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Juli 2020 / NOTES FROM THE ROAD

Vietnam zeigt einen Weg durch die Coronaviruskrise auf

Frontier-Land durch effektive Viruseindämmung gut aufgestellt

Überblick

  • Vietnam berichtet bislang keine Todesfälle durch COVID-19; das Land hat die Pandemie besser im Griff als andere Industrie- und Schwellenländer und wird eine Rezession voraussichtlich vermeiden.
  • Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben Verbesserungen in der Governance deutlich gemacht. Das ist ein positiver Trend, der den künftigen Wohlstand des Landes fördern dürfte.
  • Wir finden hier attraktive Anlagechancen in Unternehmen von hoher Qualität im Banken-, Nicht-Basiskonsumgüter- und Informationstechnologiesektor.


Aufgrund der geografischen Nähe zu China und früheren Erfahrungen mit dem SARS-Ausbruch im Jahr 2003 haben die vietnamesischen Behörden rasch auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus reagiert.
 

Weitreichende Eindämmungsmaßnahmen

Der erste Fall von COVID‑19, der durch das Coronavirus verursachten Krankheit, wurde im Januar 2020 festgestellt. Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wurden—neben Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung (‚Social Distancing‘)—ab Anfang Februar durchgesetzt. Zu den Vorkehrungen gehörten Zwangsquarantänen, die Rückverfolgung der Kontakte von Infizierten sowie die Verpflichtung von Medizinstudenten, Ärzten im Ruhestand und Pflegepersonal.

Nachverfolgung von COVID-19 in Vietnam

Die bisherigen Maßnahmen haben sich als wirksam erwiesen

Nachverfolgung von COVID-19 in Vietnam

*Stand der Angaben zu Infektionen und Todesfällen: 16. Juni 2020.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation: covid19.who.int/region/wpro/country/vn.
† Stand der Tests: 12. Mai 2020.
Quelle: Vietnamesisches Gesundheitsministerium: news.chinhphu.vn/Home/Viet-Nam-has-conducted-275000-COVID19-tests-health-official-says/20205/40083.vgp.

Relativ geringe Fallzahlen in Vietnam

(Abb. 1) Bestätigte Infektionen pro Einwohner und Land

Relativ geringe Fallzahlen in Vietnam

Stand: 16. Juni 2020.
Quelle: Institute for Supply Management/Haver Analytics.

Aufklärung spielte eine wesentliche Rolle. Lieder über das richtige Händewaschen machten im Land die Runde, und Hinweise im Stil der Propagandakunst informierten die Menschen, wie sie sich schützen und bei der Eindämmung des Virus helfen können. Die Behörden ließen zudem Transparenz bei der Berichterstattung über die Fallzahlen und Orte infizierter Personen walten. Die betreffenden Daten wurden auf einer Website der Regierung veröffentlicht.
 

Eine Erfolgsgeschichte

Als dieser Artikel verfasst wurde, gab es in Vietnam keine berichteten Todesfälle durch das Coronavirus und die Infektionsrate scheint bislang unter Kontrolle zu sein. Unser internes Modell1 ordnet Vietnam gegenüber anderen bedeutenden Frontier- und Schwellenländern in die Spitzengruppe derer ein, die die Ausbreitung des Virus eingedämmt haben. Der Verlauf in Vietnam schneidet auch positiv im Vergleich zu vielen reicheren Ländern ab, die deutlich besser für die Bewältigung der Krise gerüstet waren und weitreichende Tests durchführten, so u. a. Deutschland und Südkorea.
 

Verbesserungen in der Governance tragen zur Unterstützung von Eindämmungsmaßnahmen bei

Die autoritäre Vorgehensweise der Regierung hat sicherlich die Umsetzung strenger Quarantänen ermöglicht. In manchen Fällen wurden dabei ganze Wohnviertel als Reaktion auf lokale Infektionsfälle abgeriegelt. Doch die Wirksamkeit der Maßnahmen kann zumindest zum Teil auch darauf zurückgeführt werden, dass sich in den letzten Jahren die Governance gebessert hat.

