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Aktien, Anleihen und der Faktor Trump

Yoram Lustig , Head of Multi-Asset Solutions, EMEA
WICHTIGSTE PUNKTE
 
  • Anleger gehen traditionell davon aus, dass Aktien und Anleihen nicht sehr stark korrelieren und sich gewöhnlich in entgegengesetzte Richtungen entwickeln. Im wahren Leben ist das nicht immer so.
 
  • Mitunter heißt das: Wenn Sie einfach Aktien mit Staats- oder anderen erstklassigen Anleihen kombinieren, bringt dies möglicherweise keine Diversifizierungsvorteile für die Portfolios Ihrer Kunden mit sich.
 
  • Nun verlagert der Markt sein Augenmerk aber von der Inflationsangst auf die Sorge über die von Donald Trump möglicherweise angezettelten Handelskriege, sodass es zu einem Comeback des traditionellen Musters kommen könnte. Das könnte wiederum Einfluss darauf haben, wie Sie Ihre Kunden in Sachen Portfolioaufbau beraten.

KORRELATION VON AKTIEN UND ANLEIHEN

 

Gleitende 12-Wochen-Korrelation zwischen dem MSCI World Index (Aktien) und dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index (Anleihen) vom 23. August 2000 bis zum 5. April 2018. Quelle: Bloomberg. Verwendung mit Genehmigung durch Bloomberg Finance L.P.delink

 

Anleger sahen es gewöhnlich als selbstverständlich an, dass sich Aktien und Anleihen in der Regel in entgegengesetzte Richtungen entwickelten. Aktien und Anleihen in den Portfolios Ihrer Kunden zu kombinieren bot gute Möglichkeiten zur Diversifizierung, denn wenn die Aktienmärkte sanken, stiegen Anleihen normalerweise im Wert und umgekehrt. In den letzten Jahren konnte man sich darauf mitunter aber nicht mehr verlassen.  Nun könnten ausgerechnet US-Präsident Donald Trumps Experimente und handelspolitischen Muskelspiele die negative Korrelation wiederherstellen – jedenfalls vorübergehend.

 

Die Grafik stellt die Korrelation zwischen globalen Aktien und globalen Investment-Grade-Anleihen (Kombination aus Staats- und Unternehmensanleihen) dar.  Eine Korrelation von -1 würde eine perfekte inverse Beziehung bedeuten, eine Korrelation von +1 hingegen, dass sich Aktien und Anleihen exakt gleich verhalten. Eine Korrelation von 0 würde bedeuten, dass sie in keinem Verhältnis zueinander stehen – relativ zueinander würden sie sich ohne irgendein erkennbares Muster bewegen. Die Grafik verdeutlicht, dass die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in der Vergangenheit häufig negativ, in den letzten Jahren aber weniger stabil war.

 

WENN AKTIEN UND ANLEIHEN DIVERGIEREN

 

Aktien entwickeln sich gewöhnlich gut, wenn die Marktteilnehmer der Ansicht sind, dass die Wirtschaft wachsen wird. Ein solches Umfeld kann Staatsanleihen stark belasten, weil die Anleger davon ausgehen, dass die Inflation und die Zinssätze zulegen werden. Wenn der Markt einen Konjunkturabschwung erwartet, schneiden Aktien im Allgemeinen schlecht ab. Das kann Anleihen positive Impulse geben, weil die Inflation und die Zinssätze letztlich allmählich sinken würden. Eine Flucht in Qualität, wenn Anleger in Panik geraten, Risikoanlagen abstoßen und die Sicherheit erstklassiger Staatsanleihen sehr zu schätzen wissen, sodass sie deren Kurse in die Höhe treiben und die Renditen stark drücken, kann zu einer noch besseren Entwicklung von Anleihen führen. In der Vergangenheit eigneten sich Staatsanleihen daher normalerweise dazu, Aktienrisiken zu diversifizieren. Sie waren so etwas wie eine Versicherung gegen Aktienrisiken, doch anstatt für diese Versicherung zu zahlen, erzielten die Anleger Couponerträge.

 

WENN DIE NEGATIVE KORRELATION NICHT MEHR BESTEHT

In letzter Zeit ist eine steigende Inflation als eines der Hauptrisiken für die Finanzmärkte wieder stärker ins Blickfeld gerückt, da sie die Zentralbanken dazu drängen könnte, die Zinssätze schneller zu erhöhen als erwartet.  Die Anleger sorgen sich, dass dies nicht nur Aktien aus dem Tritt bringen, sondern auch ein ungünstiges Umfeld für Staatsanleihen schaffen könnte. Wenn sowohl Aktien als auch Anleihen sinken, wird die Korrelation zwischen ihnen positiv, und Staatsanleihen verlieren ihre traditionelle Bedeutung als Diversifizierung für Aktienrisiken.

 

TRUMPS HANDELSKRIEGE

 

In den letzten Wochen sind nicht mehr die Inflation und US-Zinserhöhungen, sondern drohende Handelskriege das Hauptrisiko für die Finanzmärkte. Die Regierung Trump hat neue Zölle auf Importe in die USA eingeführt und die Angst geweckt, dass China im Gegenzug Vergeltungsmaßnahmen ergreifen könnte. Ein globaler Handelskrieg könnte das weltweite, synchronisierte Wirtschaftswachstum bremsen. In diesem Szenario könnten Aktien unter Druck geraten, während sich Staatsanleihen gut entwickeln dürften. Die Korrelation zwischen diesen beiden Anlageklassen könnte wieder negativ werden. Für Multi-Asset-Anleger würden sich daraus Möglichkeiten zu Wertsteigerungen für Kundenportfolios ergeben.

 

FAZIT

 

Wir sehen Belege für ein Comeback der negativen Korrelation. Die Aktienmärkte haben zuletzt an Boden verloren, während die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen gesunken sind. Aktien mit Staatsanleihen zu kombinieren ist wieder eine sinnvolle Vorgehensweise. Die Renditen der Staatsanleihen sind aber nach wie vor recht niedrig (rund 2,8% in den USA, 1,4% in Großbritannien und nur 0,5% in Deutschland, Stand: 12. April). Das bedeutet, dass bei ihnen möglicherweise kein größerer Spielraum für Wertsteigerungen durch höhere Kurse mehr besteht. Niedrige Renditen deuten auch darauf hin, dass beim Kauf einer „Versicherung“ in Form von Staatsanleihen die Couponzahlung, die Anleger erhalten, nicht mehr so hoch sein wird wie noch vor zehn Jahren. In der Vergangenheit haben niedrige Renditen auch den Spielraum für den Rückgang der Renditen (und den Anstieg der Kurse) begrenzt, und das Risiko steigender Zinssätze und sinkender Anleihenkurse besteht nach wie vor.

 

Trotzdem sollten Sie bedenken, welche Auswirkungen dieses sich wandelnde Umfeld auf die Portfolios haben könnte, die Sie für Ihre Kunden erstellen, um diesen zu helfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen.

 

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