MULTI-ASSET STRATEGY

Bringen die Zentralbanken wieder die Rettung?

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA

Wichtigste Punkte

  • Das globale Wachstum lässt nach, die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe ebenso, und die Inflation ist beharrlich niedrig.
  • Obgleich das Rezessionsrisiko auf kurze Sicht gering ist, denken die Zentralbanken darüber nach, die Zinssätze zu senken, um die Wirtschaft zu stützen.
  • In welche Richtung sich die Märkte entwickeln werden, ist ungewiss. Daher haben wir Aktien leicht untergewichtet und halten ausgewählte risikoreiche Anlagen, die höhere Renditen bieten.

Kurswechsel der US-Notenbank

In den letzten zehn Jahren haben die Anleger die längste Wirtschaftswachstumsphase sowie eine der längsten Haussephasen für Aktien überhaupt erlebt. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA ist in diesem Zeitraum um beinahe 25% gestiegen, der S&P 500 Index sogar um ca. 300%*. Wie man es auch dreht und wendet – wir sehen nur wenig, was für ein baldiges Zyklusende spricht. Sicher, die Zinssätze in mehreren Industrieländern sind in den letzten beiden Jahren gestiegen. Dennoch halten wir die Bedingungen für die Märkte nach wie vor für überwiegend günstig: niedrige Zinssätze, freundliche Inflation, geringe Arbeitslosigkeit, keine offenkundigen Ungleichgewichte im System.
 

Und doch werden die Zentralbanken nun aktiv, um die Wirtschaft zu stützen, sei es mit Erklärungen oder mit Zinssenkungen. Was die US-Notenbank (Fed) Ende Juli mit der Senkung des US-Tagesgeldsatzes um 25 Basispunkte (Bp.) in den Bereich von 2% bis 2,25% signalisiert hat, ist unklar: den möglichen Beginn eines neuen Zinssenkungszyklus oder nur eine Pause im Zinserhöhungszyklus? Wie schnell sich die Dinge ändern können, lässt sich daran erkennen, dass die Fed noch vor wenigen Monaten davon sprach, die Zinssätze zu erhöhen. Noch bemerkenswerter ist aber vielleicht, dass langsam auch die Europäische Zentralbank (EZB) Zinssenkungen in Betracht zieht, obwohl ihr Einlagensatz bereits negativ ist (-0,4%), und die Bank of Japan trotz des Leitzinses von 0% ebenfalls Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat.


Fraglich ist also, was sich geändert hat.
 

Wenngleich für die meisten Volkswirtschaften keine Rezession erwartet wird, sind wir uns doch bewusst, dass das Rezessionsrisiko wächst. Je länger der Zyklus andauert, umso näher kommen wir naturgemäß mit jedem Tag, der verstreicht, einer Rezession. Doch die bisherige Dauer des Zyklus allein ist natürlich kein ausreichender Grund, dass er bald enden muss. Allerdings ziehen am Horizont unverkennbar dunkle Wolken auf. Und die Zentralbanken machen sich immer mehr Sorgen um die Verfassung der Weltwirtschaft. Nicht nur, dass die Inflation beharrlich niedrig ist. Die politischen Entscheidungsträger müssen sich auch mit einer schwächeren weltweiten Konjunktur, schwächeren Wirtschaftsdaten und den möglichen negativen Folgen der internationalen Handelskonflikte herumschlagen – ganz zu schweigen vom Brexit, der für einiges Chaos sorgen könnte.


Wenn sich die führenden Zentralbanken der Welt für weitere Zinssenkungen entscheiden sollten, könnten die Renditen von Anleihen weiter sinken und ihre Kurse steigen. Risikoreichen Anlagen dürfte dies Unterstützung bieten, da die Anleger nach höheren Erträgen streben werden. Und die sind nun einmal an den Aktienmärkten sowie an den Märkten für Hochzins-Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen zu finden. Sollten die Anleiherenditen jedoch zu stark sinken, könnte dies den gegenteiligen Effekt haben. Dies könnte nämlich als ein Alarmsignal für einen Konjunkturabschwung verstanden werden, das die Anleger beunruhigen würde. Niedrige Zinsen sind gut, aber wenn sie zu niedrig sind, könnte das durchaus schlecht sein.


ANLEIHEZINSEN SINKEN

 

 

Quelle: US-Notenbank / Haver Analytics. 


Unsere Positionierung

Wenn die Zentralbanken nun möglicherweise eine neue Phase mit Zinssenkungen einläuten, wird sich deutlich zeigen, wie wichtig eine gute Diversifikation über alle weltweiten Anleihemärkte hinweg ist. Anleiherenditen und Anleihekurse bewegen sich gegenläufig. Das heißt, wenn die Zinssätze sinken, steigt der Wert der Anleihepositionen der Anleger.


Niedrigere Zinssätze kommen risikoreichen Anlagen wie Aktien, Hochzins-Unternehmensanleihen und Anleihen der Schwellenländer zwar möglicherweise zugute, jedoch ist nach wie vor fraglich, in welche Richtung der Markt in nächster Zeit tendieren wird. Das Wachstum lässt nach, die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe schwächt sich ab und die Handelskonflikte sowie andere geopolitische Probleme – wie der Brexit – sind weiterhin ungelöst. Aktien haben immer noch Luft nach oben, auch wenn sie nach dem kräftigen Anstieg am Jahresanfang aus unserer Sicht bereits hohe Bewertungen aufweisen.

Deshalb sind wir in Aktien leicht untergewichtet, wobei wir Wachstumstiteln den Vorzug gegenüber Substanzwerten geben. Auch die Schwellenländer finden wir interessant. Im festverzinslichen Bereich bieten sich unserer Ansicht nach attraktive Möglichkeiten an den Märkten für Schwellenländer- und Hochzinsanleihen, die von der Suche der Anleger nach Renditen Unterstützung erhalten könnten. Alles in allem sind wir der Auffassung, dass der Zeitpunkt günstig ist, um in Bereiche zu investieren, die auch in einem von wenig Wachstum gekennzeichneten Umfeld Wachstum versprechen.
 


*Quellen: T. Rowe Price Analysen auf Basis von Daten von FactSet Research Systems Inc. Alle Rechte vorbehalten, S&P. Siehe Abschnitt „Zusätzliche Offenlegungen“ im Anhang.



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