AUSBLICK

Disruptive Kräfte prägen 2019 die Investmentlandschaft

Justin Thomson , Portfolio Manager
Andrew McCormick , Portfolio Manager
David Giroux , Portfolio Manager

Wichtige Punkte

  • In der gegenwärtigen Phase des Konjunkturzyklus liegt die Möglichkeit eines Abschwungs zwar auf der Hand, doch uns erscheint die Gefahr relativ gering, dass es 2019 zu einer globalen Rezession kommen wird.

  • Wir glauben, dass geldpolitische Divergenzen, die technologiebedingte Verstärkung von Bewertungsunterschieden und geopolitische Unsicherheiten disruptive Auswirkungen auf die Börsen haben werden.

  • Die Gewinner und Verlierer in dieser Ära bedeutender Veränderungen ausfindig zu machen, wird der Schlüssel zu überdurchschnittlichen Anlageerträgen sein.
     

Disruption in unterschiedlicher Gestalt – technologischer, politischer, wirtschaftlicher und geldpolitischer – wird die Richtung der globalen Finanzmärkte im kommenden Jahr bestimmen – davon sind die Experten von T. Rowe Price überzeugt.
 

Die amerikanische Wirtschaft tritt in die Spätphase des Konjunkturzyklus ein, die US-Notenbank hat mit Zinserhöhungen begonnen und die geldpolitischen Rahmenbedingungen in den übrigen bedeutenden Volkswirtschaften unterscheiden sich stark voneinander. Vor diesem Hintergrund ist das Potenzial für erneute größere Schwankungen an den Aktien- und Anleihemärkten nach wie vor groß.
 

Hinzu kommen politische Risiken wie insbesondere der Handelsstreit zwischen den USA und China, die Möglichkeit eines ungeordneten Brexits im März und ein erneuter Konflikt zwischen Brüssel und der populistischen Regierung in Rom wegen Italiens Staatshaushalt.
 

Dies sind einige der wichtigsten Beobachtungen von drei führenden Investmentexperten unseres Hauses – David Giroux, Chief Investment Officer (CIO) für US-Aktien und Multi-Asset und zugleich unser Head of Investment Strategy; Justin Thomson, unser CIO für Aktien; und Andy McCormick, Head of U.S. Taxable Fixed Income. McCormick übernimmt zum 1. Januar 2019 die Leitung unseres Anleihebereichs.
 

In der globalen Unternehmenswelt geht der Prozess des Umbruchs weiter. Grund dafür ist eine bisher nicht gekannte Kombination von technologischer Innovation und sich wandelnden Verbraucherpräferenzen mit der Folge, dass etablierte Geschäftsmodelle auf breiter Front unter Beschuss geraten. Disruption schafft einerseits Risiken, kann aber andererseits Anlegern, die einen disziplinierten strategischen Ansatz verfolgen, auch neue Chancen eröffnen. Die Gewinner und Verlierer in diesem Prozess ausfindig zu machen, wird auch künftig die Voraussetzung für überdurchschnittliche Anlageerträge sein, stellt Giroux fest.
 

„Ich sehe in dem disruptiven Umfeld, in dem wir uns bewegen, einen Grund, warum aktive Vermögensverwalter in den nächsten zehn Jahren sehr gefragt sein werden“, so Giroux. „Hochkarätige aktive Anlageverwalter können davon profitieren, dass sie von einem längeren Zeithorizont ausgehen und somit Investments tätigen können, die in Kundenportfolios in den nächsten 5 bis 10 Jahren ihre Wirkung entfalten werden.“
 

Auf kürzere Sicht werden sich globale Investoren aber vielleicht auf Turbulenzen einstellen müssen – politische und geldpolitische Unsicherheiten sowie der Handelskonflikt könnten erneut zu einem Anstieg der Marktvolatilität wie 2018 führen. In kürzlich geführten Diskussionen haben Giroux, Thomson und McCormick sechs wesentliche disruptive Faktoren identifiziert, die ihres Erachtens 2019 und darüber hinaus von Bedeutung sein werden:
 

Die globale Wachstumsdynamik wird schwächer

Laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Oktober 2018 wird das Wachstum in den Industrieländern und in China 2019 an Schwung verlieren.
 

