INVESTMENT VIEWPOINT

Säkulare Risiken sorgen für Chancen am US-High-Yield-Markt

Mark Vaselkiv , Portfolio Manager

Überblick

  • Eine wachsende Zahl von Unternehmen ist derzeit mit potenziellen säkularen Risiken konfrontiert, die ihre langfristigen Wachstumsaussichten beeinträchtigen könnten.
  • Disruptive Kräfte gestalten den Markt für Hochzinsanleihen um und schaffen eine neue Generation von Unternehmen, in die sich investieren lässt.
  • Sogar Unternehmen, die durch säkulare Risiken herausgefordert werden, können für Investoren, die sich in Hochzinsanleihen engagieren, attraktive Anlagechancen bedeuten.

In der gesamten US-Wirtschaft vollziehen sich umfangreiche Technologieinnovationen und -disruptionen. Angesichts dessen stehen immer mehr Unternehmen vor Risiken, die in zukünftigen Jahren zu niedrigeren Erträgen, Ergebnissen je Aktie und Bewertungen führen könnten. Auch wenn Beobachter Disruption typischerweise mit Aktieninvestments in Verbindung bringen, wandeln sich auch die Anleihemärkte in erheblicher Weise. Einige Segmente des Marktes für Hochzinsanleihen scheinen hierfür besonders anfällig zu sein. Gleichzeitig hat dieser Trend eine neue Generation von High-Yield-Unternehmen geschaffen, die attraktive Anlagepotenziale bieten.

Größte Anfälligkeit für säkulare Risiken bei wertorientierten Unternehmen

Wir definieren säkulare Risiken als das Entstehen einer neuen Wettbewerbskraft, technologische Fortschritte, Veränderung bei Kundengewohnheiten oder regulatorische Änderungen, die das langfristige Wachstumspotenzial eines Unternehmens wesentlich unterminieren können. Unsere Aktienanalysten schätzen, dass etwa 31% des US-Aktienmarkts von säkularen Risiken betroffen sind. Im Vergleich dazu waren es vor knapp zwei Jahren nur rund 20%.
 

Traditionelle wertorientierte Industrien und Unternehmen sind nach unserer Auffassung am anfälligsten für säkulare Risiken, und der High-Yield-Markt ist im Wesentlichen ein wertorientierter Markt. Viele wertorientierte Unternehmen haben sich stärker verschuldet, wodurch sich die säkularen Risiken erhöhen.
 

Einige Sektoren, die wie z. B. die Automobilindustrie, die Kabel-, Glücksspiel- oder Verlagsbranche, der Rundfunk und der Einzelhandel mit weitreichenden Veränderungen konfrontiert sind, spielen am High-Yield-Markt nicht mehr eine so herausragende Rolle, wie in der Vergangenheit. Auch wenn die Aktien dieser Unternehmen langfristig vielleicht nicht attraktiv sind, finden wir Chancen in diesen Sektoren durch Anlagen in Schuldtiteln mit kürzeren Laufzeiten.

Vielleicht sollten Anleger Schuldinstrumente von durch Disruption betroffenen Unternehmen in Betracht ziehen

Der Übergang zu autonomen Elektrofahrzeugen wird möglicherweise im nächsten Jahrzehnt geschafft. Das würde für die traditionelle Automobilindustrie tief greifende Konsequenzen nach sich ziehen. Während meiner gesamten Karriere bildete die Automobilindustrie ein Kernelement des High-Yield-Marktes. Die Aktie und längerfristigen Anleihen des Automobilherstellers Ford Motor, der bei der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen hinterherhinkt, sind vielleicht nicht sehr verlockend. Wir können uns aber für ein Engagement in diesen beeinträchtigten Kreditsituationen entscheiden, weil wir den zeitlichen Horizont unserer Anlage bestimmen können, der möglicherweise sehr viel kürzer als bei einem Aktienanleger ist. Dies verschafft uns die Flexibilität, in Unternehmen zu investieren, die am Ende vielleicht vor disruptiven Herausforderungen stehen.
 

Außerdem bewegen sich Unternehmen, die säkularen Risiken am stärksten ausgesetzt sind, nicht notwendigerweise am Rande der Insolvenz. Für Anleiheanleger hat die Fähigkeit eines Emittenten, seinen Rückzahlungsverpflichtungen nachzukommen, Vorrang vor seiner Fähigkeit zum Wachstum. Aus diesem Grunde kann es sinnvoll sein, eher die Schuld- als die Eigenkapitalinstrumente eines Unternehmens zu halten, das säkularen Risiken ausgesetzt ist. In diesem Sinne haben sich High-Yield-Anlagen zu einer relevanten Strategie entwickelt, um in dieser Ära der Disruption Wertpotenziale zu erschließen.

Eine neue Generation bietet neue Chancen

Indessen erzielen einige Unternehmen der neuen Generation, die nach unserem Dafürhalten auf der richtigen Seite des Wandels stehen, vielleicht keine robusten Cashflows wie die Unternehmen, in die wir traditionell investiert haben. Viele befinden sich erst noch im Entwicklungsstadium. Doch in Anbetracht des Werts dieser Unternehmen und ihres raschen Wachstums erreichen sie möglicherweise schon bald den Cashflow-Wendepunkt.
 

