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August 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Schwellenländer gehen beim Thema Fintech voran

Befriedigung der Bedürfnisse einer ganz neuen Kundenbasis

Die wichtigsten Punkte

  • Die digitale Innovation revolutioniert und gestaltet den Finanzdienstleistungssektor in einem atemberaubenden Tempo um.
  • Die Schwellenländer sind Vorreiter in dieser neuen Welt der Finanztechnologie („Fintech“), zahlreiche Unternehmen sind in Sachen Innovation ganz vorn mit dabei.
  • Inklusion im Bereich der Finanzdienstleistungen hat in den Entwicklungsländern im Zuge der Coronavirus-Pandemie noch mehr an Bedeutung gewonnen. Fintech-Firmen sollten davon profitieren können.


Fintech, die Verbindung von Finanz und Technologie, fällt in den Schwellenländern (EM) auf sehr fruchtbaren Boden. Schließlich ist dort die Verbreitung traditioneller Bank- und Versicherungsdienstleistungen gewöhnlich gering. Fehlende Infrastruktur und die weite Verbreitung von Mobiltelefonen prädestinieren die Schwellenländer für alternative Finanzlösungen. In vielen Fällen haben die Verbraucher traditionelle Finanzdienstleistungen einfach übersprungen und greifen stattdessen direkt zu Online-Lösungen. Und vor allem erreichen diese Fintech-Unternehmen ein stetig wachsendes Zielpublikum und können einzigartige Dienste und Leistungen anbieten, die traditionelle Banken eben nicht bereitstellen können. Viele EM-Unternehmen nehmen dabei eine führende Stellung ein, und für Anleger ergeben sich daraus immer mehr Möglichkeiten.
 

Enorme Wachstumsbeschleunigung im Fintech-Sektor

Weltweit haben noch immer rund 2 Milliarden Erwachsene kein Bankkonto – die meisten davon leben in Schwellenändern. Fortschritte im Fintech-Bereich verbessern die finanzielle Inklusion. Wie Finanzdienstleister Produkte und Dienstleistungen anbieten, verändert sich durch den Einsatz immer neuer Innovationen. Für die Verbraucher hat dies Vorteile.

Wichtige Aspekte, die diesen Trend unterstützen, sind die rasante Ausbreitung von Mobiltelefonen und die immer bessere Internet-Anbindung. Da die Infrastruktur jedoch limitierter sein kann, könnte man sagen, dass für viele Schwellenländer der Ausbau des Mobilfunknetzes Priorität hat („Mobile first“). Für viele Menschen ist ihr Handy die einzige Möglichkeit, Zugang zu Finanztools, Informationen anderen wichtigen Diensten zu erhalten. Fintech-Unternehmen nutzen dies zu ihrem Vorteil und entwickeln Finanzlösungen, die den ganz speziellen Anforderungen dieser Märkte gerecht werden.

Asien ist die Speerspitze der Fintech-Revolution, die Akzeptanz von Finanztechnologieprodukten und -dienstleistungen unter Verbrauchern ist hier am größten. In China und Indien sagten mehr als die Hälfe der erwachsenen Verbraucher, die online aktiv sind, dass sie regelmäßig Dienstleistungen aus dem Fintech-Bereich in Anspruch nehmen,1 wie eine Umfrage von Ernst & Young aus dem Jahr 2017 ergab. Auf die Länder Subsahara-Afrikas entfällt unterdessen mehr als die Hälfe der mobilen Zahlungsdienste weltweit. Die Mittelschicht in den Schwellenländern wächst rasant – eine Chance, die Fintech-Anbieter für sich nutzen.
 

Fehlende Infrastruktur und die weite Verbreitung von Mobiltelefonen prädestinieren die Schwellenländer für alternative Finanzlösungen.

- Charles Knudsen, Portfolio Specialist, Schwellenländer

So erfüllen Fintech-Lösungen alltägliche finanzielle Bedürfnisse

Die geringe Verbreitung von Kredit- und Debitkarten kann die digitale Innovation vorantreiben. Dies trägt zum Aufstieg digitaler Geldbörsen bei, die sich in den Schwellenländern zunehmender Beliebtheit erfreuen. Unternehmen wie Alibaba oder Tencent sind Nutznießer des enormen Wachstums in diesem Bereich.

