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Alan Tu , Portfolio Manager

Die wichtigsten Punkte

  • Dank unserer Fundamentalanalysen haben wir Entwicklung und Einsatz von Cloud-Software bereits im Anfangsstadium verfolgt und frühzeitig in dieses Segment investiert.
  • Inzwischen sehen wir neue Anlagechancen, da Cloud-Lösungen in weiteren Unternehmensbereichen verwendet werden.
  • Da viele führende Cloud-Anbieter hohe Bewertungen aufweisen, ist die sorgfältige Aktienauswahl jedoch von wachsender Bedeutung.

„Software verschlingt die Welt“, bemerkte der Internet-Pionier Marc Andreessen im Jahr 2011 – und dieser Appetit scheint nicht nachzulassen. Gemäß Daten von Gartner sind die Ausgaben für Unternehmenssoftware in den letzten zwei Jahren jährlich um rund 10% gestiegen und dürften bis 2022 stärker wachsen als die Unternehmensinvestitionen in allen anderen Technologiebereichen.
 

Unter den verschiedenen Arten von Unternehmenssoftware weist das Cloud-Segment das größte Wachstum auf. Software-Services, die über das Internet bereitgestellt werden, sind in den letzten Jahren exponentiell gewachsen, und wir gehen davon aus, dass die meisten neuen Verarbeitungs-Workloads inzwischen in der Cloud erstellt und abgewickelt werden. Da Altsysteme im Laufe der Zeit erneuert werden, dürfte sich der Großteil der bestehenden Workloads in die Cloud verlagern.
 

Die Cloud bildete in den letzten zehn Jahren einen der Schwerpunkte der Global Technology Equity Strategy. Dabei investierten wir in mehrere Anbieter von Cloud-Software, die sich zu Branchenführern entwickelt haben. Nachdem die Bewertungen gestiegen sind, haben wir einige unserer Positionen reduziert. Dennoch sehen wir vielversprechende Anlagechancen in einigen Marktsegmenten, da Unternehmen inzwischen neue Cloud-Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Vorteile von Cloud-Software für Anwender

Um das anhaltende Potenzial der Cloud zu verstehen, ist es hilfreich, ihre Vorteile für die Nutzer genauer zu betrachten:
 

  • Geringere Gemeinkosten: Unternehmen, die auf die Cloud setzen, müssen weder „pauschale“ Hardwareausgaben planen noch eine große Zahl von Systemadministratoren beschäftigen, um Server zu betreiben und nur sporadisch auftretende Probleme zu lösen. Anbieter von cloudbasierter Software können diese Kosten viel effizienter auf eine große Zahl von Nutzern verteilen.
  • Geringere Markteintrittsbarrieren: Dank der geringeren Gemeinkosten können Unternehmen jeder Größe problemlos auf cloudbasierte Software zugreifen. Ein Start-up kann die benötigte IT-Infrastruktur jetzt von Amazon Web Services, Microsoft Azure oder anderen Anbietern mieten. Statt für ein Produkt zu bezahlen, das für Großkonzerne entwickelt wurde, können kleine Unternehmen in einem Abonnementmodell selbst entscheiden, für welchen Umfang an anspruchsvoller Software sie bezahlen wollen.
  • Fortlaufende Aktualisierung: Cloud-Software ist auch deshalb so benutzerfreundlich, weil sie auf Basis von Kundenfeedback und anderen Anregungen ständig weiterentwickelt wird. Daher können auch regulatorische Änderungen oder Entwicklungen rasch in den Produkten berücksichtigt werden. Software-Patches und Sicherheitsupdates können durch die Kunden umgehend und ohne jeden Aufwand installiert werden.


Cloudbasierte Datenverarbeitung gestaltet Unternehmensabläufe völlig neu
Über das Internet bereitgestellte Software verringert die Gemeinkosten und senkt die Markteintrittsbarrieren.
 

Quelle: T. Rowe Price.

Auch für Softwareanbieter ist die Cloud ein besseres Geschäftsmodell

Neben dem Mehrwert für die Kunden bietet ein cloudbasiertes Geschäftsmodell auch erhebliche Vorteile für Softwarehersteller. Unternehmen, die Einnahmen durch Abonnements statt durch den Verkauf unbefristeter Lizenzen erzielen, profitieren von einer beständigeren Ertragsentwicklung und befreien sich von den zyklischen Schwankungen, die die Branche bisher prägten.
 

