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Schwellenländeraktien – Suche nach den vergessenen Chancen

Ernest Yeung , Portfolio Manager

Einer der größten Irrtümer mit Blick auf die Schwellenländer (Emerging Markets, kurz EM) ist die Annahme, chancenreiche Value-Titel seien an diesen Märkten besonders rar. Das verwundert insoweit nicht, als mit den Schwellenländern in der Regel die Vorstellung von hohem Wachstum verbunden ist. Eine Analyse der gesamten Anlagen in EM-Aktien (Abbildung 1) bestätigt die sehr einseitige Verteilung: Von allen in den Schwellenländern aktiv angelegten Geldern entfallen 87% auf EM-„Core“- beziehungsweise EM-Wachstumsportfolios. Der Anteil der EM-Value-Strategien beträgt dagegen gerade einmal 13%.


Diese große Diskrepanz verdeutlicht das geringe Interesse, das dem EM-Value-Segment entgegengebracht wird. Für aktive Anleger, die sich an fundamentalen Kriterien orientieren, eröffnen sich dadurch vielfältige Gelegenheiten, vom Markt übersehene, vergessene oder ignorierte Qualitätswerte aufzuspüren. Aus dem Umstand, dass Value-Titel aus Schwellenländern in den Anlageportfolios der meisten Investoren nur schwach vertreten sind und vom Gros der Analysten nicht beachtet werden, resultiert ein asymmetrisches Verhältnis von Risiko und Rendite – einem begrenzten Verlustrisiko steht die Aussicht auf attraktive Zuwächse gegenüber.


Abbildung 1: Fundamental Value Investing in Schwellenländern: Eine wenig beachtete Anlageklasse

EM-Aktienuniversum – Aufteilung des verwalteten Anlagevermögens
Stand 31. März 2019

Abbildung 1: Fundamental Value Investing in Schwellenländern: Eine wenig beachtete Anlageklasse

Quelle: Morningstar Direct.

© 2019 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten.  Die Informationen hierin:  (1) sind Eigentum von Morningstar und/oder seinen Datenlieferanten; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) werden ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität wiedergegeben.  Weder Morningstar noch seine Datenlieferanten haften für Schäden oder Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen.  Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft.


TITEL DER „OLD ECONOMY“ SIND ZURÜCKGEFALLEN

Analysiert man, welche Renditen Schwellenländeraktien in den letzten Jahren generiert haben, wird deutlich, dass ein Großteil der Performance auf das Konto so genannter New-Economy*-Titel im Technologie- und Software-Sektor und in konsumnahen Branchen geht. Verglichen damit sind Old-Economy**-Titel bei der Rally deutlich zurückgefallen, trotz einer rapiden Verbesserung der freien Cashflows dieser Unternehmen.¹ Die Bewertungen von Old-Economy-Aktien aus Schwellenländern erscheinen aktuell billig, wenn man sie mit früheren Zeiträumen vergleicht.
 

Für Anleger, die sich näher mit diesen vergessenen, zu einem beträchtlichen Teil im EM-Value-Segment angesiedelten Old-Economy-Titeln beschäftigen, bieten sich echte Chancen. Damit wir uns ernsthaft für ein Unternehmen interessieren, genügt es jedoch nicht, dass es billig ist – wir müssen auch ein klares Potenzial für fundamentale Veränderungen sehen. Das können externe Faktoren wie ein Regierungswechsel oder ein Konjunkturaufschwung sein oder interne Faktoren wie Kostensenkungen, ein neues Management oder eine Umstrukturierung. Wichtig ist, dass Value-Aktien kein Umsatzwachstum benötigen, um eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen.


DISZIPLINIERTERES MANAGEMENT ERNTET DEN LOHN

Ein disziplinierteres Management ist ein weiterer Faktor, der uns in unserem allgemein positiven Urteil über Schwellenländeraktien bestärkt. EM-Unternehmen erwirtschaften heute höhere freie Cashflows als früher, und das ist unmittelbar auf eine bessere, diszipliniertere Kapitalallokation zurückzuführen. Die Gewinnmargen sind dadurch insgesamt gestiegen und wir sind zuversichtlich, dass die Unternehmen in den Schwellenländern nun besser aufgestellt sind, um ihre Gewinne zu steigern und höhere Renditen für ihre Aktionäre zu erwirtschaften.
 

Dessen ungeachtet ist die Investitionsquote im EM-Value-Segment zurzeit so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr (Abbildung 2). Nach so vielen mageren Jahren könnten die Investitionsausgaben in dem Segment nun bald wieder steigen – wie seit 2016 im EM-Wachstumssegment. Die Bewertungen vieler dieser Unternehmen sollten davon deutlich profitieren.


Abbildung 2: Investitionsausgaben in Schwellenländern sind auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt

Investitionsquote in den Schwellenländern

Stand 31. März 2019Abbildung 2: Investitionsausgaben in Schwellenländern sind auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt

Quelle: Finanzdaten- und Analytik-Anbieter FactSet. Copyright 2019 FactSet. Alle Rechte vorbehalten.

Quelle für MSCI-Daten: MSCI. MSCI übernimmt für hierin erwähnte MSCI-Daten keine Gewährleistung, weder ausdrücklich noch stillschweigend, und ist in keiner Weise für sie haftbar. Die MSCI-Daten dürfen nicht weiterverbreitet oder als Grundlage für andere Indizes, Wertpapiere oder Finanzprodukte verwendet werden. Der vorliegende Bericht wurde von MSCI weder genehmigt noch geprüft oder erstellt.


