INVESTMENT INSIGHTS

Drei Anlageideen für Kreditpapiere bei einer Reflation

Saurabh Sud , Portfolio Manager
Arif Husain , Portfolio Manager

Überblick

  • Durch die Stabilisierung der Konjunkturdaten dürften sich im Anleihesektor interessante Chancen ergeben.
  • Der Markt für zinsvariable Bankkredite sticht als vielleicht interessantester Sektor für Allokationen im Kreditbereich heraus.
  • Bestimmte Unternehmensanleihesegmente dürften auch Chancen bieten und bei EM-Anleihen in Hartwährungen ist ebenfalls mit einer guten Performance zu rechnen.

Die neuesten Konjunkturdaten sind in den USA, Asien und mit Abstrichen in Europa erfreulich ausgefallen. Dies könnte signalisieren, dass sich die konjunkturellen Bedingungen nun allmählich stabilisieren. Noch lässt sich aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich hierbei lediglich um eine Pause im Abwärtstrend oder um den Auftakt zu einer spätzyklischen Erholung handelt. Bei unseren letzten Wochensitzungen zur Anlagepolitik hat das Anlageteam die potenziellen Auswirkungen der besseren Daten auf die Anleihemärkte erörtert. Im Zentrum stand dabei die Frage, welche Segmente des Kreditmarkts besonders stark profitieren könnten, falls das Narrativ von der Reflation sich weiter durchsetzt. Nachfolgend erläutert Saurabh Sud, Portfoliomanager und Mitglied des Anlageteams für globale Anleihen, drei Anlageideen für die Kreditmärkte, die Anleger in einem Reflationsszenario in Betracht ziehen sollten.
 

1. Der Markt für zinsvariable Bankkredite ist wieder attraktiv.

Dieser Markt hat sich in den letzten Monaten schwächer entwickelt als jener für Hochzinsanleihen, weil der Markt weitere Zinssenkungen der US-Notenbank (Fed) eingepreist hat, was zu erheblichen Mittelabflüssen führte. Negative Schlagzeilen haben die Anlageklasse ebenfalls beeinträchtigt – zumal die Ratings zuletzt immer schneller nach unten korrigiert wurden. Die Auswirkungen auf die Nachfrage von Collateralized Loan Obligations (CLOs) nach Bankkrediten haben zusätzlich belastet. Ein freundlicheres Konjunkturumfeld würde für etwas Entspannung für Kredite sorgen, die im Vergleich zu herkömmlichen Hochzinsanleihen gegenwärtig attraktiv bewertet sind. Die Nachfrage könnte anziehen, während die Fed die Zinsen wohl unverändert lassen wird. Zugleich besteht ein starkes Interesse an Produkten mit Cash-Bezug. Alles in allem scheinen sich nun gute Kaufmöglichkeiten zu bieten, um wieder in zinsvariable Kredite einzusteigen.
 

Doch nicht alle Segmente der Kreditmärkte sind attraktiv: Emissionen mit einem Rating von B aus den Jahren 2017 bis 2019 zum Beispiel dürften ein hohes Ausfallrisiko aufweisen und könnten eine Ausweitung der Spreads verzeichnen, selbst wenn sich der Rest des Kreditmarkts gut entwickelt. Die Wertpapierauswahl bleibt in dieser sehr technischen Anlageklasse ein entscheidender Faktor. Die Mitglieder des Research-Teams hoben vor allem Diskontkredite mit hoher Anlagendeckung hervor, bei denen die Fähigkeit des Unternehmens, die Kredite in den nächsten zwei oder drei Jahren zu tilgen oder zu refinanzieren, sehr gut vorhersagbar ist.

Alles in allem scheinen sich nun gute Kaufmöglichkeiten zu bieten, um wieder in zinsvariable Kredite einzusteigen.

