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Februar 2020 / INVESTMENT INSIGHTS

COVID 19 und die Anleihemärkte

Mögliche Folgen des Coronavirus-Ausbruchs für Anleiheinvestoren.

Die wichtigsten Punkte

  • Die großen Zentralbanken dürften in naher Zukunft nicht mit Zinssenkungen reagieren.
  • Lokalwährungsanleihen aus Asien dürften sich überdurchschnittlich entwickeln, doch die Währungen der Region sind dem Risiko einer weiteren Abwertung ausgesetzt.
  • Das Universum der Unternehmensanleihen wird wahrscheinlich durch verschiedene Negativfaktoren belastet.


Der Ausbruch des Coronavirus (COVID-19) hat die Finanzmarktprognosen für das Jahr 2020 auf den Kopf gestellt. Bei unseren Sitzungen zur Anlagepolitik erörterte das Anlageteam die aktuelle Entwicklung und arbeitete die drei wichtigsten Folgen heraus, die sich daraus für Investments an den Anleihemärkten ergeben.
 

1. Die großen Zentralbanken dürften in naher Zukunft nicht mit Zinssenkungen reagieren

Es besteht kaum Zweifel daran, dass das Wachstum der Weltwirtschaft durch den Coronavirus-Ausbruch belastet wird. Wie langfristig oder schwerwiegend die Auswirkungen sein werden, bleibt jedoch ungewiss. Da die Analyse der Daten länger dauern wird, werden die tatsächlichen Folgen möglicherweise erst in einiger Zeit bekannt sein. Vor diesem Hintergrund werden die großen Zentralbanken wahrscheinlich eine abwartende Haltung einnehmen und vorerst genau beobachten, wie die chinesischen Behörden auf die Epidemie reagieren.

„Die politische Reaktion Chinas konzentriert sich bisher auf das Krisenmanagement“, erläutert Kenneth Orchard, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams. „Mittelfristig könnte das Land jedoch eine Reihe von neuen Maßnahmen ergreifen, um das Wachstum zu stützen.“ „Dabei kann es sich um weitere Zinssenkungen oder Kredite zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen handeln, aber auch um gezielte fiskalpolitische Maßnahmen in Bereichen wie Infrastruktur“, fügt Kenneth Orchard hinzu.

An den globalen Anleihemärkten hat der Ausbruch des Virus die Investoren zu einer raschen Änderung ihrer Erwartungen veranlasst. Während sie bisher ein Reflationsszenario eingepreist hatten, gehen sie jetzt von Zinssenkungen der Zentralbanken zur Krisenbekämpfung aus. Dies hat die Renditen drastisch sinken lassen, wobei das kurze Ende der US-Zinskurve jetzt die Erwartung widerspiegelt, dass die US-Notenbank den Leitzins spätestens im September senken wird.

Kenneth Orchard ist mit dem Marktkonsens jedoch nicht einverstanden. „Die Märkte sollten nicht vorwegnehmen, dass die großen Zentralbanken im Jahr 2020 mit Zinssenkungen beginnen werden – dafür ist der Zeitpunkt zu früh“, erklärt er. „Aufgrund der Inversion der Zinskurven in den USA und Deutschland stellen Engagements in Staatsanleihen dieser Kernmärkte derzeit eine kostspielige Positionierung dar.“
 

Die Märkte sollten nicht vorwegnehmen, dass die großen Zentralbanken im Jahr 2020 mit Zinssenkungen beginnen werden – dafür ist der Zeitpunkt zu früh.

- Ken Orchard, Portfolio Manager

2. Lokalwährungsanleihen aus Asien dürften sich überdurchschnittlich entwickeln, doch die Währungen der Region sind dem Risiko einer weiteren Abwertung ausgesetzt

Die Dominoeffekte der erwarteten Wachstumsverlangsamung in China werden in ganz Asien spürbar sein. Um diesen Schock abzufedern, werden verschiedene Zentralbanken der Region wahrscheinlich ihre Geldpolitik lockern und den Markt mit zusätzlicher Liquidität versorgen. „Da die Inflation in den umliegenden Ländern Asiens insgesamt recht niedrig ist, haben die Zentralbanken Spielraum, Maßnahmen zur Wachstumsbelebung zu ergreifen“, so Kenneth Orchard. „In Thailand und Indonesien wurden die Zinsen bereits gesenkt, und wir gehen davon aus, dass weitere Länder der Region diesem Beispiel in den nächsten Monaten folgen werden.“

