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August 2021 / MARKETS & ECONOMY

2021: ein historisches Jahr für Klimaschutzmaßnahmen

Emissionsziele rücken im Vorfeld der 26. UN-Klimakonferenz (COP26) stärker in den Fokus

Auf den Punkt gebracht

  • Der Klimawandel entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Anliegen für Gemeinschaften in aller Welt, Unternehmen sowie unsere Kunden und Anlageteams.
  • Die Risiken für geschäftliche Aktivitäten zu mindern wird zusehends bedeutender und regulatorische Bemühungen um den Klimaschutz rücken stärker ins Blickfeld.
  • Die Initiativen der Gesetzgeber haben bereits direkte Auswirkungen auf die Finanzergebnisse, sodass die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlieren unseres Erachtens deutlicher zu Tage treten.

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen ein systemisches Anlagerisiko dar. Der ökologische Fußabdruck einer Anlage ist daher wichtiger denn je. Die weltweiten Durchschnittstemperaturen sind bereits ca. 1 °C höher als in der vorindustriellen Zeit. Schon heute sind die ersten Auswirkungen des Klimawandels in Form von extremen Wetterereignissen, abschmelzenden Gletschern und veränderten Niederschlagsmustern zu spüren.

Um die negativen Folgen des Klimawandels erfolgreich einzudämmen, muss sich das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Umwelt(schutz) grundlegend verändern. Die Finanzmärkte sind zwar in einer guten Position, um eine führende Rolle zu spielen, doch Erfolgsaussichten werden nur dann bestehen, wenn es Regelungen und Vorschriften zum Klimaschutz gibt. Beim Thema Klimawandel gibt es allerdings eine deutliche Diskrepanz zwischen Politik und Wissenschaft. Im vergangenen Jahr war zu beobachten, dass intensiv versucht wurde, diese Kluft zu schließen – ein Trend, der sich unseres Erachtens bis zur 26. UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow im November fortsetzen dürfte.

Kampf gegen CO2-Emissionen wird intensiviert

61% aller Länder, 9% der Bundesstaaten/-länder und Regionen in den Ländern mit den höchsten Emissionen und 13% der Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner haben Netto-Null-Ziele für die CO2-Emissionen festgelegt. Sie sind insgesamt für knapp über 60% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.1 Je mehr die Klimakonferenz in den Fokus rückt, umso größer die Gewissheit, dass vermehrt Netto-Null-Ziele eingeführt werden – weitere Länder haben signalisiert, im Vorfeld der Konferenz entsprechende Ziele bekanntzugeben.

Je mehr die Klimakonferenz in den Fokus rückt, umso größer die Gewissheit, dass vermehrt Netto-Null-Ziele eingeführt werden...

Mit Ausnahme einer Handvoll Länder, die bei der Umsetzung ihrer Agenda für den Klimaschutz bereits weit fortgeschritten waren, gibt es sehr häufig keine direkten gesetzlichen Regelungen, die Netto-Null-Ziele unterstützen würden. Die Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen, doch es schient, dass sich die Welt zunehmend der Dringlichkeit der Lage bewusst ist. Einfach ausgedrückt: Es ist sehr wahrscheinlich, dass weitreichende Klimaschutzregelungen verabschiedet werden.

Wesentliche nationale Zusagen zur Minderung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre

(Abb. 1) Weltweite CO2-Emissionen und wesentliche CO2-Minderungsziele

Wesentliche nationale Zusagen zur Minderung des CO<sub>2</sub>-Gehalts in der Atmosphäre

Stand: Dezember 2020.
Quelle: Internationale Energieagentur.

Kohlendioxid (CO2) macht rund drei Viertel der Treibhausgasemissionen aus. Zudem sind für dieses Gas Umweltdaten ohne Weiteres und in großer Menge verfügbar. Daher erfährt es bei Analysen rund um das Thema Klimawandel besonders viel Aufmerksamkeit. Um den weltweiten Temperaturanstieg auf höchstens 1,5 °C zu begrenzen, genügt es jedoch nicht, einfach nur die CO2-Emissionen zu verringern. Neben Vorschriften, die den Schwerpunkt auf die Bereiche Stromerzeugung, Energieeffizienz und Verkehr legen, werden weitreichende Regelungen zur Minderung von Methan- (CH4), Stickoxid- (N2O) und Fluorgasemissionen sowie eine nachhaltigere Bodennutzung und die Verbesserung und stärkere Nutzung von Kohlenstoffspeichern unverzichtbar sein.

Den meisten Schätzungen zufolge werden sich die globalen Durchschnittstemperaturen trotz der aktuellen weltweiten Klimaschutzzusagen wohl immer noch um 2,7 °C bis 3,0 °C erhöhen.

