INVESTMENT INSIGHTS

Marktvolatilität durch Handelsstreit und geringeres Gewinnwachstum

Jeff Rottinghaus , Portfolio Manager

Überblick

  • Das langsamere Wachstum der Unternehmensgewinne und die erneute Eskalation der Handelsspannungen waren die wichtigsten Auslöser für die Kursrückschläge an den Märkten im Frühjahr.
  • Wie unsere Analyse zeigt, bieten Finanzwerte, zyklische Industrieunternehmen und der Energiesektor vielversprechende Anlagechancen.
  • Doch vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Abkühlung in den USA und weltweit könnten geopolitische Entwicklungen eine dauerhafte Erholung des Marktes verhindern.

Nachdem US-Aktien Ende 2018 beinahe einen Bärenmarkt erlebt hatten, verzeichneten die Kurse Anfang dieses Jahres eine bemerkenswerte Erholung – bis sie infolge der neuerlichen Handelsspannungen im Frühjahr einen Großteil ihrer Gewinne wieder abgaben. Obwohl sich der Markt von diesem Rückschlag insgesamt erholt hat, sind einige attraktive Anlagechancen entstanden, insbesondere in den Sektoren Finanzen, Industrie und Energie.
 

Der wichtigste Auslöser für den starken Aufwärtstrend am US-Aktienmarkt zu Beginn dieses Jahres war die 180-Grad-Wende in der Zinspolitik der US-Notenbank. Nachdem die Marktteilnehmer zu Jahresbeginn mit Zinserhöhungen der Fed gerechnet hatten, gehen sie jetzt davon aus, dass die Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr senken wird – eine dramatische Veränderung. Die Hoffnung auf eine Beilegung des Zollkonflikts mit China ist jedoch geschwunden, und die gestiegene Unsicherheit über die künftige Handelspolitik löste den Marktrückgang in diesem Frühjahr aus.


(Abb. 1) Schwächeres Wachstum der Unternehmensgewinne 
Quartalsgewinn der Unternehmen im S&P 500 Index, Wachstum zum Vorjahr
Stand: 30. Juni 2019


Quelle: FactSet (siehe „Zusätzliche Angaben“).

 

Irgendwann werden die Anleger mit Blick auf das Wachstum der Unternehmensgewinne und des freien Cashflows Fortschritte verlangen.

Nach Ansicht einiger Ökonomen könnte sich das Wirtschaftswachstum durch die Handelszölle um 0,7 Prozentpunkte reduzieren. Diese Unsicherheit untergräbt das Vertrauen der Wirtschaftsakteure und könnte die Unternehmen veranlassen, ihre Investitionen zu verringern. Solange unklar ist, wie sich die Handelsbeziehungen der USA mit China – und jetzt möglicherweise auch mit Mexiko – entwickeln, dürfte die Volatilität anhalten. Die Handelskonflikte könnten die Märkte noch einige Zeit belasten. Der rasche Kursaufschwung am Markt basierte auf dem Anstieg des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, doch dieser Trend dürfte sich kaum fortsetzen, wenn die Handelsspannungen andauern.
 

Problematisch sind auch das deutlich langsamere Wachstum der Unternehmensgewinne und die geringeren Gewinnerwartungen, die aus steigenden Arbeitskosten und der nachlassenden Wirkung der 2017 verabschiedeten US-Steuerreform resultieren. Dank der Steuersenkungen und der starken Konjunktur waren die Gewinne im letzten Jahr gestiegen. Zu Beginn dieses Jahres wurde ein Gewinnwachstum von rund 10% bis 11% prognostiziert. Diese Schätzung wurde inzwischen auf etwa 4% gesenkt, und ich gehe davon aus, dass die Gewinne in diesem Jahr stagnieren oder sogar um 1% bis 2% sinken werden. Die Prognose für das Gewinnwachstum im Jahr 2021 liegt bei rund 11%, was ebenfalls optimistisch erscheint. Irgendwann werden die Anleger mit Blick auf das Wachstum der Unternehmensgewinne und des freien Cashflows Fortschritte verlangen.