In den USA ist der Konjunkturzyklus zwar schon am weitesten fortgeschritten und mit einem Abschwung ist tendenziell zu rechnen, doch der gesunde private Sektor der amerikanischen Wirtschaft, die sehr lebhafte Verbrauchernachfrage und die anhaltenden Effekte der Steuersenkung von 2017 sollten eine Fortdauer des Aufschwungs in der ersten Jahreshälfte 2019 ermöglichen, glauben die Ökonomen von T. Rowe Price.
 

Die europäischen Volkswirtschaften befinden sich verglichen mit den USA noch in einer früheren Phase des Konjunkturzyklus. Seit dem vierten Quartal 2017 wird die konjunkturelle Dynamik jedoch schwächer, wie Thomson anmerkt. Großbritanniens Wirtschaft leidet weiter unter den Ungewissheiten im Zusammenhang mit dem Brexit.
 

In der Eurozone sind gewisse Anzeichen einer Überhitzung am deutschen Arbeitsmarkt zu erkennen. In den meisten anderen Ländern ist die Arbeitslosigkeit allerdings deutlich höher, was den Inflationsdruck verringert, zugleich aber die Einkommenszuwächse begrenzt. Die Bemühungen der privaten Haushalte, ihre Ersparnisse wieder aufzustocken, könnten das Wachstum in der Eurozone 2019 dämpfen.
 

Für Japan erwartet der IWF für 2019 nach der starken Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik im Jahr 2018 einen weiteren Rückgang des Wachstumstempos. Positiv ist in dem Land, dass die Rentabilität der Unternehmen ein Allzeithoch erreicht hat, wie Thomson feststellt. Das Deflationsrisiko dürfte demnach gesunken sein.
 

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft gilt besondere Aufmerksamkeit. Offizielle Berichte offenbarten Ende 2018 eine Abschwächung des Wachstums. Unabhängige Indikatoren der Verbrauchernachfrage, wie die Absatzzahlen in der Autoindustrie und die Umsätze der Spielkasinos in Macau, signalisieren ebenfalls einen negativen Trend, sagt Thomson und fügt hinzu:
 

„Jetzt kommt es darauf an, welche Anstrengungen China unternimmt, um seine Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Peking bemüht sich gerade darum, die Verschuldung der chinesischen Unternehmen zu reduzieren. Es besteht jedoch Spielraum für selektive Steuersenkungen in einzelnen Bereichen, oder die vorgeschriebenen Mindestreserven der Banken könnten herabgesetzt werden – auch das ist eine Möglichkeit, die Geldpolitik zu lockern.“
 

Insgesamt geht der IWF für 2019 von einem weiterhin stabilen Wachstum in den Schwellenländern aus. Der schwächeren Konjunktur in China steht eine wirtschaftliche Erholung in mehreren anderen wichtigen Staaten dieser Gruppe gegenüber.

Trotz der Abschwächung der US-Konjunktur erwarten unsere Ökonomen einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote in den USA und damit verbunden eine Zunahme des Inflationsdrucks. Höhere Zinsen plus eine flacher werdende Renditekurve könnten 2020 das Risiko eines schärferen Abschwungs der amerikanischen Wirtschaft verstärken.
 

Die Weltwirtschaft verliert an Schwung
Tatsächliches und vorhergesagtes reales BIP-Wachstum, Stand Oktober 2018

*IWF-Prognose
Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook.

Unterschiede bei den globalen Aktienbewertungen erfordern eine selektive Haltung

Ende Oktober erschienen US-Aktien verglichen mit den Märkten in Europa, Japan und besonders in den Schwellenländern relativ hoch bewertet. Allerdings sollten bei einem solchen Vergleich auch die unterschiedlichen Sektorgewichtungen berücksichtigt werden, erläutert Giroux.
 

Die US-Börse mit ihren großen Technologie-, Gesundheits- und Geschäftsdienstleistungssektoren wird tendenziell mit einem höheren durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewertet als die meisten europäischen Börsen. Letztere haben kleinere Technologiesektoren, und Finanzwerte, die typischerweise mit niedrigeren KGVs notieren, sind meist stark vertreten.
 

