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März 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

Rezession 2020: Schwer, aber kurz

COVID-19 und die Folgen für die US-Wirtschaft

Die wichtigsten Punkte

  • Die Konjunktur dürfte in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres ungefähr so stark schrumpfen wie in der langen Rezession nach der Finanzkrise.
  • In zahlreichen Branchen mussten die Unternehmen schließen und ihre Mitarbeiter nach Hause schicken. Sobald der Shutdown wieder gelockert wird, dürfte das Wachstum – vermutlich irgendwann im Mai – jedoch wieder in Schwung kommen.
  • Aufgrund der soliden Geschäfts- und Konsumentwicklung vor Ausbruch der Krise dürfte eine längere Rezession vermieden werden, zumal die Regierungen beispiellose Stützungsmaßnahmen ergriffen haben.


In weiten Teilen der USA gelten inzwischen strenge Beschränkungen, darunter die staatlich angeordnete räumliche Distanzierung und die Ausgangssperren, die in der nächsten Zeit weiter verschärft werden dürften. Ich rechne derzeit damit, dass die Maßnahmen bis etwa Mitte April immer weiter ausgedehnt werden – mit den entsprechenden Folgen für die Wirtschaft.

Danach dürfte die Produktion jedoch langsam wieder hochgefahren werden, zumindest in jenen Branchen, die wegen des Virus zum Stillstand gekommen sind. Daher dürfte es wirtschaftlich wieder aufwärts gehen, sobald die Viruseindämmung so weit fortgeschritten ist, dass die soziale Distanzierung aufgelockert werden kann. Ich gehe davon aus, dass die Menschen irgendwann im Mai allmählich ihre Arbeit wieder aufnehmen können.
 

Wichtig dabei ist, dass es keine Blaupause für die aktuelle Situation gibt und folglich jede Einschätzung extrem unsicher ist.

Beispiellose Quartalsrückgänge, zurückzuführen auf die Monate März und April

Vermutlich wird der wirtschaftliche Shutdown immense Folgen auf das Wachstum im zweiten Quartal haben. Die Konsensprognose1 geht davon aus, dass das reale BIP-Wachstum saisonbereinigt gegenüber dem Vorjahr um 10,8% einbricht. Das wäre der höchste Quartalsrückgang seit 72 Jahren.

Wichtig dabei ist, dass es keine Blaupause für die aktuelle Situation gibt und folglich jede Einschätzung extrem unsicher ist. Unter diesem Vorbehalt glaube ich, dass der Rückgang im zweiten Quartal sogar 15% betragen könnte, und zwar unter folgenden Annahmen:

  • Meiner Meinung nach werden die Sektoren Transport und Lagerung, Bildung, Kunst, Unterhaltung sowie Gastgewerbe und Verpflegung von Februar bis April um etwa die Hälfte einbrechen, bevor sie sich im Mai und Juni mit einem monatlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 10% allmählich wieder erholen.
  • Andere Sektoren sollten hingegen besser abschneiden. So könnte beispielsweise das verarbeitende Gewerbe im zweiten Quartal um etwa 20% schrumpfen, während die Geschäftstätigkeit im Gesundheitswesen im März voraussichtlich um 30% steigen und bis Juni auf diesem Niveau verharren wird. Zudem rechne ich damit, dass die Staatsausgaben im März um 10% zulegen – und bis Juni ebenfalls auf diesem Niveau bleiben werden.

Sofern diese Annahmen zutreffen, ergäbe sich summa summarum eine Schrumpfung um 4% im ersten Halbjahr. Dies entspricht dem Rückgang während der über sechs Quartale andauernden Rezession 2008-2009.
 

Längerfristig sehen wir keine Gründe für eine Rezession

Eine Rezession geht üblicherweise mit einer Beseitigung von Ungleichgewichten einher. Diese Ungleichgewichte treten häufig in Form einer übermäßigen Nachfrage bei den Anlageinvestitionen und/oder den Verbraucherausgaben auf, die die Finanzen in der Privatwirtschaft überstrapaziert hat. Im Gegensatz dazu wurde der aktuelle Abschwung vor allem durch den staatlich verordneten Stillstand der Wirtschaft ausgelöst, mit dem Ziel, die Menschen räumlich auf Distanz zu halten und die Pandemie einzudämmen. Aufgrund der einzigartigen Gründe für diesen Abschwung dürfte die Rezession daher zwar schwerer verlaufen als normalerweise, aber auch schneller wieder vorbeigehen.

