INVESTMENT INSIGHTS

Reverse-Yankee-Anleihen: ein wachsendes Marktsegment

David Stanley , Portfolio Manager

Überblick

  • US-Unternehmen begeben zunehmend Anleihen, die auf Euro lauten («Reverse Yankees»). Amerikanische Betriebe zählen heute zu den größten Emittenten am Markt für Euro-Unternehmensanleihen.
  • Die Emittenten profitieren in Europa von extrem niedrigen Renditen und engen Spreads, was für ein anhaltend hohes Angebot an Reverse Yankees sorgen dürfte.
  • Unseres Erachtens bietet das wachsende Marktsegment interessante Möglichkeiten, um das Portfolio zu diversifizieren und von attraktiven Bewertungen zu profitieren.

Das Emissionsvolumen auf Euro lautender Anleihen von US-Unternehmen ist zuletzt stark gestiegen. Bis Mitte Dezember 2019 brachten US-Betriebe Anleihen im Wert von rund 93 Milliarden Euro auf die europäischen Märkte. Diese als «Reverse Yankees» bezeichneten Papiere machten im letzten Jahr rund 30% des gesamten Marktvolumens aus.
 

Wir glauben, dass der positive Trend anhalten wird und das steigende Angebot an Reverse Yankees eine gute Möglichkeit bietet, um das Portfolio zu diversifizieren und am wachsenden Markt für Euro-Anleihen Alpha zu generieren.


(Abb. 1) Ein rekordhohes Angebot an Reverse Yankees

Jährliches Volumen1 der von US-Unternehmen emittierten Anleihen
Stand: 13. Dezember 2019

(Abb. 1) Ein rekordhohes Angebot an Reverse Yankees

 

Quelle: J.P. Morgan (siehe „Zusätzliche Angaben“).

1 Volumen der emittierten Investment-Grade-Euro-Anleihen (ohne Finanztitel)



Nach einem schwachen Volumen im Jahr 2018 ist das Angebot an Reverse Yankees 2019 wieder stark gestiegen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend längerfristig anhalten wird. US-Unternehmensanleihen machen einen immer größeren Anteil am europäischen Anleihenmarkt aus. Zum Ende des dritten Quartals 2019 entfielen bereits 18% des Bloomberg Barclays Euro Corporate Bond Index auf US-Emissionen, wobei Frankreich das einzige Land ist, dem ein höherer Anteil zuzuschreiben war. Sofern Emittenten aus den USA bei den Neuemissionen weiterhin einen Spitzenplatz einnehmen, könnte das Land schon bald den größten Anteil an umlaufenden Euro-Unternehmensanleihen ausmachen.
 

... Reverse-Yankee-Anleihen bieten im Vergleich zu den Fundamentaldaten der Unternehmen häufig relativ hohe Risikoprämien.

Faktoren, die den positiven Trend weiter stützen sollten

Während der europäische Markt für Unternehmensanleihen weiter wächst, überqueren US-Unternehmen den Atlantik, um ihre Finanzierungsquellen und ihre Investorenbasis zu diversifizieren. Die zunehmende Beliebtheit von Reverse Yankees hat aber auch andere Gründe: 
 

  • Extrem niedrige Renditen. Die Renditen für auf Euro lautende Unternehmensanleihen sind nach wie vor niedrig, was der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als Reaktion auf die niedrige Inflation und die Wachstumssorgen der letzten Jahre zuzuschreiben ist. Die niedrigen (mitunter sogar negativen) Renditen auf Kern-Staatsanleihen haben die Renditen für Unternehmensanleihen nach unten gedrückt, sodass die Unternehmen in der Eurozone nach wie vor deutlich niedrigere durchschnittliche Finanzierungskosten vorfinden als in den USA. Kurz gesagt können US-Unternehmen ihre Schuldtitel mit niedrigeren Kupons ausgeben als in ihrer Heimat.
  • Engere Spreads.Die EZB hat im November im Rahmen der quantitativen Lockerung ihre monatlichen Anleihekäufe wieder aufgenommen, was die Gesamtnachfrage im Verhältnis zum Angebot erhöht. Aufgrund der daraus folgenden Spreadverengung bei Unternehmensanleihen ist der Euro-Anleihenmarkt für ausländische Emittenten attraktiver geworden. Viele US-Unternehmen haben zudem die Möglichkeit, Anleihen über ihre europäischen Tochtergesellschaften zu emittieren, sodass diese Papiere in das Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (CSPP) der EZB aufgenommen werden können, das im Rahmen der quantitativen Lockerungspolitik neu aufgelegt wurde.
  • Günstigere Cross-Currency-Basis-Swaps.Cross-Currency-Basis-Swaps sind Finanzinstrumente, mit denen Unternehmen den Erlös aus einer Anleiheemission von einer Währung in eine andere Währung konvertieren können. Der Kurs, zu dem die Unternehmen Euro in Dollar tauschen können, hat sich 2019 vergünstigt. Dadurch werden die niedrigen Finanzierungskosten, die die Anleihenmärkte der Eurozone bieten, noch attraktiver – insbesondere für Unternehmen, die nicht unbedingt eine Finanzierung in Euro benötigen.