SÜDAFRIKA – BEISPIEL FÜR EINEN VERGESSENEN MARKT

Südafrika ist ein Beispiel für ein Land, das viele Anleger aus dem Blick verloren hatten. In den letzten Jahren haben politische Unsicherheit und wirtschaftliche Probleme dazu geführt, dass die südafrikanische Börse weitgehend übersehen oder ignoriert worden ist. Dabei ist unbestritten, dass in Südafrika viele solide Unternehmen beheimatet sind, und wir finden dort genau die Sorte von nicht angemessen gewürdigten Titeln, nach denen wir suchen.
 

So haben wir schon 2017 trotz der schlechten Wirtschaftslage begonnen, in bestimmte südafrikanische Banken zu investieren. In den niedrigen Bewertungen in dem Sektor spiegeln sich weder die soliden Bilanzen, die überschaubaren Belastungen durch „faule“ Kredite und die recht ordentlichen Dividenden angemessen wider noch das beträchtliche Kurspotenzial der Geldinstitute, die von einem möglichen Konjunkturaufschwung in Südafrika unmittelbar profitieren würden. Auch das stabilere politische Umfeld nach den Wahlen vom Mai 2019 spiegelt sich in den Kursen kaum wider.


FAZIT
 

Für aktive Anleger, die ihre Entscheidungen anhand fundamentaler Kriterien treffen, sind die Schwellenländer nach wie vor ein lohnendes Revier für die Suche nach „vergessenen“ Value-Titeln. Da die meisten Anleger in Schwellenländern ausschließlich an Wachstumswerten interessiert sind, werden viele qualitativ gute Unternehmen übersehen oder ignoriert. Das sind die vergessenen Unternehmen, nach denen wir suchen. Ihr Potenzial für fundamentale Veränderungen wird vom Gros der Anleger nicht angemessen gewürdigt, und sie bieten dadurch attraktive Kurschancen.
 

Risiken – die folgenden Risiken sind für die Strategie von wesentlicher Bedeutung:
 

Transaktionen mit Wertpapieren, die in Fremdwährungen denominiert sind, unterliegen Wechselkursschwankungen, die den Wert einer Anlage beeinflussen können. Die Erträge können volatiler sein als die an anderen, etablierteren Märkten, bedingt durch Veränderungen des Marktumfelds oder der politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Die Strategie unterliegt einem erhöhten Risiko, da sie beim Streben nach langfristigem Wertzuwachs sowohl wachstums- als auch wertorientierte Ansätze verwenden kann.


Wichtige Informationen

¹ Quelle der MSCI Daten: MSCI. MSCI gibt keine ausdrücklichen oder konkludenten Gewährleistungen oder Zusicherungen ab und ist in keiner wie auch immer gearteten Weise haftbar hinsichtlich jeglicher hier zitierter MSCI-Daten. Die MSCI-Daten dürfen nicht weiterverbreitet oder als Grundlage für andere Indizes oder bestimmte Wertpapiere oder Finanzprodukte verwendet werden. Der vorliegende Bericht wurde von MSCI weder genehmigt noch geprüft oder erstellt.
 

*New-Economy: Verbraucherservice, Automobil, Internet, technische Hardware, Pharma, langlebige Konsumgüter, Gesundheitswesen, Halbleiter.
 

**Old-Economy: Immobilien, Baustoffe, Kohle, Metall & Bergbau, Versicherungen, Haushalt & persönliche Produkte, Transport, Versorgungsunternehmen, Banken, Maschinen, Lebensmittel, Getränke & Tabak, Chemikalien, Elektrogeräte, Diversifizierte Finanzen, Bau & Ingenieurwesen, Telekommunikation, Öl & Gas.
 

Das vorliegende Dokument dient nur zu allgemeinen Informationszwecken. Es ist in keiner Weise als (Anlage-) Beratung zu verstehen (auch nicht in treuhänderischem Sinne), und potenziellen Anlegern wird empfohlen, vor einer Anlageentscheidung unabhängigen rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Rat einzuholen. Die T. Rowe Price-Unternehmensgruppe, zu der auch T. Rowe Price Associates, Inc. und/oder deren verbundene Gesellschaften gehören, erzielen Einnahmen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen von T. Rowe Price. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Der Wert einer Anlage sowie die mit dieser erzielten Erträge können sowohl steigen als auch sinken. Es ist möglich, dass Anleger weniger zurückbekommen als den eingesetzten Betrag.
 

Das vorliegende Dokument stellt weder ein Angebot noch eine persönliche oder allgemeine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren in irgendeinem Land oder Hoheitsgebiet beziehungsweise zur Durchführung bestimmter Anlageaktivitäten dar. Das Dokument wurde von keiner Aufsichtsbehörde irgendeines Landes oder Hoheitsgebiets geprüft.
 

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201906-883338

zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I USD
ISIN LU1244138340
Der Fonds verfolgt eine konträre Anlagestrategie, bei der in unterbewertete Unternehmen in Schwellenmärkten investiert wird, die von Veränderungsimpulsen profitieren können.
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3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
11.96%
Fondsvolumen
(USD)
$108.7Mio.