Unter Berücksichtigung der Sektoraufteilung scheint die Bewertungsdifferenz zwischen den USA und Europa im normalen langfristigen Rahmen zu liegen, sagt Giroux. „Man könnte vielleicht noch argumentieren, dass der Konjunkturzyklus in Europa weniger weit fortgeschritten und die Region dadurch attraktiver ist, doch das liegt nicht nur an den Bewertungen.“
 

Gemessen an der eigenen Historie erscheinen die Bewertungen von US-Aktien nicht übermäßig hoch, meint Giroux. Mitte November 2018 notierte der S&P 500 Index mit einem KGV von rund 15,5 auf Basis der erwarteten Gewinne für die nächsten zwölf Monate – ein Wert, der gar nicht weit vom 20-Jahresdurchschnitt von 15,9 entfernt liegt. Da der Konjunkturzyklus in den USA jedoch schon relativ weit fortgeschritten ist, sind die 15,5 möglicherweise weniger attraktiv, als es der Vergleich mit dem langfristigen Durchschnitt vermuten lässt, mahnt Giroux und gibt außerdem zu bedenken:
 

„Wenn die Unternehmensgewinne in der Vergangenheit auf einem Höchststand angekommen waren, konnten typischerweise drei bis fünf Jahre vergehen, bis dieser Stand wieder erreicht war. Möglicherweise notiert der S&P 500 also mit einem KGV von 15,5 auf Basis der Gewinne für 2024, und das ist dann schon etwas ganz anderes.“
 

Was Anlagen in Schwellenländern nach Ansicht von Thomson noch interessanter macht, sind die extrem unterbewerteten Währungen. Wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass man Schwellenländeraktien und -anleihen am besten dann kaufen sollte, wenn die Währungen dieser Staaten billig sind, und das ist momentan definitiv der Fall“, so Thomson.
 

 

Die Aktienbewertungen in den USA erscheinen hoch
Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate, Stand 31.10.2018

Quellen: FactSet, MSCI und T. Rowe Price. USA = MSCI USA Index, Europa = MSCI Developed Europe Index, Schwellenländer = MSCI Emerging Markets Index, Japan = MSCI Japan Index.

 

Säkulare Entwicklungen haben disruptive Auswirkungen auf Wachstums- und Substanzwerte

Disruptive Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Anlagestile und lassen die Bewertungen von Gewinnern und Verlierern stark auseinanderdriften.
 

Viele Anleger denken beim Thema Disruption nur an die großen Technologiekonzerne, doch auch in einer Vielzahl anderer Sektoren und Branchen machen sich starke Veränderungen bemerkbar, erklärt Giroux. So werden beispielsweise die Energiemärkte durch das Schiefer-Fracking und die wachsende Wettbewerbsfähigkeit von Sonnen- und Windkraft durcheinandergewirbelt.
 

„Aus unseren Untersuchungen wissen wir, dass rund 31% der Marktkapitalisierung des S&P 500 – und bis zu 35% der Umsätze der S&P-Unternehmen – in der einen oder anderen Weise von säkularen Veränderungen betroffen sind“, so Giroux.
 

Die betroffenen Unternehmen dürften in den nächsten 10 Jahren ein geringeres Umsatz- und Gewinnwachstum verzeichnen als im zurückliegenden Jahrzehnt, warnt Giroux. Die Auswirkungen auf die Bewertungen könnten dramatisch sein. „Bei Unternehmen dieser Kategorie erleben wir normalerweise, dass die KGVs noch stärker schrumpfen als das Ertragswachstum“, so Giroux weiter. „Wer diese Titel hält, hat dann womöglich richtig schlechte Karten.“
 

Die gleiche Zweiteilung ist an anderen internationalen Aktienmärkten zu beobachten, erläutert Thomson. Japan ist dafür ein Beispiel: Hinter dem relativ niedrigen KGV von 12,03, mit dem der MSCI Japan Index am 31. Oktober 2018 notierte, verbirgt sich eine scharfe Trennung zwischen Firmen, die den Ertrag für ihre Aktionäre steigern, und solchen, die mehr oder weniger stagnieren. „In solchen Situationen“, so Thomson, „hat das Gesamt-KGV keine große Aussagekraft.“  
 

