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US-Dollar: Stellt der Richtungswechsel die Welt auf den Kopf?

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA

WICHTIGSTE PUNKTE

  • Der US-Dollar hat im April seine Richtung geändert. Nun lautet die große Frage, ob der neue Trend von Dauer sein wird.
  • Ein starker Dollar hat für die Finanzmärkte und die Anleger – vor allem, wenn sie US-Anlagen halten – weitreichende Folgen.
  • Eine hohe US-Währung hat beispielsweise potenzielle Folgen für die Schwellenmärkte, die Rohstoffpreise und die Gewinne der US-Unternehmen.

Die Finanzmärkte könnten bereits Mitte April eine fundamentale Wende erlebt haben. Nachdem der Dollar im letzten Jahr gegenüber den wichtigsten Weltwährungen etwa 10% seines Werts verloren hatte, notierte er im ersten Quartal 2018 praktisch seitwärts – und schoss ab Ende März um mehr als 4% nach oben1. Ist das der Beginn einer neuen Ära?

 

Die Triebkräfte an den Währungsmärkten

Im letzten Jahr gab es verschiedene gute Gründe, die eine Dollaraufwertung gerechtfertigt hätten. So verzeichnete die US-Wirtschaft höhere Wachstumsraten als die EU, Großbritannien und Japan, weshalb die US-Notenbank (Fed) erste Zinsanhebungen vornahm, während die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) ihren Leitzins beibehielten bzw. die Bank of England (BoE) nur einen Zinsschritt im November vornahm. Dadurch entstand eine positive Zinsdifferenz zugunsten des Dollar. Und dennoch wertete die US-Währung nicht auf – sondern weiter ab.

 

Rückblickend ist es einfach zu erklären, warum der Doller im letzten Jahr schwächelte. Zum einen ließen in Europa die politischen Spannungen nach, während zugleich die Wirtschaft Fahrt aufnahm. Das hatte zur Folge, dass immer mehr Anleger davon ausgingen, dass die EZB ihr massives Anleihenkaufprogramm schneller beenden wird als erwartet. Zum anderen zeigten sich bei den Brexit-Verhandlungen erste Erfolge, sodass sich das britische Pfund von seinem Kurseinbruch nach dem Referendum allmählich erholte. Auf der anderen Seite des Atlantiks kamen nach der Wahl von Donald Trump hingegen erste Unsicherheiten in Bezug auf den politischen Kurs der USA auf. Zwar war die Lage in den USA alles andere als schlecht – andernorts war sie jedoch zunehmend besser.

 

Der Dollar am Wendepunkt

Der Richtungswechsel beim Dollarkurs wurde möglicherweise bereits im April eingeläutet, als die ersten Anzeichen auftauchten, dass das synchrone globale Wirtschaftswachstum möglicherweise schwächelt. Während die Prognosen, gestützt auf die jüngste Steuerreform, von einer Beschleunigung der US-Konjunktur ausgehen, gibt es für Europa und Großbritannien Anzeichen für eine Abkühlung. Wenn man die fortschreitende Zinsnormalisierung in den USA mitberücksichtigt, so hat der Dollar möglicherweise tatsächlich gerade einen Wendepunkt passiert hat. Die EZB hingegen dürfte den Leitzins frühestens im zweiten Halbjahr 2019 anheben – und in Japan ist eine Zinswende bislang in weiter Ferne. Derweil ist die globale Stimmung heute instabiler als noch im letzten Jahr, weshalb einige Anleger den Dollar als «sicheren Hafen» ansteuern. Letztlich werden die Wechselkurse durch Angebot und Nachfrage bestimmt, und diese wiederum hängen von einer ganzen Reihe an Faktoren ab.

 

Entwicklung der wichtigsten Weltwährungen (USD, EUR, GBP und JPY) seit Januar 2016

 

 

Quelle: T. Rowe Price und Bloomberg Index Services, Inc. (1. Januar 2016 bis 10. Mai 2018). Der US-Dollar-Index berechnet den Dollarwert anhand der durchschnittlichen Wechselkurse gegenüber den wichtigsten Weltwährungen. Die Angaben für den Euro, das Pfund und den Yen spiegeln die Wechselkurse dieser Währungen gegenüber dem US-Dollar wider. Alle Indizes wurden am 31. Dezember 2015 zur besseren Vergleichbarkeit auf 100 indexiert.