Bislang geht es bei den Klimaschutzvorschriften in aller Welt hauptsächlich um das CO2 – vor allem im Energiesektor. Doch das ändert sich bereits. Um einen genaueren Eindruck vom potenziellen Effekt der bevorstehenden Regelungen und Vorschriften zu erlangen: Den meisten Schätzungen zufolge werden sich die globalen Durchschnittstemperaturen trotz der aktuellen weltweiten Klimaschutzzusagen wohl immer noch um 2,7 °C bis 3,0 °C erhöhen. Diese Schätzungen basieren auf den Klimaschutzzusagen, die die Unterzeichner des Pariser Klimaschutzabkommens im Jahr 2015 in Form von „national festgelegten Zielen“ (Nationally Determined Contributions, NDCs) abgaben. Ausgedrückt in Wahrscheinlichkeiten: Ausgehend von den verfügbaren statistischen Daten, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die globale Erwärmung auf unter 2 °C begrenzt werden kann, bei gerade einmal 5%, wenn man von einer Fortsetzung der aktuellen Trends ausgeht.2 Sollten alle Länder ihre NDCs erreichen, erhöht sie sich auf 26%.2 Diese geringen Wahrscheinlichkeiten machen deutlich, wie wichtig Netto-Null-Zusagen sind.

Auswirkungen des Klimawandels auf Finanzergebnisse

Die Märkte haben zwar in einigen Bereichen, die unmittelbar von der Energiewende betroffen sind, vorweggenommen, dass Klimaschutzgesetzen und -regelungen in Kraft treten. Unseres Erachtens spricht aber nicht unbedingt viel dafür, dass die Bewertungen in allen Teilen der Wirtschaft darunter zu leiden haben werden. Wir erwarten, dass mit dem Inkrafttreten neuer Vorschriften in aller Welt das Abschneiden in Klimafragen für den Erfolg von Anlagen immer bedeutender wird. Interessant ist, dass bei den Ansätzen, die Unternehmen beim Thema Klimawandel und Klimaschutz verfolgen, über alle Wirtschaftssektoren hinweg eine Zweiteilung erkennbar ist.

Wenn sich die Gesetzgebungsinitiativen nach und nach unmittelbar auf die Finanzergebnisse auswirken, werden die Unterschiede zwischen den Gewinnern und den Verlierern unseres Erachtens deutlicher zu Tage treten (und das möglicherweise recht schnell). Selbstverständlich ist die Regulierung in der Frage, wie Emittenten auf den Klimawandel reagieren, nicht der einzige ausschlaggebende Faktor. Weitere wichtige Faktoren sind Innovationen und die Präferenzen der Verbraucher.

In Sachen Innovation haben neuere Fortschritte die Kosten für erneuerbare Energien sinken lassen, was zum beschleunigten Ausbau der Kapazitäten in dem Bereich geführt hat. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) dürften die in den aktuellen NDC-Energiezielen für 2030 implizierten 3,2 Terawatt bereits im Jahr 2022 erreicht werden. Was die Präferenzen der Verbraucher angeht, stellen wir fest, dass Unternehmen Öko-Labels auf ihren Produkten anbringen und die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten wie Fleischalternativen wächst.

Beurteilung des Klimawandels bei Anlagen

Bei T. Rowe Price beurteilen wir Faktoren rund um den Klimawandel für einzelne Wertpapiere und Portfolios systematisch mit unserem firmeneigenen Indikatormodell für verantwortliches Investieren (Responsible Investing Indicator Model, RIIM). Die RIIM-Analysen bieten unseren Analysten und Portfoliomanagern zwei wesentliche Vorteile. Zuerst sucht das RIIM proaktiv nach Umweltkennzahlen sowie Kontroversen im Zusammenhang mit Unternehmen und staatlichen Emittenten – dies ist insofern ein wichtiger Punkt, als Umweltdaten nicht offenlegungspflichtig und im Gegensatz zu Finanzdaten nicht standardisiert sind. Im zweiten Schritt stellt das RIIM einen Rahmen für die Beurteilung von Umweltfaktoren bereit – kurz gesagt, schafft es so etwas wie eine gemeinsame Sprache, die Analysten und Portfoliomanager ermöglicht zu erörtern, wie eine Anlage mit Blick auf Umweltfaktoren abschneidet, und zudem Wertpapiere innerhalb des Anlageuniversums zu vergleichen.

Bei der Beurteilung der Faktoren rund um den Klimawandel legen wir das Hauptaugenmerk auf den Energiewandel und die physischen Risiken. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass der Fußabdruck und die Erfolgsbilanz eines Emittenten in Sachen Umweltschutz Aufschluss darüber geben können, wie dieser sich in einem restriktiveren regulatorischen Umfeld entwickeln könnte.

