INVESTMENT INSIGHTS

Versorger: ein potenzieller neuer Wachstumssektor

David Giroux , Portfolio Manager

Überblick

  • Versorgungsunternehmen bieten Anlegern potenziell interessante Wachstumschancen bei nach wie vor attraktiven Dividendenrenditen.
  • Durch die stetig sinkenden Kosten für erneuerbare Energien befindet sich der Versorgersektor im Wandel. Dies führt zum einen zu sinkenden operativen Kosten, zum anderen zu einem schnelleren Gewinnwachstum.
  • Wir sind überzeugt, dass Versorgertitel nun ähnliche Renditen wie der breite US-Aktienmarkt bieten können, allerdings bei einer geringeren Volatilität. Dies könnte einen Anstieg der Bewertungen nach sich ziehen.

Versorger galten lange Zeit als defensiver Sektor, der Anlegern vergleichsweise attraktive Dividendenrenditen, aber kaum oder gar kein Gewinnwachstum bot. Diese traditionelle Branchendynamik ändert sich nun jedoch und das althergebrachte Denken ist überholt. Tatsächlich sind wir davon überzeugt, dass Versorger von allen US-Aktiensektoren nun möglicherweise mit die interessantesten langfristigen Chancen zur Erzielung risikobereinigter Erträge bieten könnten.
 

Früher wurden die Renditen von Versorgertiteln fast nur von der Dividendenrendite bestimmt; diese wiederum korrelierte stark mit der Rendite von US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Von 1986 bis 1998 zum Beispiel blieben die Gewinne im Teilindex S&P Utilities Index praktisch stabil, während der Gewinn je Aktie der Unternehmen im S&P 500 Index um 159% stieg – eine jährliche Gesamtwachstumsrate (CAGR) von 8,5%.


(Abb. 1) Bessere relative Performance der Versorgertitel
Höhere Gewinne, erneuerbare Energien ließen die Erträge steigen
Gesamtrendite vom 29. Dezember 2017 bis zum 27. Dezember 2019, indexiert auf 100

(Abb. 1) Bessere relative Performance der Versorgertitel

 

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

Die Performance des Index dient lediglich der Veranschaulichung und ist kein Indikator für eine bestimmte Anlage. Anleger können nicht direkt in einen Index investieren. Zusätzliche Informationen zur Berechnung der Gewinne, welche die getätigten Aussagen stützen, enthält Fußnote 1.

Quelle: Finanzdaten und Analysen von FactSet. Copyright 2019 FactSet. Alle Rechte vorbehalten.



Doch in letzter Zeit hat sich das Gewinnwachstum der Versorger beschleunigt, während es sich am breiten Markt verlangsamt hat – die Gewinndifferenz ist dadurch geschrumpft. Zum Beispiel stieg in den zehn Jahren bis 2017 der Gewinn je Aktie im S&P 500 Utilities Index mit einer CAGR von 4,1% gegenüber 6,1% für den S&P 500.1 Wir sind überzeugt, dass das Gesamtgewinnwachstum für den S&P Utilities Index in den nächsten Jahren jenes des S&P 500 sogar übersteigen könnte.
 

Für diese neue Ära sind mehrere Entwicklungen verantwortlich:
 

  • Der Rückgang der Erdgaspreise durch die Fracking-Technologie,
  • die Umstellung von der Kohle- auf die kostengünstigere Gasverstromung,
  • die Regulierungsmaßnahmen vieler US-Bundesstaaten, die den Gewinnen zugutekommen, und
  • der Aufstieg preiswerter erneuerbarer Energiequellen wie Wind- und Sonnenenergie in letzter Zeit, die Kohle und Erdgas zunehmend verdrängen.


