INVESTMENT INSIGHTS

Wird die zunehmende Bedeutung von ESG in Japan zur Rückkehr aktiver Strategien führen?

Archibald Ciganer , Portfolio Manager

Überblick

  • Am japanischen Aktienmarkt sind vor allem ausländische Anleger derzeit vornehmlich über passive und ETF-Strategien investiert. Diese stoßen jedoch in einem Umfeld, das sich in einem rasanten Wandel befindet, offenbar zunehmend an ihre Grenzen.
  • Viele japanische Unternehmen setzen in Sachen ESG zurzeit in rasantem Tempo Best-Practice-Verfahren um. Wer als Investor eine gezielte Auswahl treffen will, kommt mit passiven Strategien jedoch meist nicht weit.
  • Wir glauben, dass ein erfolgreiches Investment ein aktives Verfahren erfordert, mit dem sich nachhaltige Unternehmen identifizieren lassen, die auf der «richtigen Seite des Wandels» stehen.

In dieser späten Phase des Aktienmarktzyklus stehen Anleger in Japan offenbar zunehmend vor einem Konflikt. Denn sie richten ihren Fokus zunehmend auf die Faktoren Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung (ESG) und wollen gut informiert sein über die Unternehmen in ihrem Portfolio und deren Engagement in Sachen ESG. Das gilt in Japan vor allem für ausländische Anleger, die bislang hauptsächlich über passive und börsengehandelte Fonds (ETFs) investiert sind. Die Welt von heute befindet sich in einem dynamischen und disruptiven Wandel, weshalb die Dominanz passiver Anlagestrategien hinderlich ist, um ESG-Kriterien zu beurteilen und entsprechend handeln zu können.
 

Passive Strategien sind in Sachen ESG potenziell schlecht aufgestellt   

In den beiden Jahrzehnten nach der Finanzblase in den 1980er Jahren sind die japanischen Aktienmärkte massiv eingebrochen, was gut dokumentiert ist. In der Folge wandten sich die Anleger stark von aktiven Japanstrategien ab und bevorzugten stattdessen passive Investments, was zu einem massiven Rückgang beim Sell-Side-Research führte. Dieser Mangel an verfügbaren Analysen trifft sowohl in Japan als auch weltweit nun auf ein Umfeld mit massiven, nachhaltigen Umbrüchen – die sowohl auf wirtschaftlicher und finanzieller als auch auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene spürbar werden.


Nicht nur in Japan verlangen die Investoren zunehmend Informationen darüber, ob ein Unrernehmen in Sachen ESG mit erhöhten Risiken (oder auch Chancen) verbunden ist. Anleger in passiven Strategien, die in Sachen ESG mehr wissen oder positiv auf das Geschäftsgebaren einzelner Unternehmen einwirken wollen, sehen sich in ihrem Wunsch, sich aktiv zu engagieren, jedoch eingeschränkt.
 

Viele der großen Passivstrategien für japanische Aktien werden von globalen Investmentmanagern ohne (oder so gut wie ohne) Vor-Ort-Analysen verwaltet. Das hat zur Folge, dass die Anleger im besten Fall eine geringe (oder lediglich reaktive) und im schlechtesten Fall überhaupt keine Mitsprache in unternehmerischen Belangen haben. Die Möglichkeit, eine Auswahl zu treffen und fortschrittliche Unternehmen mit starken oder sich verbessernden ESG-Standards auszufiltern, bietet eine Chance, die allerdings durch die Dominanz passiver Strategien vertan wird. Denn diese haben keine Möglichkeit, auf der Grundlage traditioneller Fundamentaldaten oder spezieller ESG-Analysen «gute» von «schlechten» Unternehmen zu unterscheiden.
 