2. Anleger sollten einen Blick auf ungeliebte Segmente des Markts für Unternehmensanleihen werfen.

Bei den Investment‑Grade-Unternehmensanleihen leidet der Energiesektor bereits seit geraumer Zeit unter den tiefen Ölpreisen und würde von einem Reflationsumfeld profitieren. Wenn sich das Wachstum in den USA beschleunigt, könnten Titel aus dem Energiesektor, entweder aus dem Pipeline-Sektor oder solche mit Bezug zur Ölförderung, Wertpotenzial bieten. Die interessantesten Titel dürften unter höherwertigen Emittenten von Hochzinsanleihen zu finden sein. Das Distressed-Debt-Segment sollten Anleger indes weiter meiden. Das Team erwartet nämlich nach wie vor, dass der Sektor von Ausfällen betroffen sein wird, weil immer noch Kapital aus Unternehmen mit nicht nachhaltigen Geschäftsmodellen und Kapitalstrukturen abgezogen wird. Der Zeitpunkt könnte günstig sein, um den Fokus auf den Automobilsektor zu richten. Dieser ist in den letzten beiden Jahren aufgrund der schwachen Nachfrage, der Korrektur der Bewertungen und der Bedenken rund um die Umweltauswirkungen der Fahrzeuge hinter den anderen Segmenten des Kredituniversums zurückgeblieben. Anleger sollten vielleicht über Umschichtungen vor allem in kurzfristige Anleihen nachdenken, bei denen die Korrektur der Bewertungen überzogen scheint. Außer bei Unternehmen wie Ford dürften am Markt keine weiteren Herabstufungen drohen. Darüber hinaus würde eine Wiederbelebung der Konsumnachfrage dem wirtschaftlichen Profil dieser Unternehmen sehr deutlich zugutekommen.


Bestimmte Unternehmenssektoren bieten Wert

Sektoren Energie und Automobile wirken attraktiv.
Stand: 31. Oktober 2019

Sektoren Energie und Automobile wirken attraktiv. Stand: 31. Oktober 2019

 

Quelle: Bloomberg Index Services Limited (siehe Zusätzliche Informationen). Analysen von T. Rowe Price.

Regressionsanalyse zwischen dem optionsbereinigten Spread (OAS) der Sektoren Energie und Automobile im Vergleich zum OAS des Bloomberg Barclays Global Aggregate–Corporate Bond Index. Wochendaten.

Wenn sich das Wachstum in den USA beschleunigt, könnten Titel aus dem Energiesektor, entweder aus dem Pipeline-Sektor oder solche mit Bezug zur Ölförderung, Wertpotenzial bieten.

3. Hartwährungsanleihen der Schwellenländer bieten Wert.

Die Stabilisierung des Wachstums und die geringeren geopolitischen Risiken könnten sich auch für Emittenten von Unternehmensanleihen in Hartwährung mit Sitz in den Schwellenländern als positiv erweisen; dies gilt vor allem für asiatische Unternehmensanleihen. Die verbesserten Aussichten für die globale Nachfrage, die Entspannung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie der schwächere US-Dollar werden es für diese Unternehmen einfacher machen, Kredite in US-Dollar aufzunehmen; dies wird außerdem ihrer Fähigkeit zugutekommen, Kredite zurückzuzahlen. Darüber hinaus bietet sich Anlegern, die in Unternehmen aus Schwellenländern investieren, nun die Möglichkeit, Erträge mit Unternehmen zu erzielen, die überwiegend ein Investment-Grade-Rating aufweisen und einen gewissen Schutz bieten, falls sich die Reflation nicht wie erwartet entwickeln sollte.

Gleiches gilt für Hartwährungs-Staatsanleihen, die allmählich auch wieder gefragter sind. Aufgrund ihrer typischerweise höheren Duration könnten Anleihen in Hartwährungen allerdings empfindlicher auf einen Anstieg der Zinssätze reagieren. Daher bevorzugen wir Anleihen mit kürzeren Laufzeiten.


 

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