EINBLICKE IN DIE ANLAGEPOLITIK

Die negativen Folgen niedriger Zinsen

Saurabh Sud , Portfolio Manager

Überblick

  • Das aktuelle Umfeld niedriger Zinsen hat in einigen Segmenten des Anleihemarktes zu unattraktiven Bewertungen geführt.

  • Eine ausgewogene Kreditallokation und die Ausrichtung auf einen steileren Verlauf der Renditekurve können dazu beitragen, das Risiko zu reduzieren.

  • Der US-Markt für hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-backed Securities) sowie europäische Bankwerte könnten sich unterdurchschnittlich entwickeln.

Da sich die Konjunktur weltweit abkühlt, dürfte sich die Ära historisch niedriger Zinsen fortsetzen, obwohl einige Institutionen begonnen haben, die negativen Begleiterscheinungen des aktuellen Zinsumfelds zur Debatte zu stellen. Das Anlageteam hat bei den letzten Wochensitzungen zur Anlagepolitik darüber diskutiert, welche Auswirkungen dies auf die Anleihemärkte haben könnte.
 

Das Jahr 2019 ist für Staatsanleihen bisher positiv verlaufen, da die Marktteilnehmer mit einer gemäßigteren Geldpolitik mehrerer großer Zentralbanken und möglicherweise auch einigen Zinssenkungen rechnen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob eine neue Welle der quantitativen Lockerung der Weltwirtschaft tatsächlich zugutekommen würde. „Ohne einen fiskalpolitischen Rahmen ist es keineswegs sicher, dass beispielsweise die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Wirtschaft der Eurozone stützen wird“, erläuterte Saurabh Sud, Portfoliomanager und Mitglied des Global Fixed Income Investment Teams.

Die Aussicht auf eine noch längere Phase der lockeren Geldpolitik hat in weiteren Teilen des Anleiheuniversums zu negativen Renditen geführt.
- Saurabh Sud, Portfolio Manager

Gleichzeitig stellen der Internationale Währungsfonds und andere Institutionen die Begleiterscheinungen des aktuellen Umfelds äußerst niedriger Zinsen zur Debatte. Beispielsweise sind an den Anleihemärkten die Renditen deutlich gefallen und die Zinskurven bieten eine viel geringere Laufzeitprämie, da die extrem lockere Geldpolitik der großen Zentralbanken eine erhebliche Verflachung der Kurven zur Folge hatte. „Die Aussicht auf eine noch längere Phase der lockeren Geldpolitik hat in weiteren Teilen des Anleiheuniversums zu negativen Renditen geführt“, erklärte Saurabh Sud. Dabei verwies er auf die Tatsache, dass inzwischen weltweit festverzinsliche Wertpapiere im Wert von fast 9,5 Bio. US-Dollar1 eine Rendite unter null aufweisen.
 

Vor diesem Hintergrund erscheint es zunehmend attraktiv, Anlagen an den Anleihemärkten durch Positionen mit Ausrichtung auf eine steilere Zinskurve zu ergänzen. „Ein Kurven-Steepener, also die Positionierung für einen steileren Verlauf der Zinskurve, korreliert negativ zu den Anleihemärkten und könnte daher dazu beitragen, die Erträge eines Kreditportfolios zu diversifizieren, falls die Weltwirtschaft erneut eine Schwächephase durchläuft“, so Saurabh Sud.
 

Nach Einschätzung des Anlageteams lässt der Renditerückgang bei US-Staatsanleihen (Treasuries) in Verbindung mit der steigenden Zinsvolatilität auch hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage-backed Securities, MBS) weniger attraktiv erscheinen. Agency-Hypothekenpapiere mit 30-jähriger Laufzeit sind in der Regel eng an langlaufende Treasuries gekoppelt. Bei einem Renditerückgang besteht daher das Risiko einer vorzeitigen Rückzahlung, da zahlreiche Transaktionen zu einem niedrigeren Zinssatz refinanziert werden. Da die US-Notenbank zudem plant, die Erlöse aus fälligen MBS ab Oktober in Treasuries zu reinvestieren, könnte sich dieses Marktsegment in den nächsten Monaten schlechter entwickeln als US-Staatsanleihen.

Die letzten beiden Runden des TLTRO-Programms haben die Kreditvergabe an Unternehmen in Europa nicht wesentlich beflügelt.
- Saurabh Sud, Portfolio Manager

Daneben erläuterte das Anlageteam die möglichen Risiken für Wohnungsbauunternehmen. Anlass zu Bedenken gibt beispielsweise die Erschwinglichkeit neuer Wohnungen, da die Einkommen der Verbraucher seit über fünf Jahren hinter der Entwicklung der Hauspreise zurückbleiben, und auch die Zinsentwicklung ist problematisch. „Vereinfacht gesagt benötigen Bauunternehmen ein Goldlöckchen-Szenario: eine Wirtschaft, die weder zu stark noch zu schwach wächst“, stellte Saurabh Sud fest. Falls sich die US-Wirtschaft zu stark abkühlt, könnten sich potenzielle Käufer seiner Einschätzung nach vom Wohnimmobilienmarkt zurückziehen, selbst wenn die Zinsen fallen. Bei einer Überhitzung der Wirtschaft steigen dagegen die Zinsen, sodass der Markt wie bereits im Jahr 2018 zum Stillstand kommen könnte. Daher ist es sinnvoll, Positionen in bestimmten US-Wohnungsbauunternehmen geringerer Bonität mit hoher Verschuldung und Engagement in volatileren Immobilienregionen abzusichern.
 