Denkbar ist dies etwa in Südkorea und Malaysia, da beide Volkswirtschaften durch Handel und Tourismus eng mit China verbunden sind. Mit Blick auf die Anleihemärkte schafft die verhaltene Inflation in Verbindung mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen ein günstiges Umfeld für Lokalwährungsanleihen, das der Region eine Outperformance ermöglichen dürfte.

Neben einer Senkung der Leitzinsen könnten einige Länder auch fiskalpolitische Konjunkturmaßnahmen ankündigen. Singapur gab beispielsweise vor Kurzem ein Konjunkturpaket im Wert von 4,5 Mrd. USD bekannt, das dazu beitragen soll, die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie zu bewältigen. Nach Einschätzung unserer Analysten für Staatsanleihen könnten weitere Länder diesem Schritt folgen, darunter Südkorea und Malaysia.

Trotz dieser Maßnahmen sind die Währungen der Region dem Risiko einer weiteren Abwertung ausgesetzt. „Aufgrund der Gefahren durch den Virusausbruch könnten sich bestimmte asiatische Währungen kurzfristig weiter schwach entwickeln“, erläutert Kenneth Orchard. Dazu zählt auch der japanische Yen, der traditionell als Zufluchtswährung dient, in jüngster Zeit jedoch aufgrund der geografischen Nähe Japans zum Epizentrum der Epidemie unter Druck geraten ist.
 

Asiatische Hochzinsanleihen erscheinen attraktiv, doch wir ergänzen das Portfolio nur dann um ausgewählte Positionen, wenn wir in unseren Bottom-up-Analysen ein mittelfristig attraktives Unternehmen identifizieren

- Ken Orchard, Portfolio Manager

3. Das Universum der Unternehmensanleihen wird wahrscheinlich durch verschiedene Negativfaktoren belastet 

Die Coronavirus-Epidemie wird sich von Sektor zu Sektor unterschiedlich auswirken. Nach Ansicht unserer Kredit- und Aktienanalysten ist der Automobilsektor besonders anfällig, da Fabrikschließungen in China die Lieferketten unterbrechen werden. Dies gilt vor allem für Unternehmen, die Bauteile in der Provinz Hubei herstellen lassen. Für Technologieunternehmen werden die Auswirkungen hingegen je nach Struktur ihrer Lieferketten unterschiedlich ausfallen.

Rohstoffunternehmen sehen sich durch die drastischen Preisrückgänge, die aus der Erwartung einer weltweiten Wachstumsabkühlung resultieren, erheblichen Belastungen ausgesetzt. „Dem Rohstoffsektor hat die jüngste Entwicklung erheblich zugesetzt. Falls die Virusepidemie eingedämmt wird, könnte dieser Bereich jedoch attraktive Anlagechancen bieten“, so Kenneth Orchard. Seiner Meinung nach gilt dies auch für chinesische Immobilienentwickler. 

Im Großen und Ganzen erscheinen asiatische Hochzinsanleihen attraktiv, sofern die Anleger bereit sind, über die kurzfristige Volatilität hinauszublicken. Das Segment bietet steile Renditekurven und ist im Vergleich zu asiatischen Investment-Grade-Anleihen und anderen Bereichen des Hochzinsmarktes, einschließlich der Schwellenmärkte, attraktiv bewertet. Das technische Umfeld ist ebenfalls günstig, da das Bruttoangebot im Jahr 2020 abnehmen dürfte und der Markt von inländischen Investoren mit einem längerfristigen Anlagehorizont dominiert wird.

„Asiatische Hochzinsanleihen erscheinen attraktiv, doch wir ergänzen das Portfolio nur dann um ausgewählte Positionen, wenn wir in unseren Bottom-up-Analysen ein mittelfristig attraktives Unternehmen identifizieren“, erklärt Kenneth Orchard.

 

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