Ganz deutlich wird dies in der Zeit um das chinesische Neujahr, wenn eine enorme und jährlich weiter steigende Zahl von „hóngbāos“ – Geldgeschenken zu besonderen Anlässen – virtuell per Handy-App verschenkt wird. Allein im Jahr 2019 wurden nach Angaben von WeChat während der Feiertage zum chinesischen Neujahr mehr als 820 Millionen dieser „roten Päckchen“ verschickt. Die Zahl der Menschen, die in dieser Zeit „hóngbāos“ per WeChat verschenkt haben, entspricht mehr als dem Doppelten der Einwohnerzahl der USA.

So kümmern sich Fintech-Lösungen um alltägliche finanzielle Bedürfnisse

So kümmern sich Fintech-Lösungen um alltägliche finanzielle Bedürfnisse

1 EY FinTech Adoption Index 2017: Der steile Aufstieg der Fintech.

Mobilfunk- und Cloud-Technologien könnten zudem eine Lösung für die Auszahlung von Löhnen sein. Unternehmen wie M‑Pesa, ein Dienstleister für mobile Überweisungen mit Sitz in Kenia, sind in diesem Bereich Vorreiter. Mit diesen Lösungen können Arbeitgeber ihren Beschäftigten den Lohn elektronisch auszahlen, auch wenn diese kein Bankkonto haben.
 

Partnerschaften für die Entwicklung von Lösungen aufbauen

Afrika ist weltweit führend im Bereich der mobilen Zahlungslösungen, die aus der Finanzdienstleistungslandschaft des Kontinents nicht mehr wegzudenken sind. Mobilfunkbetreiber waren die Ersten, die diese Chance genutzt haben. Doch in letzter Zeit haben auch Fintechs auf dem Markt solide Fuß gefasst. Mittlerweile buhlen mehrere Banken aggressiv um Kunden, die mobile Bankdienste nutzen.

Einige Banken wollen dies im Alleingang schaffen, andere suchen sich Partner in der Hoffnung, den Markt so schneller zu erreichen. Diese Unternehmen decken das gesamte Spektrum an Finanzdienstleistungen ab, von Zahlungslösungen und Girokonten über Sparkonten und Krediten bis hin zu Geldanlageprodukten und Versicherungen. Etwas mehr als jeder zweite der 282 weltweit tätigen mobilen Zahlungsdienstleister ist nach Angaben der GSMA, einer Branchenvereinigung, die die Interessen von Mobilfunkbetreibern in aller Welt vertritt, in Ländern Subsahara-Afrikas ansässig.

Mobilfunk- und Cloud-Technologien könnten eine Lösung für die Auszahlung von Löhnen sein.

- Irmak Surenkok, Portfolio Specialist, Schwellenländer

Mobilfunk- und Cloud-Technologien erleichtern die Auszahlung von Löhnen

Mobilfunk- und Cloud-Technologien erleichtern die Auszahlung von Löhnen

Ein aktueller Bericht von McKinsey deutet darauf hin, dass es in Afrika aktuell rund 100 Millionen aktive Konten für den mobilen Zahlungsverkehr gibt. Damit ist die Verbreitung sehr viel höher als in Südasien, das mit 40 Millionen aktiven derartigen Konten, auf Basis des Marktanteils, der zweitgrößte regionale Markt für mobile Zahlungslösungen ist. Diese Unternehmen lösen ein echtes Problem. Bis vor Kurzem war es zum Beispiel für Wanderarbeiter in Nairobi unglaublich schwierig, ihren auf dem Land lebenden Familien einen Teil ihres Lohns zu schicken. Nun geht das praktisch per Knopfdruck.
 

Was spricht gerade jetzt für Fintech?

