Weitere Impulsgeber für Kuwaits Banken

Oliver Bell , Portfolio Manager

 

Nach der Rückkehr von unserer Research-Reise nach Kuwait 2017 glaubten wir, die Wirtschaft des Landes wäre nach der langen Durststrecke im Anschluss an die Finanzkrise von 2008 wieder in einer besseren Verfassung. Was unsere Begeisterung damals etwas im Zaum hielt, war der Umstand, dass nach der Ankündigung von FTSE Russell, Kuwait in den Schwellenländerindex aufzunehmen, viele Aktien massiv zugelegt hatten. Trotz einiger erfreulicher Treffen und obgleich sich die fundamentale Lage bei einigen Unternehmen deutlich gebessert hatte, erschienen die Bewertungen hoch. An unserer erheblichen Untergewichtung auf Länderebene hielten wir daher fest.

 

Heute, fast ein Jahr später, ist die erste Phase von Kuwaits Aufnahme in den Schwellenländerindex von FTSE abgeschlossen. Das Risiko-Rendite-Profil wirkt attraktiver und das Bankensystem erholt sich weiter: Die Margen steigen aufgrund von Zinserhöhungen, einer Beschleunigung des Kreditwachstums und der laufenden Verbesserung der Asset-Qualität. Finanzanalystin Iona Dent ist im September erneut nach Kuwait gereist, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und unsere Anlagethesen für den Banken- und den Immobiliensektor zu überprüfen.

 

  • Die Wirtschaft hat sich stabilisiert, und die Unternehmen beurteilen die gesamtwirtschaftlichen Aussichten positiv. Beim aktuellen Ölpreis dürfte Kuwait in diesem Jahr einen Haushaltsüberschuss von rund 13,5% und einen Leistungsbilanzüberschuss von 12% erzielen.1
  • Unser Vertrauen in den Bankensektor ist deutlich gewachsen. Der Anstieg der Ausgaben für Projekte und das damit verbundene Kreditwachstum zeigen Wirkung, die Margen steigen angesichts steigender Zinssätze und es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Rückstellungen für Verluste aus dem Kreditgeschäft mittelfristig normalisieren dürften.
  • Trends, auf die Anleger langfristig achten sollten, sind etwa die Einführung von Hypothekengesetzen und die wachsende Präferenz für Bankdienstleistungen, die mit den Grundsätzen des Islam vereinbar sind – beide könnten für einige Unternehmen wichtige Impulsgeber sein.
  • Unsere Begeisterung über die Chancen in Kuwait wächst und wir entdecken Unternehmen mit einer besseren Unternehmensführung und größeren Wachstumschancen. Daher haben wir die Allokation in unseren Portfolios schrittweise auf nunmehr fast 20% erhöht. Unsere langjährige, starke Untergewichtung des Landes im Vergleich zum Index beträgt daher per Ende September 2018 nur noch 2%.
Die Managementteams beurteilten die Aussichten des Landes optimistisch, da Kuwait in diesem Jahr wohl einen Haushalts- und Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften wird. Das BIP-Wachstum dürfte sich 2019 beschleunigen.


Während unserer Reise trafen wir uns mit Vertretern von sieben der zehn Banken, die zum Bankensystem Kuwaits gehören. Alle sieben Banken berichteten, dass in nächster Zeit mit einem soliden Kreditwachstum zu rechnen sei, was überwiegend an höheren Staatsausgaben für Projekte liege. Die Umsetzung des Staatshaushalts hat sich markant verbessert, und Projektgenehmigungen erfolgen dank eines optimierten politischen Prozesses nun zügiger.

 

Die Managementteams beurteilten die Aussichten des Landes optimistisch, da Kuwait in diesem Jahr wohl einen Haushalts- und Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften wird. Das BIP-Wachstum dürfte 2019 anziehen – unterstützt durch höhere Ölpreise, höhere Ölfördermengen, höhere Projektausgaben und aufgeschobene Sparmaßnahmen. Beispielsweise wurde die Einführung von Mehrwert- und Verbrauchssteuern auf 2021 verschoben.

 

Wir trafen Vertreter von Kuwaits größter Bank, der National Bank of Kuwait (NBK), die wegen ihrer hohen Qualität und ihrer führenden Stellung im Privatkundengeschäft eine Kernposition in unserem Frontier-Portfolio ist. Die Bank scheint gut positioniert zu sein, um von den gestiegenen Projektausgaben zu profitieren, auch dank der umfangreichen Bilanz und der konzentrierten Struktur des kuwaitischen Bankensystems, in dem NBK einen Marktanteil von 30%2 hält. Die Erträge haben etwas unter den extrem hohen Rückstellungen gelitten. Wir erwarten aber, dass sich dies in den nächsten beiden Jahren normalisieren wird. Die Eigenkapitalrendite (ROE) dürfte von rund 10% auf 15%3 klettern. Nicht beeinträchtigt haben die Rückstellungen jedoch den Aktienkurs, der seit 2016 stark gestiegen ist.

