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März 2020 / BLOG

Krisen-Leitfaden – Verlustangst und Bedauern

Risiken sind unvermeidbar.

Die globalen Aktienmärkte fanden Anfang 2020 beinahe perfekte Bedingungen vor: Die Zinssätze waren niedrig und die kurzzyklischen Konjunkturkennzahlen erreichten die Talsohle. Die Märkte legten ihr Hauptaugenmerk auf den von der Regierung Trump gewünschten kräftigen Zinsschritt und Chinas Fokussierung auf die wirtschaftliche Stabilität auf dem Weg ins Jahr 2021. Die Bewertungskennzahlen stiegen.

Doch dann schien irgendwo ein Schmetterling mit den Flügeln zu schlagen – und plötzlich sahen wir uns dem neuartigen Coronavirus, COVID19, ausgesetzt.

COVID19 steht für ein Risiko, das von der Geldpolitik, dem weltweit bevorzugten Instrument zur Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität, bislang kaum beachtet wurde. Parallel zum Virus breitete sich ein Angebotsschock außerhalb Chinas aus.  

COVID19 scheint sehr ansteckend zu sein, im Vergleich zu Ebola und MERS aber relativ mild zu verlaufen. Aber eine Pandemie verursacht immer auch Leid, kostet Menschenleben und muss dringend bekämpft werden. Die unmittelbare Eindämmung von COVID19 ist eine sehr komplexe Aufgabe, da viele Infizierte entweder keine Symptome zeigen oder nicht so schwer erkranken, dass sie rasch identifiziert und isoliert werden könnten. Ein virulenteres Virus, das die meisten Menschen sehr krank macht (wie MERS oder auch SARS), könnte einfacher einzudämmen sein. Es scheint daher auf der Hand zu liegen, dass sich ein Virus mit solchen Eigenschaften wie COVID19 stark ausbreiten könnte. Gleichzeitig scheint COVID19 für die meisten Menschen keine tödliche Gefahr zu sein. Das ist aber natürlich nur eine Mutmaßung, denn ich bin weder Virologe noch Experte für öffentliche Gesundheit. Wir beobachten genau, wie sich die Krise entwickelt, und passen im Zuge dessen unsere Beurteilung an.

Unabhängig davon sorgt ein neuartiges Virus, das sich schnell und stark ausbreitet, für Panik und für Volatilität der Assetpreise, wenn unerwartete Risiken auftreten. Unsere Aufgabe besteht darin, trotz dieser Umstände ein globales Aktienportfolio zu verwalten. In solchen Momenten bin ich für unsere globale Research-Plattform und unsere Ressourcen unfassbar dankbar. Dass ich mich auf ein Netzwerk von Branchenexperten in aller Welt und die daraus entstehenden fruchtbaren Diskussionen stützen kann, ist ein großer Luxus.

Unsere erste Aufgabe ist es, frühzeitig zu handeln. Daher haben wir einen Teil der Risikopositionen im Portfolio veräußert, als das Virus sich von China und Südostasien ausbreitete und auch in Europa auftrat. Diese Liquidität werden wir in die aussichtsreichsten Chancen investieren können, sobald sie sich ergeben. Die Positionen in Börsen und Versorgern haben wir erhöht, da diese sich bei einer steigenden Volatilität aus unserer Sicht robust entwickeln dürften. Zudem haben wir auf der Aktienebene die Zinssensitivität reduziert. Zügig zu handeln, wenn sich Panik breit macht, ist zwar wichtig, doch das Zeitfenster ist gewöhnlich nur kurz, da die Kurse schon bald reagieren und extreme Niveaus erreichen können. Wir liegen heute – selbstverständlich – näher bei diesen extremen Niveaus als vor einem Monat.

Wir versuchen zu erfassen und zu beurteilen, inwiefern eine Gefahr besteht, dass die globale Reaktion auf das Virus zu einem Kreditereignis führt. Stark sinkende Ölpreise oder auch Flugzeuge, die am Boden bleiben, haben Auswirkungen auf die Cashflows und die Bilanzen. Kreditereignisse verursachen Aktienanlegern mittelfristig einen realen Schaden. Daher versuchen wir gemeinsam mit unseren Aktien- und Anleiheanalysten sowie unseren Portfoliomanagern, diese Risiken zu bewerten und im Auge zu behalten.

In so einer Zeit müssen wir unsere Phantasie spielen lassen und versuchen, uns vorzustellen, wie die Welt in einem Jahr aussehen könnte. Werden wir alle in Quarantäne sein, wird der Flugverkehr zum Erliegen kommen und werden wir unsere Meetings per Videokonferenz abhalten? Dies ist eine extreme Möglichkeit – und unwahrscheinlich. Kurzum: Wir glauben nicht, dass für die Welt ein neues Zeitalter anbricht, in dem wir nicht mehr reisen und uns nicht mehr mit anderen treffen. Auch wenn der Markt diese Angst in die Kurse einrechnen könnte. Reisen und Meetings werden in den nächsten rund sechs Monaten deutlich abnehmen, ebenso die wirtschaftliche Aktivität.