Nach der Markterholung sind die Aktienbewertungen im Allgemeinen nicht günstig. Unsere Strategie konzentriert sich in erster Linie auf Unternehmen mit stetigem Wachstum, zuverlässig kalkulierbarer Gewinnentwicklung und einem hohen Anteil regelmäßiger Einnahmen. Diese Unternehmen sind inzwischen sehr teuer. Die moderaten Kursrückgänge haben jedoch Anlagechancen in bestimmten Sektoren geschaffen.


Von Kursrückgängen profitieren

Der drastische Rückgang der Ölpreise hat den Energiesektor belastet, und wir gehen davon aus, dass die schwierige Angebots- und Nachfragedynamik an den Energiemärkten anhält. Kostengünstige Öl- und Gasproduzenten, insbesondere im texanischen Permbecken, bieten jedoch interessante Anlagechancen. Im Laufe der Zeit wird mehr als die Hälfte des im Permbecken geförderten Öls exportiert werden. Darüber hinaus rechnen wir bei den in dieser Region tätigen Unternehmen mit einer wachsenden Konsolidierungswelle. Langfristig sind die Unternehmen in unserem Portfolio potenzielle Übernahmekandidaten. Insgesamt sind wir in Energieunternehmen weiter untergewichtet, der Sektor ist jedoch attraktiver geworden.
 

Zudem haben wir in zyklische Industrieunternehmen investiert, die von den Anlegern bisher gemieden werden, darunter Boeing, General Electric (GE) und einige Eisenbahngesellschaften. Boeing leidet unter der Kontroverse um den Flugzeugtyp 737 MAX, doch dieses Problem sollte in absehbarer Zeit gelöst werden.


Der Sektor Informationstechnologie (IT) ist absolut betrachtet unser größtes Engagement, bildet gleichzeitig jedoch unsere stärkste Untergewichtung, vor allem aufgrund des untergewichteten Engagements in Apple. In jüngster Zeit konnten wir jedoch Chancen in zyklischeren Segmenten der Technologiebranche ausmachen, darunter Applied Materials und Micron Technology. Der Kurs des Halbleiterunternehmens Micron Technologies litt zuletzt unter der allgemein rückläufigen Entwicklung der Nachfrage nach Speicherkapazität und dem Handelskonflikt um den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei Technologies, einem seiner wichtigsten Kunden.
 

Im IT-Sektor favorisieren wir im Allgemeinen Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, die auf große Wachstumsmärkte wie beispielsweise elektronische Zahlungsverarbeitung und soziale Vernetzung ausgerichtet sind. Zudem interessieren wir uns für Unternehmen, die von der langfristigen Nachfrage nach öffentlichen Cloud-Computing-Diensten profitieren. Unser größtes Engagement halten wir im Bereich IT-Dienste mit Positionen in Visa, Fiserv, Accenture und Fidelity National Industries.
 

Versorgung, Finanzen und Gesundheitswesen bleiben wichtige Schwerpunkte

Bei der Verwaltung der Strategie konzentrieren wir uns auf erstklassige Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen und kompetenten Managementteams, die in der Lage sind, ihre Marktanteile zu erhöhen oder ihr Geschäft durch Markteintrittsbarrieren zu schützen und unter den unterschiedlichsten Marktbedingungen organisch zu wachsen.
 

Unser Engagement in Finanzunternehmen haben wir im letzten Jahr reduziert und sind in diesem Sektor jetzt leicht untergewichtet. Bankaktien sind relativ günstig bewertet, doch wir beurteilen dieses Marktsegment inzwischen vorsichtiger, da der Kreditzyklus den Zenit erreicht hat. Zudem profitieren Banken in der Regel von einem Umfeld steigender Zinsen, das wir derzeit nicht erwarten. Zu unseren wichtigsten Engagements zählen einige erstklassige Bankaktien, darunter die Position in JPMorgan Chase, die wir während des Abschwungs aufstockten, sowie U.S. Bancorp.

Da der Präsidentschaftswahlkampf an Intensität gewinnt und umstrittene politische Themen debattiert werden, könnte das Risiko negativer Schlagzeilen zu einem Problem werden.

