POLICY INSIGHTS

Droht den Anleihemärkten eine Überhitzung?

Stephane Fertat , Portfolio Specialist
Arif Husain , Portfolio Manager

Einmal im Monat überprüfen unsere Anleiheexperten mit Unterstützung unserer Analysten und Händler ausführlich das gesamte Chancenspektrum im Bereich der  festverzinslichen Anlagen. Dieser Artikel hebt ein bestimmtes Thema hervor, das die Märkte aktuell beherrscht.

Nachdem die letzten Jahre von Zinssenkungen der Zentralbanken geprägt waren, verlief die Entwicklung im Jahr 2018 viel ausgeglichener, und Zinserhöhungen und -senkungen hielten sich nahezu die Waage. Bei unseren letzten Sitzungen zur Anlagepolitik erörterte das Investment Team, ob diese Entwicklung in Teilen des Anleihemarktes eine Korrektur auslösen könnte – und welche Chancen sich daraus ergeben würden.
 

„Die Ära der extrem lockeren Geldpolitik ist vorbei“, erläuterte Arif Husain, Portfoliomanager und Head of International Fixed Income. „Der Trend geht jetzt zu weltweit höheren Zinsen, und in der zweiten Jahreshälfte steht eine weitere Straffung der Geldpolitik bevor.“  
 

In den Industrieländern betrifft dies unter anderem die US-Notenbank (Fed), die 2018 voraussichtlich zwei weitere Zinserhöhungen vornehmen wird. Möglich ist auch, dass die Bank of Canada ihren Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr anhebt und die Bank of England ihren Straffungszyklus wieder aufnimmt. Die britische Zentralbank wartet bisher noch ab, wie sich der Zinsschritt vom November 2017 auswirkt – ihre erste Zinserhöhung seit mehr als zehn Jahren. Auch Schweden, wo der Inflationsdruck zunimmt, erscheint in letzter Zeit als möglicher Kandidat für steigende Zinsen.
 

Diese allgemeine Straffung der Finanzierungsbedingungen strahlt auch auf die Schwellenländer ab, in denen mehrere Zentralbanken bereits Maßnahmen ergriffen haben, um auf die Kombination aus Währungsabwertung und wachsendem Inflationsdruck zu reagieren. Im Juni hoben Mexiko, die Türkei, Indien, die Philippinen, die Tschechische Republik und Indonesien die Zinsen an, und es ist wahrscheinlich, dass in der zweiten Jahreshälfte weitere Schwellenländer diesem Beispiel folgen werden. „Für Anleiheinvestoren ist dies ein schwieriges Umfeld“, stellte Arif Husain fest. „Doch es lassen sich nach wie vor Anlagechancen ausmachen, auch wenn die Zentralbanken die Zinsen erhöhen.“
 

Der Trend geht jetzt zu weltweit höheren Zinsen, und in der zweiten Jahreshälfte steht eine weitere Straffung der Geldpolitik bevor.
- Arif Husain, Global Fixed Income Portfolio Manager

Nach Ansicht des Investment Teams sticht dabei vor allem Rumänien heraus. Seit Januar hat die rumänische Zentralbank die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben, und da der Markt bereits weitere Zinserhöhungen eingepreist hat, erscheinen 5-jährige rumänische Staatsanleihen mit einer aktuellen Rendite von rund 5% attraktiv. Andere Länder befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Zinszyklus – in Osteuropa beispielsweise leitete die Tschechische Republik Mitte letzten Jahres ihren Straffungszyklus ein, während Ungarn und Polen trotz robustem Wachstum und steigender Inflation noch zögern, diesem Beispiel zu folgen.
 

China hob Anfang dieses Jahres als eines der ersten Schwellenländer die Zinsen an. Angesichts der Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung hat die chinesische Zentralbank seitdem jedoch eine gemäßigtere Haltung eingenommen. Durch diese Entwicklung ging der Shibor (Shanghai Interbank Offered Rate) gegenüber seinem Höchststand vom Januar um fast 1% zurück. „Der Rückgang der Inflation und die Abschwächung der Infrastrukturinvestitionen dürften chinesische Lokalwährungsanleihen in der zweiten Jahreshälfte unterstützen“, so Arif Husain.

Abbildung 1: Zinssenkungen und -erhöhungen der Zentralbanken
Stand: 30. Juni 2018

Die Grafiken „Geldpolitische Maßnahmen“ zeigen die Anzahl der Zinssenkungen und -erhöhungen aller Zentralbanken weltweit.
Quelle: CB Rates. Analysen von T. Rowe Price.

Für Anleiheinvestoren ist dies ein schwieriges Umfeld
- Arif Husain, Global Fixed Income Portfolio Manager

Nach Ansicht des Investment Teams lassen die Märkte für Unternehmensanleihen ebenfalls Anzeichen einer Überhitzung erkennen. Die Fusions- und Übernahmetätigkeit hat sich wieder belebt, und 2018 dürfte in den USA ein Rekordjahr für Akquisitionen werden. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der die Besorgnis über ein mögliches Überangebot an Emissionen und überhöhte Bewertungen die Kurse von Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating belastet. „Das Interesse der Anleger an Unternehmensanleihen hat in letzter Zeit spürbar nachgelassen, wie die Zugeständnisse der Emittenten bei Neuemissionen zeigen“, erläuterte Arif Husain.
 

Überraschender war in diesem Jahr jedoch die Underperformance von Anleihen mit A-Rating im Vergleich zu Titeln mit BBB-Rating. Nach Ansicht des Investment Teams bietet sich dadurch die Chance, zu attraktiveren Prämien in Wertpapiere höherer Bonität umzuschichten. Möglicherweise ergibt sich auch eine Gelegenheit, einen Teil des Kreditrisikos von Unternehmensanleihen in den Markt für Agency-Hypothekenpapiere zu verlagern, an dem die Anzeichen für eine Überhitzung deutlich verhaltener ausfallen. Der Anstieg der Hauspreise in den USA lag in den letzten zwei Jahren zwar stets über dem Wachstum der Einkommen. Dennoch bleibt die Situation relativ robust, denn den aktuellen Daten zufolge bewegt sich die durchschnittliche Schuldendienstquote der US-Haushalte auf dem niedrigsten Niveau seit der Finanzkrise. „Durch die aktuelle Form der Zinsswapkurve ist es sehr attraktiv, Agency-Hypothekenpapiere mit höheren Kupons und geringerer Duration zu halten. Im Vergleich zu Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating weist dieses Marktsegment ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis auf“, schlussfolgerte Arif Husain.
 

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