 

Ein starker Dollar – vier mögliche Folgen

1. Ein starker Dollar hat für die Finanzmärkte und die Anleger – vor allem, wenn sie US-Anlagen halten – weitreichende Folgen. Nehmen wir die Performance des S&P 500 Index im Jahr 2018 als Beispiel. Auf Dollarbasis erzielte der Index seit Jahresbeginn eine Rendite von rund 2,7% – in Euro waren es hingegen ganze 4,8% und in Yen gerade mal 1,2%. Daran zeigt sich deutlich, welch großen Einfluss die Währungsentwicklung auf die Rendite hat. Aufgrund des Volumens der globalen Kapitalanlagen, die auf den Greenback lauten, hat das im Falle der US-Währung besonders weitreichende Folgen.

 

Allerdings lassen sich Währungsrisiken auch steuern. Für Portfoliomanager ist es relativ einfach, Währungsrisiken mit Derivaten (z. B. Terminkontrakten) abzusichern, sodass die Anleger währungsgesicherte Fondsanteile erwerben können. Die Herausforderung liegt in den Zinsdifferenzen zwischen den USA und anderen Ländern, die die Kosten einer Absicherung erhöhen. Wenn der Leitzins in den USA beispielsweise 1,75% und in Europa 0% beträgt, dann kostet ein Hedging des Dollars gegenüber dem Euro mehr als 1,75%, was bei den aktuell niedrigen Renditen teuer ist.

 

2. Auch für die Schwellenländer ist ein starker Dollar ein Belastungsfaktor, da sie stark von den Kapitalzuflüssen aus dem Ausland abhängen, um ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Wenn nun der Greenback aufwertet und die US-Zinsen gleichzeitig anziehen, ist damit zu rechnen, dass Kapital aus den Schwellenländern in die USA abfließt. Ein weiteres Problem für die Schwellenländer besteht darin, dass eine schwächere Lokalwährung (wenn der Dollar an Wert gewinnt, werten die Währungen der Handelspartner in der Regel entsprechend ab) die Tilgung ihrer auf Dollar lautenden Schulden erschwert.

 

3. Ein starker Dollar wirkt sich auch auf die Rohstoffpreise aus. Normalerweise besteht zwischen dem Wert des Dollars und den Rohstoffpreisen ein inverses Verhältnis. So sind die Preise bei einem steigenden Dollarkurs bislang immer gesunken. Fallende Rohstoffpreise könnten schwerwiegende Folgen haben – so beispielsweise für die Unternehmensgewinne, die Inflation oder den Wohlstand der einzelnen Volkswirtschaften. Denn rohstoffimportierende Länder profitieren davon, während umgekehrt die exportierenden Staaten Verluste machen.

 

4. Auch für die Weltwirtschaft hat eine starke US-Währung Folgen. Eine Dollaraufwertung könnte die Gewinne der US-Unternehmen mit hohem Auslandsumsatz belasten, während auf der anderen Seite europäische und asiatische Betriebe mit hohen Exporten in die USA davon profitieren. Das hat nicht nur potenzielle Konsequenzen für die Unternehmensgewinne, sondern auch für den Arbeitsmarkt, da sich dadurch die Beschäftigungstrends und die Investitionen verschieben. In der Folge könnte jenseits des Atlantiks die Inflation (aufgrund niedriger Importpreise) sinken – und diesseits des Atlantiks entsprechend anziehen, was wiederum den Kurs der Notenbanken beeinflussen könnte. Nicht zuletzt hat die Entwicklung des Dollars auch Einfluss auf die Stimmung und das Verhalten der Verbraucher. So wird das Konsumklima in den verschiedenen Ländern entweder eintrübt oder, umgekehrt, beflügelt.

 

Sollten Anleger jetzt alles auf den Prüfstand stellen?

Ein Kurswechsel des US-Dollars, der weltweit am weitesten verbreiteten Währung, hätte weitreichende Folgen – für die Anleger, die Entwicklung einiger Assetklassen und die Weltwirtschaft. Die Anleger sollten genau untersuchen, ob ihre Portfolios so aufgestellt sind, dass sie von einer Dollaraufwertung profitieren, und entscheiden, ob sie entsprechende Währungsrisiken absichern wollen. Ein derart folgenreicher Trendwechsel sollte jedenfalls zu einer genauen Prüfung des Portfolios führen.

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1Stand: 22. Mai 2018. Quelle: Bloomberg. Verwendung mit Genehmigung durch Bloomberg Finance L.P.

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