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Globale Aktien: Ist das wertorientierte Anlegen am Ende?

Sebastien Mallet , Portfolio Manager

Das mögen manche sagen. Andere behaupten dagegen eher, das Ende des wertorientierten Anlegens sei nah. Ich bin jedoch sehr viel optimistischer. Für einen „Value“-Anleger mag dies keine Überraschung sein, aber ich bin wirklich angetan von den Chancen, die sich bieten, und erkenne in verschiedensten Ländern, Sektoren und Branchen weiterhin gut umsetzbare Ideen.
 

DER AUSSENSEITER AM RANDE DER PARTY

Natürlich sucht die Underperformance des MSCI Value Index im Vergleich zum MSCI World Index sowohl mit Blick auf die Dauer als auch auf die Stärke in den letzten Jahrzehnten ihresgleichen. Und nun bin ich dieser Typ, von dem gerade jetzt niemand etwas hören will. Historisch betrachtet, sieht es nicht gut aus. Das Regime existiert seit Ende 2006, und die Underperformance im Vergleich zum MSCI World Index von mehr als 30% ist ein Ereignis im Bereich von zwei Standardabweichungen – das ist nicht schön.
 

Ein Großteil der Rally bei „Growth“-Stilen geht auf die hohen Erträge der hochkapitalisierten Technologieaktien zurück, der sog. „FAANGs“, die im MSCI World Index eine beträchtliche Gewichtung aufweisen. Doch wie sich zunehmend zeigt, gibt es Belege für eine Abkühlung bei den gefragten Technologieaktien, zumal dieses Segment extrem überlaufen ist.
 

Das ist ein Grund zur Hoffnung und wir erkennen, dass der Himmel für wertorientierte Anlagen etwas aufklart. Wir sind aber nicht von einer schwächeren Entwicklung von Wachstumswerten oder einem steileren Verlauf der Renditekurve überzeugt (den manche als Grund dafür nennen, dass wertorientierte Anlagen vor einem Comeback stehen). In der Tat haben die jüngsten wirtschaftlichen und marktbezogenen Ereignisse (zunehmende Volatilität) die Diskussion darüber angeheizt, ob sich das Blatt für „Value“-Anlagen wenden könnte. Doch wie wir in unserem letzten Bericht („Wechselnde Anlagestil-Regimes – Lernen aus der Geschichte“) angedeutet haben, glauben wir nicht, dass es den einen Faktor oder Impulsgeber gibt, der dafür sorgt, dass sich das wertorientierte Anlegen wieder behaupten. Stattdessen konzentriere ich mich auf meine Aufgabe, unterbewertete Aktien zu ermitteln, mit denen meine Kunden potenziell Alpha erzielen können.

 

WER SUCHET, DER FINDET

Ich habe mich auf das konzentriert, was ich steuern und kontrollieren kann – die gezielte Titelauswahl. Auch in dieser für wertorientierte Anleger schwierigen Phase habe ich intensiv daran gearbeitet, die besten Anlagemöglichkeiten für das Portfolio aufzuspüren.

Zum Beispiel habe ich erstmals seit einigen Jahren interessante Titel mit Wertpotenzial in den USA entdeckt. Die USA sind in unserem Global Value Portfolio wegen der im Großen und Ganzen viel zu hohen Bewertungen seit Jahren untergewichtet. Doch in letzter Zeit stellen wir bei einigen Titeln attraktive Einstiegsniveaus fest, und unsere Allokation hat nun fast die Marke von 60% wie in der Benchmark erreicht.


Da die Diskussion über die Ölpreise und die Zukunft des Energiesektors andauert, habe ich bei der Suche nach unterbewerteten Titeln mit Höherbewertungspotenzial einige der betroffenen Unternehmen genauer betrachtet. Die Öldienstleistungsbranche ist ein Marktsegment, das mir besonders günstig erscheint, und ich habe kürzlich das Engagement in dem Bereich erhöht, da ich Titel mit interessanten Bottom-up-Merkmalen entdeckt habe.
 