Unternehmerische Investitionen:  Kein Überhang erkennbar

Der sich abzeichnende Produktionsrückgang wird sicherlich zur Folge haben, dass die Unternehmen, zumindest auf kurze Sicht, ihre Investitionen herunterfahren. Deren Niveau war allerdings schon vorher relativ niedrig, hauptsächlich wegen der letztjährigen Rezession in der verarbeitenden Industrie, die gerade zu dem Zeitpunkt überwunden schien, als die Corona-Krise ihren Anfang nahm. So gingen die Nettoinvestitionen bereits im Jahresverlauf 2019 stark zurück, was sich in diesem Quartal fortsetzen dürfte. Durch diesen Rückgang bedingt, scheint das annualisierte Wachstum des Anlagevermögens der Unternehmen im letzten Jahr auf das untere Ende seiner jüngsten Bandbreite, d.h. etwa 1,8% gefallen zu sein – also auf das Niveau der Jahre 2016-2017. Schon vor der Corona-Krise wurde damit gerechnet, dass der Kapitalstock im Jahr 2020 lediglich um gut 1,5% steigen wird – also so langsam wie seit 2011 nicht mehr.

Dieses zuletzt relativ langsame Wachstum deutet darauf hin, dass die Investitionen der Unternehmen den grundlegenden Bedarf der Wirtschaft – und auch ihre eigenen finanziellen Kapazitäten – nicht überstiegen haben. In den beiden letzten Rezessionen war zudem zu beobachten, dass sich die Finanzausstattung der Unternehmen (nicht ausgeschüttete Gewinne abzüglich Investitionen) immer mehr verschlechterte und zunehmend in den negativen Bereich rutschte. Im Gegensatz dazu war der finanzielle Saldo Ende 2019 nahe Null, weshalb eine Kürzung der Investitionen dieses Mal nicht zwangsläufig zu erwarten ist.

Sicher ist jedoch, dass die Investitionen in den von der Pandemie unmittelbar betroffenen Sektoren wie etwa Bildung, Kunst und Unterhaltung, Erholung, Gastgewerbe und Versorgung im April gänzlich zum Stillstand kommen könnten. Andererseits könnten die Investitionen beispielsweise im Chemiesektor, zu dem unter anderem die Pharmakonzerne zählen, und im Gesundheitswesen steigen. Während die erstgenannten Sektoren 10,1% der gesamten Unternehmensinvestitionen ausmachen, entfallen auf die letztgenannten 10,4%.

Wohnimmobilien: Kein Grund für einen Abwärtstrend

Bis Februar wurden immer mehr Wohnimmobilien gebaut und verkauft, bevor die Indizes für Hypothekenanträge auf einen durch die Social-Distancing-Maßnahmen ausgelösten kurzfristigen Rückgang hindeuteten. Dennoch gibt es kaum Gründe für einen Abwärtstrend, sobald sich der Arbeitsmarkt nach der Eindämmung der Pandemie wieder erholt. Die jüngsten Steigerungsraten waren zudem außergewöhnlich hoch, da das Angebot an neuen Wohnungen niedriger ist als die aufgrund der Gründung neuer Haushalte bestehende Nachfrage.
 

Unterbrechung der typischen Rezessionsdynamik 

Trotz der robusten Ausgangsbedingungen bei den Privatinvestitionen könnte sich aufgrund der kurzfristigen Entlassungen und der daraus resultierenden sinkenden Verbraucherausgaben eine typischere Rezessionsdynamik entfalten. In der Woche bis zum 21. März meldete sich eine Rekordzahl von 3.283.000 Amerikanern arbeitslos – Tendenz steigend, da immer mehr Restaurants und andere Dienstleister schließen müssen.

Die neuen Arbeitslosen werden gezwungen sein, ihren Konsum einzuschränken – und zwar in allen Lebensbereichen, also auch in solchen, die gar nicht direkt vom Virus betroffen sind. Unternehmen in Sektoren, in denen die Nachfrage sinkt, werden wiederum Kapazitäten abbauen, unter anderem, indem sie weitere Mitarbeiter entlassen. Dennoch gehe ich davon aus, dass diese vorübergehende Wachstumsdelle nach der Eindämmung des Virus größtenteils wieder ausgeglichen wird.
 

Die Regierungen haben mit schnellen und energischen geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen reagiert, um die Folgen des staatlich angeordneten Shutdowns abzufedern.

Eine beispiellose geld- und fiskalpolitische Stützung  

Die Regierungen haben mit schnellen und energischen geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen reagiert, um die Folgen des staatlich angeordneten Shutdowns abzufedern. So hat beispielsweise die Fed noch drastischere Maßnahmen ergriffen als in der Finanzkrise 2008-2009 – mit unbefristeten Käufen von Staatsanleihen und hypothekarisch gesicherten Wertpapieren für Wohn- und Gewerbeimmobilien, mit Liquiditätsspritzen für Investment-Grade-Unternehmensanleihen sowie mit einem Kreditprogramm zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen. Zudem hat die Regierung ein 1,5 Billionen US-Dollar schweres Paket bestehend aus Steuererleichterungen und Staatsausgaben geschnürt, das ebenfalls größer ist als 2009 (7,1% des BIP gegenüber 5,5%) und das ab der dritten Aprilwoche umgesetzt werden soll. 

 

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