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Oktober 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Opportunitäten nach der Erholung aufspüren

Unsere Portfoliomanager erkennen bei einigen Anlageklassen Wertpotenzial

Die wichtigsten Punkte

  • Die breiten Marktindizes haben ungewöhnlich stark zugelegt, doch nicht alle Anlageklassen haben sich schnell erholt.
  • Substanzwerte sind klar hinter Wachstumswerten zurückgeblieben, doch unsere Manager sehen in beiden Segmenten noch immer hier und da interessante Möglichkeiten.
  • Hochzinsanleihen bieten im Allgemeinen attraktive laufende Erträge. In bestimmten Segmenten besteht zudem Aussicht auf steigende Kurse.

 

Selbst jene unter uns, die im letzten Frühjahr Grund zur Hoffnung sahen, dürften von der außergewöhnlichen Widerstandsfähigkeit des Markts gegen die Pandemie etwas überrascht sein. Dies zeigt sich etwa an der (kurzen) Dauer der Baisse: Am 19. Februar war der S&P 500 rund ein Drittel unter sein Rekordhoch gesunken und erreichte gut einen Monat später, am 23. März, die Talsohle – in so kurzer Zeit wie nie zuvor. Der Index stieg dann bis zum 22. August erneut auf ein Rekordhoch. Zwischen den beiden Hochständen lagen gerade einmal 126 Handelstage – wieder ein Rekord und mehr als zehnmal schneller als der Durchschnitt, der bei 1542 Handelstagen liegt.1

Doch nicht alle Anlageklassen haben eine solche V-förmige Erholung verzeichnet. Dies zeigt speziell die historische Outperformance von Wachstums- gegenüber Substanztiteln. Einige internationale Märkte liegen noch immer deutlich unter ihren Hochständen aus der Zeit vor Corona, und auch an den Kreditmärkten variieren die Erträge stark. Nachfolgend fassen wir zusammen, wo wir nach Ansicht einiger unserer Portfoliomanager, die mit ihren Mandaten eine Vielzahl von Anlageklassen abdecken, derzeit stehen.

Gewinner reduzieren, nach neuen Möglichkeiten suchen

Scott Berg verwaltet unsere Global Growth Equity Strategy; dadurch kann er umfassend beurteilen, wie radikal die Pandemie und die technologische Disruption die Märkte und die Volkswirtschaften verändert haben. Scott Berg stellt fest, dass die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, mit denen Regierungen in aller Welt reagiert haben, „wirklich atemberaubend“ und absolut beispiellos gewesen sind. Allein in den USA hat der Kongress Hilfspaketen in Höhe von USD 2,4 Bio. bzw. 11% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zugestimmt, während die US-Notenbank binnen weniger Monate quantitative Lockerungsmaßnahmen ergriffen hat, die doppelt so umfangreich waren wie jene während der gesamten globalen Finanzkrise von 2008 bis 2010. Außerdem hätten die Regierungen erfolgreicher darauf geachtet, dass deutlich größere Teile der Wirtschaft und der Gesellschaft von den Impulsen profitieren als während der globalen Finanzkrise, als die enormen Rettungspakete speziell für Großbanken in aller Welt für viel Unmut sorgten.

…die US-Notenbank [hat] binnen weniger Monate quantitative Lockerungsmaßnahmen ergriffen ..., die doppelt so umfangreich waren wie jene während der gesamten globalen Finanzkrise von 2008 bis 2010.

Trotz des kräftigen Anstiegs an den Märkten in den Sommermonaten sieht Scott Berg noch immer einige interessante Anlagemöglichkeiten. Die Bewertungen sind im historischen Vergleich etwas erhöht. Dennoch hält Scott Berg sie für vertretbar, sofern die Volkswirtschaften in aller Welt weiter genesen. Das globale BIP könnte im Zuge dieser Erholung bis Mitte 2021 wieder auf Niveaus wie vor Covid-19 steigen. Darüber hinaus bedeuten die extrem niedrigen Zinsen in den Industrieländern und die stark sinkenden Zinsen in den Schwellenländern seiner Ansicht nach, dass die Bewertungen bedeutend höher sein können. Was nun konkret die Anlagemöglichkeiten betrifft, hat er einige der größten Gewinner reduziert und konzentriert sich nun mehr auf Banken- und Grundstoffwerte, die sich gewöhnlich in einem Aktienzyklus schon sehr früh gut entwickeln. Außerdem interessiert er sich besonders für die „aus demografischer Sicht gesegneten“ Schwellenländer mit einer jungen, schnell wachsenden Bevölkerung wie Indien und Vietnam, die hohe strukturelle Wachstumsraten sowie eine niedrige Verschuldung aufweisen.

Turnaround-Kandidaten mit Wertpotenzial

Manager von US-Substanzwerten mussten sich in letzter Zeit – zu ihrem Leidwesen – zweifellos keine allzu großen Gedanken darüber machen, Positionen zu reduzieren, die sich sehr gut entwickelt hatten. Aufgrund der Pandemie haben die Anleger die Aktien von Internetriesen und anderen Unternehmen bevorzugt, die davon profitierten, dass die Menschen mehr zu Hause blieben. Leidtragende waren Unternehmen mit langsamerem Wachstum, die ohnehin schon mit dem zyklischen Druck und der technologischen Disruption zu kämpfen hatten. Die Bewertungsdifferenz zwischen Wachstums- und Substanzwerten ist dadurch so hoch wie seit den frühen 2000er Jahren nicht mehr.

