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Ist das Ende der Expansion in Sicht?

Nikolaj Schmidt , Internationaler Chefökonom

 

WELCHE URSACHEN HAT DIE JÜNGSTE ABFLACHUNG DER US-RENDITEKURVE?

Renditekurven verflachen in der Regel, wenn eine Zentralbank die Geldpolitik strafft. Insofern ist die jüngste Abflachung der US-Kurve eine recht normale Erscheinung. Die entscheidende Frage lautet jetzt: Ist die US-Notenbank bereit oder in der Lage, auf diese Entwicklung zu reagieren?
 

Bisher handelt die Fed meist nach dem Prinzip: „Nur nichts überstürzen“. Mit Zinsstraffungen hält sie sich bewusst zurück, damit die Wirtschaft vor dem Abbau der geldpolitischen Impulse ausreichend in Schwung kommt.

 


Dieser Ansatz birgt jedoch das Risiko einer derart starken Überhitzung des Arbeitsmarkts, dass eine Rezession erforderlich ist, um den Lohndruck einzudämmen. Im Moment gibt es kaum Hinweise auf zügellose Lohnforderungen, doch die Arbeitslosigkeit ist in den USA sehr niedrig, und das wird irgendwann zu Aufwärtsdruck auf die Löhne führen.
 

Letztlich steht die Fed vor der Wahl, ob sie die Inflation unter Kontrolle bringen oder die Renditekurve steuern will – und bei dieser Frage wird sie sich immer für den Fokus auf die Inflation entscheiden. Meiner Einschätzung nach hinkt die US-Notenbank der Entwicklung jedoch etwas hinterher und wird Schwierigkeiten haben, eine sanfte Wachstumsabkühlung zu erreichen.
 

IST SOMIT DAS ENDE DER WIRTSCHAFTLICHEN EXPANSION IN SICHT?

In Sicht? Auf jeden Fall. Doch steht es unmittelbar vor? Wohl kaum – ich rechne mit dem Ende des aktuellen Aufschwungs erst in rund zwei Jahren oder kurz danach. Obwohl wir uns eindeutig in der letzten Phase des Konjunkturzyklus befinden, ist in naher Zukunft nicht mit dem Ende des Wirtschaftswachstums zu rechnen.
 

Die US-Regierung hat eine prozyklische fiskalpolitische Expansion eingeleitet, die das Wachstum bis ins Jahr 2019 unterstützen dürfte. China scheint nach dem Debakel der Währungsabwertung im Jahr 2015 seine Lektion gelernt zu haben, und die chinesischen Behörden werden meines Erachtens alles Notwendige tun, um eine zu rasche Wachstumsabkühlung zu vermeiden. In Europa hat sich das Wachstum verlangsamt, doch ich halte diese Entwicklung eher für eine leichte Dämpfung der Daten als für einen bedeutenden Abschwung. Teile des Kontinents befinden sich immer noch in frühen Phasen der Konjunkturerholung, und die Geldpolitik bleibt recht locker.
 

Die Endphase einer Expansion wird in der Regel eingeläutet, wenn ein deutlicher Anstieg des Lohnniveaus beginnt. Die niedrige Arbeitslosenquote hat zwar die Voraussetzungen für steigende Löhne geschaffen, doch meiner Ansicht nach hat die Lohninflation noch nicht eingesetzt.
 

IST EIN HANDELSKRIEG ZWISCHEN DEN USA UND CHINA WAHRSCHEINLICH?

US-Präsident Donald Trump scheint mit seinem Verhandlungsansatz den Grundsätzen zu folgen, die er vor Jahren in seinem Buch „Die Kunst des Erfolges“ dargelegt hat: Schlagen Sie zunächst auf Ihren Gegner ein, bis Sie im Vorteil sind. Beispiele hierfür sind seine Drohungen, aus den NAFTA-Verträgen auszusteigen, und seine Pläne für Zölle auf den Handel mit China oder die Importzölle für Stahl und Aluminium (die später für die wichtigsten Handelspartner wieder zurückgenommen wurden). Gleichzeitig hat die Agenda „Made in China 2025“, mit der die chinesische Regierung durch überlegene Technologie eine Vielzahl globaler Sektoren dominieren will, auf dem Capitol Hill scheinbar Alarm ausgelöst. Langfristige strategische Ziele so unverblümt zu formulieren, mag ein politischer Fehler Chinas gewesen sein – „Made in China 2025“ klingt wie eine wirtschaftliche Kriegserklärung, die in den USA niemand mögen wird.

Obwohl die USA und China die Fronten klar abgesteckt haben, handelt es sich bei diesen Debatten möglicherweise vor allem um Imponiergehabe, und schließlich werden sich Peking und Washington wohl auf ein für beide Seiten vorteilhaftes Handelsabkommen einigen. Trump mag davon profitieren, wenn er vor den Halbzeitwahlen eine harte Haltung gegenüber China an den Tag legt. Weitaus vorteilhafter wird es jedoch sein, wenn er rechtzeitig vor den Präsidentschaftswahlen des Jahres 2020 ein Handelsabkommen abschließen kann.

 

WIE WIRD SICH DER JÜNGSTE ANSTIEG DER ÖLPREISE AUSWIRKEN?

Ein Anstieg der Ölpreise kann als Wohlstandsumverteilung von den Ölverbrauchern zu den Ölproduzenten betrachtet werden. Diese Einschätzung ist wichtig, da die Eurozone, Japan und China bedeutende Ölimporteure sind, die durch jede Preiserhöhung benachteiligt werden. Die Länder des Nahen Ostens, Russland und Kolumbien sind dagegen Nettoproduzenten von Erdöl und profitieren daher von höheren Ölpreisen, da ihre Außenhandelsbilanzen steigen.
 

In der Vergangenheit gingen Rezessionen oft mit einem erheblichen Anstieg der Ölpreise einher, doch die Struktur der US-Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert: Die USA haben sich von einem wichtigen Ölimporteur zu einem Land mit einer nahezu ausgeglichenen Erdöl-Handelsbilanz entwickelt. Daher geht es bei den Auswirkungen der steigenden Ölpreise in den USA heute eher um die Umverteilung von den Konsumenten zu den Produzenten als um einen direkten Transfer von den USA in den Rest der Welt. Die Umverteilung zwischen den einzelnen Sektoren kann jedoch auch erhebliche Störungen auslösen, wie sie im Jahr 2015 zu beobachten waren.

 

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