Unter den Medienunternehmen erwirtschaftet Netflix etwa  2 Milliarden USD Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, gibt pro Jahr aber rund  10 Milliarden USD für die Entwicklung neuer Inhalte in den USA und auf internationaler Ebene aus. Zudem hat das Unternehmen bei internationalen Programmen noch nicht einmal die Oberfläche angekratzt. Netflix finanziert die Entwicklung seiner Inhalte durch 10-jährige Anleihen, die am High-Yield-Markt ausgegeben werden, und beschafft sich so etwa alle sechs Monate neues Fremdkapital. Diese Anleihen sind solide Investments.

Im Verkehrssektor hat sich die Tesla-Aktie in den ersten Monaten des Jahres 2019 nicht gut entwickelt, die Anleihen haben sich jedoch besser behauptet. Eine vor kurzem durchgeführte Stammaktien- und Anleihenemission hat geholfen, die Bilanz zu stützen und die Liquidität zu verbessern, während wir darauf warten, dass die Produktionsmengen bei überarbeiteten Modellen zulegen. Ähnlich wie Netflix verbraucht Uber eine Menge Geld und hat sich in den letzten drei Jahren Kapital am High-Yield-Markt besorgt. Die Anleihen haben sich gut entwickelt, auch wenn das Unternehmen noch keine Gewinne erzielt. Nach unserer Einschätzung wird es in der Fahrdienstbranche am Ende zwei Akteure geben: Uber und Lyft. Diese Unternehmen dürften reifen und gut nebeneinander existieren können. In der Vergangenheit haben derartige Oligopole wirtschaftlich gut funktioniert.

Chancen im Energie- und Versorgersektor

Energie ist das größte Segment am High-Yield-Markt in den USA und mit disruptiven Veränderungen durch technologische Fortschritte beim Horizontalbohren konfrontiert, denn hierdurch werden beträchtliche neue Öl- und Gaslagerstätten zugänglich. Wir haben Milliarden von Dollar in kleinere High-Yield-Emittenten, die in der Exploration und Produktion tätig sind, investiert. Sie kaufen derzeit Flächen und operieren in fruchtbaren Regionen wie dem Permischen Becken. Sie fördern diese Vorkommen auf eine Art und Weise, die sich in der Vergangenheit nicht rentiert hätte.
 

Versorger, die einstmals für einen schläfrigen, defensiven Sektor gehalten wurden, werden mit dem Entstehen neuer Technologien, durch die erneuerbare Energiealternativen gefördert werden, innovativ. NextEra agiert beispielsweise als traditioneller Versorger (Florida Power and Light), ist aber auch führend in der Entwicklung von Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Das hilft nicht nur, das Wachstum zu beflügeln, sondern auch die Energiekosten der Verbraucher zu senken.

Kabelgesellschaften generieren solide Cashflows

Im Rundfunksektor stellte das Kabelfernsehen lange Zeit ein bedeutendes Segment am High-Yield-Markt dar. Doch weil Verbraucher immer mehr über ihre Telefone oder andere mobile Geräte auf Inhalte zugreifen, steht die Branche unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Von diesen Kabelgesellschaften werden einige in 20 Jahren vielleicht nicht mehr existieren. Dennoch sind sie nach wie vor wichtige Internet-Anbieter für kleine Unternehmen und Verbraucher und generieren solide Cashflows. Von daher glauben wir, dass Kabelgesellschaften in den nächsten fünf Jahren weiterhin gute High-Yield-Investments sein dürften. Die Kabelbranche ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Anleihen lohnender als Aktien sein können.
 

Interessant ist zudem, dass nicht alle Unternehmen, die auf der falschen Seite des Wandels stehen, dort auch bleiben. Disruptive Veränderungen können in manchen Fällen tatsächlich auch für frischen Wind sorgen. Iheart ist beispielsweise die größte traditionelle Hörfunkgesellschaft in den USA. Sie steht kurz davor, die Insolvenz hinter sich zu lassen, und besitzt erhebliches Aufwärtspotenzial in einer Branche, die benachteiligt war. Ihr kommt zugute, dass der Hörfunk eine Renaissance erlebt und Radiohören durch intelligente Lautsprecher zu Hause erleichtert wird. Iheart gehört Z100, der größte UKW-Sender in New York City, der von dieser positiven disruptiven Veränderung eindeutig profitiert.

Durch Disruption entstehen Chancen und Herausforderungen

Sicherlich sind Investitionen in die vielen wertorientierten Unternehmen, die den High-Yield-Markt dominieren, durch säkulare Risiken schwieriger geworden. Aber hierdurch entsteht für High-Yield-Anleger auch eine neue Generation von Unternehmen, die attraktive Chancen bieten. Durch die globalen Research-Möglichkeiten von T. Rowe Price können wir eng mit unseren Aktienanalysten zusammenarbeiten und so diejenigen Unternehmen ausfindig machen, die vielleicht erfolgreich und die gegebenenfalls reif für Disruption sind.


201905‑839057


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