Wir gehen davon aus, dass diese positiven Faktoren weiter bestehen. Die EZB hat deutlich gemacht, dass sie ihre expansive Geldpolitik langfristig fortführen will, während die geldpolitischen Signale der US-Notenbank (Fed) eher gemischt ausfallen. Trotz der Zinssenkungen im Jahr 2019 scheint die Fed zu zögern, sich auf einen längeren Zinssenkungszyklus festzulegen. Stattdessen hält sie an einer weitgehend neutralen Haltung fest. Wenngleich die Renditen in der Eurozone ausgehend von den jüngsten Rekordtiefs weiter steigen könnten, glauben wir, dass sie auf absehbare Zeit niedriger bleiben als am US-Markt.
 


(Abb. 2) Steigender Anteil von US-Unternehmensanleihen

Umlaufende Euro-Anleihen nach Ländern1
Stand: 31. Oktober 2019

(Abb. 2) Steigender Anteil von US-Unternehmensanleihen

 

Quelle: Bloomberg Index Services (siehe «Zusätzliche Angaben»); Datenanalysen von T. Rowe Price.

1 Gemessen am Bloomberg Barclays Euro Corporate Bond Index.
 

Neue Investmentchancen für Anleger

Unserer Meinung nach stellt das wachsende Angebot an Reverse Yankees für europäische Anleger eine attraktive Möglichkeit dar, um ein Engagement am US-Markt einzugehen – und zwar ohne das Währungsrisiko, das mit einer Investition in US-Schuldtitel normalerweise einhergeht. Damit eröffnen sich interessante Chancen, um das Portfolio zu diversifizieren und zusätzliches Alpha zu generieren.
 

Zudem bieten Reverse Yankees im Vergleich zu den Fundamentaldaten der Unternehmen häufig sehr hohe Risikoprämien. Grund dafür ist unter anderem dieTatsache, dass die europäischen Anleger oft relativ wenig über die US-Unternehmen wissen, was dazu führt, dass die Anleihen auf dem Sekundärmarkt im Vergleich zu den Fundamentaldaten oder gegenüber europäischen Titeln vergleichbarer Bonität mit einem attraktiveren Spread bewertet bzw. gehandelt werden. Für aktive Bottom-up-Anleger schafft dies interessante Alpha-Chancen.
 

Worauf wir in der nächsten Zeit achten

Wir konzentrieren uns darauf, auf der Grundlage von Bottom-up-Fundamentalanalysen Relative-Value-Chancen zu identifizieren. Die meisten US-Unternehmen, die Euro-Anleihen emittieren, kennen wir aufgrund unserer Investments am US-Aktien- und Anleihenmarkt bereits gut. Dies verschafft uns den Vorteil, dass wir auf vorhandene Analysen zurückgreifen und uns auf den relativen Wert der Euro-Anleihen konzentrieren können.


Zusätzliche Informationen

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201912‑1034007

zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I EUR
ISIN LU0133091248
Legt überwiegend in Unternehmensanleihen an, die in Euro denominiert sind. Der diversifizierte Fonds versucht Ineffizienzen an den Märkten für Unternehmensanleihen zu nutzen, um laufende Erträge und Kapitalwachstum zu generieren. Investiert wird entlang der gesamten Kapitalstruktur. Mehr...
3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
2,34%
Durchschnittlicher Kupon
1,87%
FACTSHEET
Fondsvolumen
(EUR)
€264,7Mio.
Durchschnittliche Laufzeit
5,39 J.
Durchschnittliche Duration
k.A.