 

Eines der interessantesten Treffen war jenes mit der NBK-Tochter Boubyan Bank, die mit islamischen Bankdienstleistungen eine Nische besetzt. Dieser Sektor wächst schneller als das herkömmliche Bankgeschäft und könnte dieses bald hinter sich lassen. Die Nachfrage nach islamischen Dienstleistungen ist in den letzten Jahren förmlich explodiert, und dieser Trend dürfte künftig noch weiter Fahrt aufnehmen. Nach Aussage der Experten, die wir trafen, würden 70% der Menschen in Kuwait, wenn sie die Wahl zwischen zwei ansonsten ähnlichen Konten hätten, die islamische Variante vorziehen.

 

Die Bank wurde 2004 gegründet und hatte 2010 einen Marktanteil von 2%. Diesen hat sie mittlerweile auf 8,5%4 ausgebaut und konkurriert nun mit den größten Akteuren in dem Sektor. Da es sich um eine relativ junge Bank handelt, ist eine gute Asset-Qualität zu erwarten, da sie keine solchen Probleme mit dem Altgeschäft hat wie andere Banken. Außerdem ist der Bestand an Verbraucherkrediten zu 100% durch Löhne und Gehälter besichert – ebenfalls ein Indiz für die hohe Qualität. Weitere Wettbewerbsvorteile ergeben sich daraus, dass Boubyan Bank früh in digitale Dienste und Kundenservices investiert hat, was zu hoch entwickelten Systemen geführt hat. Dies zog eine junge Kundenbasis mit einem Durchschnittsalter von unter 30 Jahren an.

 

Ein Thema, das bei vielen Treffen angesprochen wurde, war das geplante Hypothekengesetz. Aktuell gibt es so etwas in Kuwait nicht, es gibt also auch keine Hypotheken. Dafür ist der Anteil der Verbraucher- und Ratenkredite erheblich größer. Der Entwurf des neuen Hypothekengesetzes wurde von Ausschüssen innerhalb der Zentralbank ausgearbeitet und dürfte bis 2021 verabschiedet werden. Kunden könnten dann für einen Hauskauf rund dreimal so viel Geld leihen wie heute. Vor allem Banken mit starkem Privatkundengeschäft und solider Kapitalausstattung könnte dies kräftige positive Impulse geben. NBK und Boubyan Bank könnten unserer Ansicht nach potenzielle Nutznießer sein.

 

Neben den Treffen mit Banken haben wir eine neue Mall besichtigt, die von Mabanee betrieben wird, einer neuen Position im Immobilienbereich in der Strategie. Diese Mall war eher ein „Erlebnis“ als ein Ort zum Einkaufen – mit zwei Hotels, zahlreichen Restaurants und vielen Besucher, die zwar auch zum Shoppen dort waren, zweifellos aber auch zum Verweilen und Ausgehen. Seit ihrer Eröffnung in diesem Sommer wurde sie von durchschnittlich 100.000 Menschen pro Tag besucht; das Ladengeschäft der internationalen Kette Sephora in dieser Mall ist das rentabelste der Welt.

 

Das Tempo, mit dem neue Geschäfte eröffnet werden, nimmt zu, und heute liegt die Vermietungsquote der Mall bei annähernd 90%. Recht bald dürften 100% erreicht werden – noch bevor ein weiterer Abschnitt der Mall eröffnet wird. Nach einer Phase mit seitwärts tendierenden Gewinnen erwarten wir eine allmähliche Rückkehr zum Wachstum, da die Einnahmen aus der neuen Mall zunehmend mit den Kosten Schritt halten.

 

Nach der Reise beurteilen wir Kuwaits fundamentale Aussichten sowie den mittel- und langfristigen Ausblick für den Bankensektor nun deutlich optimistischer. Unsere stärkere Überzeugung hat zu neuen Positionen geführt. Dazu hat außerdem auch das gestiegene Anlegerinteresse nach Kuwaits Aufnahme in den Schwellenländerindex von FTSE beigetragen. Der Zyklus zur Indexüberprüfung von MSCI dürfte sich zusätzlich positiv auswirken, da Kuwait im Jahr 2020 in den MSCI Emerging Markets Index aufrücken dürfte.

 

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die hierin dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung:

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Die Erträge können aufgrund von Veränderungen der marktbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stärker schwanken als an anderen, besser entwickelten Märkten. Die Anlagen sind weniger liquide als Anlagen, die an etablierteren Märkten gehandelt werden.

1IWF, 2018

2Quelle: T. Rowe Price

3Quelle: T. Rowe Price

4Quelle: T. Rowe Price

201810-639407

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zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I USD
ISIN LU1079765662
Portfolio von rund 60-80 wachstumsstarken Qualitätsunternehmen aus dem Frontier-Universum. Der Fonds strebt ein ausschließliches Engagement in den dynamischen, wachstumsstarken Frontier-Märkten an, wobei wir mit dieser Bezeichnung jedes Land meinen, das nicht in einem Industrie- oder Schwellenländer-Index geführt wird.
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3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
4,86%
Fondsvolumen
(USD)
$237,1Mio.
Unterwegs in den Frontier-Märkten