Wir glauben, dass ein erfolgreiches Investment ein aktives Verfahren erfordert, mit dem sich nachhaltige Unternehmen identifizieren lassen, die auf der «richtigen Seite des Wandels» stehen.
- Archibald Ciganer Portfolio Manager, T. Rowe Price Japanese Equity Strategy

Politische und aufsichtsrechtliche Entwicklungen stärken ESG

Wir glauben, dass ein erfolgreiches Investment ein aktives Verfahren erfordert, mit dem sich nachhaltige Unternehmen identifizieren lassen, die auf der «richtigen Seite des Wandels» stehen. Dies gilt für Japan in besonderem Maße, da sich dort die Unternehmenslandschaft rasant verändert und zahlreiche Betriebe in Sachen ESG eine schnelle Umsetzung der Best-Practice-Verfahren vorantreiben – nicht zuletzt angetrieben von staatlichen Initiativen oder den Vorgaben lokaler Rentenfonds.
 

Eine der wichtigsten Errungenschaften der wirtschaftlichen Erneuerungsstrategie «Abenomics» des Premiers Shinzō Abe ist die Verbesserung der japanischen Corporate-Governance-Standards. Dadurch sind wiederum höhere Aktionärsrenditen zunehmend in den Fokus der Unternehmen gerückt. Dies zeigt sich auch an der entschlossenen und schnellen Umsetzung von Stewardship-Kodizes, die die Unternehmenskultur spürbar verändern.
 

Der Wandel erfordert ein aktives und selektives Management – nicht nur, um höhere Renditen sicherzustellen, sondern auch um die Risiken zu steuern, die entstehen, wenn Unternehmen «auf der falschen Seite» des Wandels und des Fortschritts stehen. In besonderem Maße gilt dies bei der Beurteilung der ESG-Kriterien, da diese unseres Erachtens zwingend ein aktives Engagement, flankiert durch einen direkten und persönlichen Dialog mit den Geschäftsleitungen, erfordern.
 

Das Modell passiver Investments basiert hingegen naturgemäß auf einer kostengünstigen Lösung, die dadurch umgesetzt wird, dass sie unterschiedslos in alle Unternehmen eines Index investiert – unabhängig davon, ob diese potenziell als bedenklich gelten oder ob sie Verfahren anwenden, die bestimmte Grundwerte verletzen. Die fehlende Selektivität dieser Strategien scheint jedoch einer Welt, in der ESG und Nachhaltigkeit (der Geschäftsmodelle und Praktiken) zunehmend in den Fokus rücken, nicht mehr gerecht zu werden. Dies gilt in besonderem Maße für ein Land wie Japan, wo Corporate-Governance-Standards schneller vorangetrieben werden als in jedem anderen großen Industrieland.
 

(Abb. 1) Eine bessere Unternehmensführung bedeutet auch einen verstärkten Fokus auf die Aktionärsrendite
Aktionärsrendite aller Börsenunternehmen1
Stand: 30. Juni 2018

(Abb. 1) Eine bessere Unternehmensführung bedeutet auch einen verstärkten Fokus auf die Aktionärsrendite

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

Quellen: Geschäftsberichte, Japan Exchange Group/Haver Analytics und Analysen von Empirical Research Partners.

1 An der Börse Tokio (TSE) notierte Unternehmen; Finanz- und Versorgungswerte sind in den Daten nicht enthalten. Aktienrückkäufe abzüglich ausgegebener Aktien. Die Daten basieren auf Governance-Berichten, die bis Mitte Juli jeden Jahres vorgelegt werden.

2 E = geschätzte Daten, zuletzt verfügbar zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.


Investoren legen immer mehr Wert auf eine positive ESG-Bilanz  

Im Gespräch mit unseren Kunden, insbesondere größeren institutionellen Anlegern, haben wir im letzten Jahr zunehmend dezidierte und komplexe Anforderungen an die ESG-Integration bzw. die Anwendung entsprechender Ausschlusskriterien erörtert. Besonders wichtig scheint den Anlegern das Engagement der einzelnen Unternehmen sowie ein Screening des Portfolios hinsichtlich bestimmter Ausschlusskriterien (z. B. Geschäfte mit Waffen oder Tabakprodukten) zu sein. In den meisten Fällen fordern unsere Kunden, dass ESG-Faktoren neben der Analyse traditioneller Finanzdatenpunkte in den Anlageentscheidungsprozess eingebettet werden müssen.
 