Dank ihrer Kundenfreundlichkeit hat sich Cloud-Software rasant verbreitet. Teure Verkaufs- und Marketingmaßnahmen wurden dabei durch Mundpropaganda ersetzt, da immer mehr Nutzer ihre Software selbst erwerben, ohne die IT-Abteilung einzuschalten. Auch die Vertriebskosten sind deutlich gesunken, vor allem in Fällen, in denen Techniker und andere Support-Spezialisten die Kunden bisher vor Ort bei Installation und Wartung unterstützen mussten. Während IBM ein Heer von Außendienstmitarbeitern beschäftigte, als der Konzern vor rund zehn Jahren die Softwarebranche dominierte, arbeiten seine cloudbasierten Wettbewerber mit einer deutlich schlankeren Struktur.

Besonders interessieren uns derzeit cloudbasierte Unternehmen, die sich auf Datenanalyse konzentrieren ...

Unsere Erfolgsbilanz bei Anlagen im Cloud-Segment

Bei T. Rowe Price haben wir das Potenzial der Cloud-Anwendungen, die Gewinner und Verlierer der Softwarebranche neu zu definieren, schon seit Langem erkannt. Unsere Fundamentalanalysen verdeutlichten schon frühzeitig die Leistungsfähigkeit von Cloud-Lösungen, deren Einsatz unsere Analysten in verschiedenen Branchen beobachteten. Auch bei T. Rowe Price haben wir inzwischen viele technologiebasierte Geschäftsabläufe in die Cloud verlagert, um die Kosten zu senken und die Effizienz des Unternehmens zu steigern.
 

Salesforce.com, ein Softwarehersteller im Bereich Customer Relationship Management (CRM) war einer unserer ersten cloudbasierten Dienstleister. Die Global Technology Equity Strategy gehörte zu den ersten Investoren, als Salesforce im Juni 2004 an die Börse ging, und wir engagieren uns nach wie vor als aktive Anleger, nachdem sich das Unternehmen zum größten Anbieter des Cloud-Segments entwickelt hat (gemessen an der Marktkapitalisierung von rund USD 120 Mrd. per 31. März 2019).
 

Vor dem Markteintritt von Salesforce bestand CRM-Software überwiegend aus wenig transparenten und individuell angepassten Kundendatenbanken, die zu hohen Kosten auf den Servern eines Unternehmens installiert wurden. Durch die Nutzung der Cloud und eines abonnementbasierten Modells konnte Salesforce ein dynamisches System entwickeln, das Kundendaten mit vielen unterschiedlichen Unternehmensbereichen wie Marketing und Bestandsmanagement verknüpft.
 

Darüber hinaus beteiligten wir uns im Oktober 2012 am Börsengang von Workday, einem Anbieter von cloudbasierten Lösungen für die Personalverwaltung. Workday hat im Personalwesen in vielerlei Hinsicht für ähnliche Innovationen gesorgt wie Salesforce mit seiner CRM-Software – mit Lösungen für eine leichtere Digitalisierung, Organisation und Integration von Prozessen, die zuvor über das gesamte Unternehmen verstreut waren. Die Workday-Software verknüpft HR-Prozesse (z.B. die Gehaltsabrechnung) mit Finanzinformationen, etwa aus dem Umsatzmanagement.

Wonach wir künftig suchen: Cloudbasierte KI unterstützt Unternehmen bei der Verwaltung des steigenden Datenvolumens

Salesforce, Workday und andere Unternehmen nutzen zudem eine wichtige technologische Entwicklung: die wachsende Leistungsfähigkeit der künstlichen Intelligenz (KI). Dank der Erfahrungen aus Millionen von Mitarbeiterdaten kann Workday mit seiner neuen Lösung People Analytics beispielsweise Führungskräfte dabei unterstützen, Quellen für Personalabgänge ebenso zu identifizieren wie besonders leistungsstarke Unternehmensbereiche. Salesforce hat unterdessen seine Software „Einstein AI“ vorgestellt, mit der die Anwender unter anderem analysieren können, welche Rechnungen voraussichtlich nicht pünktlich bezahlt werden.

