INVESTMENT INSIGHTS

Fünf Faktoren, die den Dollarkurs beeinflussen

Quentin Fitzsimmons , Portfolio Manager

Unsere spezialisierten Portfoliomanager, Analysten und Händler nehmen regelmäßig intensive Analysen für das gesamte Anlagespektrum der Rentenmärkte vor. In diesem Beitrag wird eines der diskutierten Themen besprochen.

Überblick

  • Normalerweise haben sinkende Leitzinsen fallende Wechselkurse zur Folge – was auf den US-Dollar jedoch nicht immer zutrifft.
  • Ob der Greenback auf- oder abwertet, hängt entscheidend davon ab, wie sich das US-Wachstum im Vergleich zu anderen Ländern entwickelt.
  • An den Finanzmärkten gilt der US-Dollar nach wie vor als «sicherer Hafen».

Trotz der schwächeren US-Wirtschaft zeigt sich der Greenback weiter robust. Unser Investmentteam hat auf seinen letzten Sitzungen zur Anlagepolitik genau untersucht, welche Faktoren für die Entwicklung der US-Währung den Ausschlag geben. Nachfolgend erläutert Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Investmentteams für globale Anleihen, welche fünf Faktoren die Anleger im Auge behalten sollten.

1. Der US-Dollar notiert nach Zinssenkungen nicht zwangsläufig schwächer

Die US-Notenbank (Fed) hat im Juli die erste Zinssenkung seit der globalen Finanzkrise vorgenommen, gefolgt von einem zweiten Schritt im September. Manche Marktteilnehmer gehen davon aus, dass im Dezember eine dritte Senkung erfolgen wird. Normalerweise haben sinkende Leitzinsen fallende Wechselkurse zur Folge – was auf den US-Dollar jedoch nicht zwangsläufig zutrifft. Tatsächlich hat sich der Dollar während der letzten vier Zinssenkungszyklen in den USA nur einmal abgeschwächt (Abbildung 1). Daher es riskant sein, den US-Dollar alleine aufgrund der Erwartung von Zinssenkungen durch die Fed unterzugewichten. Denn für dessen Entwicklung sind viele andere Faktoren ebenso entscheidend.

2. Wachstumsdifferenzen beeinflussen den US-Dollar  stärker als das US-Wachstum selbst

Trotz der schwächeren US-Wirtschaft entwickelte sich der Greenback in diesem Jahr weiter robust. Denn für den Kurs der amerikanischen Währung ist das US-Wachstum nicht nur für sich alleine zu betrachten, sondern vor allem auch im internationalen Vergleich. So entwickelte sich die amerikanische Konjunktur gegenüber Europa im bisherigen Jahresverlauf relativ gut: Im zweiten Quartal stagnierte das Wachstum in Italien, während es in Großbritannien sogar zurückging. Noch entscheidender aber könnte es sein, dass das verarbeitende Gewerbe in Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, aufgrund der Handelsspannungen zurückgeht, da diese das Exportgeschäft belasten. Wenn sich die Wachstumsdifferenz zwischen diesen beiden großen Wirtschaftsräumen nicht umkehrt, ist schwierig zu erkennen, warum sich der Dollar gegenüber dem Euro deutlich abschwächen sollte.

3. Der US-Dollar bietet nach wie vor attraktives Carry

Der US-Dollar bietet derzeit eine der höchsten Carry-Renditen in den Industrieländern. Selbst wenn die Fed nach den ersten Zinsschritten im Juli und September den Leitzins weiter senken sollte, dürfte der Greenback kurz- und mittelfristig weiter attraktive Renditevorteile bieten, da die US-Zinsen immer noch viel höher sind als in Japan und der Schweiz, wo sie im negativen Bereich liegen. Dennoch könnten auf Dollar lautende Assets aufgrund der Kosten für die Währungsabsicherung für ausländische Investoren an Attraktivität verlieren. So scheinen beispielsweise zehnjährige US-Treasuries auf den ersten Blick weitaus interessanter als deutsche Bundesanleihen der gleichen Laufzeit. Doch dieser Renditevorteil ist schnell aufgezehrt, wenn man die Kosten für eine Währungsabsicherung gegenüber dem Euro abzieht.

4. Die Strafzölle und Handelsspannungen führen in erster Linie zu volatilen Wechselkursen

Welche Folgen die Strafzölle auf die Entwicklung der betroffenen Währungen haben, ist schwer einzuschätzen. Während die protektionistischen Kräfte die lokale Wirtschaft stützen sollten, dürfte jeder effiziente Markt die Folgen von Einfuhrzöllen auf die realen Austauschverhältnisse wieder neutralisieren, was dazu führen kann, dass die Währung de facto aufwertet. Tatsächlich kann dies eine unbeabsichtigte Folge der Strategie von Präsident Trump gewesen sein. Nach einer besonders schwierigen Runde bei den Zollverhandlungen ließen die chinesischen Behörden den Renminbi zuletzt gegenüber dem Dollar auf das schwächste Niveau seit mehr als zehn Jahren fallen, während sie den Wechselkurs gegenüber einem breiten Korb anderer Währungen praktisch unverändert ließen. Daran zeigt sich, dass Währungen zunehmend als politisches Instrument eingesetzt werden. Daher ist mit weiteren Eingriffen zu rechnen, wenn die Handelskonflikte andauern. Vor diesem Hintergrund erwarten wir weitere Währungsschwankungen, die sich möglicherweise am besten durch Devisenoptionen ausnutzen lassen.

5. Der US-Dollar gilt nach wie vor als «sicherer Hafen»

In schwierigen Marktphasen flüchten die Anleger üblicherweise in den Dollar – ein Trend, an dem sich so schnell nichts ändern dürfte. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist daher ein hohes Liquiditätsvolumen im US-Dollar gebunden. Dieser Trend wird durch die Inversion der Renditekurve für US-Treasuries weiter verstärkt, da das Parken von Bargeld in Geldmarktfonds dadurch deutlich attraktiver geworden ist. Obwohl auch der Schweizer Franken und der japanische Yen in diesem Jahr angesichts der hohen Unsicherheit stark nachgefragt werden, bleibt der Greenback für Anleger, die Sicherheit suchen, mit Abstand die erste Wahl. Daran dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern.


(Abbildung 1) Veränderung des USD-Wechselkurses


vor und nach der ersten Zinssenkung durch die Fed (in %)
Stand: 13. September 2019

Graph: vor und nach der ersten Zinssenkung durch die Fed (in %). Stand: 13. September 2019

Quelle: U.S. Dollar Spot Index, Analysen von T. Rowe Price

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