US-Midterm-Wahlen: Fundamentaldaten wichtiger als die Politik

Larry J. Puglia , Portfolio Manager
Alan Levenson , Chefökonom

WICHTIGSTE PUNKTE
 

  • T. Rowe Price warnt davor, Anlageentscheidungen vom Wahlausgang abhängig zu machen.

  • Fundamentalen Faktoren wie Zinsen, Handelspolitik, Ölpreisen und Unternehmensgewinnen sollte dabei ein höherer Stellenwert zukommen als den US-Midterm-Wahlen.

  • Der Aktienmarkt hat sich in den Jahren nach US-Midterm-Wahlen auch bei politischen Turbulenzen in der Regel gut entwickelt.

  • Die Geldpolitik ist auf Normalisierungskurs, die Haushaltspolitik befindet sich wahrscheinlich in einer Warteschleife, so dass der Wahlausgang die wirtschaftlichen Perspektiven kaum nennenswert verändern wird.

     

Da das politische und das Marktumfeld im Vorfeld der US-Midterm-Wahlen von hoher Volatilität geprägt waren, stand in der Anleger-Community die Frage nach den Auswirkungen des Wahlausgangs auf Wirtschaft und Finanzmärkte im Raum. Nachdem die Demokraten erstmals seit den Midterm-Wahlen 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewonnen und die Republikaner die Mehrheit im Senat behalten haben, fragen wir uns, ob in dieser Hinsicht jetzt mehr Klarheit herrscht?
 

Die Manager von T. Rowe Price warnen Investoren davor, ihre Anlageentscheidungen vom Wahlausgang abhängig zu machen; sie konzentrieren sich stattdessen auf die fundamentalen Aspekte, die normalerweise die Entwicklung der Finanzmärkte bestimmen. Auch rechnen sie nicht damit, dass der Wahlausgang nennenswerte Folgen für die US-amerikanischen Märkte oder die Wirtschaft haben wird.
 

Aller Voraussicht nach werden Faktoren wie Wachstum der Weltwirtschaft, Zinsen, Inflation, Unternehmensgewinne und Ölpreise - in Verbindung mit dem zunehmenden Protektionismus und der Verschärfung der geopolitischen Spannungen - schwerer wiegen als die Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse im Kongress, denn in diesem Jahr wurden die Märkte stärker von diesen Faktoren getaktet als von politischen Erwartungen.
 

„Investoren könnten versucht sein, eine Beziehung zwischen dem Wahlausgang und der Marktentwicklung zu konstruieren, aber es existiert keine nachweisliche Korrelation zwischen der politischen Ausrichtung der jeweiligen Regierungspartei und langfristigen Anlageergebnissen,“ so Eric Veiel, Head of U.S. Equity bei T Rowe Price.
 

David Giroux, Head of Investment Strategy bei T. Rowe Price und Manager der US Capital Appreciation Strategy, findet, dass die Midterm-Wahlen 2018 „wohl kaum ein marktbewegendes Ereignis sind. Bis 2020 dürfte die politische Konstellation stabil bleiben, so dass ich für die kommenden Jahre nicht mit bahnbrechenden neuen Gesetzen rechne“.
 

„Die Investoren sollten stärker darauf achten, wie sich höhere Zinsen auf Aktienbewertungen, Inflation und Gewinnmargen der Unternehmen auswirken,“ so David  Giroux weiter. „Auch hatten wir in diesem Jahr ein sehr kräftiges Wirtschaftswachstum, so dass der Grad der Verlangsamung der Wirtschaft ein wichtiger Faktor ist. Hinsichtlich des Gewinnwachstums der Unternehmen, das bei rund 20% liegen dürfte, ist 2018 ebenfalls ein hervorragender Jahrgang. 2019 dürften die Gewinnzuwächse lediglich im mittleren bis oberen einstelligen Bereich liegen. Andere wichtige Aspekte sind der Handelskrieg mit China und seine weitreichenden Auswirkungen auf die USA und die Weltwirtschaft“.
 

