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Tagebuch Schwellenländer – März 2018

Leigh Innes , Portfolio Specialist

Erfahren Sie in Leighs regelmäßigem Blog, was die Mitglieder unseres Schwellenländerteams in London über die jüngsten Entwicklungen denken und welche Beobachtungen sie auf ihren Reisen rund um den Globus gemacht haben.


Schlagzeilen in diesem Monat:
 

  • MSCI Emerging Markets Index beendet Achterbahnfahrt im 1. Quartal mit einem Plus von 1,47%1

  • Das Team für Lateinamerika besuchte im Februar mit Brasilien und Argentinien zwei Schlüsselmärkte in der Region und gewann einen relativ positiven Eindruck von beiden.

  • Das Frontier-Team reiste nach Vietnam, wo es weiteres Aufwärtspotenzial erkennt, obwohl sich die Bewertungen am oberen Ende bewegen.

 

Für die Schwellenländer (EM) glich das 1. Quartal einer Achterbahnfahrt – auf einen ruhigen Januar folgten im Februar massive, durch die Volatilität bedingte Verkäufe und eine holprige Entwicklung bis zum Quartalsende. Der MSCI EM Equity Index schloss 1,47% im Plus. Von den größten Schwellenländern schnitt Brasilien am besten ab (+12,5% im März), während einige Frontier-Märkte rund 20% gewannen (Kenia, Rumänien, Vietnam). Indien und die Philippinen waren im Berichtsmonat die Schlusslichter (-7% und -11%).1
 

Das Team für Lateinamerika reiste im Februar nach Brasilien und kehrte mit recht positiven Eindrücken zurück. Die Privatbanken stellen fest, dass der stärkere Konsum sich auf ihre Ergebnisse auswirkt, beim Kreditwachstum ist eine Wende erkennbar und der Kreditmix bessert sich. Die Verbraucher hatten nach der Krise nicht mehr für Dienstleistungen wie Versicherungen gezahlt, und nun beobachten wir einen recht starken Nachholeffekt. Die Kreditkartentransaktionen übersteigen erstmals seit fünf Jahren das Volumen bei Debitkarten.
 

Die brasilianischen Konsumgüterunternehmen, die wir besuchten, äußerten sich zudem positiv zur Erholung der Nachfrage. Vereinzelt hatte das Team aber das Gefühl, dass die Schätzungen gemessen an der tatsächlichen Erholung etwas zu hoch waren, und hatte Bedenken, dass die Unternehmen die relativ hohen Erwartungen verfehlen könnten. Gleichwohl dürfte das Wachstum in diesem Jahr weiterhin solide ausfallen.

 

Wir haben beobachtet, wie dies im 1. Quartal zu einer Schwäche der großen Position in Raia Drogasil führte. Das bedeutendste Treffen bei unserer Reise fand mit Mercadolibre statt (führender E-Commerce-Anbieter in Lateinamerika, in Argentinien notiert, aber sehr stark in Brasilien engagiert). Die intensiven Gespräche mit dem oberen Management haben uns noch mehr von den sehr guten Aussichten für die Plattform und den Möglichkeiten überzeugt, die sich im Zahlungsgeschäft bieten. Wir glauben, dass der Zielmarkt weiterhin Chancen zur Vergrößerung des Marktanteils und Spielraum für mehr Wachstum bietet, falls das Unternehmen es geschickt anstellt und die richtigen Lehren aus Alibabas Erfolg in China zieht. Amazon hat zuletzt in Mexiko Fahrt aufgenommen und wir beobachten die Strategie des Unternehmens sehr genau. Insgesamt ist die Konkurrenzsituation aber stabil.

 

Brasilien bleibt vorläufig eine übergewichtete Position in unserem Schwellenländerportfolio, allerdings wird in den nächsten Monaten weiter große politische Unruhe herrschen. Noch ist unklar, wer bei der Präsidentschaftswahl vorn liegen wird. Doch wer auch immer die Wahl gewinnt, wird wegen der Realität in der Wirtschaft und an den Märkten einem vernünftigen Kurs folgen und eine Rentenreform in Angriff nehmen müssen. Unsere Position in Brasil Foods haben wir aus Gründen der Unternehmensführung im 1. Quartal aufgelöst, die anderen Positionen bleiben jedoch bestehen.