Auf der anderen Seite sind die Aktienbewertungen in den Schwellenländern möglicherweise insgesamt attraktiver geworden, bedingt durch strukturelle Veränderungen. Am Ende des dritten Quartals 2018 hatte der Technologiesektor im MSCI Emerging Markets Index ein Gewicht von 27% – zehn Jahre zuvor hatte der Anteil noch praktisch null betragen, merkt Thomson an. Darin spiegelt sich nicht nur der Aufstieg der chinesischen Technologieriesen wider, sondern auch das Wachstum anderer Branchen in den Schwellenländern, bei denen die Wertschöpfung auf geistigem Eigentum basiert. „Wir sprechen hier nicht nur von einem großen Wachstumspotenzial, sondern auch von einer Ausweitung und Vertiefung des Universums der Möglichkeiten.“
 

Divergierende Aktienbewertungen
Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate, Wachstum relativ zu „Value“, bis zum 31.10.2018

*September 1998 bis Oktober 2018
**Dezember 1997 bis Oktober 2018

 

Asynchrone globale Kreditzyklen können Volatilität auslösen

Seit der Erholung von der globalen Finanzkrise von 2008/09 sind die weltweiten Kreditzyklen zunehmend aus dem Takt geraten. McCormick erwartet für 2019 eine Fortdauer dieses Trends. „Geldpolitische Divergenzen dürften ein weiterer Katalysator von Volatilität sein“, und er sagt weiter: „Die Märkte waren einfacher zu verstehen, als alle Kräfte in eine ähnliche Richtung wirkten. Heute ist das schon etwas spannender.”
 

Das volatilitätsarme Umfeld, das wir in den letzten Jahren an vielen bedeutenden Märkten gesehen haben, hätte es ohne den Überfluss an Liquidität, die die großen Notenbanken nach der Finanzkrise in die Märkte gepumpt haben, nicht gegeben, stellt McCormick fest. Seit die amerikanische Fed begonnen hat, ihre Bilanzsumme zu verringern, und auch die EZB zu einer weniger stimulativen Haltung übergeht, „suchen die Märkte eine neue Basis mit vernünftigeren, zu dem weniger expansiven geldpolitischen Umfeld passenden Bewertungen.“
 

Das kräftigere Wachstum der US-Wirtschaft und die zunehmenden Zinsdifferenzen verhalfen dem US-Dollar in den ersten Monaten des Jahres 2018 zu einem Anstieg um mehr als 8% (auf Basis des gewogenen Außenwerts). Davon, ob dieser Trend 2019 andauert oder sich ins Gegenteil verkehrt, wird die relative Attraktivität internationaler Vermögenswerte – und insbesondere von Anlagen in Schwellenländern – stark beeinflusst werden.
 

„Der Dollarkurs ist von entscheidender Bedeutung“, sagt Thomson, „nicht nur wegen der Auswirkungen des Währungseffekts auf die Renditen, sondern auch, weil eine steigende US-Währung in vielen Ländern die Kosten von Dollarkrediten erhöht, was eine andere Form von Straffung [der Geldpolitik] darstellt.“
 

Der relative Verlauf des Wachstums in verschiedenen Regionen wird 2019 den Wert des Dollars maßgeblich beeinflussen, argumentiert McCormick. Sollten die Märkte den Eindruck gewinnen, dass die US-Konjunktur an Schwung verliert, werden sie auch eher zu der Ansicht gelangen, dass ein Ende der Zinserhöhungen in den USA nicht mehr fern ist – oder dass die Fed zumindest bald eine Pause einlegen wird. Auch ein stärkeres Wachstum in der übrigen Welt könnte den Dollar schwächen.
 

