INVESTMENT INSIGHTS

Saudi-Arabien setzt Reformkurs fort

Seun Oyegunle, CFA , Investmentanalyst

Überblick

  • Der Börsengang von Saudi Aramco verdeutlicht, wie entschlossen Saudi-Arabien daran arbeitet, seine Abhängigkeit vom Öl langfristig zu reduzieren.
  • Anlegern, die sich in den Schwellenländern engagieren, dürfte sich dadurch vielfältigere Möglichkeiten bieten.
  • Die Reformen könnten zwar schneller vonstattengehen und auch umfassender sein, gleichwohl finden wir, dass die Entwicklung nun in eine erfreuliche Richtung geht.

Innerhalb des Universums der Schwellenländer bietet Saudi-Arabien eine ganze Reihe von Möglichkeiten, birgt aber auch Herausforderungen. Große Vorkommen an natürlichen Rohstoffen, die junge Bevölkerung, ein designierter König, der für Reformen offen ist, und die große, weiter wachsende Wirtschaft in der Region sind attraktive Merkmale für Anleger. Diesen stehen allerdings diverse Risiken gegenüber, unter anderem drohende soziale Unruhen, die Launen des Ölmarkts und die geopolitische Unsicherheit.
 

Durch den Börsengang des staatlichen Energieriesen Aramco rücken Saudi-Arabiens Bemühungen, mit Hilfe der Einnahmen aus dem Energiesektor die Wirtschaft stärker zu diversifizieren und dadurch die historisch gewachsene Abhängigkeit von den Öleinnahmen zu überwinden, stärker ins Blickfeld.

Die Reformbemühungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wir würden uns aber wünschen, dass sie weiter intensiviert werden.

Die Bedeutung von Saudi Aramco für die saudische Wirtschaft

Saudi Aramco, ein staatseigenes Energieunternehmen, ist sozusagen das Kronjuwel des Energiesektors des Königreichs Saudi-Arabien. Der Börsengang1 ist aufgrund seines Volumens auf viel Aufmerksamkeit gestoßen. Ähnlich viel Beachtung fand lediglich die Neuemission des chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba im Jahr 2014 mit einem Volumen von atemberaubenden 25 Mrd. USD. Dieser Börsengang ist Teil von Saudi-Arabiens weiter reichendem Reformprogramm Vision 2030. Das aggressive Programm Vision 2030 des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman soll das konservative Königreich modernisieren und die größte Volkswirtschaft in der Region unabhängiger vom Öl machen.
 

Mehr als 60% seiner Staatseinnahmen erwirtschaftet das Land im Ölsektor, wobei Aramco die größten Beiträge leistet. Der Börsengang soll helfen, die Pläne zur Förderung von Wirtschaftszweigen abseits des Öls zu finanzieren und öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Freizeit und Tourismus auszubauen und zu entwickeln.
 

Saudi Aramco – Zahlen und Fakten
 

Saudi Aramco – Zahlen und Fakten

 



1 Quellen: OPEC und Saudi Aramco, Stand: 30. November 2019.

2 Quellen: OPEC und Moody’s, Stand: 30. November 2019.

 

Maßnahmen, um ausländische Investitionen ins Land zu ziehen

Der Staat investiert bereits seit einiger Zeit aggressiv in Infrastrukturprogramme, etwa in die Errichtung mehrerer neuer „Wirtschaftsmetropolen“ im ganzen Land. Außerdem hat er bedeutende finanzielle Zusagen für den Ausbau des Stromnetzes, der Wasserversorgung und der Telekommunikationsnetze im Land gemacht.
 

Der Börsengang ist zudem ein weiterer Schritt, um mehr ausländische Investitionen ins Land zu ziehen. Der Aktienmarkt ist erst seit 2015 für ausländische Anleger zugänglich. Die saudi-arabische Börse Tadawul ist die mit Abstand größte in der arabischen Welt, so dass die Investitionen aus dem Ausland mit der Zeit fast zwangsläufig steigen sollten. Die kürzlich erfolgte Aufnahme in den MSCI Emerging Markets Index dürfte auch für höhere Zuflüsse sorgen.
 

