Eine neue Ära großzügiger Haushaltspolitik?

Quentin Fitzsimmons , Portfolio Manager

Einmal im Monat überprüfen unsere Anleiheexperten mit Unterstützung unserer Analysten und Händler ausführlich das gesamte Chancenspektrum im Bereich der festverzinslichen Anlagen. Dieser Artikel hebt ein bestimmtes Thema hervor, das die Märkte aktuell beherrscht.

Der Trend zu einer tadellosen Haushaltspolitik scheint 2018 neue Höchststände erreicht zu haben, doch inzwischen sind Anzeichen für eine nachlassende Budgetdisziplin erkennbar. Diese Trendwende ist zum Großteil auf den wachsenden Populismus zurückzuführen, der durch den Druck, auch in schwierigen Zeiten die Wachstumsraten aufrechtzuerhalten, erheblich begünstigt wurde. Bei unseren letzten Sitzungen zur Anlagepolitik erörterte das Anlageteam diese Entwicklung und untersuchte ihre langfristigen Folgen für die Anleihemärkte.
 

Der Populismus hat in den letzten Jahren zahlreiche Industrieländer erfasst. Zu den Folgen zählten die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, die Entscheidung Großbritanniens für den Austritt aus der Europäischen Union und zuletzt in Italien die Bildung einer Koalitionsregierung aus den beiden Protestparteien Lega und Fünf-Sterne-Bewegung. In einigen Ländern werden seitdem Konjunkturpakete verabschiedet, die auf positive Reaktionen der Wähler abzielen, für eine konservative Fiskalpolitik jedoch eine Gefahr darstellen.
 

„Es ist beunruhigend, wenn Länder von einer besonnenen Haushaltspolitik abweichen“, erklärte Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager und Mitglied des Anlageteams für globale Anleihen. Die Ratingagenturen sehen dies ähnlich und haben auf die Pläne der italienischen Regierung für Steuersenkungen und eine Erhöhung der Sozialausgaben zuletzt mit Senkungen ihre Prognosen und Herabstufungen des Länderratings Italiens reagiert.
 

„Weitere negative Ratingmaßnahmen in Bezug auf Italien können nicht ausgeschlossen werden“, so Quentin Fitzsimmons. „Der Haushaltsplan der Koalition ist lediglich mit einer Stabilisierung der öffentlichen Schuldenquote vereinbar; er lässt jedoch keinen fiskalpolitischen Spielraum, um auf Schocks zu reagieren.“ Mit einer Verschuldungsquote von über 130% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steht Italien unter den am stärksten verschuldeten Ländern der Eurozone nach Griechenland an zweiter Stelle. Daher überrascht es nicht, dass die Märkte für Anlagen in italienischen Anleihen jetzt eine höhere Prämie verlangen. Das Team kam zu dem Schluss, dass die Spreads hoch bleiben dürften. Zudem dürfte die Volatilität erst nachlassen, wenn die Koalitionsregierung einige ihrer Pläne für steigende Ausgaben begrenzt.

Es ist beunruhigend, wenn Länder von einer besonnenen Haushaltspolitik abweichen.
- Quentin Fitzsimmons, Portfolio Manager

Das Anlageteam stellte zudem fest, dass auch die britische Regierung zu einer ausgabefreudigeren Politik übergeht, wie der jüngste Haushaltsentwurf des Landes im Oktober gezeigt hat. In Verbindung mit einer höheren Inflation und der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen erscheinen britische Staatsanleihen daher mittelfristig besonders anfällig für Kursverluste.
 

In den USA hat die Regierung die fiskalpolitischen Schleusen durch Steuersenkungen und eine Reihe von Ausgabeprogrammen bereits geöffnet, was dazu beigetragen hat, dass das Defizit im letzten Haushaltsjahr bis September 2018 um fast 17% gestiegen ist. Nach Angaben des Congressional Budget Office, der zuständigen Behörde des US-Kongresses, könnte das jährliche Haushaltsdefizit bis 2022 ein Niveau von USD 1,2 Bio. bzw. 5,3% des BIP übersteigen. Die Haushaltslage der USA verschlechtert sich derzeit deutlich, und das Anlageteam stellte sich die Frage, ob der Status von US-Treasuries als sichere Anlage gefährdet sein könnte. „Es kann noch lange dauern, doch wenn sich der Markt irgendwann mit den Folgen hoher Haushaltsdefizite für die künftigen Generationen auseinandersetzt, erscheinen Treasuries mit längeren Laufzeiten besonders stark gefährdet“, erläuterte Quentin Fitzsimmons.
 

Unter den Schwellenländern erlag zuletzt vor allem Indien der Versuchung einer großzügigeren Fiskalpolitik. Vor den voraussichtlich hart umkämpften Wahlen im nächsten Frühjahr versucht die indische Regierung, die Gunst der Wähler durch höhere Staatsausgaben zu gewinnen. „Die Ausgabefreudigkeit der indischen Regierung geht zulasten der Haushaltsdisziplin“, so Quentin Fitzsimmons. „Die Reaktion der Anleger auf diese Negativentwicklung hat zu Kursverlusten bei indischen Anleihen und der Rupie geführt, deren Bewertungen inzwischen jedoch moderat attraktiv erscheinen.“
 

China wiederum ist ein Sonderfall, da sich das Haushaltsdefizit des Landes nach der Verschlechterung im Jahr 2016 nie wirklich erholt hat. Die chinesische Regierung befindet sich ganz offensichtlich in einem Dilemma: Sie will einerseits ihr Haushaltsdefizit verringern, andererseits aber auch die Steuern senken und die Ausgaben steigern, um die schwächelnden Wirtschaft zu stützen. „Wir erwarten zwar nicht, dass der chinesische Renminbi die wichtige Schwelle von 7 gegenüber dem US-Dollar überschreitet. Doch die chinesischen Behörden könnten sich durchaus zu diesem Opfer gezwungen sehen, wenn sie die Konjunktur tatsächlich unterstützen wollen“, erklärte Quentin Fitzsimmons.

Abbildung 1: US-Staatshaushalt dürfte sich weiter verschlechtern
Stand: 14. November 2018

Quellen: Congressional Budget Office (CBO). Historische Daten von September 1968 bis September 2017.

Prognosen von September 2018 bis September 2028. Prognosen aus „The 2018 Long-Term Budget Outlook“, Juni 2018.

Die tatsächlichen Ergebnisse können abweichen, und die Informationen sollten nicht als Garantie betrachtet oder als Entscheidungsgrundlage verwendet werden.

Wenn sich der Markt irgendwann mit den Folgen hoher Haushaltsdefizite für die künftigen Generationen auseinandersetzt, erscheinen Treasuries mit längeren Laufzeiten besonders stark gefährdet.
- Quentin Fitzsimmons, Portfolio Manager

Auf strategischer Ebene kam das Anlageteam zu dem Schluss, dass sich die Finanzmärkte möglicherweise an einem Wendepunkt befinden, an dem die lockere Geldpolitik durch fiskalpolitische Impulse, erhöhte Staatsausgaben und Steuersenkungen abgelöst wird. Ausschlaggebend hierfür ist unter anderem die wachsende Erkenntnis, dass die Geldpolitik bei der Erhöhung der weltweiten Wachstumsraten die erhoffte Wirkung letztlich erzielt hat und dass die Zentralbanken auf diese Einschätzung mit Zinserhöhungen reagieren.
 

201811‑660056                

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