Diese Trends, insbesondere die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien, drücken die Brennstoff-, Betriebs- und Instandhaltungskosten. Dadurch konnten die Versorger im Allgemeinen ihr regulatorisches Anlagevermögen (die sog. „Rate Base“, Nettowert der Netzanlagen, Gebäude und Ausrüstung eines Versorgers, mit denen dieser Erträge erzielen kann) stärker steigern, ohne die Kosten für ihre Kunden zu erhöhen – eine wichtige Veränderung im Geschäftsmodell von Versorgern.
 

70%

Potenzieller Anteil der erneuerbaren Quellen an der US-Stromerzeugung in 20 Jahren.

Kostengünstige erneuerbare Energien verändern die Branche grundlegend

Im Jahr 2017 lag der Anteil erneuerbarer Energieträger an der gesamten Stromerzeugung in den USA bei etwa 18%.2 Da diese Energieträger aber kostengünstiger werden, könnte ihr Anteil nach unserer Einschätzung in den nächsten 20 Jahren auf 60% bis 70% steigen. Verbesserungen an der Batteriespeichertechnologie könnten diesem Trend zusätzlichen Schub geben.
 

In der Vergangenheit war die Errichtung von Windparks oder Solaranlagen aus ökonomischer Sicht ungünstig. Heute sind erneuerbare Energieträger in einigen Teilen des Landes kostenmäßig bereits konkurrenzfähig, vor allem im Mittleren Westen, im Westen und im Südosten. Und dabei steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen.
 

Versorger, die im Mittleren Westen der USA tätig sind, können heute ein existierendes Kohlekraftwerk vom Netz nehmen und durch einen Windpark ersetzen, auch wenn das Kohlekraftwerk nicht komplett stillgelegt wird. Denn dank des eingesparten Brennstoffs und der geringeren Betriebskosten lohnt sich dies aus wirtschaftlicher Sicht. In sehr sonnigen oder windigen Landesteilen könnte es in den nächsten fünf Jahren ökonomisch betrachtet auch immer sinnvoller werden, in der Stromerzeugung statt auf Erdgas mehr auf erneuerbare Energien zu setzen.

Verbesserte Regulierung

Verbesserte Regulierungsstrukturen haben auch dazu beigetragen, dass das Umfeld für US-Versorger deren Gewinnen mehr zugutekommt. In den 1980er und bis in die 1990er Jahre hinein legten viele Versorger den Fokus auf die Kohle- und Atomkraft; Budgetüberschreitungen und Produktionsverzögerungen waren bei diesen Projekten gang und gäbe.
 

So konnte es vorkommen, dass ein Unternehmen ein großes Kohle- oder Atomkraftwerk baute und ihm vom Regulierer eine Rendite von 9% zugesichert wurde, dann aber vier Jahre später ein Kraftwerk hatte, das unter Umständen doppelt so viel kostete wie erwartet. Erträge konnte und durfte das Unternehmen erst dann erwirtschaften, wenn das Kraftwerk ans Netz ging. Da die Renditen negativ waren, solange das Kraftwerk noch im Bau war, lag die Gesamtrendite unter dem Strich möglicherweise nur bei 6% bis 7%. Heute dagegen dürfen Versorger in den meisten US-Bundesstaaten bereits Renditen erwirtschaften, wenn die Anlage noch im Bau ist.
 

Tatsächlich ist das Verhältnis zu den Regulierern heute insgesamt viel entspannter, weil die Versorger dank der sinkenden Kosten für erneuerbare Energien den von den Regulierern geforderten ökologischen Fußabdruck erreichen können, ohne die Kunden stark zu belasten. Die Kunden sind zufrieden, weil sie relativ preisgünstigen Strom erhalten, und die Regulierer und Politiker sind zufrieden, weil die Entwicklung bei den erneuerbaren Energien schneller voranschreitet.
 

