INVESTMENT INSIGHTS

Neue kaiserliche Ära stärkt positiven Ausblick für Japan

Archibald Ciganer , Portfolio Manager

Überblick

  • Die Reiwa-Ära, Japans neue Kaiserepoche, wurde allgemein begrüßt, gilt sie doch als symbolischer Neuanfang, mit dem das Land die problembeladene 30-jährige Heisei-Ära hinter sich lässt.
  • Die strukturellen Marktreformen Japans in den vergangenen zehn Jahren haben zu einer höheren Rentabilität der Unternehmen und attraktiveren Renditen für Investoren geführt.
  • Dennoch bleibt der japanische Aktienmarkt sehr günstig bewertet. Dadurch bietet sich aus unserer Sicht ein attraktiver Einstiegspunkt, um das langfristige Potenzial Japans zu nutzen.

Am 1. Mai 2019 begann in Japan die Reiwa-Ära, als Kaiser Naruhito offiziell den Thron bestieg. Zwar ergeben sich kaum unmittelbare Auswirkungen für Wirtschaft, Märkte oder Politik, doch die psychologische Bedeutung dieses Epochenwechsels – „Reiwa“ bedeutet „schöne Harmonie“ – wird erheblich sein. Der Thronwechsel stellt einen symbolischen Neuanfang dar, mit dem Japan einen Schlussstrich unter die problembeladene 30-jährige Heisei-Ära zieht. Nachdem das Land bereits positive Wirtschafts- und Marktreformen eingeleitet hat, erhält Japan jetzt die Gelegenheit, sich selbst und seine Rolle in der Welt neu zu definieren.


Trägheit der Politik überwinden

Nachdem sich frühere Regierungen schwertaten, eine wachstumsorientierte Politik zu verwirklichen, hat die von Shinzo Abe geführte Liberaldemokratische Partei (LDP) die langjährige wirtschaftspolitische Trägheit erfolgreich überwunden. Von zentraler Bedeutung ist dabei der Versuch, die strukturellen Herausforderungen der Wirtschaft zu bewältigen, und eine Reihe vielversprechender Maßnahmen wurde bereits umgesetzt, darunter:
 

  • Senkung der Körperschaftsteuersätze
  • Verbesserung des Corporate-Governance-Kodex
  • Initiativen für eine umfassendere Beschäftigung verheirateter Frauen und ausländischer Arbeitnehmer


Bessere Governance verstärkt das Gewinnwachstum

Allen Skeptikern zum Trotz haben immer mehr Unternehmen damit begonnen, ihre Geschäftspraktiken und Governance-Standards zu überarbeiten. Unserer Einschätzung nach kann dieser Wandel zu einem stärkeren Wachstum der Unternehmensgewinne und höheren Aktionärsrenditen beitragen. Gleichzeitig wächst das Volumen der Aktienrückkäufe, und auch die Fusions- und Übernahmetätigkeit entwickelt sich vielversprechend.
 

Aus Anlageperspektive wird der Aktienmarkt inzwischen durch ein solides Wachstum der Unternehmensgewinne unterstützt. In den vergangenen zehn Jahren sind die Unternehmensgewinne insgesamt außerordentlich stark gestiegen, wodurch Japan die traditionell niedrigen Renditen der Vergangenheit hinter sich ließ und sich dem Rentabilitätsniveau der globalen Märkte annäherte.

Auch die Qualität der japanischen Unternehmen im Hinblick auf die Governance-Standards und die Aktionärsrenditen hat sich mit hohem Tempo verbessert, sodass sich die Lücke zu den Aktienmärkten Europas und der USA allmählich schließt. So hat sich beispielsweise die Eigenkapitalrendite japanischer Unternehmen in den letzten fünf Jahren nahezu verdoppelt. Die Unternehmen setzen ihr Kapital effizienter ein, zahlen höhere Dividenden und verstärken ihre Aktienrückkäufe (Abbildung 1) – und diese Steigerung der Renditen zieht wiederum höhere ausländische Investitionen an.


Globales Wachstumsumfeld bleibt günstig

Für japanische Aktien ist neben marktspezifischen Faktoren auch die weltwirtschaftliche Lage von Bedeutung. Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft dürfte japanischen Unternehmen ebenfalls zugutekommen. Wir sind uns jedoch darüber im Klaren, dass eine mögliche Eskalation des Zollstreits zwischen den beiden größten Handelspartnern der Welt, China und den USA, ein erhebliches Risiko darstellt. Der Idealfall bestände in einer Entspannung des Konflikts und einer Aufhebung der Sanktionen, doch die Konzentration auf erstklassige Unternehmen sollte uns auch bei einer Verschlechterung der Lage zugutekommen.
 

Mit Blick auf die Zukunft ist mit wachsenden Performance-Unterschieden einzelner Aktien zu rechnen, die auf geringfügige Änderungen des Konjunkturumfelds, aber auch auf spezifische positive oder negative Überraschungen verschieden reagieren dürften. Daher bevorzugen wir nachhaltige und aufstrebende Unternehmen, die sich auch bei ungünstigen Konjunkturbedingungen robust entwickeln sollten.


(Abb. 1) Die veränderte Kapitalallokation dürfte die Kursentwicklung japanischer Aktien weiter vorantreiben

Gesamtrendite der Aktionäre aller börsennotierten japanischen Unternehmen
Stand: 30. Juni 2018

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

1 Finanz- und Versorgungswerte sind in den Daten nicht enthalten. Aktienrückkäufe abzüglich ausgegebener Aktien. Die Daten basieren auf Governance-Berichten, die bis Mitte Juli jeden Jahres vorgelegt werden.
2 Schätzung.