Dies ist nicht nur wichtig für unsere Anlageverfahren, sondern auch in Bezug darauf, wie sich die Anlagechancen an den japanischen Aktienmärkten dadurch verschieben werden. Aufgrund der schnellen Umsetzung von ESG-Standards durch die Betriebe des Landes und wegen des stärkeren Fokus der Investoren auf eine positive Einflussnahme bei gesellschaftsrelevanten Unternehmensentscheidungen wäre es unsers Erachtens falsch, lediglich einen vorübergehenden Trend zu vermuten.
 

Der Weg hin zur bestmöglichen Erfüllung von ESG-Kriterien ist auf Kurs – vor allem in Japan

In den letzten Jahren haben vor allem Verbesserungen bei der Unternehmensführung zu steigenden Aktionärsrenditen geführt. In der nächsten Phase der Reformagenda des japanischen Premiers Shinzō Abe liegt nun der Fokus auf der Förderung der Vielfalt am Arbeitsplatz. Auch dieses Ziel wird offensichtlich entschieden in die Praxis umgesetzt.
 

Die Vielfalt am Arbeitsplatz (und insbesondere der Frauenanteil in den oberen Führungsetagen) wird von einer Regierung, die die stärkere Beteiligung von Frauen in der Berufswelt als Lösung für den demografischen Rückgang in Japan sieht, ausdrücklich in den Mittelpunkt gestellt. Wir werden diese Themen auch künftig mit den japanischen Unternehmen diskutieren, um diesen Aspekt des Wandels – und seine Auswirkungen auf die Finanzperformance – für jedes einzelne Unternehmen und jede einzelne Aktie zu verstehen und einschätzen zu können.


(Abb. 2) Die Bemühungen, die Zahl der erwerbstätigen Frauen zu erhöhen, tragen Früchte

Japans Frauenerwerbsquote (%)
Stand: 31. Dezember 2018

(Abb. 2) Die Bemühungen, die Zahl der erwerbstätigen Frauen zu erhöhen, tragen Früchte

 

Quelle: OECD (2019). OECD-Arbeitsmarktstatistik: Datensatz zur Erwerbsquote von Frauen:

https://data.oecd.org/emp/labour-force-participation-rate.htm, Stand: 10. Dezember 2019. Datenanalysen von T. Rowe Price.


Wertvolle Erkenntnisse durch Ressourcen und Verfahren, die speziell auf ESG ausgerichtet sind  

In Sachen Corporate Governance haben die Unternehmen in Japan in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt. Unseres Erachtens werden sie ihr Engagement in Zukunft noch entschlossener vorantreiben. Das eröffnet für Unternehmen, die mit dem Wandel Schritt halten, enorme Chancen – aber ebenso enorme Risiken für jene, die der Entwicklung hinterherhinken. Aktive Strategien sind in der Lage, zu erkennen, wer potenziell zu den Gewinnern oder den Verlierern zählt, und ihre Portfolios entsprechend auszurichten.
 

 

... Wir messen das ESG-Engagement der Unternehmen seit jeher auf der Grundlage eigener Fundamentalanalysen und eingehender Kenntnisse der lokalen Märkte.
- Archibald Ciganer Portfolio Manager, T. Rowe Price Japanese Equity Strategy

 

Wir bei T. Rowe Price messen das ESG-Engagement der Unternehmen seit jeher auf der Grundlage eigener Fundamentalanalysen und eingehender Kenntnisse der lokalen Märkte. In den letzten Jahren haben wir unsere Research-Plattform durch erhebliche Investitionen in das auf ESG spezialisierte Research-Team, das eigene Analysen zur Integration in unsere Anlageentscheidungen bereitstellt, weiter verstärkt. Dies versetzt uns in die Lage, potenzielle ESG-Risiken oder -Chancen in unserem Anlageuniversum besser zu verstehen und Möglichkeiten für eine Mitwirkung in den Unternehmen in unserem Portfolio auszuloten. In Kombination mit dem fundierten Fachwissen unseres neunköpfigen Analystenteams für japanische Aktien sind wir damit gut positioniert, um aktiv auf die sich verändernden Anlagebedürfnisse unserer Kunden einzugehen.
 