Darüber hinaus haben wir uns auf Versicherungsmakler wie Marsh & McLennan und Willis Towers Watson konzentriert, die attraktive Geschäftsmodelle, eine nicht unerhebliche Preismacht und hohe regelmäßige Einnahmen bieten. Die Welt ist riskanter geworden, nicht zuletzt im Hinblick auf außergewöhnliche Wetterphänomene, sodass die Nachfrage nach Schaden- und Unfallversicherungsprodukten steigt. Bei einem attraktiveren Bewertungsniveau verstärkten wir zudem unsere Position in AIG und investierten in Morgan Stanley.
 

Eine unserer größten Übergewichtungen halten wir in der Versorgungsbranche, einem Sektor, der zuletzt gut abgeschnitten hat und in der Regel von einem stabilen Zinsumfeld und wirtschaftlicher Unsicherheit profitiert. Zwei Versorgungsunternehmen, die wir seit mehreren Jahren im Portfolio halten, sind NextEra Energy, der größte Produzent erneuerbarer Energie in Nordamerika, und American WaterWorks, der größte private Wasserversorger der USA. Daneben besitzen wir ein Engagement in Sempra Energy, einem leistungsstarken Energieversorger in Südkalifornien, der zu den führenden US-Exporteuren von Flüssigerdgas (LNG) gehört.


Erdgas ist sowohl kostengünstig als auch kohlenstoffeffizient. Asien bietet enorme Marktchancen, da die Region ihre Abhängigkeit von Kohle reduzieren will. Auch der europäische Markt ist attraktiv, da Europa eine geringere Abhängigkeit von russischem Erdgas anstrebt. Sempra zählt zu den Branchenführern, die in Pipelines investieren und Gas in LNG umwandeln, um die Exportmärkte zu erreichen. Das Geschäft des Unternehmens läuft gerade erst an.
 

Im Gesundheitswesen, dem zweitgrößten Sektor im Portfolio, halten wir eine Übergewichtung. Die Branche hat zwar unter umstrittenen politischen Vorschlägen gelitten, bietet jedoch eine optimale Kombination aus soliden Fundamentaldaten und angemessenen Bewertungen. Zudem dürfte sie auf längere Sicht von der alternden Bevölkerung profitieren. Wir investieren in Unternehmen, die von langfristigen Branchentrends profitieren könnten, so unter anderem von kostensparenden Vertriebsmodellen und hoch innovativen und effektiven Therapien. Das Portfolio ist am stärksten im Sektor Ausstattung und Produkte für das Gesundheitswesen investiert, wo wir seit Langem Engagements in Becton, Dickinson & Company, Danaher und Medtronic halten. Daneben halten wir ein geringfügiges Engagement im Pharmasektor über Johnson & Johnson und Pfizer, deren vielversprechende Pipeline neuer Medikamente für weiteres Wachstum sorgen könnte. Zu unseren Kernpositionen zählt UnitedHealth Group, ein gut diversifizierter Gesundheitsdienstleister, der jedoch unter den politischen Debatten leiden könnte, die meiner Ansicht nach im bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf zunehmen werden.
 

Ausblick auf 2020

Da der Präsidentschaftswahlkampf an Intensität gewinnt und umstrittene politische Themen debattiert werden, könnte das Risiko negativer Schlagzeilen zu einem Problem werden. Den Hintergrund bildet dabei eine Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums und der US-Industrieproduktion. Gleichzeitig hat die Renditekurve einen inversen Verlauf angenommen, da die Zinsen von Papieren mit sehr kurzer Laufzeit zuletzt höher waren als die Renditen 10-jähriger Treasuries. Eine inverse Zinskurve über einen Zeitraum von sechs Monaten kündigt fast immer einen Konjunkturabschwung an. Eine Zinssenkung durch die US-Notenbank wäre hilfreich. Doch selbst wenn sich die Konjunktur nicht abkühlt, könnte dieser Kurvenverlauf darauf hindeuten, dass am Markt etwas nicht stimmt und die Aktienbewertungen sinken müssen. Daher sollten die Anleger ihre Erwartungen zurückschrauben.
 

Trotz dieser möglichen Gefahren für den anhaltenden Aufschwung am Aktienmarkt sind wir zuversichtlich, dass unser Ansatz Anlegern langfristig attraktive risikobereinigte Renditen bieten kann.


Zusätzliche Angaben 
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