PRICE POINT – IN KÜRZE

Auf dem Weg nach Europa laviert sich Rumänien weiter durch

Oliver Bell , Portfolio Manager

Rumänien, die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der EU, bildet im europäischen Segment unserer Frontier Markets Equity Strategy das größte Länderengagement. Rumänische Aktien haben dank der anhaltenden wirtschaftlichen Expansion des Landes in den letzten Monaten gut abgeschnitten.
 

Doch vor dem Hintergrund negativer politischer Schlagzeilen reisten Mitglieder unserer Frontier Markets und Emerging European Equity Teams im April gemeinsam mit unseren Anleiheanalysten nach Rumänien, um die jüngsten Fortschritte des Landes zu beurteilen.

WICHTIGSTE PUNKTE

  • Mit einem voraussichtlichen BIP-Anstieg von 5% in diesem Jahr (nach 6,9% im Jahr 2017) bleibt das Wirtschaftswachstum stark. In den kommenden Jahren erwarten wir jedoch eine allmähliche Verlangsamung auf ein nachhaltigeres Niveau.

  • Die Verbraucher profitieren nach wie vor von steigenden Löhnen und der maßvollen Inflation.

  • Der Bankensektor befindet sich weiterhin in einer attraktiven Zyklusphase. Die Banken bereinigen ihre Kreditbestände und die Kreditvergabe verbessert sich nach der Krise des Jahres 2008 weiter. Das größte Engagement unseres Portfolios in Rumänien entfällt auf diesen Sektor.

  • Das innenpolitische Umfeld des Landes verschlechtert sich jedoch analog zur Entwicklung in Polen und Ungarn: Wir beobachten derzeit eine schleichende Erosion der demokratischen Institutionen.
     

UNTER DER LUPE

Rumänien – seit einigen Jahren das EU-Land mit den höchsten Wachstumsraten – weist nach wie vor starke Wirtschaftsdaten auf. Obwohl nach dem außergewöhnlichen Jahr 2017 eine Abkühlung wahrscheinlich ist, dürfte der BIP-Anstieg das Potenzialwachstum weiter übertreffen. Unterstützt wird diese Entwicklung durch das solide Konsumklima mit niedriger Arbeitslosigkeit und robusten Einzelhandelsumsätzen sowie die Erholung der Industrieproduktion und die steigenden Exporte.

 

Auf politischer Ebene vollzieht Rumänien analog zur Tendenz in Ungarn und Polen eine negative Wende – hin zu einer schleichenden Erosion der demokratischen Institutionen.

Rumänien liegt einige Jahre hinter Ländern wie Polen zurück – mit einer billigen und begehrten Erwerbsbevölkerung, die gut ausgebildet ist und zum größten Teil Englisch spricht. Während der globalen Finanzkrise wurden die Löhne im öffentlichen Sektor um 25% gekürzt, um den Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten. In jüngster Zeit ist das Gehaltsniveau im öffentlichen Dienst jedoch rasant gestiegen und liegt inzwischen über dem Niveau von 2008. Dadurch gerät das Haushaltsdefizit unter Druck, und andere öffentliche Investitionen werden eingeschränkt.
 

Auch im privaten Sektor steigen seit einiger Zeit die Löhne. Wir behalten daher das empfindliche Gleichgewicht im Auge, das zwischen einem soliden Konsumklima und dem Anstieg von Inflation und Kostenrisiken für Unternehmen besteht. Dennoch bleiben die Löhne in Rumänien insgesamt niedrig – die Arbeitskosten je Stunde sind halb so hoch wie in Polen und Ungarn – und machen das Land nach wie vor zu einem attraktiven Ziel für ausländische Direktinvestitionen (FDI). Zusammen mit den EU-Strukturfonds dürften die FDI mittelfristig weiterhin wichtige Wachstumsimpulse liefern.
 

Was hat es mit der politischen Entwicklung auf sich und spielt sie eine Rolle? Auf politischer Ebene vollzieht Rumänien analog zur Tendenz in Ungarn und Polen eine negative Wende – hin zu einer schleichenden Erosion der demokratischen Institutionen. Die Regierungspartei PSD nutzt ihre parlamentarische Mehrheit, um durch Gesetzesänderungen eine größere Kontrolle über die Institutionen des Landes zu erhalten, und vermindert dabei auch die Unabhängigkeit der Justiz und der Zentralbank. Verfahren zur gegenseitigen Kontrolle und Ausgleichsmechanismen im politischen System werden dadurch allmählich entfernt.
 

Zudem belasten die Lohnerhöhungen im öffentlichen Sektor den Staatshaushalt und führen zu einer Reduzierung der öffentlichen Investitionen. Zur Finanzierung des Haushaltsdefizits wird derzeit – analog zu den Reformen in Polen – eine Änderung des Rentensystems diskutiert, die das Sparen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge weniger attraktiv machen soll. Ein solcher Schritt würde die laufenden Staatsausgaben senken, könnte jedoch längerfristig zu Problemen führen. Rumänien neigt zwar dazu, sich bei politischen Querelen durchzulavieren, doch die genannten Punkte sind wichtige Entwicklungen, die wir weiter beobachten müssen.
 

Unser Frontier Markets Equity Portfolio profitiert nach wie vor von günstigen makroökonomischen Rahmenbedingungen und bleibt auf Aktien des Finanzsektors ausgerichtet. Zu unseren Engagements zählen Positionen in der zweit- und der drittgrößten Bank des Landes, BRD – Groupe Société Générale und Banca Transilvania, die beide in Rumänien starke Marktpositionen aufweisen. Diese Banken verfügen nach wie vor über die höchste kurzfristige Eigenkapitalrendite (ROE) in der Region und haben den in der Finanzkrise entstandenen Bestand an notleidenden Krediten durch erfolgreiche Beitreibungen reduziert und die Entstehung neuer Problemkredite eingedämmt. Wir gehen davon aus, dass beide Banken in diesem und im nächsten Jahr hohe Dividenden ausschütten.

Angesichts des stetigen Gewinn- und Dividendenwachstums sowie der soliden Renditen und Kapitalpositionen hält unser Finanzanalyst Malik Sarmad Asif die Bewertungen für attraktiv. Nach unserem Besuch in Rumänien meldete die Banca Transilvania für das erste Quartal 2018 ein Gewinnwachstum von 49% – ausgehend von einem bereits hohen Niveau.
 

Auch Med Life bietet unseres Erachtens ein attraktives strukturelles Wachstum. Der größte private Gesundheitsdienstleister Rumäniens ist gut positioniert, um von den langfristigen Branchentrends zu profitieren. Bei der Besichtigung von Krankenhäusern von Med Life konnte Investmentanalyst Johannes Loefstrand deutliche Unterschiede zum Angebot der herkömmlichen staatlichen Gesundheitsversorgung ausmachen. Nach jahrelangen Unterinvestitionen weisen die staatlichen Gesundheitseinrichtungen deutliche Defizite auf.
 

Das unternehmerisch denkende Managementteam von Med Life agiert im Betrieb der Krankenhäuser ebenso geschickt wie bei der Kapitalallokation. Gespräche mit dem Unternehmen und seinem wichtigsten Wettbewerber im Gesundheitssektor verdeutlichten das anhaltende Wachstumspotential und das attraktive Geschäftsmodell von Med Life.

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die hierin dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung:
 

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Die Erträge können aufgrund von Veränderungen der marktbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stärker schwanken als an anderen, besser entwickelten Märkten. Die Anlagen sind weniger liquide als Anlagen, die an etablierteren Märkten gehandelt werden.

201805-500825

 

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