Bei der Argentinien-Etappe der Reise stieß das Frontier-Team zum Team für Lateinamerika. Auf Argentinien entfällt nahezu ein Viertel unseres Frontier Markets Equity-Portfolios, und der Aktienmarkt des Landes war 2017 der Performancespitzenreiter im MSCI Frontier Markets Index. Vor der Reise überlegten wir, ob wir Gewinne bei unseren argentinischen Positionen mitnehmen sollten. Nach der Reise lautete unser generelles Fazit jedoch, dass noch Spielraum nach oben besteht. In Sachen Fiskalpolitik wurden spürbare Fortschritte erzielt, in vielen Institutionen und Unternehmen gab es willkommene Veränderungen im Management und das Wachstum beschleunigt sich weiter. Der Verschuldungsgrad im Bankensystem ist unterdurchschnittlich; dies ermöglicht ein rasches Wachstum von einer tiefen Basis.

Eines der Hauptrisiken für Argentinien ist, dass die Inflationserwartungen etwas zu hoch sein könnten. Zudem war der Peso während des globalen Anstiegs der Risikobereitschaft im Februar recht volatil und das Land ist nach wie vor relativ stark auf Anleihen in US-Dollar angewiesen. 

 

Das Fazit unserer Reise nach Vietnam war ganz ähnlich – Vietnam ist ein weiterer Frontier-Markt, in dem wir eine große Position halten und der sich im letzten Jahr sehr gut entwickelte. Die Bewertungen liegen wie in Argentinien am oberen Ende im Vergleich zu anderen Frontier-Märkten. Da das BIP aber weiter sehr stark wächst, die Inflation niedrig ist, die Banken ihre Probleme mit notleidenden Krediten allmählich hinter sich lassen und das Konsumwachstum nach wie vor kräftig ist, wäre es unserer Ansicht nach zu früh für Gewinnmitnahmen. Wir müssen die Entwicklungen aber sehr genau im Auge behalten und sicherstellen, dass es keine Anzeichen für eine Überhitzung gibt. Bei der Konferenz, die wir besuchten, waren mehr als Buy-Side-Investoren zugegen, 30% mehr als vor einem Jahr. Vietnam avanciert also zu einem gut analysierten Markt.
 

Das Team befasste sich außerdem noch etwas genauer mit Mobileworld, einer unserer bedeutendsten Positionen in den Frontier-Märkten. Das Unternehmen ist als Einzelhändler für Elektronik und Mobiltelefone erfolgreich gewachsen, versucht nun aber, Chancen im Lebensmitteleinzelhandel zu nutzen. Der formalisierte Markt im Lebensmitteleinzelhandel ist in Vietnam noch sehr klein, und andere haben noch Mühe, die wirtschaftlichen Aspekte in den Griff zu bekommen. Diese Unternehmen (wenn man die Gewinner entdecken kann) können in den Schwellenländern im Laufe der Zeit extrem erfolgreich werden, und wir sehen gute Chancen für Mobileworld, dort eine ordentliche Rolle zu spielen.
 

Zu Beginn des 2. Quartals richteten sich die Blicke sehr stark auf Russland. Der Grund war die Verschärfung der Sanktionen gegen einige Oligarchen und Unternehmen. Diese sind insofern schärfer als zuvor, als die Verbote nicht nur für neue Aktien oder Schuldtitel, sondern letzten Endes für alle Beteiligungs- oder geschäftlichen Transaktionen mit sanktionierten Unternehmen gelten. Nachdem US-Präsident Trump die Sanktionen auch von der weiteren Entwicklung in Syrien abhängig gemacht hat, bleibt die Lage insgesamt unvorhersagbar.
 

In unseren Portfolios halten wir keine direkten Positionen in sanktionierten Unternehmen, die Aktienrisikoprämie ist jedoch gestiegen. Bei einigen Titeln haben wir heftige Korrekturen beobachtet, insbesondere bei der großen Position in Sberbank. Sberbank weist ein Kreditengagement in Rusal auf (rund 1,4% des Nettokreditbestands) und die russische Zentralbank prüft derzeit Möglichkeiten, wie diese Kredite für die Geschäftsbanken bilanzunwirksam gemacht werden können, um zu verhindern, dass die Sanktionen auch sie treffen.
 

Gegenwärtig behält Gonzalo seine Positionen in Russland bei. Dass Russlands Wirtschaft in einer sehr viel besseren Verfassung ist als beim letzten Mal, als Sanktionen verhängt wurden, ist ein Silberstreif am Horizont. Der Ölpreis hat in Rubel ein Allzeithoch erreicht, und die russischen Reserven wurden wieder bis auf ein sehr gutes Niveau aufgestockt. Wir werden die Entwicklung wie immer sehr genau beobachten.

1 Quelle: MSCI, Stand: 31. März 2018

 

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die hierin dargestellten Strategien von wesentlicher Bedeutung:

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Die Erträge können aufgrund von Veränderungen der marktbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stärker schwanken als an anderen, besser entwickelten Märkten. Die Anlagen sind weniger liquide als Anlagen, die an etablierteren Märkten gehandelt werden.

 

201804-485319

 

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