INVESTMENT INSIGHTS

Darum bin ich vorsichtiger geworden

Ken Orchard , Portfolio Manager

Dass es zu einer Rezession kommen könnte, bereitet mir mittlerweile größere Sorgen. Die aktuelle Lage ergibt ein alles andere als schlüssiges Bild und es kann nach wie vor passieren, dass sich die Märkte stabilisieren und der Konjunkturzyklus länger andauert. Dennoch sehe ich genügend Gründe, meine Portfolios defensiver auszurichten. Es ist immer besser, frühzeitig zu handeln, als solange zu warten, bis sich die Anlagenkurse bereits bewegen.
 

Ein Grund für meine vorsichtige Haltung ist der, dass  meiner Ansicht nach alle potenziellen guten Nachrichten bereits in die Kurse eingerechnet sind. Wir wissen, dass die US-Notenbank und andere Zentralbanken die Zinsen senken werden. Zudem besteht wieder Hoffnung, dass die USA und China ein Handelsabkommen erzielen, und China hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln und die Effekte der drohenden Sanktionen auszugleichen. Auf was für positive Überraschungen können wir daher also realistischerweise überhaupt noch hoffen?


In den US-Daten erkenne ich derweil erste Warnsignale. Kennzahlen für das Geschäftsklima in der Industrie wie der Einkaufsmanagerindex und Berichte der regionalen US-Notenbanken zeigen eine deutliche Verlangsamung in diesem Jahr an. Die Daten für Juni fielen besonders schwach aus. Die Monatsdaten zur Beschäftigung haben nachgegeben – durchschnittlich nur 151 000 neue Stellen im Vergleich zu 223 000 im Jahr 2018. Die Metall- und Ölpreise, die Anfang April den Zenit erreichten, runden das Bild von einer schwachen Konjunktur ab. Die Zunahme der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe – der klassische Vorbote einer baldigen Rezession – ist noch ausgeblieben. Jedoch ist ihre Zahl in der Vergangenheit nicht mit allzu viel Vorlauf gestiegen, sodass wir nicht zu sehr auf diese Kennzahl setzen sollten (wir werden sie aber genau im Auge behalten).
 

Alarmierender ist der Umstand, dass US-Treasuries stark zugelegt haben und die Renditekurve invertiert bleibt. Die Federal-Funds- und Eurodollar-Futures nehmen nun Zinssenkungen um durchschnittlich 100 Basispunkte (Bp.) in den nächsten zwölf Monaten vorweg. Die Fed wird die Zinssätze aber nur bei einer Rezession um 100 Bp. senken. Also sehen die Zinsmärkte eine Rezession als sehr wahrscheinlich an. Angesichts der aktuellen Stände an den Aktienmärkten sollte man sich fragen: Auf welcher Seite stehe ich? Gebe ich US-Treasuries oder Aktien den Vorzug? Ich für meinen Teil gebe US-Treasuries den Vorzug. Sie sind gewöhnlich recht spätzyklisch.

Das aktuelle Umfeld erinnert doch sehr an die frühen Phasen der Rezessionen in den Jahren 2001 und 2007.

Das aktuelle Umfeld erinnert doch sehr an die frühen Phasen der Rezessionen in den Jahren 2001 und 2007. Ich sehe keinen Sinn darin, abzuwarten und Gefahr zu laufen, von steilen Kursrückgängen überrollt zu werden. Deshalb habe ich meine Portfolios bereits defensiver ausgerichtet. Dazu verlängere ich die Duration mit US-Treasuries und anderen erstklassigen Staatsanleihen. Zudem sind wir im Kreditbereich nun untergewichtet und kombinieren das Kreditengagement mit Positionen, von denen wir in hohem Maße überzeugt sind. Das Engagement im High-Yield-Bereich haben wir zwar nicht auf null, aber so stark reduziert, dass wir uns recht sicher sein können, dass keine größeren Probleme drohen, wenn sich die Lage verschlechtert.

Die nächsten Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe werden uns mehr über die Stärke der Wirtschaft verraten...

Viele hoffen, dass Zinssenkungen der Zentralbanken und die QE der EZB den Markt und die Wirtschaft stützen werden. Auch das ist vor einer Rezession ganz typisch: Im Herbst 2007 verengten sich im High-Yield-Bereich die Spreads in den vier Wochen nach der ersten Zinssenkung der Fed um 65 Bp. und weiteten sich in den fünf Wochen danach wieder um 200 Bp. aus. Von so einer Trendumkehr möchte man als Anleger nicht überrascht werden.
 

In den kommenden Wochen sollten die Anleger auf eine Reihe von Dingen achten. Die Wochendaten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe werden uns zeitnah mehr über die Stärke der Konjunktur verraten. Ebenso der Einkaufsmanagerindex (PMI), der ISM-Index und die Daten der regionalen US-Notenbanken für Juni und Juli. Wird sich der Aktienmarkt behaupten und auf neue Hochstände klettern? Und werden die US-Treasuries weiterhin von Zinssenkungen um 100 Bp. ausgehen? Falls alle diese Punkte auf eine Stabilisierung oder Belebung der Konjunktur hindeuten, habe ich mich getäuscht: Denn dann stehen wir vielleicht am Beginn einer neuer Phase im aktuellen Konjunkturzyklus.
 

Ansonsten sollten Sie meinem Beispiel folgen.


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