INVESTMENT INSIGHTS

Hochwertige US-Gesundheitstitel halten kurzfristige Probleme aus

Taymour Tamaddon , Portfolio Manager

Überblick

  • Bereits über ein Jahr vor der US-Präsidentschaftswahl zeichnet sich ab, dass das Gesundheitswesen und seine Reform eines der Hauptthemen im Wahlkampf für 2020 sein werden.
  • Die Kandidaten der Republikaner und Demokraten favorisieren jeweils ganz unterschiedliche Modelle für das US-Gesundheitswesen. Dies schafft Unsicherheit, die zur stark unterdurchschnittlichen Entwicklung des Sektors seit Anfang 2019 geführt hat.
  • Volatilität dürfte den Gesundheitssektor in nächster Zeit weiterhin kennzeichnen. Wir glauben aber, dass auf lange Sicht die grundlegende Qualität der Unternehmen maßgeblich sein wird.

Der US-Gesundheitssektor hat im Jahr 2019 starke Schwankungen erlebt, denn er steht zunehmend im Fadenkreuz. Der Grund ist der US-Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl 2020, der langsam Fahrt aufnimmt. Bereits über ein Jahr vor der Wahl zeichnet sich ab, dass das Gesundheitswesen und seine Reform eines der Kernthemen des Wahlkampfs für 2020 sein werden. Volatilität dürfte den Sektor zwar kurzfristig weiterhin kennzeichnen, wir glauben aber, dass auf lange Sicht die grundlegende Qualität der Unternehmen entscheidend sein wird.


(Abb. 1) US-Gesundheitssektor seit Anfang 2019 deutlich zurückgeblieben 

Der Gesundheitssektor steht erneut unter dem Einfluss des US-Wahlzyklus
Stand: 6. Juni 2019

 

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. 
Quelle: Thomson Reuters, Datastream. Copyright 2019 © Thomson Reuters. Alle Rechte vorbehalten.


Was ist der Grund für die Volatilität des Sektors?

Die demokratischen Bewerber um die Kandidatur für die Wahl 2020 machen sich für ein System mit allgemeinem Versicherungsschutz stark, auch wenn die Meinungen darüber, wie dies am besten zu erreichen ist, auseinandergehen. Einige sprechen sich für ein Einzelzahlersystem aus, andere für eine Kombination aus staatlicher und privater Krankenversicherung. Die Republikaner lehnen so ein Einzelzahlersystem im Allgemeinen ab und würden eine marktwirtschaftlich orientierte Reform des Gesundheitswesens mit minimalen staatlichen Interventionen lieber sehen. Die von der Politik verursachte Unsicherheit belastet den Gesundheitssektor seit Anfang 2019 – und dürfte es im Laufe des Wahlkampfs auch weiterhin tun.


Kurzfristige Vorsicht im Kontext betrachtet

Für Anleger ist das größte Problem im Gesundheitssektor das vorgeschlagene Einzelzahlermodell, das an eine Art „Medicare für alle“ erinnert. Der demokratische Senator Bernie Sanders setzt sich besonders vehement für dieses Modell ein. Seine weitreichenden Reformpläne könnten als radikal angesehen werden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass sie wirklich umgesetzt werden, falls er im November 2020 ins Weiße Haus gewählt werden sollte.

Wir halten diesen Ausgang für sehr unwahrscheinlich, doch die bloße Erwähnung so umfassender Reformen hat die kurzfristigen Aussichten getrübt. Daher bietet der Gesundheitssektor generell nun eine Aktienrisikoprämie.


Die langfristigen Aussichten müssen allerdings im Zusammenhang betrachtet werden. Bevor Bernie Sanders‘ Vorschlag Realität werden kann, müssten zunächst mehrere Dinge eintreten. Wie realistisch das ist, wird sich zeigen. Erstens muss er von den Demokraten als Kandidat für die Präsidentschaftswahl nominiert werden und danach die US-Präsidentschaftswahl gewinnen. Sobald er im Amt ist, müsste er sich die mehrheitliche Unterstützung der Demokraten im Senat und Repräsentantenhaus sichern. Erst dann darf er sich überhaupt Hoffnungen auf eine Umsetzung seiner radikalen Pläne für das Gesundheitswesen machen. Zur Finanzierung der Reformpläne schließlich müsste der Vizepräsident zusätzliche Gesundheitsausgaben von rund USD 32 Bio. absegnen. Diese müssten haushaltsneutral sein, das heißt, die zusätzlichen Ausgaben müssten an anderer Stelle eingespart werden.

