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US-Aktien: Wie lang kann die Lage so gut bleiben?

Julian Cook

Wie lang kann die Lage so gut bleiben?

Diese Frage stellen sich nach dem turbulenten Sommer an den Aktienmärkten immer mehr US-Anleger. Ein Großteil der Volatilität in letzter Zeit kann zwar der Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China zugeschrieben werden, doch es besteht kaum ein Zweifel, dass die Volatilität 2018 allgemein zugenommen hat. Angesichts der überdurchschnittlichen Bewertungen am US-Markt und der allmählich steigenden Zinssätze glaubt mancher zudem, dass in den USA die Zeit des „Goldlöckchen“-Szenarios bald enden dürfte. Die Risiken rund um den Handel und die Inflation sind stärker ins Blickfeld gerückt, doch letzten Endes wird sich dies alles normalerweise in den makro- und mikroökonomischen Daten zeigen.

 

Neigt sich die US-Wachstumsphase dem Ende zu?

Die US-Wirtschaft wächst im nunmehr zehnten Jahr in Folge – dies ist die zweitlängste Wachstumsphase in der US-Geschichte. Verständlicherweise sind viele Anleger besorgt, dass die Uhr tickt und die nächste Rezession schon vor der Tür stehen könnte. Doch so robust, wie sich die US-Daten zur Wirtschaft und zu den Unternehmen darstellen, spricht einiges dafür, dass das Ende des Zyklus noch ein Stück weit entfernt ist. Gewöhnlich wird ein Zyklusende mit steigender Inflation, einer aggressiven Geldpolitik und einem Rückgang der Gewinnmargen der Unternehmen in Verbindung gebracht. Bislang sehen wir dafür in den USA kaum Anzeichen. Die Zinssätze steigen nun zwar, allerdings von einer sehr tiefen Basis, und das Umfeld ist weiter von einer eher akkommodierenden Politik gekennzeichnet.

 

Interessant ist, dass wir auf gesamtwirtschaftlicher Ebene eine Veränderung im Muster des globalen Wachstums im Jahr 2018 beobachtet haben. Das Wirtschaftswachstum im Rest der Welt scheint 2018 den Zenit erreicht zu haben und hat sich seitdem leicht abgeschwächt. Andererseits fallen das Tempo und die Stärke des US-Wachstums deutlich ins Auge, denn in den USA ist die Wirtschaft im 2. Quartal 2018 erneut um 2,8% (gegenüber dem Vorjahr) gewachsen. Die kurzfristigen Daten deuten unterdessen darauf hin, dass die Wachstumsdynamik 2019 anhalten dürfte. Das Verbrauchervertrauen und das Konjunkturklima bleiben positiv, und der US-Arbeitsmarkt ist in einer ausgezeichneten Verfassung – die Arbeitslosenquote bewegt sich auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten, und erstmals seit Beginn der Datenerfassung gibt es mehr offene Stellen als Arbeitslose. Die Löhne steigen, was die robusten Konsumausgaben weiter stützen dürfte.

 

Das Wachstum der US-Unternehmensgewinne hat zwar wahrscheinlich den Höchststand erreicht, ist aber noch längst nicht vorüber.

Die US-Unternehmen erzielen trotz der Bedenken rund um den Handel weiterhin hervorragende Ergebnisse, und ein großer Teil von ihnen erfüllt oder übertrifft die Gewinnerwartungen. Das US-Gewinnwachstum dürfte nach Schwindel erregenden 23% bis 24% im 1. Halbjahr 2018 nun zwar nicht mehr weiter zulegen, doch die aktuellen Konsensschätzungen für das 3. und das 4. Quartal 2018 gehen von immer noch 22% und 19% Wachstum aus. Die Konsenserwartungen für das Jahr 2019 sehen das Gewinnwachstum bei moderateren 10% und damit nach wie vor über dem langfristigen Durchschnitt des jährlichen Gewinnwachstums von 7% (Abbildung 1).

 

Was die Bewertung angeht, notiert der US-Aktienmarkt aktuell auf überdurchschnittlichen Niveaus. Angesichts der sehr guten Gewinnentwicklung, die wir erwarten, wirken die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse in unseren Augen aber nicht besonders angespannt.

Abbildung 1: S&P 500 Index, Unternehmensgewinnwachstum gegenüber Vorjahr

Stand: 31. Juli 2018

 

 

*Konsensgewinnschätzungen.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Quelle: Thomson Reuters I/B/E/S.

Die Berichtssaison für das 2. Quartal fiel für viele große, wachstumsorientierte Unternehmen sehr gut aus. Im Sektor Informationstechnologie etwa verzeichneten Titel wie Microsoft und Alphabet sogar eine leicht verbesserte Umsatz- und Gewinnentwicklung, die sich entsprechend auf ihre Aktienkurse niederschlug. Eine deutliche Ausnahme war Facebook; hier sank der Aktienkurs um rund 20%, nachdem das Unternehmen die Prognosen zum Umsatzwachstum kürzlich nach unten korrigiert hatte. Der Rückgang war zwar deutlich und sorgte für Schlagzeilen, dennoch dürfte Facebook weiterhin ein Gewinnwachstum von mehr als 20% erwirtschaften, was für ein so großes Unternehmen bemerkenswert ist.

 

Inflationsrisiko noch gering, aber wächst

Die Hauptrisiken für unseren positiven Ausblick für US-Aktien sind vielleicht eine über Erwarten hohe Inflation und die daraus folgende geldpolitische Reaktion der US-Notenbank. Sollte die US-Notenbank die Zinssätze zu schnell anheben, sodass sich die Renditekurve verflacht, könnte sich dies auf Aktien negativ auswirken, weil die US-Notenbank dabei eventuell zu stark auf die Bremse tritt, was die US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnte. Ein solcher Ausgang erscheint in unseren Augen jedoch unwahrscheinlich, da sich die US-Notenbank bei den Zinsen bislang sehr zurückgehalten hat. Es scheint auch kaum einen Grund für sie zu geben, von diesem Kurs abzuweichen und offensiver zu handeln. Solange das Gewinnwachstum anhält, dürften sich Aktien unserer Ansicht nach weiter gut entwickeln.

 

Trotz der Turbulenzen im Jahr 2018 hat der S&P 500 Index weiter zugelegt, ist seit Jahresbeginn um rund 6% gestiegen und nimmt nun Anlauf auf neue Hochstände. Zweifellos wurde die Stimmung vom aktuellen Anstieg der Volatilität nicht allzu sehr getrübt. Es ist zwar zu erwarten, dass eine höhere Volatilität in nächster Zeit die Norm sein wird und weitere potenzielle Rückschläge folgen dürften, jedoch bleiben wir zuversichtlich, dass der US-Marktzyklus weitergehen kann. Die Wirtschaft wächst stark, die Unternehmensgewinne beeindrucken weiterhin und die Bewertungen sind zwar überdurchschnittlich hoch, aber nicht extrem. Vor diesem Hintergrund bleibt unsere Einschätzung zum US-Aktienmarkt und seiner allgemeinen Richtung praktisch unverändert.

 

201808-579071

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