Anleihen: Der Dominoeffekt

Stephane Fertat , Portfolio Specialist

Für die Märkte waren es zuletzt ereignisreiche Wochen und Monate mit Währungskrisen in Argentinien und der Türkei bis hin zur extremen Volatilität bei italienischen Staatsanleihen. Doch bislang erkennen wir keine deutlichen Anzeichen dafür, dass Ansteckungseffekte zu einer breiten Zunahme der Risikoabneigung führen. Bei unseren jüngsten Sitzungen zur Anlagepolitik, bei denen das Team das Umfeld analysierte, um zu erkennen, wo Chancen entstehen könnten, war dies ein wichtiger Diskussionspunkt.
 

Für manche – nicht für alle – war es ein Sommer zum Vergessen. Während einige Länder und Märkte unter extremen Verkaufsdruck gerieten, kamen andere relativ ungeschoren davon. Die Bewegungen sind sehr spezifischer Art gewesen und erinnerten eher an umfallende Dominosteine als an eine systematische Krise, bei der alle Anlagen und Märkte unter Druck stehen. Am deutlichsten war dies in den Schwellenländern, wo einige Länder wie Rumänien recht stabil blieben, während andere rapide nachgaben, angefangen mit Argentinien, danach die Türkei, Brasilien, Indonesien sowie zuletzt Russland und Südafrika. Ins Visier der Anleger sind dabei häufig Länder geraten, die unter politischer Unsicherheit leiden oder ein Leistungsbilanzdefizit aufweisen, bei dem die Märkte befürchten, dass es bei steigenden US-Zinssätzen schwierig zu finanzieren sein könnte.

Der Markt ist fortwährend auf der Jagd nach der nächsten großen Verkaufsstory gewesen, sodass Schwellenländer, die eine Anfälligkeit andeuteten, mit ansehen mussten, wie sich ihre Währungen im freien Fall befanden und inländische Staatsanleihen unter Druck gerieten.
- Quentin Fitzsimmons, Portfolio Manager

„Der Markt ist fortwährend auf der Jagd nach der nächsten großen Verkaufsstory gewesen, sodass Schwellenländer, die eine Anfälligkeit andeuteten, mit ansehen mussten, wie sich ihre Währungen im freien Fall befanden und inländische Staatsanleihen unter Druck gerieten“, erklärt Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Anlageteams für globale Anleihen.

Angesichts der mit den Zöllen und mit bevorstehenden politischen Ereignissen wie den Wahlen in Brasilien und den US-Zwischenwahlen verbundenen Risiken ist es zwar noch zu früh, das Ende der Volatilität auszurufen, doch möglicherweise bieten sich bereits hier und da attraktive Einstiegschancen, da einige Länder vielleicht unverhältnismäßig stark unter Druck standen und ihre Bewertungen deutlicher gesunken sind, als die bei ihnen bestehenden Risiken dies rechtfertigen würden. Diesbezüglich tut sich Mexiko hervor. „Die Inflation dürfte nachgeben, und es ist möglich, dass Mexikos Zentralbank im nächsten Jahr auf einen Zinssenkungszyklus zusteuert“, sagt Fitzsimmons. „Die attraktiven Bewertungen werden vom historisch weiten Spread der Mbonos [Mexikos Staatsanleihen in Lokalwährung] gegenüber US-Treasuries bestätigt.“

Ein weiteres Land, dessen Fundamentaldaten das Anlageteam ansprechend findet, ist Kolumbien. „Die Inflation ist stabil und die Wirtschaft zugleich auf Erholungskurs. Zwar wird erwartet, dass die Zentralbank die Zinssätze im nächsten Jahr anhebt, jedoch glauben wir, dass der Markt zu viele Zinserhöhungen einpreist. Daher ist in unseren Augen der Markt für lokale Staatsanleihen moderat attraktiv“, erklärt Fitzsimmons.
 

Was die Industrieländer angeht, stellte das Anlageteam fest, dass die Volatilität in den meisten von ihnen viel geringer war. Doch nicht alle Länder sind immun gewesen. Die schwedische Krone zum Beispiel hat sich in diesem Jahr markant schwächer entwickelt als die Währungen anderer Industrieländer, da sich die Märkte nun Sorgen über den Zustand des Wohnimmobilienmarkts und dessen potenzielle Anfälligkeit gegenüber einem nachlassenden weltweiten Wachstum machten. Dass die schwedische Zentralbank Zinserhöhungen wiederholt aufgeschoben hat, war in diesem Zusammenhang wahrscheinlich nicht hilfreich. Doch die Wahlen sind nun vorbei, was ein wichtiges Risiko für den Markt beseitigt hat. Dies könnte eine gute Gelegenheit bieten, wieder in eine Währung zu investieren, die gemessen an den Fundamentaldaten eine zu hohe Volatilität aufgewiesen haben könnte.
 

Im Anleihebereich lieferte Italien in diesem Jahr das extremste Beispiel für Volatilität in den Industrieländern, als die politischen Bedenken zu einem massiven Abzug von Kapital durch internationale Anleger führten. „Die Korrektur am kurzen Ende der italienischen Kurve im Mai entsprach 20 Standardabweichungen“, merkt Fitzsimmons an. Das Anlageteam stellte fest, dass die langfristigen Bedenken zwar weiterhin bestehen, sich kurzfristig aber eine taktische Möglichkeit ergeben könnte, von den attraktiven Bewertungen in Italien zu profitieren, vor allem bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit.

