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Fondsauswahl und Kampfflugzeuge

Nick Samouilhan , Solutions Strategist, EMEA

Von allen Helden des Zweiten Weltkriegs ist Abraham Wald wahrscheinlich der unbekannteste. Doch das überrascht nicht: Er war Statistiker, was natürlich nicht so viel Glamour versprühte, um genug Stoff für einen Film zu liefern. Dennoch hätte es seine Geschichte verdient, bekannter zu sein.


Im Zweiten Weltkrieg wurden Flugzeuge, die aus Kampfeinsätzen zurückkehrten, genau unter die Lupe genommen, genauer gesagt die Einschusslöcher. Schwer beschädigte Teile wurden sorgfältig untersucht und dann gepanzert. Die Einschusslöcher in diesen Flugzeugen zeigten stets ein ähnliches Muster, denn Tragflächen und Heck des Flugzeugs waren viel stärker beschädigt als der Rumpf. Wenn man diese Teile stärker panzert, so die These, dann würden die Flugzeuge Treffer besser überstehen.
 

Diese Erkenntnis klang zwar logisch, war – wie Abraham Wald erkannte – allerdings völlig falsch. Denn die Flugzeuge, die untersucht wurden, hatten es ja sicher zurück geschafft. Doch das waren genau die falschen Flugzeuge für die Analysen, denn sie gaben lediglich Aufschluss darüber, wo ein Flugzeug getroffen werden und dennoch zum Stützpunkt zurückfliegen konnte. Stattdessen hätte man jene Flugzeuge untersuchen müssen, die nicht zurückkamen. Diese zeigten tatsächlich ein ganz anderes Muster, mit Schäden am gesamten Rumpf, am Motor und am Cockpit.
 

Dieser Fehler, die richtigen Schlüsse („beschädigte Teile panzern“) aus der falschen Stichprobe („zurückgekehrte Flugzeuge“) zu ziehen, ist in der Verhaltensökonomie als „Survivorship Bias“ oder „Überlebensirrtum“ bekannt. Anleger kennen diesen „Irrtum“ zwar, jedoch sitzen sie ihm immer wieder auf, und zwar aus demselben Grund wie das Militär beinahe im Zweiten Weltkrieg: Einige Informationen sind einfacher zu beschaffen als andere. Daher besteht die Gefahr, dass man die richtige Entscheidung auf Grundlage der falschen Information trifft.

Wenn man zum Beispiel in einen aktiven japanischen Aktienfonds investieren möchte, könnte man typische Erfolgskennzahlen (wie die Überschussrendite) der verfügbaren Fonds für die letzten Jahre auswerten. Allerdings könnte man dann durch den Survivorship Bias in eine Falle tappen. Warum? In der Vergangenheit verfolgte Japan eine Geldpolitik, durch die der Yen absichtlich geschwächt wurde. Die Exportunternehmen haben davon profitiert, allerdings auf Kosten der auf die Binnenkonjunktur ausgerichteten Unternehmen. Wenn man also die Auswahl der aktiven Fonds in jener Zeit betrachtete, wären die aktiven Fonds mit der besten Performance häufig jene gewesen, die sich auf Kosten der auf die Binnenkonjunktur ausgerichteten Unternehmen auf Exportunternehmen konzentrierten.
 

Diese erfolgreichsten Manager für japanische Aktien sind aber wahrscheinlich die falsche Gruppe, aus der man auswählen sollte. Die Politik in Japan legt den Fokus mittlerweile auf Reformen, die den binnenkonjunkturorientierten Unternehmen zugutekommen, und nicht auf die Schwächung des Yen. Folglich sollten Anleger – paradoxerweise – eher Fonds auswählen, die sich während der Schwächephase des Yen nicht so gut entwickelt haben: aktive Fonds, die den Schwerpunkt auf die Auswirkungen der Reformen im Inland anstatt auf die Exporteure legen (so wie das Militär paradoxerweise den Fokus auf unbeschädigte anstatt auf beschädigte Flugzeugteile legen musste).
 

Wenn Sie das nächste Mal einen Fonds auswählen, sei es ein japanischer Aktien- oder irgendein anderer Fonds, dann denken Sie an Abraham Wald und die beschädigten Flugzeuge im Zweiten Weltkrieg. Es ist wichtig, genauso viel Zeit dafür aufzuwenden, die spezielle Stichprobe, die Sie beurteilen, zu verstehen, wie für die Auswahl der Fonds aus dieser Stichprobe. Kurzum, treffen Sie nicht die richtige Entscheidung auf Basis der falschen Stichprobe: Gepanzerte Tragflächen hätten den Piloten, die über Europa abgeschossen wurden und nicht zurückkehrten, auch nichts genützt.

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zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I EUR
ISIN LU0230817925
Ziel ist es, die besten Anlagegelegenheiten im gesamten Aktienspektrum Japans ausfindig zu machen.
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3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
8,61%
Fondsvolumen
(EUR)
€1,1Mrd.
Multi Asset Global