Im Handelskonflikt USA-China dürfte Pragmatismus vorherrschen

Chris Kushlis , Kreditanalyst

WICHTIGSTE PUNKTE

  • Die Handelsspannungen zwischen den USA und China nahmen zu, als die Regierung Trump Ende März bekannt gab, chinesische Importe im Wert von angeblich USD 50-60 Mrd. mit Sonderzöllen zu belegen.
 
  • China kündigte daraufhin an, als Vergeltungsmaßnahme Zölle auf US-Importe im Wert von bis zu USD 3 Mrd. zu erheben, was dazu führte, dass beide Seiten in den folgenden Tagen im Wechsel von immer weiteren Zöllen sprachen.
 
  • Trotz des eskalierenden Streits halten wir das Risiko eines ausgewachsenen Handelskriegs zwischen den USA und China für gering.
 
  • Der folgende Artikel erläutert, was bei dem Streit auf dem Spiel steht, welche Ausgänge denkbar sind und warum Technologietransfers weiter für Zündstoff sorgen könnten.

US-VERHANDLUNGSFÜHRER SUCHEN AUSWEG

Mit den Sonderzöllen auf chinesische Importe löst US-Präsident Trump, der China seit Langem für das Ungleichgewicht im Handel mit den USA kritisiert, eines seiner Wahlversprechen ein. Die schlagzeilenträchtigen Zölle einmal außen vor gelassen, suchen die USA und China hinter den Kulissen nach einer Lösung für ihre Handelsdifferenzen.

 

Vertreter der Regierung Trump sind auf ihre chinesischen Kollegen zugegangen und haben ihnen in mehreren Bereichen konkrete Vorschläge unterbreitet. Dazu zählen niedrigere Zölle auf US-Autoimporte, mehr chinesische Käufe von US-Halbleitern und eine Zusage Chinas, die Finanzdienstleistungsbranche des Landes zu öffnen. Weitere mögliche Punkte sind unter anderem ein Abbau des US-Handelsbilanzdefizits im Verhältnis zu China, Lösungen für Technologietransfers und ein besserer Marktzugang für ausländische Unternehmen in einigen Branchen.

 

Entgegen dem harten Kurs, auf den die jüngsten Schlagzeilen hindeuten, haben einige Forderungen der USA mit Bereichen zu tun, die China ohnehin öffnen wollte oder in denen das Land Verhandlungsbereitschaft signalisiert hat. Die USA räumen China zudem eine 30-tägige Vernehmlassungsperiode für die Verhandlungen ein, die noch verlängert werden kann.

Die schlagzeilenträchtigen Zölle einmal außen vor gelassen, suchen die USA und China hinter den Kulissen nach einer Lösung für ihre Handelsdifferenzen.

CHINA SIGNALISIERT BEREITSCHAFT, US-FORDERUNGEN IM DETAIL ZU PRÜFEN

Bis vor Kurzem war es Pekings Mantra, auf Provokationen der Regierung Trump verhältnismäßig und besonnen zu reagieren. Das bedeutet nicht, dass Peking den in Washingtons Presseverlautbarungen ausgelegten Köder schluckt, sondern den inhaltlichen Kern der US-Vorschläge genau prüft, um zu beurteilen, bei welchen Punkten man den USA ruhigen Gewissens entgegenkommen kann.

 

Zu zwei möglichen Vergeltungsmaßnahmen, die Peking ergreifen könnte – Verkauf eines Teils der gewaltigen Bestände an US-Treasuries und Abwertung des Yuan, um chinesische Exporte billiger zu machen –, wird es in unseren Augen wahrscheinlich aber nicht kommen. Beide Maßnahmen könnten den Konflikt mit den USA verschärfen und würden negative Zweitrundeneffekte für China haben. Zudem würden sie Pekings Bemühungen konterkarieren, bei der Auseinandersetzung als „der Klügere“ zu wirken. Immerhin versucht China, dieses Image zu pflegen, um so den eigenen Einfluss in der Welt zu vergrößern.

 

ZÖLLE DÜRFTEN CHINAS WIRTSCHAFT NICHT SCHADEN 

Die Einführung eines Zolls von 25% auf Waren im Wert von USD 50 Mrd. bedeutet Kosten in Höhe von USD 12,5 Mrd. – ein Bruchteil von Chinas Bruttoinlandsprodukt in Höhe von USD 12,2 Bio. Die aus möglichen Zöllen resultierende Unsicherheit und ihr Einfluss auf Investitionsentscheidungen könnten sich mit der Zeit als schädlicher erweisen, auch wenn die langfristigen Auswirkungen schwer zu beziffern sind. Wir schätzen, dass sich die Auswirkungen der Zölle insgesamt auf weit weniger als USD 50 Mrd. belaufen werden. Dies wird jedoch davon abhängen, wie Verbraucher und Hersteller auf veränderte relative Preise reagieren und inwieweit Ersatzprodukte verfügbar sind.

 

Letzten Endes werden die US-Verbraucher, chinesische Produzenten und die Zulieferer im Upstream-Bereich die Kosten der Zölle tragen; wer jeweils wie viel zu zahlen hat, wird je nach Branche variieren. Zum Beispiel könnten chinesische Produzenten die Kosten in voller Höhe auf die US-Verbraucher abwälzen – nicht unwahrscheinlich, wenn nur wenige Ersatzprodukte ohne Weiteres verfügbar sind. Wahlweise könnten chinesische Produzenten auch alle Kostensteigerungen selbst tragen, um ihre Marktanteile zu bewahren.

 

TECHNOLOGIETRANSFER KÖNNTE GRÖSSERES HINDERNIS IN DEN VERHANDLUNGEN SEIN

Angesichts des chinesischen Programms „Made in China 2025“ stehen Technologietransfers von US- zu chinesischen Unternehmen und andere umstrittene Geschäftspraktiken erneut auf dem Prüfstand. Im Rahmen dieser Initiative will Chinas Regierung zehn Hochtechnologiebranchen massiv subventionieren, um chinesische Unternehmen stärker zu fördern. Deshalb wird China von den USA und Europa kritisiert, weil chinesischen Unternehmen unfaire Vorteile gewährt würden.

 

Bereiche, auf die Chinas Programm für 2025 abzielt, sind unter anderem Mikrochips, Robotertechnik, Luft- und Raumfahrtausrüstung und Elektroautos. Wir glauben, dass die potenziellen Streitigkeiten, die aus Chinas Subventionierung dieser Bereiche resultieren, im Verhältnis zu den USA weiterhin für Zündstoff sorgen könnten, vor allem wenn China Überkapazitäten in der Halbleiterbranche schaffen sollte – einem Industriezweig, dem für die Wirtschaft und Sicherheit der USA überaus große Bedeutung beigemessen wird. In naher Zukunft könnten sich die Zölle verglichen mit den möglichen stärkeren Beschränkungen für den Technologiesektor und für chinesische Investitionen in den USA durchaus eher bescheiden ausnehmen.

 

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