(Abb. 2) Gewinnwachstum von US-Versorgern hat sich verbessert
Gewinndifferenz zum S&P 500 nimmt ab
Wachstumsrate des Gewinns je Aktie: 1986-2017

(Abb. 2) Gewinnwachstum von US-Versorgern hat sich verbessert

 

Quelle: S&P via FactSet (siehe Abschnitt „Zusätzliche Informationen"). Berechnungen von T. Rowe Price auf Basis von Daten von FactSet Research Systems Inc. Alle Rechte vorbehalten. Weitere Hinweise finden Sie in Fußnote 1.
 

Wir glauben, dass Versorgungsunternehmen dank der kostengünstigen erneuerbaren Energien in den nächsten Jahrzehnten ein nachhaltiges überdurchschnittliches Gewinnwachstum erzielen könnten.

Eine neue Ära für die Gewinne

Wir glauben, dass Versorgungsunternehmen dank der kostengünstigen erneuerbaren Energien in den nächsten Jahrzehnten ein nachhaltiges überdurchschnittliches Gewinnwachstum erzielen könnten. Unserer Ansicht nach könnten hochwertige Versorger ihre Rate Base um 6% bis 8% pro Jahr und den Gewinn je Aktie um 5% bis 7% steigern – und das nachhaltig.
 

Neben einem eventuell stärkeren Gewinnwachstum könnten Versorger den Anlegern unserer Ansicht nach aber noch weitere potenzielle Vorteile bieten.
 

Von allen defensiven Sektoren des Marktes – die dem Konjunkturzyklus traditionell weniger stark ausgesetzt sind – ist aus unserer Sicht einzig der Versorgersektor nicht von bedeutenden langfristigen Risiken bedroht, etwa vom Aufkommen neuer Konkurrenten oder von technologischen Innovationen, die das Umsatzwachstum und die Gewinnmargen beeinträchtigen könnten. Während die Telekommunikation, Basiskonsumgüter und Teile des Gesundheitswesens jeweils in der einen oder anderen Form vor langfristigen Herausforderungen stehen, sind die Versorger sogar Nutznießer des langfristigen Wandels.
 

Bemerkenswert ist auch, dass Versorger im Vergleich zum breiten US-Markt relativ wenigen wirtschaftlichen oder politischen Risiken ausgesetzt sind und als im Großen und Ganzen binnenmarktorientierte Branche weniger anfällig sind für Wechselkursschwankungen, durch die der USD-Wert der im Ausland erwirtschafteten Gewinne sinken könnte. Schließlich entwickeln sich Versorger traditionell weniger volatil als der Gesamtmarkt.
 

Wir geben Versorgertiteln aktuell den Vorzug gegenüber Basiskonsumgüterwerten, die auch häufig als defensiver und weniger zyklischer Sektor angesehen werden. Basiskonsumgüterunternehmen dürften ihre Gewinne in nächster Zeit unserer Ansicht nach langsamer steigern als Versorger, größeren langfristigen Risiken ausgesetzt sein, die ihr Geschäftsmodell bedrohen, und haben sich in der Vergangenheit volatiler entwickelt. Und doch sind Konsumgüterwerte im Vergleich zu Versorgertiteln traditionell höher bewertet.
 

Wir sind überzeugt, dass die Bewertungen der Versorger mit der Zeit steigen sollten, wohingegen jene der Basiskonsumgüteraktien sinken dürften. Versorger sollten sich daher auf Sicht von fünf bis zehn Jahren potenziell erheblich besser entwickeln können als Basiskonsumgüterwerte.
 

Was könnte schiefgehen?

Wir sind davon überzeugt, dass Versorgerwerte eine attraktive langfristige Anlagemöglichkeit darstellen. Gleichwohl sollten Anleger einige potenzielle Herausforderungen bedenken:
 

  • Regulatorische Beschränkungen rund um das Fracking oder ein vollständiges Fracking-Verbot auf staatlichem Boden könnten die Erdgaspreise und mithin die Energiekosten der Kunden steigen lassen.
  • In einigen US-Bundesstaaten wie Kalifornien, Arizona und zuletzt auch Texas ist die regulatorische Situation nach wie vor schwierig. Bevor sie in bestimmte Versorgungsunternehmen investieren, müssen Anleger wissen, ob das regulatorische Umfeld in den US-Bundesstaaten, in denen diese Unternehmen vorwiegend geschäftlich tätig sind, günstig ist oder nicht.
  • Ein spürbarer Anstieg der US-Inflation und / oder der Zinssätze könnte Druck auf die operativen Kosten und die Energiekosten der Kunden ausüben.
  • Der Versorgersektor ist wieder stärker gefragt als vor ein paar Jahren und die Bewertungen sind leicht erhöht.


