INVESTMENT INSIGHTS

Globale Zinsen: In einer Abwärtsspirale

Quentin Fitzsimmons , Portfolio Manager

Überblick

  • Die Erwartung, dass es zu Zinssenkungen kommen wird, hat zu einer spürbaren Neubewertung globaler Staatsanleihen geführt.
  • Eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank könnte osteuropäischen Anleihen indirekt zugutekommen.
  • Die Bewertungen von Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating wirken etwas angespannt, allerdings profitiert der Markt in Europa von der erwarteten weiteren quantitativen Lockerung.

Die globalen Zinssätze befinden sich in einer Abwärtsspirale, da die führenden Zentralbanken ihre Geldpolitik lockern dürften, um das Wachstum anzukurbeln. Das Anlageteam hat bei den letzten Sitzungen zur Anlagepolitik darüber diskutiert, welche Auswirkungen dies auf die Anleihemärkte haben könnte.
 

Nachdem anfangs nur die US-Notenbank eine Zinserhöhungspause eingelegt hat, agiert nun fast jede größere Zentralbank zurückhaltender. Der Grund: Wachstumsbedenken. „Dieser Kurswechsel markiert praktisch eine Zeitenwende im Anleihebereich, denn mittlerweile erwartet der Markt, dass gleich mehrere Zentralbanken, auch die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Geldpolitik in den nächsten Monaten lockern werden“, sagt Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams.


Tatsächlich sind einige Länder bereits aktiv geworden. Australien zum Beispiel hat die Zinssätze bei zwei Sitzungen in Folge erstmals seit 2012 gesenkt. „Länder wie Australien und Chile zeigen, dass sie bereit sind, frühzeitig zu handeln. Das hat viele internationale Anleger an die lokalen Anleihenmärkte gelockt und die Kurse spürbar steigen lassen“, erklärt Fitzsimmons. „Nach diesem starken Anstieg könnte nun ein günstiger Zeitpunkt sein, um einen Teil der Gewinne mitzunehmen."
 

Da zunehmend erwartet wird, dass die Zentralbanken einen expansiveren geldpolitischen Kurs einschlagen werden, ist es an den Anleihemärkten weltweit zu einer deutlichen Neubewertung gekommen. Für einige Länder wie die USA werden nun mehrere Zinsschritte erwartet – was eine Debatte darüber ausgelöst hat, ob die Bewertungen an den Märkten vielleicht bereits zu hoch sind. „Am kurzen Ende der US-Zinskurve ist zwar bereits viel in die Kurse eingepreist, dennoch besteht dort immer noch Wertpotenzial, vor allem auf durationsabgesicherter Basis gegenüber Anleihen mit längerer Laufzeit“, merkt Fitzsimmons an.

Mario Draghis Abschiedsgeschenk könnte eine Senkung des Einlagensatzes im September sein.
- Quentin Fitzsimmons Portfolio Manager

Richtet man nun den Blick auf die Eurozone, erkennt man, dass die Erwartung hinsichtlich der möglichen nächsten Schritte der EZB wächst. Schließlich hat sie die Märkte während der Präsidentschaft Mario Draghis, die am 31. Oktober endet, mehr als einmal überrascht. „Die Inflation bewegt sich fast auf dem tiefsten Niveau seit der Einführung des Euro; Mario Draghis Abschiedsgeschenk könnte daher eine Senkung des Einlagensatzes im September sein. Er könnte seiner Nachfolgerin auch die Tür zu einer noch länger andauernden geldpolitischen Lockerung öffnen.“
 

Tatsächlich preisen die Märkte sowohl Zinssenkungen als auch die Möglichkeit einer weiteren quantitativen Lockerung in die Kurse ein. Die Folge: Die Zinsen in den Peripherieländern der Eurozone sinken ungeachtet der Fundamentaldaten. „Der Markt legt den Fokus ausschließlich auf den positiven technischen Aspekt einer weiteren quantitativen Lockerung“, erklärt Fitzsimmons. „Die Verschlechterung der Haushaltslage in Italien zum Beispiel wird dabei geflissentlich übersehen. Die bevorstehenden Gespräche zum Haushalt für 2020 könnten die Aufmerksamkeit der Anleger wieder mehr auf die Verschlechterung von Italiens Fundamentaldaten lenken. Dadurch könnten die Anleihen des Landes erneut in die Schusslinie geraten.“


(Abb. 1) Eine Welt der absoluten Nullrenditen

Prozentsatz der Wertpapiere mit negativer Rendite im Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index
Stand: 12. Juli 2019


Quelle: Bloomberg Index Services Limited (siehe Zusätzliche Angaben).


In Osteuropa dürften die Anleihemärkte indirekt von der Lockerung der geldpolitischen Bedingungen durch die EZB profitieren. Insbesondere in Ländern wie Serbien und Rumänien könnten die Zinssätze mittelfristig sinken. Die Suche nach Rendite könnte zudem auf Euro lautende Staatsanleihen von Ländern wie Litauen, Lettland und der Tschechischen Republik stützten, sollte die EZB eine expansivere Geldpolitik verfolgen.
 

Die Kreditmärkte haben ebenfalls deutlich zugelegt und zählen zu den Anleihemärkten, die seit Anfang 2019 am besten abgeschnitten haben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Schließlich wurde die Performance von Unternehmensanleihen eher von der Suche nach Rendite angetrieben als von besseren Fundamentaldaten. Daher muten die Bewertungen vor dem Hintergrund der aktuellen Konjunkturlage hoch an. Die Durchschnittsprämie von US-Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating beispielsweise ist etwa so hoch wie vor zwölf Monaten – obwohl das Wachstum und die Gewinne nachgegeben haben. Hier und da hat sich auch die Rating-Qualität der Unternehmen verschlechtert.

Der Markt legt den Fokus ausschließlich auf den positiven technischen Aspekt einer weiteren quantitativen Lockerung.
- Quentin Fitzsimmons Portfolio Manager

Vor diesem Hintergrund könnte man der Versuchung erliegen, die Aussichten für Unternehmensanleihen pessimistisch zu beurteilen. Allerdings könnte das aktuell freundliche Umfeld noch geraume Zeit Bestand haben, insbesondere in Europa. Quentin Fitzsimmons erklärt: „Unternehmensanleihen aus Europa könnten noch teurer werden, falls der Markt weiterhin glaubt, dass die EZB ein neues Wertpapierkaufprogramm aus dem Hut zaubern könnte.“
 

Nachdem sich Anleiheinvestoren in den letzten zwei, drei Jahren intensiv mit der Frage beschäftigten, wie weit die Zinsen steigen können, wird sich nun alles um die Frage drehen: Wie weit können die Zinssätze noch sinken?



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