Was als nächstes wichtig ist

 

Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft dürfte japanischen Unternehmen zugutekommen, wenngleich der Handelskrieg zwischen China und den USA weiterhin für Verunsicherung sorgt und eine mögliche Eskalation sowohl in Japan als auch weltweit zu den größten Risiken zählt. Wir werden die weitere Entwicklung genau im Auge behalten. Das Best-Case-Szenario bestünde in einer Entspannung im Handelskonflikt und einer Aufhebung der Sanktionen. Mit unserem Fokus auf Qualitätstitel dürfte sich das Portfolio jedoch auch robust entwickeln, wenn sich die Lage an der Handelsfront verschlechtert und das Wachstum dadurch gefährdet ist.

Wichtige Informationen

Dieses Dokument wurde ausschließlich zu allgemeinen Informations- und Werbezwecken erstellt. Dieses Dokument ist in keiner Weise als Beratung oder als Verpflichtung zur Beratung zu verstehen (auch nicht in Bezug auf Treuhandanlagen). Es sollte zudem nicht als primäre Grundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden. Interessierte Anleger sollten sich in rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Belangen von unabhängiger Seite beraten lassen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Die T. Rowe Price-Unternehmensgruppe, zu der auch T. Rowe Price Associates, Inc. und/oder deren verbundene Gesellschaften gehören, erzielen Einnahmen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen von T. Rowe Price. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Der Wert einer Anlage sowie die mit dieser erzielten Erträge können sowohl steigen als auch sinken. Es ist möglich, dass Anleger weniger zurückbekommen als den eingesetzten Betrag.


Das vorliegende Dokument stellt weder ein Angebot noch eine persönliche oder allgemeine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren in irgendeinem Land oder Hoheitsgebiet beziehungsweise zur Durchführung bestimmter Anlageaktivitäten dar. Das Dokument wurde von keiner Aufsichtsbehörde irgendeines Landes oder Hoheitsgebiets geprüft.

Die hierin geäußerten Informationen und Ansichten wurden aus oder anhand von Quellen gewonnen, die wir als zuverlässig und aktuell erachten; allerdings können wir die Richtigkeit oder Vollständigkeit nicht garantieren. Wir übernehmen keine Gewähr dafür, dass sich Vorhersagen, die möglicherweise getätigt werden, bewahrheiten werden. Die hierin enthaltenen Einschätzungen beziehen sich auf den jeweils angegebenen Zeitpunkt und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern; diese Einschätzungen unterscheiden sich möglicherweise von denen anderer Gesellschaften und/oder Mitarbeiter der T. Rowe Price-Unternehmensgruppe. Unter keinen Umständen dürfen das vorliegende Dokument oder Teile davon ohne Zustimmung von T. Rowe Price vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.

Das Dokument ist nicht zum Gebrauch durch Personen in Ländern oder Hoheitsgebieten bestimmt, in denen seine Verbreitung untersagt ist oder Beschränkungen unterliegt. In bestimmten Ländern wird es nur auf spezielle Anforderung zur Verfügung gestellt.

Das Dokument ist nicht für Privatanleger bestimmt, unabhängig davon, in welchem Land oder Hoheitsgebiet diese ihren Wohnsitz haben.

 

 

201912-1037408

zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I EUR
ISIN LU0230817925
Diversifiziertes Portfolio, das typischerweise in 60-80 unserer besten Ideen bei japanischen Wachstumswerten investiert. Berücksichtigt werden alle Größenklassen („All-Cap“). Unser Interesse richtet sich auf robuste Unternehmen mit Potenzial für eine Steigerung des Shareholdervalue, meist infolge struktureller Veränderungen oder fundamentaler Transformationsprozesse.
Mehr...
3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
9,23%
Fondsvolumen
(EUR)
€1,5Mrd.
INVESTMENT INSIGHTS