Bei unserer RIIM-Beurteilung betrachten wir das Umweltprofil unserer Anlagen ganzheitlich – wichtige Schwerpunktbereiche sind unter anderem:

  • Energiewende
  • Physische Risiken
  • Einfluss auf die Biodiversität
  • Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
  • Bodennutzung
  • Wassernutzung
  • Öko-Erfolgsbilanz
  • Rechenschaftspflicht und Transparenz in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (einschließlich Klimawandel)

Ein weiteres ganz wichtiges Element unserer Analysen mit Bezug zum Klimawandel ergibt sich aus Engagements. Die gängigsten Themen unserer auf den Umweltschutz ausgerichteten Engagements im Jahr 2020 betrafen die Offenlegung, Treibhausgasemissionen, Nachhaltigkeit von Produkten und das allgemeine Umweltmanagement. Bei der Offenlegung setzen wir uns nach wie vor dafür ein, dass die Berichterstattung der Unternehmen, in die wir investieren, den vom „Sustainability Accounting Standards Board“ (SASB) und der „Task Force on Climate‑Related Financial Disclosures“ (TCFD) entwickelten Rahmenvorgaben entspricht. Im Jahr 2020 maßen wir zudem der Berichterstattung über die Treibhausgasemissionen Scope 1–3 sehr viel größere Bedeutung bei.3

Bei unseren Umwelt- und Ökoanalysen arbeiten wir allerdings mit unvollkommenen Daten. Dies ist teils der begrenzten Offenlegung und den nicht vorhandenen einheitlichen Berichterstattungsstandards geschuldet, teils aber auch dem Umstand, dass einige umweltbezogene Faktoren (zum Beispiel Kontroversen, Ziele) qualitativer Art sind. Diese Probleme im Zusammenhang mit der Offenlegung und Vereinheitlichung werden derzeit nach und nach angegangen. Eine neue nachhaltige Finanzregulierung wird den Trend, dem die Unternehmen bislang im Großen und Ganzen freiwillig gefolgt sind, beschleunigen. Doch es bleibt noch viel zu tun. Zum Beispiel sind statistische Daten zu den CO2-Emissionen ohne Weiteres und in großer Menge verfügbar, doch die Offenlegungen zu Emissionen Scope 1–2 decken nicht einmal die Hälfte unseres Anlageuniversums ab, bei Offenlegungen zu Emissionen Scope 3 sieht es noch schlechter aus.

Wir erwerben Daten von Sustainalytics, die Angaben zu den CO2-Emissionen und der CO2-Intensität von mehr als 11.000 Unternehmen bereitstellen. Bei fast 75% der Unternehmen handelt es sich jedoch um geschätzte Daten. Wie Abb. 2 zeigt, stehen für einige Indizes mehr als drei Viertel gemeldete Daten zur Verfügung, für andere Indizes dagegen fast ausschließlich geschätzte Daten. Der Gedanke, dass wir uns auf geschätzte Daten stützen, mag den einen oder anderen Anleger zwar verunsichern, doch dieser Ansatz ist für uns insofern von Nutzen, als er uns hilft zu verstehen, welche Größenordnung die CO2-Emissionen in unseren Portfolios im Vergleich zu deren Benchmarks haben. Bei unseren Anlageentscheidungen müssen wir aber auch die Datenqualität berücksichtigen.

Offenlegung von CO2-Emissionsdaten häufig begrenzt

(Abb. 2) Verfügbarkeit von CO2-Emissionsdaten nach Index

Offenlegung von CO<sub>2</sub>-Emissionsdaten häufig begrenzt

Agg. Corp Bond = Aggregate Corporate Bond; BB = Bloomberg Barclays; HDY = hohe Dividendenrendite; HY = Hochzins; Der S&P/ASX 200 und der TOPIX bilden jeweils Aktien aus Australien und Japan ab. Die Grafik zeigt die CO2-Emissionsdaten, die von den im jeweiligen Index enthaltenen Unternehmen offengelegt werden.

Quelle: Sustainalytics (CO2-Daten mit Stand vom: 31. Dezember 2020). Im Abschnitt „ Zusätzliche Angaben“ erfahren Sie mehr über die in dieser Grafik enthaltenen Indizes.

Der Klimawandel entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Anliegen für Gemeinschaften in aller Welt, für Unternehmen sowie für unsere Kunden und Anlageteams. Die Unternehmen werden sich immer intensiver darum bemühen, die Risiken zu mindern, die der Klimawandel für ihre geschäftliche Tätigkeit birgt. Durch die UN-Klimakonferenz COP26 und die Bemühungen von Regulierern wird dieses Problem noch stärker in den Fokus rücken.

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