„Sollte die amerikanische Wirtschaft jedoch kräftiger wachsen als erwartet oder Italien zu einem größeren Problemfall für die Eurozone werden als bisher angenommen, könnte uns der starke Dollar erhalten bleiben“, sagt McCormick, fügt aber hinzu: „Falls der Dollar 2019 irgendwann ins Straucheln gerät, wäre das allerdings unseres Erachtens für US-Anleger ein sehr günstiger Zeitpunkt, um über eine teilweise Umschichtung ihrer festverzinslichen Investments an ausländische Märkte nachzudenken.“ 

Globale Kreditzyklen nicht mehr synchron
Schätzung der makroökonomischen Positionen durch T. Rowe Price, Stand 30.09.2018

Quelle: T. Rowe Price

Spätzyklische Veränderungen dürften bestimmte Anleihesegmente begünstigen

Historisch konnte man an den Anleihemärkten im Laufe des Konjunkturzyklus unterschiedliche Renditeverläufe der einzelnen Segmente beobachten. Wenn die US-Wirtschaft 2019 in die Spätphase der Konjunkturentwicklung eintritt, könnten sich in einigen Segmenten attraktive Relative-Value-Gelegenheiten eröffnen, glaubt McCormick.
 

„In der Mitte des Zyklus sind die risikoadjustierten Renditen der aggregierten Anleiheindizes typischerweise sehr positiv“, hebt er hervor. „In der Spätphase verschlechtern sie sich dann aber. Es müssen nicht unbedingt negative Renditen sein, aber das Eingehen von Risiken wird dann nicht mehr so honoriert wie zuvor.“
 

McCormick nennt mehrere Segmente, die in der Vergangenheit eine relativ gute spätzyklische Performance geliefert haben. Dazu zählen insbesondere:

 

  • Variabel verzinsliche Bankdarlehen: Das kräftige Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hat sich 2018 positiv auf die Kreditmärkte ausgewirkt, und die variablen US-Zinsen, gemessen anhand der London Interbank Offered Rate (LIBOR), stiegen parallel zu den Fed-Zinserhöhungen. Solange die Rahmenbedingungen an den Kreditmärkten günstig bleiben, sollten Bankdarlehen weiter eine verhältnismäßig gute Performance zeigen, selbst wenn die Fed die Zinsen vorerst nicht weiter erhöhen sollte. Nach der Hausse in dem Sektor sind die Bewertungen jedoch etwas überzogen, und es wurden Zweifel an den Vergabestandards geäußert. Anleger müssen vor diesem Hintergrund bei der Kreditanalyse besondere Sorgfalt üben.

  • Collateralized Loan Obligations (CLOs): Diese variabel verzinslichen, von den großen Rating-Agenturen normalerweise mit AAA bewerteten Instrumente notierten in der Vergangenheit meist mit einem Aufschlag auf den LIBOR, dessen Höhe in etwa der bei Unternehmensanleihen im unteren Investment-Grade-Segment entsprach. Ihr kurzes Durationsprofil und strukturelle Kreditverbesserungen machen CLOs attraktiv – besonders in Zeiten, in denen das Ende des Kreditzyklus näher rückt, wie McCormick erläutert.

  • Schwellenländeranleihen: In der Vergangenheit haben sowohl Unternehmens- als auch Staatsanleihen aus Schwellenländern im letzten Teil des US-Kreditzyklus eine überdurchschnittliche Performance gezeigt. Das lag meist an einer dann einsetzenden Abwertung des US-Dollars, die den Rohstoffpreisen Auftrieb verlieh und für eine weniger angespannte Liquiditätssituation in diesen Staaten sorgte.

  • US-Staatsanleihen und IG-Unternehmensanleihen mit kurzer Duration: Anleger, die 2018 mit risikoträchtigeren Investments erfolgreich waren, haben nun die Gelegenheit, vergleichsweise attraktive Renditen am weniger volatilen kurzen Ende der US-Renditekurve zu erzielen, sagt McCormick.

Giroux empfiehlt Anlegern, noch ein weiteres, relativ stark gebeuteltes Bond-Segment in Betracht zu ziehen: US-Staatsanleihen (Treasuries). Diese Titel zeigten zwar 2017 und 2018 angesichts des schwungvollen Wachstums und steigender Zinsen eine schwache Performance, doch mittlerweile haben die längeren Laufzeiten ein recht attraktives Renditeniveau erreicht, so Giroux. Das gelte besonders im Vergleich zu ähnlichen Papieren wie deutschen Bundes- und japanischen Staatsanleihen. „In der gegenwärtigen Phase des Zyklus macht es durchaus Sinn, mit Treasuries ein gewisses defensives Element im Portfolio zu haben“, glaubt Giroux.
 