Geld- und Haushaltspolitik dürften ebenfalls auf Kurs bleiben

Alan Levenson, Chief U.S. Economist, hat seinen Ausblick nicht geändert. Die Federal Reserve wird ihre geldpolitische Normalisierung fortsetzen und voraussichtlich im Dezember die nächste Zinserhöhung vornehmen, wobei für das kommende Jahr mit drei oder vier weiteren Anhebungen zu rechnen ist. „Die Fed ist eine unabhängige Institution und wird ungeachtet des Wahlausgangs an ihrem Kurs festhalten,” so Levenson. „Die Gestaltung der Geldpolitik wird in den kommenden 15 Monaten unabhängig von der Zusammensetzung des Kongresses erfolgen.”
 

Mit Kontinuität ist auch bei der Haushaltspolitik zu rechnen. „Wir erwarten keine nennenswerten haushaltspolitischen Anreize wie Steuersenkungen oder massive Ausgabenerhöhungen, da die bisherigen Maßnahmen bereits tiefe Löcher in den Haushalt gerissen haben, aber die Wirtschaft boomt noch immer,” so Levenson weiter. „Daher rechne ich nicht mit einer signifikanten Neuausrichtung der Haushaltspolitik nach den Wahlen.” Alan  Levenson geht für 2018 von einem Wirtschaftswachstum von 3% bis 3,25% aus, das sich 2019 im Zuge der Zinserhöhungen der Fed und des Abbaus der fiskalischen Anreize auf rund 2,5% verlangsamen dürfte.
 

Daneben warnt Levenson davor, zu hohe Erwartungen in eine stärkere Kontrolle von Präsident Trumps Regulierungs- und Handelspolitik durch die neue politische Konstellation zu setzen. „Die Befugnis zur Gestaltung der Handels- und Regulierungspolitik liegt bei der Exekutive.”
 

Ermutigende historische  Bilanz

Wie sieht die historische Bilanz der Midterm-Wahlen angesichts all dieser Vorbehalte aus? Die Präsidentenpartei verliert bei den Midterm-Wahlen traditionell Sitze im Kongress, vor allem im Repräsentantenhaus, dennoch hat sich der Aktienmarkt im darauffolgenden Jahr in der Regel gut entwickelt. Das dritte Jahr der Amtszeit eines Präsidenten (also das Jahr nach den Midterm-Wahlen) war historisch das performancestärkste Jahr der US-Märkte in den vierjährigen Amtszeiten.

Abbildung 1: Aktienmarkt-Performance in Jahren nach Midterm-Wahlen
Gesamtrendite des S&P 500-Index: 1951 bis 2015




Quelle: T. Rowe Price. Marktdaten von Zephyr StyleAdvisor.
 

In den 17 Midterm-Wahljahren von 1950 bis 2014 erzielte der S&P 500-Index im Durchschnitt ein Plus von 10,7% und verzeichnete in dieser Zeit lediglich fünf negative Jahre. Im gleichen Zeitraum verbuchte der Markt im Jahr nach den Midterm-Wahlen im Durchschnitt einen Zuwachs von 19,9%, während der S&P 500 in keinem dieser Jahre einen Verlust einfuhr. Vom 31. Dezember 1949 bis zum 31. Dezember  2015 betrug die annualisierte Rendite des S&P 500-Index im Durchschnitt 11,2%.
 

In den meisten Jahren konnten nicht einmal politische Umwälzungen den Markt in nennenswerte Turbulenzen stürzen. Bei den Midterm-Wahlen der Jahre 1954, 1994 und 2006 verlor die Partei des amtierenden Präsidenten jeweils die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. Im Jahr nach diesen Wahlen legte der S&P 500-Index jeweils 31,5%, 37,4% bzw. 5,5% zu.
 