Nennenswerte Fortschritte hat Vietnam bei der Verbesserung von Führungsstrukturen und der Reaktionsfähigkeit auf lokalen Ebenen und bei der Professionalisierung der Verwaltung gemacht. Laut dem Viet Nam Provincial Governance and Public Administration Performance Index, der die Einschätzungen von Bürgern abbildet, waren 2019 die deutlichsten Fortschritte bei der verbesserten Bekämpfung von Korruption im öffentlichen Sektor und der höheren Transparenz bei lokalen Entscheidungen zu beobachten.2

Aufwärts ging es auch auf dem Weg zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung (UHC), einem der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Das Land hat mit einem UHC-Index von 73 von 100 Punkten große Schritte in diese Richtung gemacht, denn von der vietnamesischen Bevölkerung sind 82% durch eine gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt.3 Im Vergleich zu anderen Ländern in der Region hat Vietnam relativ weite Fortschritte bei der Erreichung einer UHC gemacht.

Vietnamesische Aktien im Abwärtssog der globalen Märkte

(Abb. 2) Bisherige Wertentwicklung im laufenden Jahr im Verhältnis zu vergleichbaren Ländern

Vietnamesische Aktien im Abwärtssog der globalen Märkte

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.
Stand: 10. Juni 2020.
31. Dezember  2019 = 100.
Quellen: MSCI über FactSet and MSCI (siehe Zusätzliche Angaben).

Nach unserer Einschätzung dürften diese enormen Verbesserungen im Gesundheitswesen in Verbindung mit einem größeren Zugang zu Informationen und einer besseren Korruptionsbekämpfung allesamt ihren Beitrag zu der strikten, aber offensichtlich wirksamen Reaktion auf die Pandemie beigetragen haben.
 

Gut gerüstet für die weltweiten wirtschaftlichen Folgeerscheinungen

Vietnam kommt mit den gesundheitlichen und sozialen Effekten des Coronavirus relativ gut zurecht. Allerdings leiden der Aktienmarkt und die Wirtschaft hier unter der Ausbreitung der globalen Pandemie und den ergriffenen Lockdown-Maßnahmen. Der Markt in Vietnam zeichnet sich durch ein hohes Beta aufgrund der offenen Wirtschaft des Landes und der tiefen Integration mit den globalen Märkten aus.

In Anbetracht der vorsichtigen Herangehensweise bei der Eindämmung des Virus und der relativ frühzeitigen Reaktionen hat Vietnam den Vorteil, zu den ersten Ländern zu gehören, in denen Lockdown-Maßnahmen gelockert werden konnten. Die Lockerung begann am 22. April. Bis zum 7. Mai waren die meisten Schulen, Universitäten und der Dienstleistungssektor für nicht lebensnotwendigeAngebote wieder offen. Auslandsreisen sind nach wie vor verboten.

Ähnlich wie in anderen Ländern hat die vietnamesische Regierung ein Konjunkturpaket zur Ankurbelung der Wirtschaft auf den Weg gebracht. Der Umfang dieses Pakets wird auf etwa VND 271 Billionen oder beachtliche 3,6% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) geschätzt.4 Im Verhältnis zu anderen Frontier- und Schwellenländern ist das ein relativ erheblicher Anteil. Außerdem wurden Maßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen ergriffen und finanzielle Hilfen für die schwächsten privaten Haushalte zur Verfügung gestellt. Unterdessen hat die vietnamesische Zentralbank die Zinsen um 50 Basispunkte auf 4,5% gesenkt und Richtlinien für Geschäftsbanken eingeführt, um Darlehen umzuschulden, Zinsen zu vermindern oder Zinsbefreiungen zu gewähren sowie Kredite zu stunden.

Nach wie vor bestehen erhebliche Unsicherheiten im Hinblick auf das Virus, potenziell wieder auftretende Infektionen und die wirtschaftlichen Auswirkungen der drastischen Maßnahmen, mit denen die Ausbreitung weltweit eingedämmt werden soll. Durch die Maßnahmen in Vietnam scheint das Virus bisher deutlich weniger gravierende Effekte hinsichtlich der Zahl der Krankheits- und Todesfälle gehabt zu haben. Wir rechnen zudem damit, dass die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen robust bleiben und Vietnam eine allgemeine Rezession vermeidet. Die jüngsten Schätzungen des BIP-Wachstums für 2020 bewegen sich in einer Spanne von 2,7% bis 4,8%,5 wobei für 2021 eine stärkere Erholung prognostiziert wird.
 

