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Ruandas bemerkenswerte Transformation

Iona Dent , Associate Analyst

Ruanda wird man immer mit Afrikas größtem Genozid der Moderne in Verbindung bringen. Im Jahr 1994 wurden innerhalb eines Zeitraums von 100 Tagen schätzungsweise 800.000 Ruander getötet und viele weitere Millionen vertrieben. Die Institutionen des Landes, das Staatssystem und das Vertrauen unter den Menschen wurden zerstört.
 

Kaum jemand hatte erwartet, dass es Ruanda gelingen würde, die Ursache für den Völkermord – die ethnischen Gräben – zu überwinden und nach dem Konflikt den Prozess der Nationsbildung erfolgreich zu absolvieren. Doch in dem Land ist eine bemerkenswerte Transformation im Gange. Die Bevölkerung des Landes bildet zunehmend eine Einheit, bei der Wiederherstellung des Vertrauens in die Führung des Landes wurden große Fortschritte erzielt und die Wirtschaft ist, wenn man diversen Kennzahlen Glauben schenken will, auf dem Weg der Besserung.

Kürzlich wurden wir bei unserer Research-Reise nach Ruanda aus nächster Nähe Zeugen dieser Transformation.

Entwicklungsziele durch starkes Wachstum erreichen

Schnelles Wirtschaftswachstum ist das übergeordnete Entwicklungsziel in Ruanda. Mit dieser Vision vor Augen ist Ruanda dem Vorbild der erfolgreichen ostasiatischen Volkswirtschaften gefolgt, die bei ihren Entwicklungsbemühungen in ähnlicher Weise zunächst nach starkem Wachstum strebten. In den Jahrzehnten nach dem Genozid hat sich Ruanda einen Platz unter den wachstumsstärksten Ländern der Welt gesichert – das Pro-Kopf-Einkommen1 seiner 12,3 Millionen Einwohner hat sich dabei seit 1994 verdreieinhalbfacht.1 Darüber hinaus kommt das Wachstum in Ruanda im Großen und Ganzen allen zugute und durch hohe Investitionen in die sozialen Sicherungsnetze konnte die Armut drastisch reduziert werden.
 

Diesbezüglich hat sich das Land für die Zukunft überaus hohe Ziele gesteckt – insbesondere will es bis zum Jahr 2035 den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen der oberen Kategorie erreichen.1 Jegliche künftige Strategie, die auf hohes Wachstum abzielt, wird einen multi-sektoralen Ansatz erforderlich machen; heute machen der Dienstleistungssektor und die Industrie rund die Hälfte der wirtschaftlichen Aktivität insgesamt aus. Das Wachstum von Ruandas Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im Jahr 2019 Erwartungen zufolge weiter bei etwa 8% liegen2. Gestützt wird es von den staatlichen Investitionsausgaben, den privaten Investitionen sowie Maßnahmen, die eine diversifizierte und stärker auf die Erzielung von Mehrwert ausgerichtete wirtschaftliche Aktivität fördern sollen.2
 

Schnelles Wirtschaftswachstum ist das übergeordnete Entwicklungsziel in Ruanda.


Aktuelle Bedingungen in Ruanda

Verbesserung mehrerer Kennzahlen
Stand: 31. Oktober 2019

Verbesserung mehrerer Kennzahlen. Stand: 31. Oktober 2019

 

* Quelle: Interparlamentarische Union, 2018.
 

Verbesserung einer ganzen Reihe von Kennzahlen

Abgesehen vom BIP-Wachstum können noch weitere Kennzahlen herangezogen werden, um den rasanten Fortschritt in Ruanda zu veranschaulichen. Der Anteil der Frauen im Unterhaus des ruandischen Parlaments ist im weltweiten Vergleich der höchste überhaupt. Nach Ruanda reisende Touristen kurbeln die Wirtschaft an, was Folgewirkungen auf andere Bereiche der wirtschaftlichen Aktivität hat, zum Beispiel auf das Angebot an Obst. Den Maßnahmen zum Umbau der Wirtschaft zu einer wissensbasierten, dienstleistungsorientierten Wirtschaft kommt zugute, dass die meisten Ruander zweisprachig (Englisch und Französisch) sind und dank der hohen Verbreitung von 4G-Netzen die Vernetzung gut ist.
 

Unternehmen wie Bank of Kigali profitieren von der günstigen Wachstumsdynamik und dem Trend zu einer zunehmenden Digitalisierung.

Trends im Bankensektor

Neue Technologien wie elektronische Zahlungssysteme haben bedeutenden Einfluss auf Ruandas Bankensektor. Die Verbreitung von Mobiltelefonen ist hoch: rund 90% der Einwohner des Landes haben ein Handy. Außerdem ist die Interoperabilität der Zahlungssysteme für den Einzelhandel gut. Vor diesem Hintergrund hat Ruandas Zentralbank Maßnahmen formuliert, um die Beaufsichtigung des Sektors der Finanztechnologie (FinTech) zu stärken, aber zugleich Innovationen zu fördern. Dazu zählt unter anderem die Unterzeichnung von Absichtserklärungen mit den inländischen Regulierern für das Telekommunikationswesen.
 

