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September 2021 / MARKETS & ECONOMY

Warum sich Investoren bei Kursschwankungen zurücklehnen sollten

Steigende Volatilität sollte eher als Kaufgelegenheit, nicht als Hinweis auf einen Bärenmarkt gewertet werden

Betrachtet man nur die Performance der Aktienmärkte in den letzten vier bis sechs Wochen, so scheint sich die unaufhaltsame Risiko-Rally der vergangenen zwölf Monate ungebremst fortzusetzen. Zugleich haben sich allerdings risikoärmere Assets deutlich erholt, darunter der US-Dollar und Kern-Staatsanleihen, was üblicherweise auf einen Bärenmarkt hindeutet.

Ist für Aktienanleger jetzt also der Zeitpunkt gekommen, um sich defensiver positionieren? Das wäre möglicherweise zu früh. Insgesamt stehen wir immer noch am Anfang eines Konjunkturaufschwungs – was für die Börsen ein günstiges Umfeld schafft. Obwohl die Volatilität zunimmt und sich der Aufwärtstrend bis Jahresende fortsetzen könnte, sollten Anleger die Kursrücksetzer meines Erachtens eher als Kaufgelegenheit nutzen und nicht als Hinweis auf ein bevorstehendes Ende der Börsenrally deuten.

Die jüngste Rally bei Kern-Staatsanleihen hat für einige Verwirrung gesorgt ...

Um zu verstehen, warum stärkere Kursschwankungen in diesem Herbst nicht auf einen drohenden Bärenmarkt hindeuten, müssen wir das Makroumfeld betrachten, das die Börsen in den letzten Monaten angetrieben hat. Die jüngste Rally bei Kern-Staatsanleihen hat für einige Verwirrung gesorgt, da sie in einem Umfeld mit steigender Inflation und einer robusten Wirtschaftsentwicklung stattfand – Merkmale, die üblicherweise eher steigende als fallende Zinsen erwarten lassen. Einige Treiber der jüngsten Anleiherally, beispielsweise die Positionierung der Investoren und saisonale Muster, sind technischer Natur – aber es sind auch fundamentale Kräfte im Spiel.

Wenn sich die chinesische Konjunktur abkühlt, spürt das die ganze Welt

Während die Industrieländer nach wie vor ein starkes Wachstum verzeichnen, haben neue Corona-Ausbrüche die Frage aufgeworfen, ob sich die positive Entwicklung fortsetzen kann. Im Mittelpunkt der Sorge stehen dabei nicht so sehr die Corona-Ausbrüche in den Industrieländern selbst. Denn ein Großteil ihrer Bevölkerung ist immunisiert, sodass größere Wirtschaftsunterbrechungen unwahrscheinlich sind. Für Unsicherheit sorgt vielmehr China, dessen Impfstoff deutlich weniger wirksam ist. Zudem setzt Peking bei der Pandemiebekämpfung auf „null Toleranz“, weshalb schärfere Maßnahmen zu erwarten sind. In Kombination mit einer restriktiveren chinesischen Politik macht sich daher zunehmend die Sorge um eine starke Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums breit. Auf China entfallen knapp 20% der globalen Wirtschaftsleistung1 und ein weitaus größerer Anteil der weltweiten Rohstoffnachfrage. Wenn die Konjunktur des Landes lahmt, macht sich das in der ganzen Welt spürbar.

Ein weiterer fundamentaler Faktor besteht in der pandemiebedingten Störung der globalen Lieferketten. Die daraus resultierenden Versorgungsengpässe drücken nicht nur auf die Angebots- sondern auch auf die Nachfrageseite, was sich in den globalen Wirtschaftsdaten bereits bemerkbar macht.

Trotz der herrschenden Unsicherheit fasst die US-Notenbank (Fed) jedoch eine Reduzierung ihrer Assetkäufe ins Auge. Dies wäre in einem normalen Umfeld kein Grund zur Sorge. Dennoch verunsichert die Kombination aus einem schwächeren globalen Wirtschaftsausblick und einer Straffung der Geldpolitik in den USA viele Anleger. Wenn das Vertrauen der Finanzmärkte schwindet, steigen die Preise für risikoärmere Assets wie den US-Dollar oder Staatsanleihen.

Neben der Unterstützung durch die Kaufprogramme der Zentralbanken hat sich das Liquiditätsumfeld aber auch dadurch verbessert, dass das US-Finanzministerium seine bei der Fed gehaltenen Barmittel abzieht. So wurden die Märkte in den letzten sechs Monaten nicht nur durch die Assetkäufe der Fed, sondern zusätzlich durch 1,2 Billionen Dollar schwere Ausgaben des US-Schatzamtes mit Liquidität versorgt – und höhere Liquidität bedeutet in der Regel höhere Assetpreise. Sowohl Staatsanleihen als auch Risikoassets haben in den letzten Monaten erheblich von den Liquiditätsspritzen profitiert.

Allerdings gehen die Cashpositionen, die das Finanzministerium bei der Fed vorhält, allmählich zur Neige, und das Ministerium dürfte seine Bargeldpolster gegen Jahresende wieder auffüllen. Ich glaube daher, dass wir uns in einer Übergangsphase befinden – von einem Umfeld mit konstanter Liquiditätszufuhr hin zu einem Umfeld, in dem die reichliche Liquidität nachlässt. Ein solches neues Umfeld ist für Risikoassets sicherlich weniger günstig sein als das alte.

Risikoassets dürften weiter von der aufgestauten Nachfrage profitieren

Ich glaube, dass die Volatilität in diesem Herbst steigen wird, und zwar aus drei Gründen: a) die pandemiebedingte Verlangsamung der globalen Wirtschaft und die politisch bedingte Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, b) das Tapering der US-Notenbank und c) der Übergang in ein Umfeld, in dem die reichliche Liquidität nachlässt.

Trotz steigender Volatilität erwarte ich allerdings nicht zwangsläufig ein ungünstiges Börsenumfeld. Letztlich befinden wir uns nach wie vor in einem frühen Stadium des Konjunkturaufschwungs, und in den nächsten Quartalen dürfte sich weltweit ein enormer Nachholbedarf entladen. Mit Blick auf China glaube ich außerdem, dass Peking einer Wachstumsverlangsamung in den nächsten Monaten politisch gegensteuern wird.

Zusammengefasst befinden sich die Risikomärkte im Übergang von einem Umfeld mit niedriger Volatilität und massiver politischer Stützung in ein Umfeld mit zyklischer Stützung, jedoch höherer Volatilität aufgrund sinkender Liquidität. Meines Erachtens sollte die steigende Volatilität eher als Kaufgelegenheit genutzt und nicht als Hinweis auf einen bevorstehenden Bärenmarkt gedeutet werden.

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