Schwellenländeranleihen: 7 Fragen von Kunden

1. SIND DIE HÖHEREN ÖLPREISE, DIE STEIGENDEN ZINSSÄTZE UND DER STARKE US-DOLLAR SCHLECHTE NACHRICHTEN FÜR DIE SCHWELLENLÄNDER? 

Die aktuell zu beobachtende Kombination aus hohen Ölpreisen, steigenden Zinssätzen und starkem US-Dollar hat sich auf Anlagen aus den Schwellenländern (EM) negativ ausgewirkt. Tröstlich ist jedoch, dass diese Risiken im Großen und Ganzen bereits eingepreist zu sein scheinen. Bislang haben wir nur leichte Kapitalabflüsse aus dieser Anlageklasse beobachtet, was darauf hindeutet, dass die Anlegerstimmung nicht vollständig gekippt ist.

 

Die höheren Ölpreise wirken sich von Land zu Land unterschiedlich aus: einige Länder profitieren (Russland, Kolumbien, Malaysia), andere werden belastet (Indien, Türkei, Zentral- und Osteuropa) . Insgesamt ist der Effekt der Ölpreise auf das Anlageuniversum mehr oder weniger neutral. Falls sich ein typischeres Verhältnis zwischen den Rohstoffpreisen und dem US-Dollar einstellen sollte, dürfte dies für die EM-Währungen so etwas wie ein Polster bedeuten.

 

Die steigenden US-Zinssätze machten sich im 1. Quartal am Markt für EM-Anleihen (EMD) in Hartwährung bemerkbar, doch die Renditen in Lokalwährung blieben im Bereich der Niveaus vom Januar 2018. Wir glauben nicht, dass die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries von 3% grundlegend etwas am Wertpotenzial der EM-Papiere ändern wird, allerdings könnten die Anleger bei weiter steigenden Zinssätzen Umschichtungen in andere Anlageklassen vornehmen. Der Markt hat die aktuellen US-Zinsaussichten unserer Ansicht nach im Großen und Ganzen bereits eingepreist. Es besteht aber ein gewisses Risiko, falls das Wachstum oder die Beschäftigung in den USA nach oben überraschen sollte.

 

Kurzfristig sind Empfehlungen zum US-Dollar ganz besonders schwierig. Eine Erholung des Wachstums in Europa würde den Anstieg des US-Dollar wahrscheinlich bremsen oder stoppen, ebenso weitere Zinserhöhungen in den Schwellenländern. Langfristig konzentrieren wir uns auf die fundamentalen Bewertungen der Währungen, die in den EM (allgemein) günstig erscheinen.

2. WIRD IN DEN EM EINE KRISE AUSGELÖST, WENN DIE LEISTUNGSBILANZDEFIZITE NICHT FINANZIERT WERDEN KÖNNEN?

In den EM ist die durchschnittliche Leistungsbilanz ausgeglichen, und die Auslandsverbindlichkeiten einiger Länder (Russland, Brasilien) sind durch ausreichende Reserven vollständig gedeckt. Gleichwohl sind für einige Länder (Argentinien, Türkei) die Auslandsverbindlichkeiten eine Gefahr und ein Punkt, den wir aus fundamentaler und technischer Sicht sehr genau im Auge behalten.

3. WERDEN STAATLICHE EMITTENTEN UND UNTERNEHMEN IHRE KREDITE IN US-DOLLAR NICHT ZURÜCKZAHLEN KÖNNEN?

Um zu verstehen, ob die Emittenten in den EM in der Lage sein werden, ihre Kredite zurückzuzahlen, muss man die Situation Land für Land und Unternehmen für Unternehmen analysieren. Sowohl auf Unternehmens- als auch auf Landesebene bereiten Verbindlichkeiten in US-Dollar gegenwärtig im Allgemeinen keine Schwierigkeiten: Die meisten Kreditnehmer auf Unternehmens- und Landesebene haben ihren mittelfristigen Ausgabenbedarf Anfang 2018 oder 2017 vorfinanziert, als die Bedingungen am Markt lockerer waren.

 

Es gibt allerdings Länder und Unternehmen, die sehr stark von externen Finanzierungsmitteln abhängig sind, darunter die Türkei und Argentinien sowie Finanzwerte und Immobilienentwickler von geringerer Qualität: Diese haben wir gemieden.

4. WIE BEURTEILEN SIE ANGESICHTS DIESER VERBREITETEN POLITISCHEN UNRUHE DIE GEOPOLITISCHEN RISIKEN?

Die Schwäche in Ländern wie Brasilien ist zum Teil eine gerechtfertigte Reaktion auf die politische Unsicherheit, während die Lage in Mexiko und Russland sich besser entwickeln könnte, als der Markt erwartet. Mit diesen Problempunkten befassen wir uns gewöhnlich für jedes Land einzeln und versuchen, das Engagement zu reduzieren oder teilweise abzusichern, wenn wir für die Volatilität nicht angemessen entschädigt werden.