Besonders interessieren uns derzeit cloudbasierte Unternehmen mit Fokus auf den Bereich Datenanalyse, der angesichts des explodierenden Datenvolumens in Unternehmen stark an Bedeutung gewinnt. Seit dem Börsengang im April 2012 haben wir regelmäßig in Splunk investiert, eine führende Plattform für die Analyse von Maschinendaten. Die Plattform von Splunk erlaubt Unternehmen, maschinell generierte Logdaten, etwa die Daten von Mitarbeiterausweisen sowie Logdateien von Internetprotokollen (IP), schnell zu indizieren, abzurufen und zu analysieren. Diese Informationen sind für Sicherheitszwecke von hoher Bedeutung, können sich aber auch für Geschäftsanalysen als wertvoll erweisen. Der Kreuzfahrtanbieter Carnival Cruises verwendet Splunk zum Beispiel für die Auswertung der Daten tragbarer Geräte, die er den Passagieren zur Verfügung stellt, um die Nutzung verschiedener Einrichtungen an Bord seiner Schiffe besser zu verstehen.
 

DATA, das Tickersymbol von Tableau Software, verdeutlicht die Mission des Unternehmens: den Anwendern durch ausgefeilte Grafiken und Dashboards die Analyse großer Mengen unterschiedlicher Daten zu ermöglichen. Die einfache Benutzeroberfläche und die innovative Visualisierungstechnologie von Tableau haben dazu beigetragen, die Geschäftsanalytik zu demokratisieren: Während diese Aufgabe früher der IT-Abteilung vorbehalten war, können jetzt auch Nicht-Experten eigene Ad-hoc-Datenanalysen durchführen. Wir hielten seit dem Börsengang im Mai 2013 mehrfach Positionen in Tableau und begrüßen die jüngste Entscheidung des Unternehmens, vom Verkauf unbefristeter Lizenzen zu einem Abonnementmodell überzugehen.

Überraschender Nutzen eines Unternehmensbesuchs

Der Einsatz eines Produkts durch ein führendes Technologieunternehmen veranlasste uns zu einem IPO-Investment.
 

Führende Technologieunternehmen, nicht nur im Silicon Valley, sind naturgemäß oft die ersten Anwender von innovativer Unternehmenssoftware. Bei einem unserer ersten Besuche bei Airbnb sahen wir, wie das Unternehmen Zoom verwendet, eine Anwendung für Video- und Audiokonferenzen. Wir waren von diesem Produkt stark beeindruckt – vor allem von der Möglichkeit einer plattformübergreifenden Nutzung, etwa auf mobilen und Desktop-Geräten. Wir beteiligten uns schließlich am Börsengang von Zoom, der zu den erfolgreichsten IPOs seit Jahresbeginn 2019 gehört (gemessen an der Wertentwicklung der Aktie vom Emissionskurs bis zum Schlusskurs des ersten Handelstages).

... uns interessieren vor allem Cloud-Dienste, die den Arbeitsablauf von Softwareentwicklern koordinieren.

Cloudbasierte KI ist auch für Cybersicherheit von hoher Bedeutung

Cloudbasierte KI-Lösungen dürften im Bereich Cybersicherheit eine wachsende Rolle spielen. Viele Experten befürchten, dass es Kriminellen oder feindlichen Staaten gelingen könnte, mithilfe von künstlicher Intelligenz auf neuen Wegen in IT-Systeme einzudringen. Andererseits haben Anbieter von Cybersicherheits-Lösungen damit begonnen, bei der Entwicklung neuer Abwehrtechniken ebenfalls auf KI zu setzen. Maschinelles Lernen ermöglicht cloudbasierten Cybersicherheitsfirmen, ungewöhnliche Muster bei versuchten Systemzugriffen zu ermitteln. Diese Technik ist besonders leistungsfähig, da sie sich nicht auf eine Liste bekannter früherer Angriffe (sogenannte „Signaturen“) stützt, sondern in der Lage ist, neue Attacken zu erkennen, beispielsweise zeitverzögerte Angriffe oder die Kombination verschiedener Arten von Malware, die separat in das System eingedrungen sind.
 

Besonders wichtig ist dabei: Je größer die in solchen Systemen verwendeten Datensätze sind und je mehr Analysen durchgeführt werden, umso bessere Ergebnisse erzielen auf maschinellem Lernen basierende Programme. Cybersicherheitsfirmen, die mit dem Schutz vieler verschiedener Computernetzwerke betraut sind, kann dies einen entscheidenden Vorteil bieten.
 