Dass alle diese Voraussetzungen erfüllt werden, ist unserer Ansicht nach unwahrscheinlich. Der Wahlkampf hat aber bereits begonnen und wird in den nächsten zwölf bis 18 Monaten hitziger werden. Wir erwarten daher, dass in die Bewertung des Sektors vorerst stets ein gewisses Risiko eingerechnet wird.


Vor allem Managed-Care-Unternehmen bekommen die Unsicherheit zu spüren

Die erfolgreiche Einführung eines Einzelzahlermodells mit allgemeinem Krankenversicherungsschutz würde Krankenversicherungsdienstleister am stärksten treffen. Ihr gesamtes Geschäftsmodell wäre dann überholt. Folglich war der Teilsektor Managed Care im laufenden Jahr besonders starken Schwankungen ausgesetzt, auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass dieses Szenario tatsächlich so eintritt.

Im Gesundheitssystem in seiner aktuellen Form handeln Managed-Care-Unternehmen für ihre Kunden niedrigere Gesundheitskosten aus, darunter günstigere Preise für verschreibungspflichtige Medikamente. Beim vorgeschlagenen Einzelzahlermodell, das an eine Art „Medicare für alle“ erinnert, würde stattdessen die US-Regierung für alle Bürger die Preise aushandeln. Es würde also ein mächtiger Einzelzahler entstehen, der seine Macht als monopolitischer Käufer dazu nutzen könnte, die Preise, die er für Medikamente zahlt, zu diktieren. Am National Health Service in Großbritannien ist das Potenzial eines solchen Systems erkennbar – dort kosten verschreibungspflichtige Medikamente weniger als in jedem anderen Industrieland. Für die Verbraucher wäre das eine gute Nachricht. Für die Pharmaunternehmen allerdings nicht, denn sie müssten niedrigere Preise für ihre Produkte akzeptieren.

Im Gesundheitssektor achten wir auf Unternehmen, die die Hauptnutznießer dauerhafter, langfristiger Trends sind – Innovation im Bereich medizinische Ausrüstung / Robotertechnologie ist ein solcher Schwerpunktbereich.
- Taymour Tamaddon Portfolio Manager, T. Rowe Price US Large-Cap Growth Equity Strategy

Im US Large‑Cap Growth Portfolio zählt vor allem fundamentale Qualität

Aus Anlegersicht täuscht das kurzfristig unsichere Umfeld aber nicht über die Ergebnisse unserer Fundamentalanalyse der Unternehmen hinweg. Ausgehend von diesen komplexen Einblicken in die Qualität der Unternehmen betrachten wir, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Republikaner oder ein Demokrat Präsident wird und dass US-Senat und Repräsentantenhaus von einer der beiden Parteien kontrolliert werden. Dann beurteilen wir vor dem Hintergrund dieser Szenarios den Wert der Gesundheitsunternehmen. So versuchen wir zu bestimmen, ob Bewertungsabschläge vorgenommen werden sollten und bei welchen Unternehmen ein größeres – oder geringeres – Risiko in die Kurse eingerechnet ist, als unserer Ansicht nach wahrscheinlich ist.

Kein Zweifel, im aktuellen Umfeld ist es viel schwieriger, unser Engagement exakt auf die Gegebenheiten abzustimmen. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren sind wir für den Gesundheitssektor durchaus optimistisch. Es ist jedoch schwierig, exakt vorherzusagen, wie sich die Dinge in den nächsten zwölf bis 18 Monaten angesichts des fortschreitenden Wahlkampfs entwickeln werden.