Anleihen –  von der Zyklusmitte ins spätzyklische Stadium
Sharpe Ratio der Überrendite, Stand 31.10.2018*

*Auf Basis der Überrendite gegenüber Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit. Sektor-Rendite seit Januar 1994, außer für CMBS (ab Januar 2000) und EM IG (ab Januar 1998). Spätzyklisch = Marktumfeld, in dem eine von zwei Bedingungen gegeben ist:   

  • Das Wachstum wird kräftiger und die Fed verfolgt eine straffe Geldpolitik, sprich der reale Tagesgeldsatz liegt sowohl über dem laut Williams-Laubach neutralen Satz als auch über dem eigenen rollenden 12-Monatsdurchschnitt.
  • Das Wachstum wird schwächer und die Fed strafft ihre Geldpolitik, sprich der reale Tagesgeldsatz liegt unter dem laut Williams-Laubach neutralen Satz, aber über ihrem eigenen rollenden 12-Monatsdurchschnitt.

Quellen: Federal Reserve Bank, Goldman Sachs und Bloomberg Finance LP; alle Datenanalysen von T. Rowe Price.

Geopolitische Krisenherde könnten Marktschwankungen auslösen

Eine Reihe politischer Problemfelder haben das Potenzial, die globalen Märkte 2019 in erhebliche Schwierigkeiten zu stürzen. Am größten ist vielleicht die Gefahr eines Handelskriegs zwischen den USA und China.
 

Die Erhöhung der Zölle auf chinesische Einfuhren durch die Trump-Regierung hat bereits, zusammen mit Pekings Vergeltungsmaßnahmen, Tribut von Aktien von Unternehmen gefordert, die einen größeren Teil ihrer Umsätze in China erzielen. Während die am stärksten vom Chinageschäft abhängigen Titel im S&P 500 in den Jahren 2016 und 2017 die Nase deutlich vorn hatten, ging ein großer Teil ihrer Outperformance schnell wieder verloren, als der Handelsstreit im Sommer 2018 einen Siedepunkt erreichte. Anfang Dezember haben US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping zwar vereinbart, die für Ende 2018 geplanten Zollerhöhungen vorerst auszusetzen, doch die Probleme, die Ursache des Streits sind, bleiben ungelöst.
 

Ökonomen unseres Hauses sind der Auffassung, dass höhere Zölle auf Exporte nach China dem Wachstum in den USA spürbar schaden könnten, es aber nicht komplett abwürgen würden. Sie glauben allerdings auch, dass sich die Aussichten für 2019 sowohl für die US-Wirtschaft als auch für die Weltwirtschaft verschlechtern würden, sollte die Trump-Regierung wie angedroht Zölle auf sämtliche Einfuhren von Autos und Autoteilen in die USA verhängen.
 

Nach Ansicht von Giroux sollten die Märkte die Möglichkeit nicht unterschätzen, dass es den USA und China doch noch gelingt, ihren Handelskonflikt beizulegen. Peking, argumentiert er, hat schon Bereitschaft signalisiert, den USA in einigen Punkten entgegenzukommen. Beispiele seien etwa die Senkung von Zolltarifen, der bessere Schutz von geistigem Eigentum und vermehrte Käufe von US-Waren und -Dienstleistungen. „Die Frage ist, ob das der Trump-Regierung genügen wird“, sagt Giroux.
 

Einige der Berater des US-Präsidenten, so Giroux, glauben möglicherweise nicht, dass China sich an eine Vereinbarung überhaupt halten würde. Andere mögen es im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen von 2020 für zweckmäßig halten, sich mit Kritik an China hervorzutun. Dennoch sind die politischen Anreize für Trump, mit Peking einen Kompromiss zu schließen, angesichts der wirtschaftlichen Vorteile und der möglichen positiven Auswirkungen auf die Vermögenspreise, die ein erfolgreicher Deal haben könnte, nicht gerade klein, ergänzt Giroux.
 

