Anleihen der Schwellenländer: eine Einführung

September 2018
Benjamin Robins , Portfolio Specialist

Der Begriff „Schwellenland“ ist in mancherlei Hinsicht ein wenig unglücklich.  Geprägt wurde er Mitte der 1980er Jahre, als sich viele dieser Länder noch in einer recht frühen Phase ihrer politischen und wirtschaftlichen Entwicklung befanden. 

 

Betrachtet man, wo sie heute stehen, so zählen zu den Schwellenländern (EM) rund 70 Länder in aller Welt, die in Sachen Größe, wirtschaftliche Vielfalt und politisches System sehr unterschiedlich sind. Das Spektrum reicht von kleineren Ländern wie Ghana und Sambia, die unter Umständen recht arm sind, bis hin zu größeren, weiter entwickelten Ländern in Regionen wie Asien und Osteuropa. 

 

Auch aus politischer Sicht sind diese Länder in unseren Augen sehr unterschiedlich.  Es gibt Anleihen aus Indien, der größten Demokratie der Welt, aber auch aus Ländern mit einem eher autoritären Staatssystem. 

 

Ein Trend, der meines Erachtens in allen EM zu beobachten und ein Punkt ist, den sie alle gemeinsam haben, ist der Umstand, dass sie nun eine orthodoxere und zeitgemäßere Haushalts- und Geldpolitik verfolgen. Aus Anlegersicht ist es wirklich wichtig, sich auf diese Systeme verlassen zu können, und in diesem Bereich stellen wir eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten fest. 

 

Gemessen an vielen typischen Kennzahlen haben die Schwellenländer recht viel Gewicht.  So beläuft sich ihr Anteil am weltweiten BIP auf etwa 50%.  Der Anteil der Menschen in den Schwellenländern an der Weltbevölkerung beträgt ca. 80%.  Aus wirtschaftlicher Sicht könnte man behaupten, dass sie den größten Wirtschaftsblock weltweit darstellen. 

 

Der Abgrenzung zwischen Schwellenländern und Frontier-Märkten ist nicht klar umrissen.  Wir betrachten dies eher als eine Art Kontinuum. Ich würde aber sagen, dass Frontier-Märkte allgemein durch ein weniger ausgereiftes politisches und wirtschaftliches System sowie eine gewöhnlich weniger breit diversifizierte Wirtschaft gekennzeichnet sind.  Außerdem weisen sie häufig schwächere Kreditratings auf, der Anteil der ausländischen Anleger ist geringer, und sie sind weniger gut in die Weltwirtschaft integriert. 

 

Es kommt durchaus vor, dass sich Schwellenländer zu Industrieländern entwickeln und aus Frontier-Märkten Schwellenländer werden, doch dieser Prozess dauert in der Regel rund 10 bis 15 Jahre.  Normalerweise erkennt der Markt diese Entwicklung früher als Ratingagenturen oder Indizes. 

 

Länder wie zum Beispiel Taiwan, Korea und Polen werden immer noch als Schwellenländer eingestuft, doch wenn man die Struktur dieser Volkswirtschaften betrachtet, ähneln sie eher gut entwickelten Industrieländern. Eine Frage, mit der wir uns intensiv beschäftigen, wenn wir überlegen, wo wir investieren wollen, lautet, wie gut wir diesen Trend ausnutzen und von ihm profitieren können, wenn ein Land diesen Prozess durchläuft. Dies eröffnet uns auch Chancen, denn es gibt immer Länder, die sich in einer Talsohle dieses Zyklus befinden und sich weiter nach oben arbeiten. 

 

Das Kreditrating ist im Großen und Ganzen eine Kennzahl für etwas Aufstrebendes. Es gibt Schwellenländer, die ein Investment-Grade-Rating haben, aber auch andere mit dem schwächsten Rating für Hochzinsanleihen. Ganz allgemein weisen die Schwellenländer also schwächere Ratings auf als die Industrieländer, decken aber das gesamte Kreditspektrum ab. 

 

Chancen sehen wir in Ländern, die ich als den Kern der Schwellenländer charakterisieren würde, in Ländern also, die zwar sicher noch Schwellenländer sind und in denen es im Kreditbereich noch viel zu tun gibt, in denen zugleich aber die Fundamentaldaten so gut sind, dass Anleger nicht den Verlust ihres Kapitals riskieren. 

 

Meiden würden daher die Länder am sehr risikoreichen Ende des Spektrums, zum Beispiel Irak, aber auch Länder am oberen Ende des Spektrums, bei denen Anleger nicht wirklich dafür belohnt werden, dass sie im Kreditbereich viel bewegen können. Hierzu zählen etwa Länder wie Polen und Korea, die sich eher wie Industrieländer verhalten. 

 

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