INVESTMENT VIEWPOINT

Wachstumsaktien bestimmen das Tempo

Hari Balkrishna , Stellvertretender Portfoliomanager

Überblick

  • Wachstumsaktien entwickeln sich seit einiger Zeit besser als Substanzwerte, gestützt auf strukturell steigende Cashflows und Gewinne.
  • Auf mittlere Sicht scheinen die Aktienmärkte attraktiv bewertet, wobei kurzfristige Volatilitätsschübe zu Vorsicht mahnen.
  • Mit unserer globalen Researchplattform finden wir bei Wachstumsaktien einige «verborgene Schätze» mit beträchtlichen Kurspotenzialen.

Frage: Die globalen Aktienmärkte haben sich deutlich von den Verlusten im Jahr 2018 erholt. Wie schätzen Sie den Ausblick für die Aktienmärkte ein?

Mittelfristig schätzen wir die Aktienmärkte nach wie vor optimistisch ein. Das Forward-KGV im S&P 500 Index liegt zurzeit knapp unter 17. Das entspricht einer Gewinnrendite von ungefähr 6% und einer Dividendenrendite von knapp 2%.1 Wenn man bedenkt, dass heute weltweit Anleihen im Volumen von über 15 Billionen US-Dollar negativ rentieren, erscheinen Aktien im Vergleich zu anderen Assetklassen auf mittlere Sicht attraktiv bewertet.2
 

Allerdings darf man nicht den Fehler machen, alle Aktien über einen Kamm zu scheren, da es große Unterschiede gibt. Wachstumsaktien haben sich in den letzten zehn Jahren deutlich besser entwickelt als Substanzaktien, und zwar weniger wegen der Bewertungskennzahlen, sondern vor allem, weil die realen Cashflows und Gewinne gestiegen sind. Darin liegt ein entscheidender Unterschied zur Dotcom-Blase. Damals erlebten Wachstumsaktien eine Neubewertung auf der Grundlage der Kurs-Gewinn-Verhältnisse, um ihre Gewinnsteigerungspotenziale widerzuspiegeln.

 

Frage: Sie sagen, Wachstumswerte haben sich in den letzten zehn Jahren aufgrund der besseren Fundamentaldaten gut entwickelt. Sehen Sie darin einen strukturellen Wandel, der auf Dauer Bestand hat?

Ja, unserer Ansicht nach ist die positive Entwicklung strukturell bedingt. Wenn Sie sich anschauen, was strukturell bei Wachstums- und Substanzaktien gerade passiert, so stellen Sie fest, dass viele Substanzaktien tatsächlich gerade von Wachstumsaktien verdrängt werden. Denken Sie nur an Amazon, das dem traditionellen Einzelhandel massiv zu schaffen macht, oder an die FinTech-Unternehmen, die das Bankwesen heute völlig auf den Kopf stellen.
 

Der Gesamtumsatz von Amazon ist in den letzten zehn Jahren um mehr als das Achtfache gestiegen.3 Gleichzeitig stagnierten die Umsätze vieler Einzelhändler im S&P 500 Index. Um zu verstehen, warum die Aktie von Amazon einen enormen Höhenflug erlebte, muss man sich vor Augen halten, dass sich das Unternehmen in den letzten Jahren operativ mit Abstand besser entwickelt hat als der Durchschnitt in der US-Einzelhandelsbranche. Das ist ein struktureller Umbruch, der unseres Erachtens von Dauer sein wird.

Wenngleich wir die Risiken etwas reduziert haben, haben wir uns keineswegs defensiv positioniert. Denn wir glauben nach wie vor, dass Aktien mittelfristig attraktive Wertpotenziale bieten ...

Allerdings werden Wachstumsaktien auch allzu oft über einen Kamm geschert. Viele Anleger übersehen, dass es in diesem Segment auch Zykliker gibt – zum Beispiel im Bereich industrielle Automatisierung und Robotik. Diese Unternehmen sind stark von der Konjunktur abhängig. Und ihre Aktien wurden im letzten Jahr so stark abverkauft, dass sie nun attraktive Kurspotenziale bieten.
 

Außerdem ist wichtig, dass bei Wachstumsaktien nach wie vor «verborgene Schätze» schlummern, die unseres Erachtens in den kommenden Jahren boomen werden. Paradebeispiele dafür sind die Aktien der E-Commerce-Händler Mercado Libre (Lateinamerika) und Sea (Asien) sowie des Zahlungsdienstleisters Stone (Brasilien).

 

Frage: Der Handelsstreit zwischen China und den USA hat an den Finanzmärkten erhebliche Turbulenzen ausgelöst, und zwar in sämtlichen Assetklassen. Wie beurteilen Sie die Situation? Und welche Entwicklung halten Sie für wahrscheinlich?

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat die Anlegerstimmung seit 2018 tatsächlich erheblich belastet. Ob sich die beiden Länder letztlich irgendwann einigen werden oder ob die Situation erneut eskaliert, das hängt einzig und allein von der Politik und der Rhetorik der beiden Regierungen ab. Vor kurzem haben die beiden Parteien erstmals Verhandlungen für ein Abkommen geführt. Ob sie sich letztlich aber einigen werden oder nicht, ist immer noch völlig unklar.
 

Als Anleger erscheint es uns nicht empfehlenswert, unsere Portfolios auf das eine oder das andere Szenario auszurichten, da die Situation wirklich verworren ist. Stattdessen halten wir an unserer Strategie fest und investieren in nachhaltige, qualitativ hochwertige Wachstumswerte, die angemessen bewertet sind. Allerdings kann der Handelskonflikt auf kurze Sicht weiter für Volatilität sorgen, weshalb wir das Beta im Portfolio gesenkt haben.
 

Frage: Wenn wir davon ausgehen, dass die erhöhte Volatilität aufgrund der zunehmenden geopolitischen Unsicherheiten und des langsameren globalen Wachstums anhält – welchen Ansatz verfolgen Sie dann beim Risikomanagement?

Bei der Einschätzung der Risiken verwenden wir das Beta als Schlüsselindikator, den wir flexibel anpassen, um das Portfolio zu positionieren. So haben wir beispielsweise 2018 das Beta zurückgefahren, was dem Portfolio während der Verkaufswelle im vierten Quartal zugutekam. Danach sind die Bewertungen wieder auf attraktivere Niveaus gefallen, sodass wir die Risiken erneut anheben konnten. Das hat sich weitgehend im ganzen Jahresverlauf, vor allem aber im ersten Quartal, positiv auf die Performance niedergeschlagen. Inzwischen haben wir das Beta wieder gesenkt, weil der Markt unserer Ansicht nach möglicherweise etwas zu leichtfertig mit den handelspolitischen Risiken umgeht.
 

Wenngleich wir die Risiken etwas reduziert haben, haben wir uns aber keineswegs defensiv positioniert. Denn wir glauben nach wie vor, dass Aktien mittelfristig attraktive Wertpotenziale bieten – insbesondere im Vergleich zu anderen Assetklassen, wenn man bedenkt, dass heute Anleihen im Wert von mehreren Billionen Dollar negativ rentieren.

 



1 Quelle: Standard & Poor’s (siehe «Zusätzliche Angaben»). Stand: 25. September 2019.

2Quelle: Bloomberg Index Services Limited (siehe Zusätzliche Angaben). Stand: 25. September 2019.

3 Quelle: Bloomberg Index Services Limited (siehe Zusätzliche Angaben). Stand: 25. September 2019.

 

 

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