Proofpoint nutzt umfangreiche Datenmengen zur Abwehr von Cyberangriffen. Im Zentrum steht dabei die Verhinderung ausgeklügelter Phishing-Angriffe per E-Mail, die nach wie vor die Ursache zahlreicher Sicherheitsverletzungen bilden. Mithilfe von maschinellem Lernen identifiziert das Unternehmen verdächtige Websites und E-Mail-Muster, um die Installation von Malware und andere Sicherheitslücken zu verhindern. Wir erwarten, dass die Cybersicherheit in den nächsten Jahren eines der am schnellsten wachsenden Cloud-Segmente bilden wird, da immer mehr Daten den durch Unternehmens-Firewalls geschützten Bereich verlassen.

Der Aufstieg der Entwickler

Das Zeitalter des Cloud Computing hat auch zu einer wachsenden Bedeutung der Entwickler geführt, da sich Unternehmen der verschiedensten Branchen zu Softwareherstellern wandeln. Nach Schätzungen des US-Arbeitsministeriums wird die Zahl der Entwickler von Anwendungssoftware in den zehn Jahren bis 2026 um fast ein Drittel steigen, wobei dieses rasante Wachstum so unterschiedliche Bereiche wie Architekturdienstleistungen, den Großhandel mit Maschinen und die Filmproduktion betrifft.
 

In jüngster Zeit interessieren uns vor allem Cloud-Dienste, die den Arbeitsablauf von Softwareentwicklern koordinieren. Wir beteiligten uns frühzeitig als Private-Equity-Investoren an Atlassian, dessen Plattform Jira die Projektentwicklung vereinfacht und inzwischen als Standard-Plattform für den Arbeitsablauf von Programmierern dient. Mit Jira können Entwicklungsteams Aufgaben zuweisen, den Projektfortschritt überwachen und Freigaben vornehmen, ohne ständig auf Meetings und E-Mails angewiesen zu sein. Als besonders geschickt erweist sich das Unternehmen im Online-Marketing über Empfehlungen in sozialen Netzwerken, sodass keine Kosten für traditionelle Vertriebsmitarbeiter anfallen.
 

Der Wert eines aktiven Ansatzes

Das rasante Wachstum cloudbasierter Software hat in den letzten Jahren das Interesse der Anleger geweckt, und das enorme Potenzial der marktführenden Unternehmen spiegelt sich oft in entsprechend hohen Aktienkursen wider. Wir haben uns nicht gescheut, Engagements zu reduzieren oder ganz zu veräußern, bei denen wir weiter ein langfristiges Potenzial sehen, deren Bewertungen jedoch nicht mehr angemessen sind. Dagegen betrachteten wir allgemeine Kursrückgänge im Technologiesektor oder am Gesamtmarkt als Gelegenheit, unsere bevorzugten Aktienpositionen wieder aufzustocken. Auch enttäuschende Quartalszahlen und andere vorübergehende Rückschläge können Anlagechancen darstellen, wenn das betreffende Unternehmen aus fundamentaler Sicht solide bleibt.
 

Wir sind uns bewusst, dass die Cloud die Geschäftsabläufe von Unternehmen grundlegend und nachhaltig verändert – und dieser tiefgreifende Wandel bringt Gewinner und Verlierer hervor. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unseren Fundamentalanalysen und unserem aktiven Anlageansatz diejenigen Firmen ermitteln können, die die Cloud optimal nutzen, während wir Anlagen in schwerfälligeren Unternehmen mit veralteten Systemen ausschließen können. Die Ermittlung disruptiver Unternehmen und die Vermeidung der Verlierer dieser Disruptionen sind für Technologieanleger in den nächsten Jahren die wohl wichtigsten Erfolgsfaktoren.


Wichtigste Risiken
– Folgende Risiken sind für die in diesen Informationen dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung: Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, können Wechselkursschwankungen ausgesetzt sein, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Das Portfolio unterliegt der für Anlagen in Aktien typischen Volatilität und sein Wert kann stärker schwanken als bei einem Portfolio, das in ertragsorientierten Wertpapieren anlegt. Das Portfolio unterliegt dem Sektor-Konzentrationsrisiko und reagiert empfindlicher auf Entwicklungen, die diese Sektoren betreffen, als ein Portfolio mit breiter gestreuten Anlagen.


201905‑851189

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