Mit Hilfe unserer Research-Plattform wollen wir nun versuchen, qualitativ hochwertige Aktien mit Wertschöpfungspotenzial zu ermitteln, die interessante Möglichkeiten bieten. Wir haben alle Analysten gebeten, sich auf jene zwei bis drei Anlageideen zu konzentrieren, die ihrer Ansicht nach mittel- bis langfristig das größte wirtschaftliche Wertpotenzial für unsere Kunden bieten. Um unseren Kunden das beste Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem sie auch in der Krise sehr gute Erträge erzielen können, müssen Risiko und Ertrag in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden. Und es ist Geduld nötig, um den bestmöglichen Zeitpunkt abzupassen.

Ungeachtet des derzeit unsicheren Umfelds halten wir es für richtig, in unsere besten Ideen zu investieren und uns der bitteren Realität zu stellen, dass dies auch schwierige Entscheidungen notwendig macht. Die Verlustangst ist groß und kann zu Fehlentscheidungen führen. Die Angst, etwas später zu bedauern, ist noch schwieriger in den Griff zu bekommen. Was wird man in Zukunft bedauern? Das gilt für das Leben wie auch für die Geldanlage. Über die Jahre habe ich häufig erlebt, dass Anleger es bedauern, sehr gute Anlagen in Krisenzeiten nicht gekauft zu haben. Kurzfristig kann alles Mögliche passieren, die Geschichte lehrt uns aber, dass wir langfristig gute Ergebnisse für unsere Kunden erzielen, sofern wir den Fokus auf sehr gute Anlagen legen, die vom Wandel profitieren.

Durch das Virus sind die Chancen für die von uns erwartete leichte Beschleunigung der Konjunktur im 1. Halbjahr 2020 massiv gesunken. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass aufgrund der hohen weltweiten Liquidität und der zu erwartenden Reaktion der Geldpolitik gute Aussichten bestehen, dass diese Konjunkturbeschleunigung nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist. Sobald die Epidemie eingedämmt ist, könnte es zu einer deutlichen Erholung der Aktivität kommen. Was dieses Szenario angeht, möchten wir verhalten optimistisch sein. Wir nutzen unsere Ressourcen und unseren Anlagerahmen, um möglichst gute Entscheidungen für unsere Kunden zu treffen, Risiko und Ertrag sowie die Verlustangst und die Sorge, später etwas zu bedauern, in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.

Risiken

Folgende Risiken sind für das Portfolio von wesentlicher Bedeutung.

  • Länderrisiko (China) – alle Anlagen in China sind ähnlichen Risiken ausgesetzt wie Anlagen in anderen Schwellenländern. Darüber hinaus können Anlagen, die im Zusammenhang mit einer QFII-Lizenz oder dem Programm Stock Connect erworben wurden oder gehalten werden, zusätzlichen Risiken ausgesetzt sein.
  • Länderrisiko (Russland und Ukraine) – in diesen Ländern sind die Risiken im Zusammenhang mit der Verwahrung, den Gegenparteien und der Marktvolatilität größer als in den Industrieländern.
  • Währungsrisiko – Wechselkursänderungen könnten die Anlagegewinne reduzieren oder die Anlageverluste erhöhen.
  • Schwellenländerrisiko – die Märkte der Schwellenländer sind noch nicht so etabliert wie die Märkte der Industrieländer und bergen daher höhere Risiken.
  • Risiko von Small- und Mid-Cap-Unternehmen – die Aktien von Unternehmen mit geringer und mittlerer Marktkapitalisierung (Small und Mid Caps) können stärkere Kursschwankungen verzeichnen als die Aktien größerer Unternehmen.
  • Stilrisiko – die Beliebtheit verschiedener Anlagestile kann sich je nach Marktumfeld oder Anlegerstimmung ändern.

Allgemeine Portfoliorisiken

  • Kapitalrisiko – der Wert Ihrer Anlage ändert sich und ist nicht garantiert. Er wird durch Veränderungen des Wechselkurses der Basiswährung des Portfolios gegenüber der Zeichnungswährung beeinflusst, sofern es sich um unterschiedliche Währungen handelt.
  • Aktienrisiko – im Allgemeinen sind Aktien mit größeren Risiken verbunden als Anleihen oder Geldmarktinstrumente.
  • Geografisches Konzentrationsrisiko – sofern ein Portfolio einen großen Teil seines Vermögens in einer bestimmten geografischen Region anlegt, wird seine Wertentwicklung stärker von Ereignissen in dieser Region beeinflusst.
  • Absicherungsrisiko – Versuche eines Portfolios, bestimmte Risiken durch Absicherungspositionen zu mindern oder zu beseitigen, haben möglicherweise nicht den gewünschten Erfolg.
  • Anlageportfoliorisiko – Anlagen in Portfolios sind mit bestimmten Risiken verbunden, denen ein Anleger bei einer Direktanlage an den Märkten nicht ausgesetzt wäre.
  • Managementrisiko – der Investmentmanager oder seine Beauftragten können zuweilen feststellen, dass ihre Verpflichtungen gegenüber dem Portfolio mit ihren Verpflichtungen gegenüber anderen von ihnen verwalteten Anlageportfolios kollidieren (wenngleich in diesen Fällen alle Portfolios gleichberechtigt behandelt werden).
  • Operationelles Risiko – Betriebsausfälle könnten zu Störungen des Portfoliobetriebs oder finanziellen Verlusten führen.

Wichtige Informationen

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