 

Allgemeine geopolitische Risiken (Probleme in der Eurozone, Nordkorea, Iran, US-Handelspolitik etc.) sind schwieriger vorherzusagen und abzusichern, da sie, falls sie eintreten sollten, wohl einen breiten Ausverkauf aller risikoreichen Anlagen auslösen. Wir halten kleine Positionen in „sicheren Häfen“ / Absicherungen (wie dem japanischen Yen oder CDS) gegen diese Arten von Risiken, werden aber versuchen, keine umfassenden Änderungen an der Positionierung vorzunehmen. Wir glauben nämlich nicht, dass wir (oder irgendjemand sonst) geopolitische Krisenherde exakt voraussagen können.

5. VIELE ANLEGER BAUTEN BEI DER JAGD NACH RENDITE LONG-POSITIONEN IN EM AUF. AUFGRUND DER HÖHEREN ZINSSÄTZE IN DEN INDUSTRIELÄNDERN MÜSSEN DIESE NUN – UNTER SCHMERZEN – AUFGELÖST WERDEN. SPIEGELN DIESE ABFLÜSSE AUS DEN EM DEN BEGINN DES PROBLEMS WIDER?

Bislang haben wir bei der Risikobereitschaft zwar keine massive Veränderung festgestellt (tatsächlich sind die Kapitalflüsse seit Jahresbeginn positiv), jedoch haben die EM zuletzt spürbare Mittelabflüsse durch kurzfristig orientierte oder Kleinanleger hinnehmen müssen. Wenngleich dies nicht unser Basisszenario ist, besteht durchaus die Gefahr einer Abwärtsspirale, falls die Kapitalabflüsse zu grundlegenderen Problemen führen sollten, wie zum Beispiel in Argentinien.

 

Wir glauben aber, dass die Kombination aus guten Fundamentaldaten und dem immer noch beachtlichen Renditeaufschlag viele Anleger dazu bewegen wird, an ihren Positionen in den EM festzuhalten. Dies deckt sich mit den Kapitalflussdaten und dem, was wir von institutionellen Kunden hören.

6. FALLS DIE EM IHRE ZINSSÄTZE ERHÖHEN MÜSSEN, UM IHRE WÄHRUNGEN ZU SCHÜTZEN, WIRD SICH DIE KONJUNKTUR DORT DANN VERLANGSAMEN ODER SOGAR EINBRECHEN?

In einigen Märkten stellt dies sicherlich ein Risiko dar, sollte aktuell aber keine größeren Sorgen bereiten, da die geldpolitischen Bedingungen immer noch weitgehend neutral sind. Gleichwohl haben Indonesien und Indien vor Kurzem defensive Zinserhöhungen beschlossen, während Argentinien und die Türkei aggressive Anpassungen vornahmen, um gegen zyklische und externe Risiken vorzugehen.

 

Bislang haben wir noch keine verbreitete Zinsstraffung beobachtet. Weitere Straffungen und ein langsameres Wachstum sind aber möglich, falls die Währungen in zwei bis drei Monaten immer noch unter Druck stehen. In den meisten EM sind Zinserhöhungen aber in den Erwartungen eingepreist, sodass die Enttäuschung am Markt eher gering ausfallen dürfte.

7. WERDEN RÜCKGÄNGE DER WECHSELKURSE ZUM SCHULDENABBAU UND NEGATIVEN FOLGEN IN DEN EM FÜHREN?

Die Faktoren, welche die EM belasten, sind aktuell in erster Linie idiosynkratischer Natur. Doch falls Länder mit guten Fundamentaldaten stark unter Druck geraten sollten, droht eine selbsterfüllende Prophezeiung, wonach die Abwertung der Währungen zu Zinserhöhungen führt, die ihrerseits eine Stagflation nach sich ziehen. Ein beträchtlicher Teil der EM – darunter viele in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa, aber auch Andenstaaten (Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru) – spürt dagegen kaum Auswirkungen der jüngsten Volatilität. Dies unterstreicht unsere Meinung, dass es sich um ein Phänomen handelt, das längst nicht alle Länder betrifft.

 

Wichtigste Risiken – Folgende Risiken sind für die hierin dargestellte Strategie von wesentlicher Bedeutung:

Transaktionen mit Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten, sind Wechselkursschwankungen ausgesetzt, die sich auf den Wert einer Anlage auswirken können. Die Erträge können aufgrund von Veränderungen der marktbezogenen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen stärker schwanken als an anderen, besser entwickelten Märkten. Schuldtitel können durch eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen infolge von Ratingherabstufungen oder Ausfällen belastet werden, die sich auf den Wert einer Anlage negativ auswirken können.

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zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I USD
ISIN LU0310189781
Researchorientierte Anlagen in Staatsanleihen aus Schwellenmärkten, die in Lokalwährung begeben werden. Mehr...
3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
4,69%
Durchschnittlicher Kupon
6,87%
FACTSHEET
Fondsvolumen
(USD)
$84,6Mio.
Durchschnittliche Laufzeit
8,24 J.
Durchschnittliche Duration
5,38 J.