Positionierung für die Erholung nach der Coronovirus-Pandemie  

Unser Anlageteam hält an positiven Aussichten für die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Vietnam fest. Durch die massiven Verkäufe am Markt sind Chancen entstanden, und einige Unternehmensbewertungen stellen sich als besonders attraktiv dar. Wir halten unsere Positionen in vietnamesischen Unternehmen von hoher Qualität aufrecht und glauben, dass unsere Argumente, die für eine Anlage in vietnamesische Aktien sprechen, nach wie vor stichhaltig sind. Maßgebliche Bedeutung hat weiterhin eine sorgfältige Aktienauswahl. Potenzial finden wir zurzeit in den folgenden Segmenten des Marktes:

  • Banken: Trotz dieser schwierigen Zeit scheinen vietnamesische Qualitätsbanken gut aufgestellt zu sein, um den Sturm zu überstehen. Die Unternehmen, in die wir investiert sind, berichteten stabile Ergebnisse für das erste Quartal, und im laufenden Jahr verzeichnen einige dieser Unternehmen bislang eine robuste Performance. Wir achten besonders auf die Solidität der Bilanzen und Kapitalpuffer.
  • Nicht-Basiskonsumgüter: Zumindest kurzfristig herrscht weiter Unsicherheit. Doch die relativ frühe Lockerung von Lockdown-Maßnahmen in Vietnam dürfte die Erholung von Unternehmen im Nicht-Basiskonsumgüterbereich fördern. Nach unserer Einschätzung werden potenzielle Gewinner zum Vorschein kommen. Wir beobachten und überwachen weiterhin Veränderungen im Verhalten der Verbraucher. Dies gilt insbesondere für Veränderungen, die durch die Pandemie möglicherweise beschleunigt wurden wie die Orientierung hin zum formellen Sektor und verstärkte Online-Verkäufe. Wir halten Ausschau nach Unternehmen, die ihr strukturelles Wachstum aufrechterhalten können.
  • Informationstechnologie: Ein erhöhter Digitalisierungsbedarf in einer postpandemischen Welt unterstützt möglicherweise Unternehmen in diesem Bereich wie z. B. FPT, das größte IT-Unternehmen in Vietnam.


Bewältigung der Krise

Ungeschoren wird Vietnam aus der Coronaviruskrise wahrscheinlich nicht herausgekommen—die offene Wirtschaft des Landes wird vermutlich unter der Schwäche der Weltwirtschaft leiden. Doch die Fähigkeit, die Ausbreitung der Pandemie effektiv einzudämmen, hat Vietnam einen Vorteil gegenüber anderen Ländern in der Region verschafft.

Die ergriffenen Maßnahmen haben die Verbesserungen Vietnams in der Governance im Hinblick auf die Optimierung lokaler Entscheidungsprozesse, die Bekämpfung von Korruption und Fortschritte bei der gesetzlichen Krankenversicherung deutlich gemacht. Dies sind positive Trends, die dem künftigen Wohlstand des Landes zugutekommen dürften.

Vietnam hat einen Weg durch die Coronaviruskrise aufgezeigt, und unsere Prognose für das Land ist positiv. Nach unserer Auffassung bietet uns die Marktvolatilität Chancen, um zu attraktiven Bewertungen in Unternehmen von hoher Qualität zu investieren—insbesondere im Banken-, Nicht-Basiskonsumgüter- und Informationstechnologiesektor.

Worauf wir als nächstes achten

Vietnam könnte aus den globalen Verwerfungen infolge des Coronavirus als potenzieller großer Gewinner hervorgehen. Das Land wird eine Rezession wahrscheinlich vermeiden und könnte von einer Verlagerung globaler Lieferketten profitieren. Die augenscheinlich wirksame Eindämmung des Coronavirus in Vietnam sowie die positive Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung dürften die Attraktivität des Landes für ausländische Direktinvestitionen beflügeln.

 

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