Unter dem Strich sind wir davon überzeugt, dass die sich bessernde Dynamik im Versorgersektor attraktive Möglichkeiten für langfristig orientierte Anleger bietet, die nach Wachstumspotenzial bei moderatem Risiko suchen.
 

Was als nächstes wichtig ist

Der Großteil der Steuervergünstigungen, die Versorgern auf US-Bundesebene gewährt wurden, um die Entwicklung des Solar- und Windkraftsektors zu fördern, wird in den nächsten Jahren auslaufen. Doch auch ohne diese Steuervergünstigungen sind die Kosten für erneuerbare Energien so drastisch gesunken, dass sie zunehmend günstiger sind als Kohle und mit Erdgas auf Augenhöhe liegen. Falls die Steuervergünstigungen verlängert werden, könnte dies das Wachstum des Sektors jedoch weiter beschleunigen.


 

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die in diesen Informationen dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung:

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, können Wechselkursschwankungen ausgesetzt sein, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Das Portfolio unterliegt der für Anlagen in Aktien typischen Volatilität und sein Wert kann stärker schwanken als bei einem Portfolio, das in ertragsorientierten Wertpapieren anlegt.

 


Zusätzliche Informationen

Copyright 2019 FactSet. Alle Rechte vorbehalten. www.factset.com
 

Der S&P 500 Index ist ein Produkt von S&P Dow Jones Indices LLC, einer Division von S&P Global, oder deren verbundenen Unternehmen („SPDJI“) und wurde für die Verwendung durch T. Rowe Price lizenziert. Standard & Poor’s® und S&P® sind eingetragene Marken von Standard & Poor’s Financial Services LLC, einer Division von S&P Global („S&P“); Dow Jones® ist eine eingetragene Marke von Dow Jones Trademark Holdings LLC („Dow Jones“). Das Produkt von T. Rowe Price wird von SPDJI, Dow Jones, S&P oder ihren jeweiligen verbundenen Unternehmen nicht gesponsert, unterstützt, verkauft oder beworben; diese Parteien geben zudem keinerlei Zusicherung hinsichtlich der Zweckmäßigkeit einer Anlage in diesen Produkten ab und haften nicht für Fehler, Auslassungen oder Unterbrechungen des S&P 500 Index.
 

Die US Capital Appreciation Strategie ist geschlossen und / oder weist Kapazitätsbeschränkungen auf.

 


1
Wir haben die Gewinne nur für die Zeit bis zum 31. Dezember 2017 berechnet, um Verzerrungen durch das US-Steuerreformgesetz von 2017 zu vermeiden, das unter anderem eine deutliche Senkung der US-Körperschaftsteuersätze vorsah. Durch diese Änderungen ist der Gewinn je Aktie sowohl im S&P Utilities Index als auch im S&P 500 Index stark gestiegen. Da Versorger als Sektor jedoch hohe steuerpflichtige Erträge erwirtschaften, profitierten sie von dem Gesetz überdurchschnittlich stark. Bei zusätzlicher Berücksichtigung der Gewinne aus dem Jahr 2018 wäre daher der Vergleich mit dem breiten S&P 500 Index unfair gewesen.
 

2Quelle: 2018 Sustainable Energy in America Factbook, erstellt vom Business Council for Sustainable Energy und von Bloomberg New Energy Finance.
 

Wichtige Informationen

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