenn das Pfund an Wert verliert, steigt der Wert des Nettoeinkommens aus dem Ausland und das Nettoeinkommen, das aus Großbritannien abfließt, ist für Ausländer weniger wert. Das Leistungsbilanzdefizit könnte sich also über die Kapitalflüsse reduzieren“, erklärt er. „Das Handelsbilanzdefizit könnte sich durch die Schwäche des Pfunds jedoch vergrößern. Im Großen und Ganzen wird sich die Mischung ändern und es könnten viele Stolpersteine im Weg liegen. Wir haben uns in Bezug auf britische Staatsanleihen defensiver positioniert und behalten unsere Untergewichtung des britischen Pfunds bei.“

 

Das Risiko eines „harten Brexit“ bedeutet, dass „die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Unterstützung der Bank of England durch niedrigere Zinsen und eine Verlängerung des aktuellen quantitativen Lockerungsprogramms gestiegen ist“, so Fitzsimmons. „Paradoxerweise verstärkt die Schwäche des Pfunds den globalen Disinflationsdruck, selbst wenn sie ein potenzielles Alarmsignal für eine beharrlichere Inflation in Großbritannien darstellt.“

 

Dean Tenerelli, Portfoliomanager, European Equities, glaubt, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten für Großbritannien und Europa durch die Möglichkeit eines harten Brexit verschlechtert haben, obwohl sich die Wirtschaft seit der britischen Abstimmung im Juni sowohl in Großbritannien als auch in Europa als robust erwiesen hat. Er fügt hinzu, dass der Austrittsprozess „lang und komplex“ sein wird.

 

Tenerelli erläutert, dass sein Portfolio „ausgewogen und mit einer Mischung aus Wachstums- und Substanzwerten“ strukturiert ist. „Dies sollte von Vorteil sein, wenn sich die Wirtschaft weiterhin kontinuierlich erholt oder aufgrund der Bedrohungen durch den Brexit ins Stocken gerät.“

 

„Wir positionieren das Portfolio nicht, um von einer spezifischen Entwicklung zu profitieren, da wir unserer Meinung nach keinen Vorteil gegenüber anderen Akteuren haben und ebenfalls nicht wissen, was das Ergebnis des Austritts sein wird“, fügt Tenerelli hinzu.

 

„Instabilität stehen wir am besten durch, indem wir in attraktiv bewertete Qualitätsunternehmen investieren“, betont Tenerelli. „Wir gehen davon aus, dass diese Eigenschaften in Zeiten der Unsicherheit belohnt werden.“

 

Ben Griffiths, Portfoliomanager, European Small-Cap Equities, erklärt, dass er dazu tendiert, sein Engagement in Großbritannien zu reduzieren. „Insbesondere bestimmte zyklische Titel sind anfällig gegenüber einem potenziellen Rückgang der Nachfrage. Wir werden den Erlös in neue Chancen investieren. Der europäische Finanzsektor ist ein interessanter Bereich. In der Zwischenzeit sind wir bereit, eine Barquote beizubehalten, die höher ist als gewöhnlich“, ergänzt Griffiths.

 

2016-GL-4949

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