In anderen Segmenten des Marktes für Unternehmensanleihen leiden beispielsweise die Gewinne von Banken unter dem Umfeld historisch niedriger Zinsen, insbesondere in Europa. Angesichts der Gefahr einer Deflation entschied sich die EZB 2014 für eine Politik negativer Zinsen. Seitdem müssen Banken, die ihre überschüssige Liquidität bei der Zentralbank halten wollen, für dieses Privileg bezahlen. Knapp fünf Jahre später hat sich an dieser Politik nichts geändert, doch einige Zentralbankvertreter zweifeln allmählich an ihrer Wirksamkeit. Nach Schätzungen des in Brüssel ansässigen Wirtschafts-Thinktanks Bruegel kostet diese Politik europäische Banken jährlich mehr als 8 Mrd. US-Dollar, während die Banken in den USA, wo die Zinsen positiv sind, durch die Anlage ihrer überschüssigen Liquidität bei der US-Notenbank schätzungsweise 36 Mrd. US-Dollar2 verdienen. „Auf Länderebene bevorzugen wir US-Banken gegenüber Europa“, erläuterte Saurabh Sud.
 

Derzeit scheint auch debattiert zu werden, welche Vorteile ein neues Programm gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (Targeted Longer-Term Refinancing Operations, TLTRO) für europäische Banken bieten würde. „Die letzten beiden Runden des TLTRO-Programms haben die Kreditvergabe an Unternehmen in Europa nicht wesentlich beflügelt“, erklärte Sud. Das Kredit-Research lässt erkennen, dass eine neue Runde billiger Kredite für viele europäische Banken keine nennenswerte Rentabilitätssteigerung zur Folge hätte, sofern nicht gleichzeitig die Wirtschaftstätigkeit anzieht. „Die Absicherung von Positionen in bestimmten europäischen Banken, die von einer globalen Wirtschaftsabkühlung besonders stark betroffen wären, ist aus Kostensicht attraktiv“, stellte Sud abschließend fest.
 

1 Bank of America Merrill Lynch.

2 Schätzungen von T. Rowe Price.

201904‑830055

Wichtige Informationen

Das vorliegende Dokument dient nur zu allgemeinen Informationszwecken. Es ist in keiner Weise als (Anlage-) Beratung zu verstehen (auch nicht in treuhänderischem Sinne), und potenziellen Anlegern wird empfohlen, vor einer Anlageentscheidung unabhängigen rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Rat einzuholen. Die T. Rowe Price-Unternehmensgruppe, zu der auch T. Rowe Price Associates, Inc. und/oder deren verbundene Gesellschaften gehören, erzielen Einnahmen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen von T. Rowe Price. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Der Wert einer Anlage sowie die mit dieser erzielten Erträge können sowohl steigen als auch sinken. Es ist möglich, dass Anleger weniger zurückbekommen als den eingesetzten Betrag.

Das vorliegende Dokument stellt weder ein Angebot noch eine persönliche oder allgemeine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren in irgendeinem Land oder Hoheitsgebiet beziehungsweise zur Durchführung bestimmter Anlageaktivitäten dar. Das Dokument wurde von keiner Aufsichtsbehörde irgendeines Landes oder Hoheitsgebiets geprüft.

Die hierin geäußerten Informationen und Ansichten wurden aus oder anhand von Quellen gewonnen, die wir als zuverlässig und aktuell erachten; allerdings können wir die Richtigkeit oder Vollständigkeit nicht garantieren. Wir übernehmen keine Gewähr dafür, dass sich Vorhersagen, die möglicherweise getätigt werden, bewahrheiten werden. Die hierin enthaltenen Einschätzungen beziehen sich auf den jeweils angegebenen Zeitpunkt und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern; diese Einschätzungen unterscheiden sich möglicherweise von denen anderer Gesellschaften und/oder Mitarbeiter der T. Rowe Price-Unternehmensgruppe. Unter keinen Umständen dürfen das vorliegende Dokument oder Teile davon ohne Zustimmung von T. Rowe Price vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.

Das Dokument ist nicht zum Gebrauch durch Personen in Ländern oder Hoheitsgebieten bestimmt, in denen seine Verbreitung untersagt ist oder Beschränkungen unterliegt. In bestimmten Ländern wird es nur auf spezielle Anforderung zur Verfügung gestellt.

Das Dokument ist nicht für Privatanleger bestimmt, unabhängig davon, in welchem Land oder Hoheitsgebiet diese ihren Wohnsitz haben.

Dynamic Global Bond
zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I USD
ISIN LU1216622214
Der Fonds verfolgt einen flexiblen, nicht auf eine Benchmark fixierten Ansatz. Er investiert in allen Bereichen des globalen Anleiheuniversums mit dem Ziel, dauerhafte Erträge zu erwirtschaften, Kapitalerhalt sicherzustellen und eine Diversifikation gegenüber Aktienrisiken zu ermöglichen. Mehr...
3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
-0,76%
Durchschnittlicher Kupon
4,19%
FACTSHEET
Fondsvolumen
(USD)
$968,5Mio.
Durchschnittliche Laufzeit
6,79 J.
Durchschnittliche Duration
-0,18J.