Und doch können wir bei unserer relativen Positionierung weiterhin proaktiv handeln. Unsere Fundamentalanalysen vermitteln uns einen guten Eindruck davon, welche Unternehmen zu hohe Bewertungsabschläge aufweisen und bei welchen andererseits die Risiken nicht ausreichend in den Kursen berücksichtigt sind. Dadurch können wir die Gewichtungen der Unternehmen aus dem Bereich der privaten Gesundheitsdienstleister, die wir im Portfolio halten, präzise anpassen – anstatt zu versuchen, den optimalen Zeitpunkt zu finden, um zu verkaufen und später wieder zu kaufen.

Wir sind nach wie vor von der grundlegenden Qualität bestimmter Managed-Care-Unternehmen überzeugt. In diesem Bereich haben wir einen sehr guten Einblick in die Wachstumstreiber, die vom Markt im Allgemeinen unterschätzt werden. Aufgrund dieser positiven langfristigen Sichtweise sind wir gut gerüstet, um Schwankungen in der Performance der Positionen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten bis zu einem gewissen Grad schadlos zu überstehen.


Anlagen in die Nutznießer langfristiger Trends

Im Gesundheitssektor halten wir nach Unternehmen Ausschau, die zu den Hauptnutznießern dauerhafter, langfristiger Trends zählen. Innovation im Bereich der medizinischen Ausrüstung und Robotertechnologie ist ein solcher Schwerpunktbereich. Intuitive Surgical ist ein führender Akteur in dem noch relativ jungen Markt für Operationsroboter und ein gutes Beispiel. Durch das marktführende Operationssystem DaVinci von Intuitive verbessern sich die klinischen Ergebnisse enorm und die Patienten genesen schneller. Die roboterunterstützten Operationen – von der Implantation von Hüftprothesen über die Herz-Thorax-Chirurgie bis hin zur Neurochirurgie – werden nämlich minimal invasiv durchgeführt. Die Robotertechnik und der technologische Fortschritt revolutionieren die Behandlung von Patienten, indem sie die Operationen am Menschen präzise, geschickt und zuverlässig unterstützen. Wir erleben gerade einen bedeutenden Wandel, und der Einsatz der Robotertechnik bei Operationen in den USA nimmt rasant zu. Für die führenden Akteure in diesem Gebiet bedeutet dies höhere Umsätze und Gewinne.


Stryker, ein weiteres attraktives, innovatives Unternehmen aus dem Gesundheitssektor, hat sich auf Hüft- und Knieprothesen spezialisiert. Seine führende Position im 3D-Druck von Hüft- und Knieimplantaten sowie seine Robotertechnologie verbessern den Behandlungserfolg für die Patienten dramatisch. Dadurch gewinnt Stryker auf Kosten der Konkurrenz schnell Marktanteile hinzu.
 

Diese Unternehmen sind hochspezialisiert und agieren auf Märkten mit hohen Eintrittshürden. Daher sind sie von der politisch bedingten Unsicherheit, die andere Bereiche des Gesundheitssektors derzeit belastet, weniger stark betroffen. Sobald ein Krankenhaus Robotertechnik angeschafft hat und die Chirurgen mit dieser umgehen können, erlangen diese Unternehmen den Status eines „Erstanbieters“ – ein klarer Vorteil, denn dann ist es weder erstrebenswert noch effizient, neue oder überarbeitete Ausrüstung von einem anderen Anbieter zu kaufen. Dadurch werden Unternehmen wie Intuitive und Stryker zu etablierten Unternehmen, die Verbrauchsmaterialien und Erweiterungen für die ursprünglich angeschaffte Technologie / Ausrüstung verkaufen.


Die bezeichneten und beschriebenen Wertpapiere geben nicht alle für das Portfolio gekauften, verkauften oder empfohlenen Wertpapiere wieder, und es dürfen keine Rückschlüsse darauf gezogen werden, dass die bezeichneten und diskutierten Wertpapiere rentabel waren oder sein werden.
 

Wichtigste Risiken– Folgende Risiken sind für die in diesen Informationen dargestellten Strategien von wesentlicher Bedeutung: Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Das Portfolio unterliegt der für Anlagen in Aktien typischen Volatilität und sein Wert kann stärker schwanken als bei einem Fonds, der in ertragsorientierten Wertpapieren anlegt.

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