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Absichern oder nicht?

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA

WICHTIGSTE PUNKTE

  • Anleger, die eine Diversifizierung auf internationaler Ebene anstreben, müssen sich entscheiden, ob sie ihre Exposure gegenüber auf Fremdwährungen lautenden Anlagen absichern wollen oder nicht.

  • Früher war es sinnvoll, konservative Anlagen abzusichern, um das Währungsrisiko auszuschalten. Aufgrund der Zinserhöhungen durch die US Federal Reserve ist es jetzt allerdings wesentlich teurer, auf Dollar lautende Anlagen gegenüber europäischen Währungen abzusichern.     

  • Im Anlageumfeld unserer Zeit müssen Anleger aus Großbritannien, der Schweiz und der Eurozone bei ihrem Streben nach Diversifizierung kreativ sein.
     

Harry Markowitz bezeichnete Diversifizierung als „das einzige, was man in der Finanzwelt umsonst bekommt“. Sie ist ein wichtiges Tool zur Risikominderung. Während jeder Anleger, der sein Portfolio diversifizieren möchte, die Vorteile internationaler Anlagen problemlos versteht, kann die Frage, ob Fremdwährungen abgesichert werden sollten, schwieriger zu beantworten sein.
 

Die jüngsten Entwicklungen am Markt haben diese Entscheidung noch weiter erschwert - besonders die Zinserhöhungen der US Federal Reserve (Fed).
 

GIBT ES EINE FAUSTREGEL?

Eine Faustregel lautete traditionell, konservative Anlagen in Fremdwährungen grundsätzlich abzusichern.
 

In einem gut diversifizierten Portfolio spielt jede Anlage eine Rolle: riskante Anlagen sollen für Wachstum sorgen, hochverzinsliche Anlagen sollen Einkommen generieren und konservative Anlagen sollen das Risiko mindern.
 

Riskante Anlagen wie z. B. Aktien bleiben riskant, egal ob das Währungsrisiko abgesichert ist oder nicht. Es ist also am besten, in Ihrem eigenen Ermessen auf der Basis Ihrer Meinung zur Entwicklung der Währung zu entscheiden.
 

Sollten Sie allerdings in konservative, auf Fremdwährungen lautende Anlagen investieren, ohne das Währungsrisiko abzusichern, könnten sich diese Anlagen aufgrund des Währungsrisikos von konservativen in riskante Anlagen verwandeln und so ihre Rolle in Ihrem Portfolio verlieren.
 

DIE STEIGENDEN KOSTEN FÜR ABSICHERUNG

Das ist das Grundprinzip. In der Praxis hat sich die Situation für die Absicherung des Währungsrisikos jedoch aufgrund der abweichenden Politiken der Zentralbanken geändert. Während die Zinsen in Europa und Großbritannien so niedrig bleiben wie nie zuvor, hat die Fed ihre Zinsen in den letzten Jahren angehoben. So entstand ein neues Problem für die Anleger, da die Kosten für die Absicherung von Währungen der Differenz zwischen den kurzfristigen Zinsen der Basis- und der Fremdwährungen entsprechen.
 

Wir wollen davon ausgehen, dass die Basiswährung Ihres Portfolios der Euro ist und Sie 10 Mio. $ in US-Aktien anlegen. Wenn Sie die Exposure gegenüber dem US-Dollar absichern, ist das, als würden Sie 10 Mio. $ leihen und den Betrag in Euro anlegen. Sie zahlen auf den ausgeliehenen Betrag Zinsen in Dollar und erhalten auf die Einlage Zinsen in Euro.
 

Abbildung 1 zeigt die geschätzten Kosten für eine Absicherung von Dollar gegenüber dem Euro, dem Pfund Sterling und dem Schweizer Franken. Seit 2015 ist es wesentlich teurer geworden, auf Dollar lautende Anlagen gegenüber europäischen Währungen abzusichern.
 

Abbildung 1: Geschätzte Kosten für die Absicherung des US-Dollars gegenüber anderen Währungen

 

Quellen: Quelle:  Bloomberg Finance L.P. ICE LIBOR USD 3 Monate, ICE LIBOR EUR 3 Monate, ICE LIBOR GBP 3 Monate, ICE LIBOR CHF 3 Monate. Die Kosten für die Absicherung werden in jeder Währung auf der Basis des 3-Monats Libor abzüglich des 3-Monats US Dollar-Libor berechnet.
 

Das Problem für Anleger in der Eurozone, Großbritannien und der Schweiz ist, das ein großer Teil internationaler Anlagen auf US-Dollar lautet. Die Währungsexposure dieser Anlagen abzusichern könnte sich negativ auswirken. Sollte die Fed ihre Zinsen weiter erhöhen, während die Zentralbanken in Europa und Großbritannien zurückbleiben, werden diese Kosten noch steigen.
 

Anleger in der Eurozone und der Schweiz sind noch mit einer andere Herausforderung konfrontiert: Sie erhalten nicht nur keine Zinsen auf Bareinlagen, sondern müssen die Banken sogar für ihre Einlagen bezahlen. So fordern die Banken in der Schweiz beispielsweise einen Strafzins von 0,75 %.
 

Die Zeiten, in denen Zahlungsmittel langweilig waren, sind längst vorbei.
 

VERGESSEN SIE ALLES, WAS SIE ZU WISSEN GLAUBEN

Wenn Sie darüber entscheiden, ob Sie riskante Anlagen, die auf Fremdwährungen lauten (z. B. Aktien), absichern wollen, ist es wichtig, zusätzlich zur Entwicklung der Währung auch die Absicherungskosten zu berücksichtigen.
 

Bei konservativen Anlagen wird die Frage der Absicherung immer komplizierter. Eine Lösung ist, konservative Anlagen zu wählen, die auf Ihre Basiswährung lauten. Nicht alle inländischen Märkte verfügen jedoch über die Breite und Tiefe des internationalen- oder des US-Marktes. So bieten sich beispielsweise am Geldmarkt und am Markt für Anleihen mit extrem kurzen Laufzeiten in Europa möglicherweise weniger Chancen als in den USA.
 

Es könnte die beste Lösung sein, ein Portfolio mit Rendite in US-Dollar aufzubauen. Das wäre nach der Absicherung immer noch eine bessere Alternative als Ihre Basiswährung.
 

Wenn Sie auf Bareinlagen in Ihrer Basiswährung z. B. 0,4 % zahlen, könnten Sie ein auf US-Dollar lautendes Portfolio aus Geldmarktinstrumenten und Wertpapieren mit extrem kurzer Laufzeit aufbauen, das eine Rendite von 3,1 % generiert. Nach Abzug der Kosten für die Absicherung wäre der Ertrag gleich null - immer noch besser, als Ihrer Bank 0,4 % dafür zu zahlen, dass Sie Ihr Geld aufbewahrt.
 

Wir leben in interessanten Zeiten, in denen die Währungsabsicherung teuer sein kann und selbst Bareinlagen Anlagen mit negativer Rendite werden können. In diesem Umfeld macht sich Kreativität bezahlt.
 

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