Quellen: Geschäftsberichte, Japan Exchange Group und Analysen von Empirical Research Partners.
 

In den letzten Jahren hat sich die steigende Binnennachfrage, einschließlich des privaten Konsums, zu einem immer wichtigeren Faktor für das Wirtschaftswachstum entwickelt.
- Archibald Ciganer T. Rowe Price Japan Equity Strategy

Attraktive strukturelle Veränderungen

Das breite Spektrum der Strukturreformen in den vergangenen zehn Jahren hat entscheidend dazu beigetragen, den Ausblick für den japanischen Markt wieder zu verbessern. Auf Unternehmensebene stellen dabei die verbesserten Governance-Standards und der verstärkte Fokus auf höhere Aktionärsrenditen die wichtigste Veränderung dar. Ziel ist dabei, ein robusteres und weltweit wettbewerbsfähiges Geschäftsumfeld zu schaffen. Inzwischen haben ausländische Investitionen einen Marktanteil von über 30%, während sie 1990 bei nur 5% lagen. Zu den größten Pluspunkten für ausländische Investoren zählen dabei:
 

  • Rekordhohe Unternehmensgewinne – japanische Unternehmen übertrafen mit ihrer Gewinnentwicklung die meisten anderen wichtigen Märkte.
  • Starke Cashflows – die Unternehmensleitungen nutzen Cashflows effizienter.
  • Investitionen – die Investitionsausgaben steigen und kehren damit den langjährigen Trend der Unterinvestitionen um.
  • Anlagerenditen – die Unternehmen konzentrieren sich stärker auf die Aktionäre, einschließlich Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufen.


Das globale Umfeld im Kontext

Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass die japanische Wirtschaft nicht mehr so stark vom Export abhängt wie in der Vergangenheit. In den letzten Jahren hat sich die steigende Binnennachfrage, einschließlich des privaten Konsums, zu einem immer wichtigeren Faktor für das Wirtschaftswachstum entwickelt. Diese veränderte Dynamik hat zur Folge, dass Japan durch einen globalen Handelskrieg möglicherweise weniger stark bedroht ist, als viele Anleger annehmen – und vielleicht sogar weniger als andere Märkte. Da immer mehr Investoren diese makroökonomischen Entwicklungen berücksichtigen – und das breite Angebot unterbewerteter Qualitätsunternehmen zu schätzen wissen –, besteht unserer Einschätzung nach das Potenzial für ein Wachstum der Kapitalzuflüsse und einen Bewertungsanstieg am japanischen Markt.


Verbrauchsteuererhöhung ist verkraftbar

Für den 1. Oktober 2019 plant die japanische Regierung eine Anhebung des Verbrauchsteuersatzes von 8% auf 10%. Dies hat am Markt die Besorgnis ausgelöst, die Steuererhöhung könnte die Binnennachfrage belasten und dadurch die wirtschaftliche Erholung Japans gefährden. Als die Verbrauchsteuer im Jahr 2014 von 5% auf 8% erhöht wurde, trübte sich die Verbraucherstimmung tatsächlich ein und Japan rutschte in eine leichte Rezession.
 

Doch die erneute Anhebung der Steuer ist aus unserer Sicht notwendig, da sich Japan mit höheren Sozialausgaben konfrontiert sieht. Trotz aller Bedenken besteht jedoch Grund zu der Annahme, dass die Folgen für das Verbrauchervertrauen und den Privatkonsum weniger drastisch sein werden als nach der Steuererhöhung im Jahr 2014. Zum einen fällt die Anhebung im Oktober mit 2% geringer aus als 2014. Darüber hinaus hat die Regierung ein Konjunkturpaket im Umfang von JPY 2 Bio. zur Förderung von Konsum und Einzelhandel genehmigt. Die Pläne sehen unter anderem Gutscheine für Familien mit niedrigem Einkommen und einen reduzierten Steuersatz von 8% für Grundnahrungsmittel vor, um die Auswirkungen der Steuererhöhung zu dämpfen.


Vielversprechender Einstiegspunkt zur Nutzung von Japans Potenzial

Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2019 sind wir davon überzeugt, dass japanische Aktien weiterhin von einer stabilen Wirtschaft und einem positiven globalen Wachstum unterstützt werden. Auf Marktebene dürften die laufenden Strukturreformen – wie höhere Corporate-Governance-Standards – und das Gewinnwachstum den Renditen der Unternehmen weiter Auftrieb verleihen. Wir investieren nach wie vor in erstklassige Unternehmen, die unmittelbar von den grundlegenden Veränderungen in Japan profitieren, darunter die verstärkte Nutzung des elektronischen Zahlungsverkehrs und der zunehmend straffe Arbeitsmarkt. Aus Bewertungssicht werden japanische Aktien im Vergleich zu anderen Märkten der Region immer noch mit einem Abschlag gehandelt.


Darauf achten wir in nächster Zeit

Der Trend zur Auszahlung höherer Renditen an die Aktionäre deutet darauf hin, dass japanische Unternehmen immer besser verstehen, wie sich die Kapitalallokation effizient und vorteilhaft einsetzen lässt. Doch nach Ansicht der Skeptiker unter den Marktbeobachtern könnte eine Abkühlung der japanischen oder der Weltwirtschaft in Verbindung mit der Unsicherheit über den Handelskonflikt rasch dazu führen, dass die Unternehmen zu ihrer konservativen, wenig aktionärsfreundlichen Politik der Vergangenheit zurückkehren. Wir können dafür bisher keine Anzeichen erkennen, beobachten die Entwicklung jedoch aufmerksam.
 

Zusätzliche Informationen

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201906‑877479

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