Wir sind begeistert von dem Potenzial für Bezahlmöglichkeiten per Software, die enorme Chancen bieten und die Branche für Zahlungssysteme revolutionieren könnten. Wollte ein Händler ein Geschäft eröffnen, führte ihn sein erster Weg bislang zu seiner Bank, um sich Kapital zur Finanzierung seiner Unternehmung zu sichern. Bei dieser Gelegenheit versuchte die Bank natürlich direkt, dem Händler ein Produkt zur Zahlungsabwicklung zu verkaufen. Heute ist der erste Schritt die Wahl einer Software, die die Händler bei ihrem neuen Geschäft unterstützt. Dieser Wandel verändert auch die Zahlungsabwicklung – weg von Banken und hin zu Zahlungsdienstleistern, die auf spezialisierte Software setzen.

Die Branche für Zahlungssysteme hat aber noch mehr Spielraum für weiteres Wachstum. Neben software-unterstützten Zahlungssystemen dürften auch Zahlungslösungen im Firmenkundengeschäft (B2B) dem Fintech-Sektor radikal verändern. Die Anbieter in diesem Bereich versuchen, die Lücke zu füllen, die Banken durch ihren Rückzug aus dem Kreditgeschäft mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) hinterlassen haben. Zugleich bieten sie Lösungen für die Zahlungsabwicklung und die Optimierung von Arbeitsabläufen. B2B ist ein mehrere Billionen US-Dollar schwerer Markt, der in punkto Größe dem Bereich der Zahlungslösungen für Verbraucher kaum nachsteht. In dieser Branche hat die Umstellung von manuellen Arbeitsgängen auf modernere Zahlungstechnologien gerade erst begonnen. Dies könnte der Zahlungssystem-Branche über Jahre hinweg ordentliches Wachstum bescheren.

Auch für Finanzinstitute wird Fintech nun allmählich ein Thema, erkennen sie doch zunehmend, was für eine transformative Wirkung Innovation auf ihr Geschäft haben kann. Wenn sie sich mit den komplexen Anforderungen und Problemen – zum Beispiel mit lokalen Regelungen und Vorschriften, Kapitalanforderungen, Reputationsrisiken – befassen, die sie bewältigen müssen, wenn sie den Schritt in die Finanzdienstleistungsbranche wagen wollen, erkennen etablierte Technologieunternehmen den Nutzen von Partnerschaften mit Fintech-Anbietern.
 

Disruption der Branche wurde vorgezogen

Finanzielle Inklusion in den Entwicklungsländern hat im Zuge der Coronavirus-Pandemie noch mehr an Bedeutung gewonnen. Wer nicht einmal Zugang zu einem Mobiltelefon hat, für den ist es meist erst recht schwierig oder sogar völlig unmöglich, eine Bankfiliale zu besuchen und seine Geldgeschäfte zu erledigen. Die Verfügbarkeit von und die Unterstützung durch traditionelle Banken sind in vielen Schwellenländern ohnehin schon sehr begrenzt und verschlechtern sich dadurch noch weiter. Mobile Lösungen werden in Schwellenländern zu so etwas wie einer „Lebensader“, denn der schlechte Zugang ist für die Verbraucher dort ein sehr reales Problem. Verbraucher, die in diesen Märkten Zugang zum Internet haben, stellen fest, dass sie sich durch Fintech-Dienste Mittel, die sie für ihr Geschäft oder ihren Lebensunterhalt dringend benötigen, sehr schnell beschaffen können.

Die Einbeziehung der finanziellen Instrumente ist den Entwicklungsländern während der Coronavirus-Pandemie noch wichtiger geworden.

- Daniel Hurley, Associate Portfolio Specialist, Schwellenländer

Die ganze Welt verändert sich und stellt sich auf eine neue Realität ein. Für Unternehmen ergeben sich daraus nach der Pandemie unzählige Möglichkeiten. Es wird neue Nischen und spannende Ideen geben, und die Menschen werden erkennen, dass die digitalen Hilfsmittel, auf die sie in dieser disruptiven Phase gesetzt haben, in der Tat wichtige Dienste bereitstellen, unabhängig von den Bedingungen. Fintech-Unternehmen können diese Gelegenheit nutzen, um ihre Reputation weiter zu verbessern und letzten Endes gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

 

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