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Besser wird‘s nicht mehr

Nikolaj Schmidt , Internationaler Chefökonom

 

Was sagen die neuesten Daten über den Zustand der Weltwirtschaft?

Sie schwächelt. Um die Jahreswende waren die Zahlen noch recht kräftig. Seitdem haben sie sich jedoch zum Negativen verändert. Ein Grund hierfür war der Anstieg des Ölpreises, der einer den Verbrauchern auferlegten Steuer gleichkommt. In der Vergangenheit konnten die Auswirkungen höherer Ölpreise auf die Verbraucher durch einen Anstieg der Investitionen im Energiesektor aufgefangen werden, aber dieses Mal legen die Energieunternehmen den Fokus weniger auf Investitionen als auf die Generierung von freien Cashflows.

 

Ein weiterer Grund besteht darin, dass der letztjährige Höhenflug der Unternehmensgewinne, der zu beschleunigten Investitionen führte, nun weitgehend abgeklungen ist. Ein weiterer Faktor, der die Kapitalbildung - und somit das Wachstum - behindert, hat seine Ursache in der höheren Volatilität des Marktes und dem ständigen Gerede über Handelskriege. Und schließlich scheint der Schuldenabbau, der in China vor sich geht, nun Auswirkungen zu haben, nachdem das Land im ersten Quartal positiv überrascht hatte.

 

Was die Zukunftsperspektiven angeht, so ist unsere Prognose pessimistischer als der Marktkonsens, da unsere wichtigsten hauseigenen Indikatoren sämtlich auf fortgesetzte Verlangsamung hindeuten - und dieses Signal wird noch durch die Besorgnis erregenden Aussichten in der weltweiten Handelspolitik verstärkt.

 

Wie steht es um die Wirksamkeit der steuerlichen Anreize von Präsident Trump?

Einige Auswirkungen lassen sich bereits erkennen, und dies trotz der Schwierigkeit festzustellen, wann genau sich steuerliche Unterstützung auf eine Volkswirtschaft auswirkt. Meines Erachtens haben die Steuersenkungen bereits den Konsum gefördert, der sich auf einem hohen Stand befindet, obwohl die Realeinkommen nicht besonders schnell steigen. Die Zahlen lassen vermuten, dass der Einfluss der Trumpschen Fiskalmaßnahmen auf die amerikanische Wirtschaft im 4. Quartal dieses Jahres am deutlichsten zu Buche schlagen wird, bevor er im Verlauf 2019 wieder abnimmt.

 

Insgesamt bin ich der Meinung, dass die USA im Moment ganz gut in Form sind. Aber besser wird es wohl nicht mehr. Meiner Ansicht nach wird es in den Vereinigten Staaten zu einem Wirtschaftsabschwung kommen. Vermutlich wird es sich dabei nicht um eine dramatische Verschlechterung handeln, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Unsicherheit in Bezug auf Handelsbeziehungen das Vertrauen der Geschäftswelt beschädigt, und das wird Auswirkungen haben.

 

Wer wird am meisten unter einem von Trump angeführten Zollkrieg zu leiden haben - die USA oder andere Länder?

Eines steht auf jeden Fall fest: Zölle sind für niemanden gut. Es gibt keinen Gewinner. Wer am meisten darunter zu leiden hat, hängt davon ab, wie viele solche Konflikte Trump anzettelt. In einem Handelskrieg zwischen den USA und China allein wird China die meisten Federn lassen, denn seine Volkswirtschaft ist kleiner und es befindet sich bereits im Abschwung. Wenn Trump jedoch anfängt, die ganze Welt mit Zöllen zu belegen, wird wohl die Wirtschaft der USA am meisten zu leiden haben - je mehr Kämpfe man ausficht, desto mehr Schmerzen fügt man sich selbst zu. Wenn umfassende Zölle eingeführt werden, werden sich die schmerzhaften Auswirkungen über die ganze Welt verbreiten, jedoch ungleich verteilt sein: kleine, fertigungsbasierte Volkswirtschaften wie Südkorea, Taiwan, Thailand und vielleicht Mittel- und Osteuropa werden wohl am stärksten betroffen sein.

 

Im Zusammenhang mit Handelskriegen ist der entscheidende Punkt, dass gewöhnlich nicht der direkte Einfluss der Zölle selbst den meisten Schaden verursacht, sondern die daraus entstehenden Ängste. Als CEO eines Großunternehmens, der sich überlegt, ob

 

er 1 Milliarde USD in irreversible Investitionen stecken soll, werden Sie wissen wollen, ob Sie in sechs Monaten auch noch mit Mexiko Handel treiben können, und zu welchen Bedingungen. Ohne Klarheit darüber werden Sie kaum Ausgabenverpflichtungen eingehen wollen. Daher wird der tatsächliche Einfluss der von Trumpf vorgeschlagenen Zölle gemessen am weltweiten BIP nicht so erheblich sein, wohingegen sie jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach das Geschäftsvertrauen beschädigen werden. Der indirekte Verlust an Weltwirtschaftswachstum infolge geringerer Investitionen könnte somit viel größer ausfallen als der durch die Zölle an sich verursachte Verlust.

 

Was werden die Chinesen unternehmen, um einen solchen Rückgang in den Griff zu bekommen?

Der Kreditimpuls (die Veränderung der Kreditexpansion im Verhältnis zum BIP) in China gibt nach. Die Behörden versuchen seit einiger Zeit, die Verschuldung zu reduzieren, was jedoch zur Überraschung vieler das Wachstum nicht sofort negativ beeinflusste. Dies lässt sich wohl wie folgt erklären: In Vorwegnahme des Wechsels an der Regierungsspitze, den der chinesische Volkskongress bestätigen sollte, stützten die Staatsausgaben das Wachstum in erheblichem Maße, wodurch der negative Einfluss des Schuldenabbaus effektiv ausgeglichen wurde. Nun hat sich der Einfluss der staatlichen Investitionen gelegt und die Auswirkungen der Schuldenreduzierung werden wirklich erkennbar.

 

Nach ihrer stümperhaften Antwort auf den Börsenkrach von 2015 in ihrem Land haben die chinesischen Behörden gezeigt, wie hochgradig kompetent sie wirtschaftlich agieren können. Allerdings meine ich, dass das Vertrauen in ihre Fähigkeit, dies weiterhin zu tun, jetzt auf den Prüfstand gestellt wird. Ihre Antwort auf die derzeitige Situation ist jedenfalls eher langsam und reaktiv. Der nachlassende Kreditimpuls im Zusammenspiel mit dem steigenden Ölpreis - China ist ein großer Ölimporteur - führt zu Kaufkraftverlust. Das bremst das Wachstum. Ich gehe davon aus, dass die Regierung sich weiterhin eher reaktiv als proaktiv verhalten wird, d.h. sie wird nicht wie früher riesige Infrastrukturprojekte in Angriff nehmen, um das Wachstum anzukurbeln.

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