Umfassendere Möglichkeiten, abseits der Energie

Die saudische Regierung hat bei der Diversifizierung der Wirtschaft bereits einige Erfolge erzielt. Wir legen unser Hauptaugenmerk auf drei wesentliche Bereiche: Gesundheitswesen, Konsum und Bankwesen.
 

Der Gesundheitssektor besitzt großes strukturelles Wachstumspotenzial, weil Angebot und Nachfrage in einem Missverhältnis zueinander stehen. Es gibt nur vier Kliniken für die fast 8 Millionen Menschen in Riad und es herrscht ein akuter Mangel an Krankenhausbetten.
 

Der Konsumsektor ist ebenfalls attraktiv und hat auch mit einem wichtigen Thema in den Schwellenländern zu tun: der wachsenden Mittelschicht und den steigenden Einkommen. Die Bewertungen der Unternehmen im Basis- und im Nicht-Basiskonsumgütersektor sind im Vergleich zu denen in einigen anderen großen Schwellenländern wie Indien, Indonesien und Mexiko günstig.


Der Bankensektor ist unterdessen ein Bereich, der bei uns schon seit geraumer Zeit im Fokus steht. Angesichts hoher Eintrittshürden, der an den US-Dollar gekoppelten Dividenden und des gut kapitalisierten Bankensystems weist der Sektor zahlreiche attraktive Merkmale auf. Besonders erfreulich finden wir das Wachstumspotenzial im Hypothekengeschäft. Die Marktdurchdringung von Hypotheken liegt bei nur etwa 10% von Saudi-Arabiens Bruttoinlandsprodukt und ist damit im Vergleich zu anderen Schwellen- und Industrieländern sehr gering. Das Wachstum bei Hypothekenkrediten stützt auch die Margen der Unternehmen, weil sie höhere Renditen erbringen. Ein gewisser Bestand an festverzinslichen Krediten hilft dagegen, das Verlustpotenzial bei tieferen Zinsen zu begrenzen. Wir haben uns kürzlich mit Vertretern einer saudischen Bank getroffen, die im dritten Quartal ein Wachstum des Hypothekenbestands um 52% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet hat und auch für 2020 starkes Wachstum prognostiziert.
 

Schlüssel zum Erfolg

Es gibt allerdings auch Bereiche, in denen die Reformen durchaus schneller vonstattengehen und umfassender sein könnten. Die Beschäftigung sowie die Löhne und Gehälter sind wichtige Aspekte. Durch den Arabischen Frühling von 2011 richtete die saudische Regierung ihren Blick stärker auf eine höhere Beschäftigung sowie höhere Löhne und Gehälter, vor allem für junge Arbeitskräfte. Das Land muss mehr tun, um sowohl die Arbeitslosigkeit zu reduzieren als auch Arbeitsplätze zu schaffen. Wir würden zudem eine stärkere Fokussierung auf die berufliche Aus- und Fortbildung insbesondere von Frauen und jungen Menschen begrüßen.
 

Gleichzeitig muss das Königreich mehr ausländische Direktinvestitionen (FDI) ins Land ziehen und auch ausländische Fachkräfte werden nach wie vor gebraucht. Die Einnahmen, die nichts mit dem Öl zu tun haben, steigen zwar, jedoch bleiben die Rohölexporte die Haupteinnahmequelle und eine wichtige Säule der saudi-arabischen Wirtschaft. Die Reformbemühungen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wir würden uns aber wünschen, dass sie weiter intensiviert werden.
 

Heute hat das Land im MSCI Emerging Markets Index ein Gewicht von 2,5%.2 Wenn weitere Verbesserungen erzielt werden, gehen wir davon aus, dass die Gewichtung Saudi-Arabiens im MSCI Emerging Markets Index weiter steigen wird, zumal es eine Pipeline von potenziellen Neuemissionen im Volumen von rund 150 Mrd. USD gibt. Neben dem Börsengang von Saudi Aramco sind auch dies Möglichkeiten, die wir weiter beobachten werden.
 


 

1 11. Dezember 2019.

2 Finanzdaten und Analysen von FactSet.  Copyright 2019 FactSet. Alle Rechte vorbehalten. Stand: 30. November 2019.
 

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201912-1031240

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