Heather McPherson und John Linehan, zwei unserer US-Value-Manager, sind der Ansicht, dass diese Differenz letztlich abnehmen wird. Zu der Frage, wann die Wende im Performancezyklus der Wachstums- und Substanzwerte kommt, wollen sie aber keine Prognose abgeben. Vielmehr setzen sie verstärkt auf das interne Research, um qualitativ hochwertige Unternehmen aufzuspüren, die allem Anschein nach unter ihrem inneren Wert notieren. Dieser Ansatz beeinflusst nicht ihre Entscheidungen zur Allokation auf Sektorebene, noch weist er sie auf die günstigsten Aktien hin – denn einige davon sind vielleicht aus guten Gründen so günstig.

Im Finanzsektor beispielsweise sind die Bewertungen massiv gesunken, weil sich die Anleger über die Risiken sorgen, die für die Banken von notleidenden Krediten ausgehen. Versicherern wiederum drohen infolge der Pandemie höhere Schadensforderungen. Die tieferen Zinssätze haben die Kreditmargen sinken lassen und den Sektor zusätzlich unter Druck gesetzt. Potenzial sehen Heather McPherson und John Linehan jedoch bei titel- und unternehmensspezifischen Faktoren, die für gewisses Aufwärtspotenzial sorgen. So haben zum Beispiel einige Unternehmen Spielraum für Kostensenkungen. Die Besorgnis der Anleger über das Kreditrisiko könnte in manchen Fällen etwas überzogen sein, da nach der globalen Finanzkrise viele Unternehmen Dinge verändert haben.

Auf die Rotation zwischen Wachstums- und Subtanzwerten vorbereitet sein

Ray Mills ist seit vielen Jahren Manager unserer International Core Equity Strategy und investiert in das ganze Spektrum an Wachstums- und Substanzwerten. Interessante Chancen sieht Ray Mills derzeit sowohl bei Wachstums- als auch bei Substanzwerten. Er glaubt aber, dass die allmähliche Wiedereröffnung der Wirtschaft letzten Endes vor allem Substanzwerten zugutekommen wird – und die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Wende, wenn sie dann kommt, heftig ausfallen könnte. Aus diesem Grund mahnt Ray Mills, dass Anleger unbedingt darauf achten sollten, auch Substanzwerte im Portfolio zu halten.

… der immer noch andauernde Handelskrieg zwischen den USA und China [eröffnet] Unternehmen aus anderen Ländern neue Chancen.

Was die einzelnen Sektoren und Branchen betrifft, interessiert sich Ray Mills insbesondere für Unternehmen, die zwar solide langfristige Wachstumsperspektiven besitzen, deren Aktienkurs aufgrund zyklischer Schwierigkeiten jedoch unter Druck geraten ist. Für aussichtsreich hält er aktuell zum Beispiel einige Industrieunternehmen, deren Cashflows Schwankungen unterliegen. Ray Mills glaubt außerdem, dass der immer noch andauernde Handelskrieg zwischen den USA und China Unternehmen aus anderen Ländern neue Chancen eröffnet. Vor allem ist er der Meinung, dass europäische Unternehmen dem chinesischen Riesen Huawei auf dem Markt für 5G-Ausrüstung einige Marktanteile abnehmen werden.

Emittenten, die dem Sturm standhalten können, im Fokus

Mike Della Vedova, Co-Manager unserer Global High Income Bond Strategy, rechnet mit einer allmählichen Rückkehr zur Normalität erst bei Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Dann dürften Anleger, die Hochzinsanleihen halten, im Großen und Ganzen auf der Gewinnerseite stehen. Die Spreads von Hochzinsanleihen – also die zusätzliche Rendite im Vergleich zu US-Treasuries und ein Kehrwert für die relative Attraktivität des Sektors – sind massiv gesunken, seit die Anleger kurz nach dem Ausbruch der Pandemie dem Sektor in Scharen den Rücken kehrten. Mike Della Vedova erwartet, dass die Spreads in den nächsten Monaten im Allgemeinen stabil bleiben werden, sofern sich die Weltwirtschaft nach und nach immer weiter erholt. Anleger sollten dann weiterhin attraktive laufende Erträge erzielen können.

Nach Ansicht von Mike Della Vedova besteht in einigen Sektoren und Branchen zudem Kurssteigerungspotenzial. Er interessiert sich insbesondere für Emittenten, deren Anleihen wegen der Turbulenzen an den Märkten zwar massiv abverkauft wurden, die aber über ausreichende potenzielle Cashflows verfügen, um den Sturm zu überstehen. So hat die Pandemie zum Beispiel auf dem globalen Automarkt zwar für starke Umwälzungen gesorgt, doch Mike Della Vedova ist davon überzeugt, dass die Aktien einiger Automobilzulieferer günstig bewertet sind und sich erholen dürften. Er warnt aber auch, dass viele weniger robuste Unternehmen wahrscheinlich nicht überleben werden. Mike Della Vedova und sein Team gehen aktuell davon aus, dass es bei rund 9% der High-Yield-Emittenten in den USA im Jahr 2020 zu einem Ausfall kommen wird und in Europa etwa 5% der High-Yield-Emittenten ein ähnliches Schicksal droht.

Ein Blick abseits der Benchmarks

Anlegern, die ihr Augenmerk zu sehr auf die Entwicklung der Benchmarks insgesamt legen, entgehen zwangsläufig wichtige Unterschiede in der Performance der einzelnen Sektoren, Regionen und Unternehmen. Ein Vorteil unserer umfassenden Researchplattform und unseres strategischen Anlageansatzes besteht meiner Überzeugung nach darin, dass wir Ausreißer im Auge behalten, während andere Anleger die langfristige Chance auf weitere Gewinne vielleicht unterschätzen. Wir wissen nicht, in welche Richtung sich die Indizes künftig entwickeln werden. Ich werde Sie aber gern auf dem Laufenden halten, wo unser globales Team von Anlageexperten in den nächsten Monaten diese Chancen sieht.

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