Bei den Midterm-Wahlen des Jahres 1994 verlor die Demokratische Partei während Clintons erster Amtszeit 52 Sitze im Repräsentantenhaus und acht Sitze im Senat. Der Markt schnellte im darauffolgenden Jahr dennoch um über 37% in die Höhe. Bei den Midterm-Wahlen des Jahres 2010 verlor die Demokratische Partei während Obamas erster Amtszeit sage und schreibe 63 Sitze im Repräsentantenhaus und sechs Sitze im Senat, so dass der Kongress gespalten war. Im darauffolgenden Jahr erzielte der Markt ein Plus von 2%.
 

2020 stehen größere Veränderungen ins Haus

Obwohl David  Giroux Anlegern davon abrät, ihre Portfolios auf Basis der diesjährigen Midterm-Wahlen umzuschichten, findet er, dass „man nicht früh genug damit anfangen kann,” die Auswirkungen der Präsidentschaftswahlen 2020 zu berücksichtigen. „Mit Blick auf 2020 sollten Investoren einen möglichen Wechsel der Regierung sowie dessen Auswirkungen auf Märkte, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Energieversorgung, Verteidigung und die M&A-Aktivität ins Auge fassen,” so Giroux weiter.
 

„Wir haben eine sehr unternehmerfreundliche Regierung mit einem Minimum an Regulierung und einem Maximum an Steuersenkungen, die für den Aktienmarkt sehr gut waren. Manche vertreten den Standpunkt, dass genau dieser Mix der Grund für das kräftige Wachstum der Wirtschaft und der Löhne in diesem Jahr war. Ein politischer Kurswechsel könnte einen Teil dieser Effekte zunichte machen und sich als Dominoeffekt auf die Wirtschaft und den Aktienmarkt niederschlagen. Der Markt ist zukunftsgerichtet, so dass diese Möglichkeit mit Blick auf 2019 und 2020 zu berücksichtigen ist.”
 

Dabei ist allerdings Vorsicht geboten. Anleger sollten nicht voreilig zu dem Schluss kommen, dass eine Regierung der Demokraten dem Aktienmarkt auf längere Sicht schaden könnte. Misst man die Rendite von US-Aktien jeweils über eine volle Amtszeit, stellt man fest, dass sie in den letzten 100 Jahren zwar erheblich schwankte, aber über Vierjahreszeiträume hinweg generell positiv war. Auch hier herrscht weitgehend Übereinstimmung, dass dafür Faktoren verantwortlich waren, die sich der Kontrolle des Amtsinhabers entzogen.
 

„Investoren sollten dem politischen Umfeld kein allzu hohes Gewicht für ihre Anlagestrategie beimessen, denn Aktien haben sich während der meisten Legislaturperioden oder über längere Zeiträume hinweg gut entwickelt,” so Larry Puglia, Manager der US Large‑Cap Core Growth Equity Strategy.
 

Die Volatilität ist eventuell leichter vorherzusagen als die Marktrichtung

Während sich der Wahlausgang nicht nennenswert auf die Performance des Marktes auswirken dürfte, wird der neue Kongress vermutlich kontroverse Themen behandeln, welche die Volatilität des Marktes anheizen könnten, z.B.:
 

  • Ein von der Trump-Administration vorgelegter zweiter Entwurf für eine einschneidende Steuerreform, die das Wachstum, die Defizite und die Inflationserwartungen steigern könnte.

  • Maßnahmen zur Deckelung der Medikamentenpreise oder ein erneuter Versuch der Republikaner zur Ersetzung des Affordable Care Act, wodurch Pharma- bzw. Gesundheitswerte unter Druck geraten könnten.

  • Versuche zur Erhöhung des Mindestlohns, die Inflationsängste schüren könnte.

  • Gesetze zur Begrenzung der Zuwanderung, wodurch das Wachstum gebremst werden und die Inflation steigen könnte.

  • Mögliche Anhebung der Verteidigungsausgaben, die das Wachstum im Allgemeinen und Verteidigungsaktien im Besonderen beflügeln könnte.

Diese möglichen Gesetzesinitiativen sind nicht ohne Risiko. Aber angesichts der fragmentierten politischen Landschaft stellt man sich zu Recht die Frage, ob der Kongress in der Lage sein wird, bei diesen Initiativen echte Fortschritte zu erzielen.
 

 

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