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist nicht das einzige Risiko


Nach Einschätzung der Investmentexperten von T. Rowe Price könnten noch eine Reihe weiterer geopolitischer Entwicklungen die Volatilität im kommenden Jahr wiederaufleben lassen. Dazu zählen insbesondere:  

  • Brexit: London und Brüssel haben sich inzwischen auf die technischen Details eines britischen EU-Austritts verständigt. Dennoch dürften die Grundprobleme, die eine Einigung so schwer gemacht haben, das Verhältnis zwischen beiden Seiten noch auf Jahre kompliziert machen. Nachdem negative Schlagzeilen die Stimmung der Anleger belastet haben, könnte ein erfolgreicher Deal den britischen Börsen und auch dem Pfund beträchtlichen Auftrieb geben, erklärt Thomson.

  • Italien: Die populistische Koalition, die seit 2018 in Rom regiert, verstößt mit ihren Haushaltsplänen gegen das EU-Defizitkriterium und steht dadurch im Konflikt mit Brüssel. Marktkennzahlen für das Ausfallrisiko signalisieren jedoch, dass die damit verbundenen Befürchtungen (bislang) noch nicht auf andere Peripheriestaaten der Eurozone, wie Spanien und Irland, übergegriffen haben. „Das zeigt, dass die Märkte die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion gegenwärtig noch als relativ gering einschätzen“, sagt Thomson.

  • US-Politik: Obwohl die Demokratische Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus bei den Wahlen im November zurückgewonnen hat, war dieser Ausgang mit den Worten von Giroux „kein sehr relevantes, sondern bestenfalls ein neutrales Ereignis“, da der Senat weiter in den Händen der Republikaner ist. Wirklich von Bedeutung werden seiner Meinung nach die Wahlen von 2020 sein, bei denen es um die Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat sowie um das Präsidentenamt geht.
     

Ängste vor Handelskrieg bringen China-Aktien unter Druck
Relative Renditen der S&P 500-Werte, deren Gewinne am stärksten vom Chinageschäft abhängig sind
Bis 31.10.2018

Die ausgewiesene Wertentwicklung der Titel, deren Gewinne am stärksten vom Chinageschäft abhängig sind, bezieht sich  auf ein Portfolio aus 15 gleich gewichteten Unternehmen des S&P 500-Index, wobei es sich um die Unternehmen handelt, die den höchsten Teil ihrer Umsätze in China erzielen (Stand 27.08.2018).
Quellen: Strategas Research Partners, FactSet Research Systems und T. Rowe Price; alle Datenanalysen von T. Rowe Price.
 

Disruption kann auch Chancen eröffnen

Die Zunahme der Volatilität, die wir 2018 an den weltweiten Börsen – und insbesondere an den Aktienmärkten – erlebt haben, dürfte 2019 anhalten, getrieben von einer schwächeren wirtschaftlichen Dynamik, knapperer Liquidität, geldpolitischen Divergenzen und politischen Risiken. Unterdessen werden technologische Innovationen und ein verschärfter Wettbewerb in zahlreichen globalen Branchen weiterhin etablierte Marktführer in Bedrängnis bringen.
 

In diesem weniger freundlichen Umfeld haben die Märkte, wie McCormick anmerkt, begonnen unerwünschtes Verhalten zu sanktionieren. Ins Visier geraten beispielsweise überschuldete Unternehmen und antiquierte Geschäftsmodelle, aber auch inflationsanfällige staatliche Schuldner. Infolgedessen spielen titelspezifische Risiken zunehmend eine entscheidende Rolle. Durch sie können sich aktiven Anlegern Chancen eröffnen, auf temporär ermäßigtem Niveau in attraktive Vermögenswerte zu investieren. Gründliches Research und solide Fundamentalanalysen sind hierfür unverzichtbar.
 

„Keine Frage, die Märkte werden gegen Ende des Zyklus in aller Regel schwieriger“, sagt McCormick. „Für Anleger kann das aber auch eine sehr gute Zeit sein, um sich strategisch zu positionieren.“
 

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Wichtige Informationen

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