Finanzwerte stellen im Portfolio die größte Position auf absoluter Basis; die lange bestehende übergewichtete Position habe ich aufgestockt, da ich die Aussichten für das regionale Bankwesen nun optimistischer beurteile. Zu meinen größten Positionen zählen hochwertige US-Banken. Zuletzt habe ich in europäischen Finanztiteln angesichts der von hohem Wachstum gekennzeichneten Dynamik oder positiver titelspezifischer Faktoren gutes Wertpotenzial erkannt. Interessant finde ich auch den Versicherungssektor, in dem ich in den USA und Europa engagiert bin. Die größte Position in den USA ist eine wachstumsstarke Versicherung, die in ihren Hauptgeschäftssparten eine führende Stellung innehat. Sie ist in unseren Augen gut aufgestellt, um von steigenden Zinssätzen und von der Verschiebung der Nachfrage hin zu Schaden- und Unfallversicherungen zu profitieren.1


Jenseits des Pazifik betrachten wir Japan seit Langem als einen interessanten Markt für Substanzwerte, da das Anlageumfeld immer aktionärsfreundlicher geworden ist. Die Unternehmen haben nämlich ihre Corporate Governance und ihre Richtlinien zur Kapitalverwendung spürbar verbessert. Die Bewertungen sind zwar im Allgemeinen nach wie vor attraktiv, driften aber auch immer weiter auseinander. Daher habe ich meine Position in japanischen Aktien in eher neutral abgeändert und lege den Fokus gezielt auf einzelne Anlagemöglichkeiten. Ich finde insbesondere das Thema Konsum in Japan interessant und halte daher Titel, die stärker auf die Binnenkonjunktur ausgerichtet sind  
 

KONZENTRIEREN SIE SICH AUF DIE FUNDAMENTALDATEN, ABER BLEIBEN SIE FLEXIBEL

Wie zuvor erwähnt, brauchen wertorientierte Anleger viel Geduld. Daher ist es wichtig, auch während unsicherer Phasen am Markt im Rennen zu bleiben und zugleich bei einem wertorientierten Anlageansatz auf Ausgewogenheit zu achten. Eine wichtige Grundlage für meinen Ansatz ist die Fähigkeit, Aktien auch in Zeiten niedergeschlagener Stimmung zu halten, um zu profitieren, wenn sich die Aussichten wieder bessern. Hier habe ich in den letzten Jahren einige gute Ergebnisse erzielt.

Vor allem bin ich im Vergleich zum Markt eher langfristig orientiert und halte nach attraktiven Einstiegsniveaus Ausschau, indem ich über in unseren Augen kurzfristige, zyklische Probleme möglichst hinwegsehe. Andererseits zögere ich auch nicht, Aktien zu verkaufen, die meiner Ansicht nach ihren fairen Wert erreicht haben.

Wenn ich die Diskussion um Substanz und Wachstum mit ein wenig Abstand betrachte, können Situationen in der Vergangenheit, in denen sich Substanzwerte wieder behaupteten, aber nicht grundsätzlich Entwicklungen im externen Umfeld (Versteilerung der Renditekurven, Inflation usw.) zugeschrieben werden. Diese können zu bestimmten Zeiten zwar durchaus eine Rolle spielen, jedoch haben endogene Faktoren – vor allem Marktdynamik und Bewertungen – einen größeren Einfluss darauf, wann sich Anlagestil-Regimes ändern.
 

Meinen festen Glauben an das wertorientierte Anlegen gründe ich als fundamental orientierter Anleger, der den Fokus auf bestimmte Aktien legt, daher weniger auf allgemeine Überlegungen zur Sektorzusammensetzung als vielmehr auf Möglichkeiten, die ich vor Ort am Markt erkenne. Da gleichzeitig die exorbitant hohen Bewertungen von Wachstumstiteln, vor allem im Technologiesektor, wieder sinken, könnte sich eine Gelegenheit für eine Wende im Value-Growth-Zyklus ergeben.


Kommen wir nun zurück zur Frage vom Anfang: „Ist das wertorientierte Anlegen am Ende?“ Die Antwort ist ein klares Nein. Der einzige Haken dabei ist, dass im aktuellen Umfeld, in dem Wachstum „in“ und wertorientiertes Anlegen „out“ ist, nur jene Anleger Erfolg haben werden, die die Fähigkeit und die Ressourcen besitzen, die besten Aktienideen zu finden.


Wichtige Risiken

Die folgenden Risiken sind für die in diesen Dokumenten behandelten Strategien von hoher Bedeutung: Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, können Wechselkursschwankungen ausgesetzt sein, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Das Portfolio unterliegt der für Anlagen in Aktien typischen Volatilität und sein Wert kann stärker schwanken als bei einem Fonds, der in ertragsorientierten Wertpapieren anlegt. Das Portfolio kann bei dem Streben nach langfristigen Kapitalwertsteigerungen sowohl Growth- als auch Value-Ansätze verfolgen und ist daher mit höheren Risiken verbunden.


Stand: 31. Mai 2018.

 

201806-523759

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