Bank of Kigali – Expansion in den Digitalbereich

Bei unserer letzten Reise trafen wir das Management von Bank of Kigali, einer führenden ruandischen Bank. Bei Bank of Kigali sind, was selten für eine afrikanische Bank ist, sowohl die Stelle des CEO als auch die des Chief Financial Officer mit Frauen besetzt. Bank of Kigali ist zwar einer der größten Akteure auf dem Markt, spürt aber durchaus Wettbewerbsdruck – insbesondere durch den Zusammenschluss von Banque Populaire du Rwanda (BPR) und Equity Bank, die zusammen einen Marktanteil von 25% haben werden.
 

Bank of Kigali macht Fortschritte bei digitalen Projekten. Die Bank hat vor dreieinhalb Jahren digitale Geldbörsen eingeführt und von ihren insgesamt 300.000 Kunden bereits 170.000 dafür gewinnen können. Die Bank zielt insbesondere auf Bauern ab und versucht, neue Kunden anzuziehen, die bislang noch keine Bankdienstleistungen nutzen. Außerdem baut sie ihre internen Systeme aus, um zu gewährleisten, dass sie die volle Kontrolle über alle Phasen und Aspekte der Kundenbeziehungen hat.


Bank of Kigali hält außerdem die größten Marktanteile im Bereich der Kassensysteme (POS), über die Kunden in Ladengeschäften Produkte und Dienstleistungen bezahlen können. Vielversprechend sind auch die Perspektiven der Bank im Bereich der mobilen Zahlungssysteme. Jedoch muss sie noch mehr Händler für die Zahlung per Mobiltelefon und QR-Code (maschinenlesbare optische Etiketten, die Informationen über die Artikel enthalten, an denen sie angebracht sind) gewinnen. Die Bank hat bislang den Ansatz verfolgt, ihren Kunden Zahlungsdienste anzubieten und dann, im Wesentlichen über gebündelte Angebote, Kreditlinien für Betriebskapital bereitzustellen. Der Ansatz funktioniert gut in Schulen, wo Bank of Kigali Systeme für das Zahlungsmanagement anbietet und sicherstellt, dass Gebühren rechtzeitig bezahlt werden.
 

Die Bank verfügt über einen beachtlichen Kreditbestand und hat noch diverse Projekte in der Pipeline, darunter Maraphone, ein Hersteller von Smartphones im Besitz des panafrikanischen Konzerns Mara Group, eine Herstellungsanlage für Speiseöl und der Ausbau eines Zementwerks. Im Unternehmenskundengeschäft gibt es nur sehr wenig Konkurrenz, was sich durch den Zusammenschluss von BPR und Equity Bank jedoch ändern könnte.
 

Wachsende Zuversicht für die Zukunft

Ruanda hat große Anstrengungen unternommen, um die sozioökonomischen Traumata zu überwinden, die es in der Vergangenheit erlitten hat. Nach dem Genozid im Jahr 1994 ist das BIP des Landes eingebrochen und hat sich von einem ohnehin bereits niedrigen Niveau halbiert. Die Lebenserwartung bei der Geburt war darüber hinaus in keinem Land der Welt niedriger als in Ruanda. Heute bildet das starke Wirtschaftswachstum ein solides Fundament und der Fokus des Staates liegt darauf, allen Bürgern Ruandas produktive wirtschaftliche Chancen sowie einen höheren Lebensstandard zu bieten. Unternehmen wie Bank of Kigali profitieren von der günstigen Wachstumsdynamik und dem Trend zu einer zunehmenden Digitalisierung. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Ruanda – einem Land mit einer rasanten Entwicklung – mit der Zeit attraktive Anlagemöglichkeiten entdecken können.
 

Was als nächstes wichtig ist

Ruanda setzt den Wandel zu einem Land mit mittlerem Einkommen der oberen Kategorie fort und wir erwarten, dass der Wettbewerbsdruck in der Industrie wachsen wird. Dies trifft insbesondere auf den Bankensektor zu, in dem in den letzten zehn Jahren jeweils ungefähr ein neuer Akteur pro Jahr auf den Markt gedrängt ist. Es besteht enormer Raum für Wachstum; allerdings sind mehr als 75% der ruandischen Bevölkerung für ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt vom Agrarsektor abhängig und formelle Finanzierungen machen weniger als 2% aus.
 

 

1 Quelle: Weltbank, 2019. „Future Drivers of Growth in Rwanda: Innovation, Integration, Agglomeration, and Competition.“ Übersicht. Weltbank, Washington, DC.

2 Quelle: IWF. Juli 2019. „Rwanda: Staff Report for the 2019 Article IV Consultation and Request for a Three‑Year Policy Coordination Instrument“ – Pressemitteilung. Länderbericht Nr. 19/211.

 

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201911-1001804