Abbildung 1: J.P. Morgan Indizes zur Währungsvolatilität: Schwellenländer und G7
Stand: 14. September 2018
 

Quelle: J.P. Morgan. Analysen von T. Rowe Price.
 

Die geldpolitischen Bedingungen in den USA werden weiterhin restriktiver, und andere große Zentralbanken schrauben ihre Lockerungsprogramme zurück. Ein wichtiger Punkt ist daher, ob dieser Dominoeffekt sich zu einem Umfeld mit einer systematischen Abnahme der Risikobereitschaft entwickelt.
- Quentin Fitzsimmons, Portfolio Manager

An den Märkten für Unternehmensanleihen liegen die Ausfallquoten weiterhin auf historischen Tiefständen, doch es gibt auch Hinweise, dass die Anleger deutlich wählerischer sind und bereits bei ersten Anzeichen negativer Meldungen, ohne zu zögern, Unternehmen bestrafen. In einigen Fällen dämpft dies die Liquidität am Sekundärmarkt. Beispielsweise haben sich die Kreditspreads der Titel des Pharmakonzerns Bayer stark ausgeweitet, als der Markt fürchtete, dem Unternehmen könnten durch Rechtsstreitigkeiten Belastungen drohen. Auch die Credit Default Swaps auf Ford legten deutlich zu, als die Ratingagentur Moody’s Investors Service das Kreditrating des US-Autoherstellers auf Baa3, das niedrigste Investment-Grade-Rating, senkte.
 

Das Anlageteam stellte fest, dass der europäische Automobilsektor anfällig sein könnte, falls die USA weitere Zölle auf Importe aus Europa erheben sollten. Dieser Sektor könnte daher ein ausgemachter Kandidat für vereinzelte Short-Positionen in Credit Default Swaps sein, falls die Liquidität plötzlich versiegen sollte.
 

„Die geldpolitischen Bedingungen in den USA werden weiterhin restriktiver, und andere große Zentralbanken schrauben ihre Lockerungsprogramme zurück. Ein wichtiger Punkt ist daher, ob dieser Dominoeffekt sich zu einem Umfeld mit einer systematischen Abnahme der Risikobereitschaft entwickelt“, erklärt Fitzsimmons abschließend.

201809-608172  

Wichtige Informationen

Das vorliegende Dokument dient nur zu allgemeinen Informationszwecken. Es ist in keiner Weise als (Anlage-) Beratung zu verstehen (auch nicht in treuhänderischem Sinne), und potenziellen Anlegern wird empfohlen, vor einer Anlageentscheidung unabhängigen rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Rat einzuholen. Die T. Rowe Price-Unternehmensgruppe, zu der auch T. Rowe Price Associates, Inc. und/oder deren verbundene Gesellschaften gehören, erzielen Einnahmen mit Anlageprodukten und -dienstleistungen von T. Rowe Price. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Der Wert einer Anlage sowie die mit dieser erzielten Erträge können sowohl steigen als auch sinken. Es ist möglich, dass Anleger weniger zurückbekommen als den eingesetzten Betrag.

Das vorliegende Dokument stellt weder ein Angebot noch eine persönliche oder allgemeine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf von Wertpapieren in irgendeinem Land oder Hoheitsgebiet beziehungsweise zur Durchführung bestimmter Anlageaktivitäten dar. Das Dokument wurde von keiner Aufsichtsbehörde irgendeines Landes oder Hoheitsgebiets geprüft.

Die hierin geäußerten Informationen und Ansichten wurden aus oder anhand von Quellen gewonnen, die wir als zuverlässig und aktuell erachten; allerdings können wir die Richtigkeit oder Vollständigkeit nicht garantieren. Wir übernehmen keine Gewähr dafür, dass sich Vorhersagen, die möglicherweise getätigt werden, bewahrheiten werden. Die hierin enthaltenen Einschätzungen beziehen sich auf den jeweils angegebenen Zeitpunkt und können sich ohne vorherige Ankündigung ändern; diese Einschätzungen unterscheiden sich möglicherweise von denen anderer Gesellschaften und/oder Mitarbeiter der T. Rowe Price-Unternehmensgruppe. Unter keinen Umständen dürfen das vorliegende Dokument oder Teile davon ohne Zustimmung von T. Rowe Price vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.

Das Dokument ist nicht zum Gebrauch durch Personen in Ländern oder Hoheitsgebieten bestimmt, in denen seine Verbreitung untersagt ist oder Beschränkungen unterliegt. In bestimmten Ländern wird es nur auf spezielle Anforderung zur Verfügung gestellt.

Das Dokument ist nicht für Privatanleger bestimmt, unabhängig davon, in welchem Land oder Hoheitsgebiet diese ihren Wohnsitz haben.

zugehörige Fonds
SICAV
Anteilsklasse I USD
ISIN LU1216622214
Ziel ist die Erwirtschaftung positiver Renditen mit globalen Anleihen unter besonderer Berücksichtigung des Verlustrisikos und einer Diversifikation über Aktienmärkte. Mehr...
3 Jahres-Rendite
(Annualisiert)
-0.60%
Durchschnittlicher Kupon
4.26%
FACTSHEET
Fondsvolumen
(USD)
$1.2Mrd.
Durchschnittliche Laufzeit
6.20 J.
Durchschnittliche Duration
1.92 J.
Dynamic Global Bond